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Ätzend - Über den Umgang mit Fotoätzteilen Drucken
Montag, 14. Februar 2005 um 19:23

Über den Umgang mit Fotoätzteilen - Basisgedanken



Die Idee für diesen Beitrag kam mir durch unterschiedliche Kontakte zu Schiffsmodellbauern, sei es im Internet, bei Treffen unserer IG Waterline oder auf Ausstellungen. Immer wieder kam die Frage nach Fotoätzteilen. Und sie lautete nahezu immer gleich: „Sieht ja toll aus, kann ich das auch?“ Die einfache Antwort ist: „Ja!“ Nichts im Modellbau hat mit Hexerei zu tun, viel mit Geduld, Erfahrung und – ja – dem Mut zum Risiko. So ist es auch mit Fotoätzteilen.
Die Beispielfotos stammen übrigens von meiner USS Enterprise im Maßstab 1:350. Sie wurde hauptsächlich mit dem Ätzsatz von WEM ausgerüstet. Einige Fotos stammen vom meinem derzeitigen Projekt, dem Trumpeter-Libertyschiff, ausgestattet mit dem Fotoätzsatz von Tom‘s Modelworks.
Also, los geht’s.

Irgendwann kommt der Punkt. Da hat man nun jahrelang Schiffsmodelle gebaut, in unterschiedlichen Maßstäben womöglich, hat schon etliche Routine und fragt sich nun: Soll ich oder soll ich nicht? Denn ein Modell sieht mit filigraner Reling oder einem imposanten Gittermast und Radaranlagen aus feingeätztem Messing oder Stahl natürlich gleich viel eindrucksvoller aus. Glücklicherweise gibt es auf dem Markt inzwischen eine immer größere Zahl von Anbietern, deren Produkte teils auch schon im gut sortierten Fachgeschäft zu haben sind.
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Die Anbieter im Vergleich



Die meistgenannten Anbieter von Fotoätzteilen sind die US-Firma Gold Medal Models (GMM), die britische Firma White Ensign Models (WEM) sowie der tschechische Anbieter Eduard. Gute Marktanteile haben sich darüber hinaus die US-Firmen Tom’s Modelworks und Flagship Models gesichert. Alle fünf genannten Unternehmen präsentieren sich mit eigenen Seiten im Internet, die auch einen Bestellservice beinhalten. Für den Einkauf im Netz ist allerdings üblicherweise eine Kreditkarte erforderlich. Wer keine besitzt, hat vielleicht einen Freund oder Modellbaukumpel mit dem begehrten Stück Plastik. Bestellt wird über so genannte sichere Server, ich mache es seit Jahren bei unterschiedlichen Firmen und hatte nie Probleme.1im

Gold Medal Models



GMM hat seinen Anspruch schon im Firmennamen: Goldmedaillen bei Wettbewerben. Firmengründer Loren Perry gehört zu den besten Modellbauern Amerikas. Die Fotoätz-Platinen von GMM gehören tatsächlich zum Besten, was am Markt zu bekommen ist. Sehr sauber geätzt, bieten sie hohe Genauigkeit und Detailfülle. Die Platinen für die größeren Maßstäbe sind aus Messingblech geätzt, wer in 1:700 baut, erhält Fotoätzteile aus feinstem Stahl. Wer noch nie mit Fotoätzteilen gearbeitet hat, sollte mit diesen Stahlplatinen beginnen. Die Teile verformen sich nicht so schnell, verzeihen auch eher mal einen Biegefehler und lassen sich dank ihrer festeren Struktur einfacher verarbeiten.
Wer derartige Präzision anbietet, verlangt auch entsprechende Preise. GMM-Platinen im Maßstab 1:700 sind ab zehn Euro zu haben, für 1:350 muss man allerdings deutlich tiefer in die Tasche greifen: 35 oder 40 Euro sind schon ein stolzer Preis. Die Bauanleitungen sind klar gegliedert und gut nachvollziehbar. Sie lassen keine Fragen offen.
Website: www.goldmm.com
gmm

White Ensign Models



WEM ist das europäische Gegenstück zu GMM. Peter Hall, der für die britische Firma die Ätzteile entwirft, hat es sich um Ziel gesetzt, auch die kleinsten Details noch darzustellen. So gibt es Riemen mit Blättern in 1:700 oder Schleudersitze und Inneneinrichtungen für Flugzeuge in 1:350. White Ensign und Gold Medal leben seit etwa vier Jahren in einem friedlichen Wettbewerb um den ultimativen Fotoätzsatz. Dabei schießt WEM regelmäßig den Vogel ab, wenn es um originelle Einfälle geht. Die Sätze sind allerdings nicht ganz so einfach zu verarbeiten.
Im Preis liegt WEM ähnlich wie der US-Konkurrent, die 1:700er Sätze gibt es ab acht Euro, die Platinen im Maßstab 1:350 kosten im Schnitt etwa 25 bis 40 Euro. Die Bauanleitungen sind sehr gut, klar gegliedert und logisch.
Website: www.whiteensignmodels.com
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Eduard


