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Japanisches Schlachtschiff NAGATO in 1/350 von Rainer Michalek Drucken
Dienstag, 01. September 2009 um 07:00

Japanisches Schlachtschiff NAGATO in 1/350 von Rainer Michalek

IJN NAGATO von HASEGAWA
Maßstab 1:350
Fotoätzteile von Hasegawa
Gebaut und fotografiert von Rainer Michalek IG-Waterline

Der Bausatz:

Der Kit von Hasegawa besteht aus 847 Teilen, die auf 30 Gussrahmen verteilt sind und darauf warten, verbaut zu werden. Ein Gussast mit Klarsichtteilen für die Brücke und Deckoberlichter. Außerdem sind eine Ankerkette, Flaggentafel und ein umfangreicher Decalbogen mit an Bord. Die Bauanleitung umfasst 24 Seiten, welche uns in 23 Baustufen ans Ziel bringt. Der Bemal- und Takelageplan im Maßstab 1/350 ist auf die Farben Gunze Sanyo/Mr. Color abgestimmt. Allerdings ist der Takelageplan unzureichend, so dass man zu besseren Plänen greifen sollte um das Rigg zu vervollständigen.

Der Zusammenbau:

Die Mikasa und Yukikaze von Hasegawa sind schon echt auf hohem Niveau, doch die Nagato übertrifft diese allemal was die Passgenauigkeit angeht. Der Schiffsrumpf besteht aus 15 Teilen von denen 13 Streben sind. Nachdem ich alle von den Gussästen abgetrennt hatte, fügte ich alles mal trocken zusammen, um die Passgenauigkeit zu prüfen. Dabei kam ich aus dem Staunen nicht raus, da man alles ohne eine Fuge zusammensetzen konnte. Klebeband kann man getrost im Schubfach lassen. Das nenne ich Spritzgusstechnik in höchster Präzision.
Das Modell der Nagato ist so konstruiert, dass man ihn in Modulbauweise erstellen kann. Dieses hat den Vorteil, dass man mehrere Bauphasen separat aufbauen kann, ohne das ganze Modell in der Hand zu haben. Alle Deckteile lassen sich nahtlos ohne Spachtelmasse ins Modell einfügen. Das vordere Kabinendeck mit der Barbette von Turm B ist auch von unten mit Streben versehen. An denen sind die Seitenteile mit den sechs 12,7 cm Kasematten der Mittelartillerie integriert, welche mit den Streben und dem Deck fixiert werden, so dass man von außen keinen Klebstoff sieht. Der Bauplan zeigt auch sehr genau welche Löcher für den Bauzustand von 1941 aufgebohrt werden müssen, damit Schlauchtrommeln, Lüfter, Rettungsboote usw. installiert werden können.
Alle Bauteile, die in den einzelnen Baustufen neu hinzu kommen, sind dunkler gehalten und gleichzeitig mit den jeweiligen Farbangaben versehen. Man hat beim Modellieren des Modells nicht mehr das ganze Schiff in der Hand, was lästige Fingerabdrücke auf der Lackierung auf ein Minimum reduziert. Bevor man die Bauteile lackiert, müssen sie mit Spülmittel entfettet werden, damit die Farbe am Rumpf haften bleibt.

Das Freibord habe ich mit Revell 43 (matt Mittelgrau) gebrusht, dass Unterwasserschiff wurde mit WEMCC US 14 (Antifoulling Red) pinsellackiert. Alle großen Deckteile wurden mit der Airgun WEMCC C 01 (matt Teak) lackiert. Die Deckdetails wie (Ladeluken, Oberlichter, Poller und Barbetten) wurden mit dem Pinsel Revell 43 (matt Mittelgrau) lackiert. Auf dem hinteren Kabinendeck mit der Barbette von Turm C ist das Katapult für die Flugzeuge installiert. Da der Belag aus Linoleum bestand, wurde dieses Deck auf dem das Katapult für die Flugzeuge installiert war, mit WEMCC ACSM11 (Soviet/Russian Brown) lackiert. Die Holzdecks wurde mit stark verdünntem Tamiya XF-1 (matt schwarz) gealtert.

Japanisches Schlachtschiff NAGATO in 1/350 von Rainer MichalekJapanisches Schlachtschiff NAGATO in 1/350 von Rainer Michalek

Die Aufbauten, Pagodenmast, Schornstein, hinterer Gefechtsstand und die Geschütztürme sind sehr fein graviert und äußerst passgenau. Nach und nach werden diese mit den Fotoätzteilen von Hasegawa verfeinert und entsprechend lackiert. Hasegawa hat für die schwere Artillerie Blastbags in verschiedenen Stellungen mitgeliefert, damit der Modellbauer sein Schiff individuell in Szene setzen kann.

