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Aoshima: Heavy Cruiser NACHI 1943 in 1/350 Drucken
Montag, 31. Januar 2011 um 07:00

Aoshima: Heavy Cruiser NACHI 1943 in 1/350

Modell: Heavy Cruiser NACHI 1943
Hersteller: Aoshima
Maßstab: 1/350
Material: Polystorol
Art.Nr.: 044254-9800
Preis: ca. 120,-

Das Original

Die "Myoko"-Klasse, zu welcher "Nachi" gehörte, wurde im Marineetat 1922-23 gebaut und stellten weltweit die ersten Schweren Kreuzer des Washington-Typs dar (sprich 10.000 ts Kreuzer). Da zwar "Myoko" als erstes Schiff auf Kiel gelegt worden war, „Nachi“ aber als erste Einheit dieser Klasse fertiggestellt und während der japanischen Kaiserkrönungszeremonie am 4. Dezember 1928 der Öffentlichkeit präsentiert wurde, sprachen ausländische Beobachter von der "Nachi"-Klasse. Die Kaiserlich Japanische Marine bezeichnete diese Kreuzer als "Myoko"-Klasse.

Ihr Entwurf basiert auf der "Aoba"-Klasse mit wesentlich vergrößertem und verlängertem Rumpf. Die fünf Doppeltürme der schweren Artillerie wurden so angeordnet, dass sich drei auf der Back und zwei auf der Schanz befanden. Neu war bei der Anordnung der Artillerie, dass sich Turm A auf dem Hauptdeck, Turm B überhöht und Turm C wieder auf Hauptdecksniveau befand, welche diesen Schiffen und der nachfolgenden "Takao"-Klasse ihr typisches Aussehen verlieh.

Da der verantwortlich zeichnende Ingenieur vermeiden wollte, dass die Schiffe zu toplastig werden, sah er zuerst von einer Torpedobewaffnung ab. Auf Drängen höherer Kreise sollten jedoch in Bug und Heck fest eingebaute Torpedorohre installiert werden.

Alle Schiffe dieser Klasse wurden in den späten 30er Jahren umgebaut. Bei diesen Arbeiten wurden die fest installierten Torpedorohre ausgebaut und drehbare 4fach-Torpedostarter beiderseits achteraus des achteren Schornstein eingebaut.

Bei weiteren Umbaumaßnahmen wurden seitlich am Rumpf zur Erhöhung der Stabilität (um der Toplastigkeit entgegenzuwirken) sowie zum zusätzlichen Schutz gegen Torpedotreffer Wulste angebracht.

Technische Daten:

Länge:                 203,8 m
Breite:                 19,5 m
Tiefgang:             6,36 m
Verdrängung:       14.950 ts (2/3 Versuchsverdrängung)
                          15.993 ts voll beladen
Geschwindigkeit:   33,8 kn
Antriebsleistung:   130.000 WPS
Fahrtstrecke:        8.500 sm bei 14 kn
Besatzung:           970 Mann
Bewaffnung:        10 x 20,3 cm
                          8 x 12,7 cm
                          8 x 25 mm in vier Zwillingslafetten
                          4 x 61 cm Vierfachtorpedostarter
                          24 Typ 93 „Long Lance“ Torpedos
                          2 Katapulte / 3 Bordflugzeuge

 

Einsätze im 2. Weltkrieg:

- bei Ausbruch des Krieges in Palau
- Begleitschutz während den Landungen auf den Philippinen und Indonesien
- 27.-28.02.42 Schlacht in der Java-See
- 03.42 Begleitschutz für die Landungen auf den Aleuten
- 26.03.42 Schlacht bei den Komandorski Inseln (Gefecht mit US Kreuzer "Richmond" und "Salt Lake City" sowie vier Zerstörern)
- 09.43 Evakuierung von Kiska Island
- 24.10.44 Nachtgefecht in der Surigao-Straße, dabei Kollision mit "Mogami "und Rückmarsch nach Coron (Philippinen)
- 28.10.44 Einlaufen in Manila (Cavite)
- 29.10.44 Beschuß durch US-Trägerflugzeuge
- 03.11.44 nach notdürftiger Reparatur Auslaufen aus Manila
- 05.11.44 erneuter Angriff durch US-Trägerflugzeuge; dabei mehrere Bomben- und Torpedotreffer welche den Rumpf in 3 Teile brechen lassen; gesunken 14:50 Uhr sw Corregidor 14°23´N 112°25´O