Der tschechische Hersteller ist bei Fotoätzteilen vor allem in Sachen Flugzeugmodelle und Panzerbau aktiv. Sie haben allerdings auch einige attraktive Sätze für Schiffe im Programm. Was die Detailfülle angeht, steht Eduard etwas hinter den beiden erstgenannten Anbietern zurück. Doch die Tschechen haben sich im vergangenen Jahr etwas Neues einfallen lassen: farbige Fotoätzsätze. Das wurde zunächst milde lächelnd zur Kenntnis genommen, setzt sich mittlerweile aber immer stärker durch. Für die Schiffsmodellbauer hat Eduard dabei etwas ganz Besonderes: fotogeätzte Besatzungen, bereits fertig bedruckt. Matrosen und Trägerdecksbesatzungen, in 1:700 und 1:350. Im Preis liegt Eduard im gleichen Rahmen wie die Mitbewerber. Kleine Platinen kosten rund zehn bis 15 Euro, die großen liegen bei etwa 25 bis 30 Euro. Die Bauanleitungen gehören zum Besten auf dem Markt.
Website: www.eduard.cz
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Tom's Modelworks


Hier stimmt vor allem das Preis-Leistungs-Verhältnis. Denn die Platinen von Tom’s sind deutlich günstiger als die von GMM oder WEM. Das geht bei fünf bis zehn Euro für 1:700 los und liegt bei den Großmaßstäben etwa im Bereich von 15 bis 25 Euro. Dafür sind die Platinen allerdings aus spärlicher. Hinzu kommt, dass die Firma ein sehr weiches und dünnes Messing verwendet. Die Teile müssen deshalb vorsichtig und präzise gebogen werden. Dafür bekommt man sehr feine Details und vor allem eine saubere und hauchdünne Reling. Die Bauanleitungen sind leider etwas chaotisch und nur mit groben Handskizzen versehen. Hier geht nichts ohne zusätzliche Recherche.
Website: www.tomsmodelworks.com
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Flagship Models


Rusty White war mit seinem Unternehmen einer der ersten, die Fotoätzsätze für bestimmte Schiffsmodellbausätze anboten. Sein Schwerpunkt liegt bei den Angeboten im Maßstab 1:700. Etliche der Platinen sind inzwischen ein wenig in die Jahre gekommen und können mit der filigranen Präzision anderer Anbieter nicht mehr konkurrieren. Dafür lassen sich die Sätze ausgezeichnet verarbeiten, beinhalten keinen überflüssigen Schnickschnack und sind deshalb für den Einsteiger gut geeignet. Hinzu kommt, dass er bis heute einige wirklich einmalige Sätze auf dem Markt hat. Unter anderem Außenlasten und Bewaffnung für 1:700 moderne Trägerflugzeuge oder einen Ätzsatz für die „Charles F. Adams“-Klasse in 1:700. Die Preise liegen zwischen 12 Euro für 1:700 und 30 Euro für 1:350 Platinen.
Website: www.flagshipmodels.com
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Ein paar Entscheidungshilfen