Japanisches Schlachtschiff NAGATO in 1/350 von Rainer MichalekJapanisches Schlachtschiff NAGATO in 1/350 von Rainer Michalek

Allen drei Ätzteilsätzen wurden sehr ausführlich gestaltete Bauanleitungen beigelegt, die auf die Bauanleitung des NAGATO Kits abgestimmt sind. Hier kam jetzt keine Airbrush mehr zum Einsatz, da alles verwittert aussehen sollte. Das Lackieren mit dem Pinsel hat den Vorteil, dass wenn man Freund gealterter Schiffe ist, man gleich ein solch verwittertes Aussehen auf seinem Modell darstellen kann.
Der Pagodenmast steht voll mit Ferngläsern und Richtgeräten für die Flak. Durch sehr viele Umbauten wurden immer mehr Plattformen ergänzt, was schließlich zu diesem Aussehen führte. Alle fotogeätzten Teile wurden mit Sekunden-Kleber von Robbe fixiert.

Japanisches Schlachtschiff NAGATO in 1/350 von Rainer Michalek

Es lohnt sich wirklich diese exzellenten Fotoätzteile, die es für die Nagato von Hasegawa gibt, mit einzubeziehen. Das Endresultat kann sich dann wirklich sehen lassen, da der Spritzgusstechnik doch ab einer gewissen Größe die Hände gebunden sind. Auch die hintere Antennenkonstruktion auf dem hinteren Gefechtstand ist eine Augenweide, da so gut wie alles im oberen Bereich durch Ätzteile ersetzt werden kann.

Japanisches Schlachtschiff NAGATO in 1/350 von Rainer MichalekJapanisches Schlachtschiff NAGATO in 1/350 von Rainer Michalek

Die 18x14 cm Kaliber 50 Mittelartillerie sollte man durch die Rohre von BMK-Kleinserien ersetzen.

alt Japanisches Schlachtschiff NAGATO in 1/350 von Rainer Michalek

Die Reling die aus den Sets verbaut werden kann, lässt sich wunderbar verarbeiten, da sie an den Stellen wo sie einen Knick macht, angeätzt ist, damit sie sich leichter biegen lässt. Das macht einem das Verarbeiten der Teile um Einiges leichter. Die Reling auf dem Ober- und Hauptdeck konnte ich in zwei Tagen installieren, was bei einem solchen großen Projekt eine enorme Zeitersparnis bedeutet.

Japanisches Schlachtschiff NAGATO in 1/350 von Rainer Michalek

Nun ein paar Worte zu den Rettungsbooten. Man kann wirklich sagen, dass die größeren Boote jedes ein Modell für sich sind, was beim farblichen Modellieren eine Menge Zeit in Anspruch nimmt. Außerdem sind im Super Detail-Set alle dafür notwendigen Zurüstteile vorhanden, um die Rettungsboote zu eigenen Modellen zu modellieren. Es fängt mit dem Abschleifen der angegossenen Bootslager an und hört mit dem Anbringen der Decals auf. Im Super Detail-Set sind enorm viele Details für die Boote vorhanden, wie Relings, Schraubenwellen, Schrauben, Ruderpinne, Riemen, Flaggenstöcke, Rettungsringe, Anker, Steuerräder, Windschutzscheiben.
Auf das farbliche Gestalten will ich hier nicht weiter eingehen, da es sonst den Rahmen sprengen würde. Die Bootssicherungen wurden mit einem feinen Draht und Papierstreifen imitiert.

Japanisches Schlachtschiff NAGATO in 1/350 von Rainer Michalek

Nun wenden wir uns den Seeaufklärern der Nagato zu.
Die Nagato führte im Bauzustand von 1941 drei Nakajima E8N("Dave") mit, welche später durch die Typen Mitsubishi F1M ("Pete") und Aichi E13A ("Jake") ersetzt wurden.
Im Ätzteil-Set 40065 gibt es natürlich auch für die Bordflugzeuge Teile zum Supern. Es sind Streben für die Tragflächen, Haupt und Außenschwimmer sowie die Propeller vorhanden. Lackiert wurden die Oberseiten laut Bauanleitung mit den Farben Tamiya XF-11 (J.N. Green) und Modelmaster FS 30117 (Militarybrown matt). Die Unterseiten habe ich mit WEMCC US09 5-B (Thayer Blue) coloriert. Die Zylinder des Motors wurden Revell 90 (Silber) und der Motorblock Tamiya XF-1 (Schwarz). Nach dem Trocknen der Flugzeuge konnten diese auf dem Flugzeugdeck integriert werden.

Japanisches Schlachtschiff NAGATO in 1/350 von Rainer Michalek

Bevor ich an die komplizierte Takelage gehen konnte, musste ich noch die Persenning an der Reling des Pagodenmastes, und an den Scheinwerferplattformen am Schornstein mittels Weißleim erstellen. Nach dem Trocknen wurden diese mit Humbrol 34 (Weiß matt) mit dem Pinsel lackiert. (Siehe oben beim Bild der Beiboote)