 

Quellen: Warship Pictorial 17: IJN Myoko Class Cruisers, ISBN 0-9710687-6-3

             Squadron/Signal Publications: Japanese Heavy Cruisers of World War II in action,

             ISBN 0-89747-498-8

            Warships of the Imperial Japanese Navy 1869-1945, Hansgeorg Jentschura, Dieter Jung,

            Peter Mickel, ISBN 1-85409-525-0

            www.wikipedia.de

Der Bausatz

Die Nachi ist ein sehr gut durchdachter und gut umgesetzter Bausatz. Öffnet man den Karton findet man 24 einzeln eingeschweißte Spritzlinge, Polycaps, Decals, Schrauben und Muttern, eine Ankerkette und sogar eine kleine Ätzteilplatine.

Die beiden Rumpfhälften (eine Wasserlinienoption wird nicht geboten) werden durch mehrere Hilfsspanten verstärkt. In den Schiffboden sollen mitgelieferte Muttern eingeklebt werden, welche in entsprechend geformte Kunststoffteile eingelegt und durch aufgesetzte zu verklebende Kappen gegen Verdrehen und Herausfallen gesichert werden.

Die Aufteilung des vierteiligen Hauptdecks ist sehr geschickt gelöst. Die Trennfugen befinden sich entweder an Stellen, wo im Original unterschiedliche Materialien aufeinander treffen, (Linoleum/Stahl) oder unter den Aufbauten. Die Detaillierung des Decks ist gut, die Messingstreifen, mit welchen das Linoleum niedergehalten wird, sind etwas stärker ausgeprägt als bei früheren Produkten, ist aber nicht übertrieben. Die Ankerkette muss aus der beiliegenden Metallkette dargestellt werden. Auf der Back finden sich lediglich angeformte Stopper.

Die Stahldecks der Aufbauten geben das für sie verwendete Loch- bzw. Tränenblech gut wieder. Auch Grätings sind sehr fein dargestellt.

Auf der Unterseite des Hauptdeck sind für die vielen als separate (und dadurch originalgetreuer) Teile vorhandenen Lüfter, Winden, etc. und auch der unterschiedlichen Anordnungen auf den Schiffen der Myoko-Klasse diverse Bohrungen angedeutet. Diese müssen laut Plan (alle Nachi betreffend) aufgebohrt werden.

Die Bauteile für die Aufbauten sind gut durchdacht und logisch aufgebaut. Die angedeuteten Schotten, Luken, Handläufe usw. sind fein ausgeführt. Vorausgesetzt man will Schotten nicht geöffnet darstellen, brauchen diese auch nicht zwangsweise durch Ätzteile ersetzt werden, um ein ansprechendes Modell zu erhalten.

Sie außenliegenden Dampfrohre der Schornsteine sind sehr filigran. Allerdings besteht hier die Gefahr, diese schon beim Abtrennen vom Spritzling zu beschädigen.

Seitlich des achteren Schornsteins befinden sich Podeste, auf welchen E-Messgeräte stehen. Dies sind neben den Dollies für die Flugzeuge die einzigen Bauteile, welche durch geätzte Komponenten ausgetauscht werden sollten. Im Gegensatz zum Original sind sie massig wiedergegeben.

Die Seitenwände der Hauptartillerie und die Schilde der schweren Flak sind in moderner Formtechnik, sog Slide-Mold-Technologie, gespritzt. Dadurch können komplexere Teile mit leichten Hinterschnitten bzw. Detaillierung entgegen der Entformrichtung geformt werden.