Die wichtigste Frage lautet immer: Wie detailliert will ich mein Modell bauen? Daran schließt sich automatisch die Frage an: Brauche ich wirklich alle Details fotogeätzt? Denn manches kann man ohne viel Aufwand selber machen. Und schließlich: Wieviel Geld will ich ausgeben? Vor allem sollte man sich diese Fragen stellen, bevor man mit dem Bau des Modells beginnt, denn die Verarbeitung von Fotoätzteilen zieht üblicherweise eine Veränderung der Bauabfolge nach sich.
Ein paar Beispiele: Wer einen Zerstörer in 1:700 bauen und lediglich mit Reling versehen möchte, muß nicht unbedingt den speziell für eine Klasse entworfenen Ätzsatz von WEM oder GMM kaufen. Eine weitaus preiswertere Platine, die nur Reling enthält, reicht dann vollkommen aus. Schwieriger wird es, wenn auch die Wasserbombenracks und –werfer durch Fotoätzteile ersetzt werden sollen. Da ist dann vielleicht ein genereller Zerstörer-Satz angesagt. Spezialsätze für bestimmte Zerstörerklassen sollte man sich nur zulegen, wenn es wirklich um die Superdetaillierung zum Beispiel für den ultimativen „Livermore“ geht. Sonst gibt man viel Geld aus und hat hinterher viele Ätzteile übrig.
Geht es um ein Schlachtschiff in 1:350 muss die erste Überlegung lauten: Was kann ich selber machen?? Brauche ich zum Beispiel wirklich fotogeätzte Schilde für meine 20 mm Flak? Kann man auch aus Pappe machen oder aus einfachem Papier, das mit Sekundenkleber getränkt wird (ein Trick von Michael Klinger). Das ist billiger und auch nicht fummeliger als das Anbringen von Fotoätzteilen. All diese Fragen sollte man sich vorher genau durch den Kopf gehen lassen, denn die Platinen sind nicht billig und möglicherweise investiert man ein Vielfaches der Modellkosten, um das Ding richtig aufzubrezeln. Weniger kann manchmal mehr sein.
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Die echte Stärke von Fotoätzteilen kommt immer dann zum Tragen, wenn es um durchbrochene Strukturen geht: Gittermasten, Radaranlagen, Roste, Gestänge.7im
Hier ein Foto von einer der Radaranlagen aus dem Enterprise-Bausatz von Tamiya. Das sieht fotogeätzt einfach besser aus. Nämlich so:7im9im
Grätings und perforierte Laufgänge sind fotogeätzt auch schöner als in solidem Plastik. Gleiches gilt für Leitern und Niedergänge. Für ein Schnellboot in 1:72 kann man die noch selber löten, wie Lutz es hier auf der Seite auf eindrucksvolle Weise vorgeführt hat. In 1:700 allerdings sollte man doch lieber auf fotogeätzte Leitern ausweichen.10im

Verarbeitung


Ommmmmmm, Ommmmmmm, wir werden einig mit unserem Geist und unserem Körper…… In der Ruhe liegt die Kraft.
Wer mit Fotoätzteilen arbeiten will, sollte ein Wort aus seinem Kopf streichen: schnell. Genaue Überlegung und ausführliches Bauplanstudium sind entscheidend. Denn erstens sind die kleinen Teilchen schnell verdorben, wenn man einen Fehler beim Biegen macht und zweitens lassen sie sich, sind sie erst einmal mit Sekundenkleber verarbeitet, auch schlecht wieder lösen.
Die Platinen werden üblicherweise in einem Umschlag mit solider Pappeinlage geliefert. Darin sollte man sie auch lagern und nach Gebrauch immer wieder verstauen. Nichts ist ärgerlicher als unabsichtliches Biegen auf dem chaotischen Basteltisch. Die Platinen sind bei Lieferung mit einem Trennlack oder Trennfett hauchdünn überzogen. Das muss runter, damit anschließend Klebstoff und Farbe gut haften. Dazu gibt es zwei gängige Methoden: mit Verdünnung vorsichtig abreiben oder über einer Kerze/Feuerzeug kurz abflämmen. Beides funktioniert gut. Wofür man sich entscheidet, ist letztlich Geschmacksache.
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Keine zwei Meinungen kann es dagegen geben, wenn es um die Frage geht, wie die Einzelteile von der Platine getrennt werden.
1. Immer nur das Teil heraustrennen, das verwendet werden soll.
2. Immer mit einem scharfen Messer/Skalpell/X-acto-Messer auf einer möglichst harten Unterlage heraustrennen. Bewährt haben sich Glasplatten oder – in meinem Fall – ein altes Frühstücksbrett aus Marmorimitat. Versucht man, die Teile auf einer weichen Unterlage abzutrennen, läuft man Gefahr, dass sie sich beim Schneiden schon verbiegen. Wichtig ist auch, sich vorher genau klar zu machen, wo das Teil hin soll. Bei der Reling sollte man vorher ausmessen, wie lang das benötigte Stück ist. Denn üblicherweise liefern die Hersteller Reling am laufenden Meter, die dann erst passend geschnitten werden muss. Es liegt zwar immer ausreichend Reling bei, um auch mal einen Fehler zu verschmerzen, doch bringt Genauigkeit im Ausmessen, zum Beispiel mit einem Zirkel die Länge zu nehmen, das bessere Ergebnis. Reling sitzt eben genau auf der Kante, nicht ein Stück innerhalb oder gar außerhalb. Da kommt es auf den berühmten Millimeter an.
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Nun liegt es da vor uns, dieses kleine Stückchen Metall und will, sagen wir mal, um 90 Grad gebogen werden, eine Relingecke zum Beispiel. Zum genauen Biegen von Fotoätzteilen werden im Handel so genannte „Biegetools“, kleine Werkbänke, angeboten. Wer die nutzen will, soll es tun. Doch über die Notwendigkeit solcher Geräte lässt sich durchaus streiten. Manche schwören drauf, andere nicht. Sie kosten viel Geld und jeder muss für sich entscheiden, ob sie ihm nützlich sind. Wer zum Beispiel moderne russische Kriegsschiffe mit ihren ausgesprochen komplizierten Radarmasten baut, könnte mit einem Biegetool gut bedient sein. Eine saubere, scharfe 90-Grad-Biegung lässt sich ansonsten an jeder scharfen, genauen Kante hinbekommen, zum Beispiel an einem einfachen Mousepad. Jeder andere Winkel lässt sich übrigens auf die gleiche Weise biegen. Rundungen lassen sich problemlos über Holzstäben, Zahnstochern oder Filzstiften biegen. Auch eine scharfkantige Pinzette bringt gute Ergebnisse. Wichtig ist, sich Zeit zu lassen.13im