Die Takelage habe ich wie bei meinen letzten Modellen aus schwarzem Gussast erstellt. Nachdem ich die Flaggenstöcke an Bug und Heck installiert hatte konnte es losgehen - dachte ich zumindest.
Die Literatur, die ich mir dafür besorgt hatte, konnte mir auch nicht weiterhelfen. Da man selbst beim Futabashaheft 24 "3D CG IJN Battleship NAGATO Super Detail" in den hochwertigen computergenerierten 3D-Animationen, die ich zuvor für absolut geniale Abbildungen hielt, bei der Takelage teilweise nur einen Leinenwald sehen konnte. Also fragte ich Jim Baumann um Rat, der mir umgehend ein Buch mit großen Seitenrissen aus England schickte. An dieser Stelle ein Dank an Jim Baumann, Burkhardt Masch Kleinserien (BMK) und Nadja und Norbert Thiel von NNT Modell und Buch, die mich immer schnell mit Material versorgten, damit ich mein Projekt "IJN Nagato" vorantreiben konnte.
Die Takelage der Nagato ist um Einiges schwieriger als bei anderen Schiffen, da man erst an Steuer- oder Backbord takeln muss, dann den Innenbereich zwischen Pagodenmast und Schornstein und zum Schluss die andere Seite, da man sonst mit der Hitzequelle (Heißwachsspachtelgerät) zuviel Schaden macht. Trotz größter Vorsicht sind einige zuvor gezogenen Antennen durchgebrannt, so das ich diese wieder neu ziehen musste.

Japanisches Schlachtschiff NAGATO in 1/350 von Rainer MichalekJapanisches Schlachtschiff NAGATO in 1/350 von Rainer MichalekJapanisches Schlachtschiff NAGATO in 1/350 von Rainer Michalek

Die Figuren die für die Nagato Verwendung fanden, kommen aus dem Hause L `Arsenal. Lackiert habe ich sie mit dem Pinsel in den Farben Humbrol 34 (Weiß matt) bei der Uniform, Tamiya XF-1 (Schwarz) bei den Stiefeln, Humbrol 61 (Hautfarbe matt) bei den Gesichtern und Händen. Fixiert habe ich sie mit Sekunden-Kleber. (siehe oben bei den Beibooten und der Persenning)

Nun möchte ich euch einmal erläutern, was mich zum Gestalten dieser Wasseroberfläche bewegt hat. Lange bevor ich die NAGATO als Bausatz im Haus hatte, habe ich mich intensiv mit dem Video des Schlachtschiffes Scharnhorst beschäftigt (Operation Berlin). Auf dem Video ist zu sehen, wie das Schiff gegen die schwere See ankämpft. So sollte auch die Nagato in Szene gesetzt werden. Als Basis diente ein Regalboden, auf den ich eine Styroporplatte mit Holzleim fixierte. Nachdem dem Trocknen des Holzleims, wurde das überschüssige Material aus der zuvor mit Fineliner markierten Stelle mit einem Cuttermesser ausgeschnitten. Nach mehrfachem Einpassen war es dann soweit. Die gewünschte Szene konnte modelliert werden. Die Styroporplatte wurde als erstes mit Temperafarben coloriert. Als Farbtöne benutze ich immer Schwarz, Ultramarinblau und Weiß. Diese Farben werden untereinander vermischt, mit denen man ein paar Untiefen simulieren kann. Um das Schiff wurde fast ausschließlich Weiß eingesetzt. Die Hecksee ist auch wesentlich heller als der Rest der Wasserfläche. Die NAGATO sollte so dargestellt werden, wie sie gerade ins Wasser eintaucht, kurz bevor die Brecher die vorderen Geschütztürme überspülen. Genau an diesem Punkt sind mir die Hände gebunden, da ich nicht weiß, wie man so eine Szene darstellt. Mit der Bugwelle habe ich angefangen. Hier wurde Silicon (transparent) mit Watte vermischt, wobei die Watte dazu dient das Silicon mit einem Hacken aus dem Zahnarztbedarf besser formen zu können. Diesmal habe ich auch die überkommende See mit Watte, Silicon und Titanweiß von Schminke dargestellt.

Japanisches Schlachtschiff NAGATO in 1/350 von Rainer MichalekJapanisches Schlachtschiff NAGATO in 1/350 von Rainer MichalekJapanisches Schlachtschiff NAGATO in 1/350 von Rainer Michalek

Damit sollte man aber sehr vorsichtig umgehen, da man schnell das Vorschiff verunstalten kann. Es gehört schon ein wenig Mut dazu, dieses zu wagen. Nachdem ich die Wasserfläche soweit mit Silicon modelliert hatte, wurden die Wellen mit Künstlerölfarbe Titanweiß trockengemalt. Ablaufendes Wasser am Schiffsrumpf wurde auch mit Titanweiß in Trockenmaltechnik dargestellt.

Japanisches Schlachtschiff NAGATO in 1/350 von Rainer Michalek

Ich hoffe ich konnte Euch eine kleine Hilfestellung bei Eurem neuen Projekt IJN NAGATO von Hasegawa geben!

Fazit:

Wir haben es hier mit einem Modellbausatz von sehr hoher Präzision zu tun, der kaum Minuspunkte aufweist. Für einen Straßenpreis von 165 € bekommt man jede Menge Bastelspaß. Das Preis-/Leistungsverhältnis geht auch in Ordnung. Mit PE-Sätzen kann man aus der NAGATO erst ein richtiges Schmuckstück machen, obwohl sie OOB auch schon gut aussieht.

 

Rainer Michalek