So bestehen die Seiten der 203 mm Geschütze aus einem Teil, auf welches das Dach und ein Boden eingeklebt werden. Die Geschützrohre sind ebenfalls mit dieser Technologie reproduziert und die Rohrmündungen mit Bohrungen versehen. Die Blastbags sind ebenso angeformt.

Die schwere 127 mm Flak ist je aus vier Teilen aufgebaut. Allerdings sind bei diesen die Mündungen nicht aufgebohrt. Auch ist hier keine Persenning angedeutet.

Auf den standardisierten universellen Spritzlingen finden sich Bauteile für die leichte Flak, Lüfter und Beiboote. Ebenfalls universelle Spritzlinge beinhalten Teile für die zu unterschiedlichen Zeiten mitgeführten Bordflugzeuge. An dieser Stelle möchte ich zum besseren Vergleich auf die Bausatzbesprechung der Aoshima "Nagara" von Olaf Krabbenhöft verweisen.

Aoshima hat sich seine eigenen Gedanken zum Thema Entmagnetisierungsschleifen gemacht. Dem Bausatz liegt ein Spritzlingen für diese Schleife mit verschieden langen Abschnitten bei. Leider ist dieser Spritzling aus einem sehr weichen Kunststoff gefertigt. So lassen sich die einzelnen Segmente zwar schön an die Rumpfform anpassen, ob sie sich aber gut verkleben lassen, wage ich zu bezweifeln. Außerdem findet sich an diesem Spritzling (und zwar nur an diesem) Überspritzung. Hier sollte man auf geätztes Zubehör zurückgreifen.

Für die Präsentation des Modells stehen zwei Displayständer zur Auswahl. Zum einen ist dies ein einfacher aus vier flachen Profilen aufgebauter. Mit dem anderen können zwei „gedrehte“ Füße gebaut werden, wobei die mitgelieferten Schrauben Verwendung finden.

Die Fotoätzteile

Die kleine Ätzplatine beinhaltet wenige, aber nützliche Details. So sind dies Riemen für die Kutter sowie deren Ruder. Außerdem findet man einen zu biegenden Käfig, welcher backbord zwischen den Schornsteinen aufgestellt wird. Auf den Zweck dieses Käfigs wird nicht näher eingegangen. Leider lassen Vergleiche mit den wenigen Originalfotos in verschiedenen Publikation auch nur Spekulationen zu. Ich nehme an, dass es sich um einen Aufbewahrungsort für Leckwehrmaterial handelt.

Decals und weitere Teile

Die versatzfrei gedruckten Decals geben die Hinomarus für die Bordflugzeuge und Wasserstandsmarkierungen am Rumpf wieder. Leider fehlen taktische Kennungen für die fliegende Komponente.

Auch Aoshima folgt dem Trend, die Hoheitsflaggen auf einem dünnen pergamentartigen Papier zu drucken. Dies ist wesentlich authentischer als Flaggen als Decal. Zusätzlich sind Admirals-, Vizeadmirals- und Konteradmiralsflagge abgedruckt.

Die 200 mm lange schwarze Ankerkette ist von im Vergleich mit denen in anderen Bausätzen mitgelieferten die maßstäblich realistischste. Außerdem ist sie lange genug, um auch ein "vor Anker"-Diorama darstellen zu können. Entsprechende Details auf der Back zeigen nur die Stopper der Ankerketten, sodass diese Kette verwendet werden muss (sofern nicht auf geätztes oder anderes Material zur Darstellung zurückgegriffen wird).

Für die Befestigung der Hauptartillerie und um diese beweglich zu behalten sind Polycaps beigelegt.

Ein kleiner Spritzling mit Klarsichteilen dient der Darstellung der Brückenfenster und der Scheinwerfer.

Um die alternativen runden Füße als Displayständer fest mit dem Rumpf zu verbinden sind entsprechende Schrauben vorgesehen.