Zum Verkleben der Fotoätzteile eignen sich Weißleim und Sekundenkleber. Weißleim hat den Vorteil, dass man noch längere Zeit korrigieren kann. Sekundenkleber schafft eine festere Verbindung und wird deshalb von den meisten Modellbauern bevorzugt. Sie haben allerdings den Nachteil, richtig schön giftig zu sein. Sie sind auf Cyanid-Basis hergestellt und wurden ursprünglich einmal entwickelt, damit Chirurgen bei Operationen Wunden auch verkleben können. Deshalb kleben die Finger auch so schön zusammen, wenn einem das Zeug dazwischen herunterläuft.
Es gibt eine Vielzahl von Sekundenklebern auf dem Markt. Mancher schwört auf Industriekleber, die nur im Fachversand oder Fachhandel zu bekommen sind. Einige dieser Kleber sind ausgezeichnet. Daneben gibt es Sekundenkleber von den gängigen Firmen wie Uhu oder Pattex. Die bekommt man auch im Baumarkt oder Bastelbedarf. Auch die sind brauchbar.
Geliefert werden die Kleber entweder hochflüssig oder als Gel. Beide kann man verwenden. Gel hat den Vorteil, dass für etwa 15 Sekunden noch Korrekturen möglich sind. Für die schnelle, feste Verbindung ist der flüssige Kleber besser geeignet. So kann man eine Reling zum Beispiel mit Gel an einigen Punkten fixieren und dann den flüssigen Kleber entlang der Naht zwischen Deck und Reling einlaufen lassen. Das gibt eine saubere, feste Verbindung.
Aufgetragen wird der Kleber am besten mit einem spitzen Zahnstocher, einer Nadel oder einem Stück zugespitzten Gußast. Zum Halten und Platzieren eigenen sich unterschiedliche Pinzetten.
Nun kann es passieren, dass so ein kleines Teilchen runterfällt und womöglich in den unendlichen Weiten des grauen Veloursteppichbodens verschwindet. Was dann?? Da hilft ein Trick, den Dirk Mennigke immer propagiert: Beim Staubsauger die Bürste abnehmen und über die Rohröffnung einen alten Damenstrumpf spannen. Dann ganz normal saugen. Am Strumpf sammeln sich alle feinen Partikel – und plötzlich ist das verloren geglaubte Teilchen wieder da.
Apropos Grau: An diesem Punkt stellt sich die Frage, wann die Fotoätzteile denn bemalt werden sollten. Nun, dafür gibt es keine allgemein verbindlichen Regeln. Man kann die Ätzteile mit der Airbrush lackieren, solange sie noch an der Platine sitzen. Dann müssen aber später die blanken Schnittstellen nachgetupft werden. Wer die Ätzteile vor dem Bemalen des Modells anbringt, riskiert eine komplizierte Farbaktion. Beide Methoden in Kombination bewähren sich. Eine Radaranlage kann fertig montiert werden und auf dem Mast sitzen, bevor sie bemalt wird. Gleiches gilt für Niedergänge. Leitern oder Deckrandnetze bei Flugzeugträgern und Relings dagegen kann man sehr gut schon vorher bemalen und sie dann fertig lackiert anbringen. Ein wichtiger Punkt dabei ist auch das Farbschema. Handelt es sich um ein Tarnschema, muss auch die Frage durchdacht werden, in wieweit sich die Ätzteile abkleben lassen, ohne sie zu zerstören. Sinnvoll könnte es auch sein, einzelne Baugruppen fertig zu stellen, die dann anschließend bemalt werden. Doch da sind der Individualität keine Grenzen gesetzt. Jeder entwickelt seine eigene Strategie und Methodik.
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Um eine Tatsache jedoch kommt man nicht herum: Wer erst einmal angefangen hat, mit Fotoätzteilen zu arbeiten, wird davon nicht mehr die Finger lassen. Wie auch – schließlich kleben sie einem mit Sekundenkleber daran fest .........

Frank Ilse15im