Die Anleitung

In der 31seitigen Anleitung finden sich ein nur auf Japanisch gedruckter Text über das Original, allgemeine Verarbeitungs- und Sicherheitshinweise, ein Bemalungsplan in schwarz-weiß, die 59 Bauabschnitte, eine Übersicht über den Bausatzinhalt und Verweise auf von Aoshima angebotene zusätzliche Ätzteilplatinen und Vitrinen für Schiffe der "Myoko"-Klasse.

Die einzelnen Bauschritte erklären deutlich den Zusammenbau des Modells. Für das Ausrichten von z.B. den Torpedostarten auf dem Hauptdeck wird neben der dreidimensionalen Ansicht jeweils in einem kleinen Kästchen die exakte Positionierung aufgezeigt. Das Gleiche gilt für die vielen verschiedenen anzubringenden Lüfter und Kabeltrommeln auf dem Hauptdeck sowie vieler weiterer Details in anderen Bereichen des Schiffes. Pro Bauschritt ist auch nur eine überschaubare Menge dieser zu verbauenden Kleinteile vorgesehen, sodass sich z.B. die Bestückung von Back und Schanz auf vier Abschnitte verteilt. Einzig die Positionierung der vielen Ferngläser auf den Brückendecks wirkt unübersichtlich, wobei die zusätzlichen Draufsichten hier eine große Hilfe darstellen sollten.

Hervorzuheben ist auch, dass der Bausatz zwar "Nachi 1943" heißt, aber auch ein späterer Bauzustand dargestellt werden kann. Dabei beschränkt sich die weitere Detaillierung auf 1944 eingerüstete Radaranlagen vom Typ 13 (und dessen Kontrollraum am Fuß des Hauptmastes) und Typ 22.

Die letzte Seite der Anleitung zeigt die Anbringung der zusätzlich angebotenen Ätzteile. Die beiden Platinen beinhalten wenige, aber ausreichende Ätzteile zur Verfeinerung des Modells.

Neben der in der Anleitung in schwarz-weiß wiedergegebenen Farbgebung liegt dem Bausatz ein Poster bei, auf welchem "HIJMS Nachi "in maßstäblicher Größe in einer 5-Seitenansicht farbig dargestellt ist. Erfreulicherweise beschränken sich die nebenstehenden Farbangaben, welche sich auf das Gunze Sangyo Sortiment beziehen, nicht nur auf die üblichen Verdächtigen (Unterwasserschiff, Decks und Seitenwände, Linoleumbelag). Auf alle notwendigen Farben sei es die Positionslaternen über Farbgebung der Bordflugzeuge bis hin zur Holzfarbe der Decks der Beiboote wird Rücksicht genommen. Desweiteren zeigt dieses Poster die Takelung auf.

Neben diesem Poster finden sich in der Anleitung für jedes Bauteil ein entsprechende Farbhinweis.

Fazit

Das große Verdienst von Aoshima ist, dass diese Firma neben Trumpeter vor ein paar Jahren damit begonnen hat das bis dato rare Angebot an Modellen im Maßstab 1/350 mit Neuerscheinungen zu bereichern. Waren die Modelle der Takao-Klasse etwa auf dem Niveau einer Yamato von Tamiya, so stellen die letzten Neuerscheinungen eine wesentliche Verbesserung gegenüber diesen dar. Sie sind absolut auf der Höhe der Zeit und müssen sich nicht vor einem Vergleich mit Konkurrenzprodukten scheuen. Lediglich an die Qualität der Dragon-Bausätze kommen sie und auch die der anderen Hersteller nicht heran.

Die HIJMS Nachi ist ein hervorragend gemachter Bausatz. Out oft the Box ist sie schon ein Leckerbissen. Sicherlich gibt es auch hier diverse Details, welche ein Enthusiast verbessern wird. Ich finde, dass allein durch das Anbringen geätzter Reling der sowieso sehr gute Gesamteindruck noch gesteigert werden kann.

Aufgrund der Komplexität und des Umfangs der Teile wird sich hiermit der Einsteiger in das Hobby sicherlich schwer tun. Für Fortgeschrittene und Erfahrene ist diese Modell

alt sehr empfehlenswert

 Sven

Wir danken Glow2B für das Bausatzmuster