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Zerstörer HMS Zest (Eigenbau, 1/700) von Michael Delf Drucken
Montag, 02. Januar 2012 um 07:00

Zerstörer HMS Zest

Das Original

Als der 2. Weltkrieg im September 1939 ausbrach, waren die neuesten Zerstörer in der Royal Navy diejenigen der ‚K’ Klasse. Erst gegen Ende 1942 kamen die letzten Zerstörer der ‚L’ und ‚M’ Klassen in den Dienst, die noch vor dem Krieg bestellt wurden, da diese Zerstörer eine längere Bauzeit benötigten.

Um genug Zerstörer für den kommenden Krieg zu haben und als schneller Ersatz für die erwarteten hohen Verluste an Zerstörern, entschied sich die britische Admiralität in 1939 neue Zerstörerklassen zu bauen, die einfacher in der Konstruktion und Bewaffnung wären und deshalb eine kürzere Bauzeit brauchten. Diese Klassen wurden als „War Emergency Destroyers“ bezeichnet, in Deutsch etwa übersetzt wie Kriegszerstörer. Die ersten beiden Klassen dieser neuen Zerstörer, die fertiggestellt wurden, waren die ‚O’ und ‚P’ Klassen. Der Bau dieser neuen Zerstörer lief parallel zum Bau der vor dem Kriege bestellten Zerstörer und manche Schiffe der ‚O’ Klasse sind sogar vor manchen Schiffen der ‚L’ und ‚M’ Klassen vom Stapel gelaufen.

Die acht Schiffe der ‚Z’ Klasse sind alle in der zweiten Hälfte 1944 in Dienst gestellt worden, und waren fast identisch zu den vorherigen ‚U’, ‚V’ und ‚W’ Klassen. Eine bedeutende neue Änderung in der ‚Z’ Klasse war die Einführung des 4,5 in. (11,4 cm) Geschützes, das auf dem Zerstörer Savage ausführlich erprobt wurde. Die Admiralität hatte entschieden dieses neue Geschützkaliber einzuführen als Ersatz für das seit 1918 im Betrieb 4,7 in. (11,9 cm) Geschütz, das bis zu diesem Zeitpunkt als Standardgeschütz auf britischen Zerstörern eingesetzt wurde. Aufgrund einer besseren Ballistik konnte das 4,5 in. Geschütz ein etwa 2 kg schwereres Geschoss abfeuern.

HMS Zest ist im Oktober 1943 vom Stapel gelaufen und wurde im Juli 1944 in Dienst gestellt. Da die für diese Klasse neu entwickelten Feuerleitgeräte wegen Bauverzögerung nicht sofort zur Verfügung standen, mussten die schon fertigen Schiffe dieser Klasse mehrere Wochen in den Bauwerften warten bis die Feuerleitgeräte installiert werden konnten. Für den Rest des Jahres 1944 bis Mai 1945 operierten HMS Zest und andere ‚Z’ Klasse Zerstörer im arktischen Gewässer im Geleitzugssicherungsdienst für die Konvois nach Russland. Am Kriegsende befand sich HMS Zest zusammen mit anderen Zerstörern und Kreuzern als Teil eines Schiffsverbandes, der nach Kopenhagen fuhr, um die Befreiung Dänemarks zu unterstützen. Nach dem Kriege wurde HMS Zest in der Royal Navy behalten und nicht verkauft, wie so viele anderen Zerstörer. Im Laufe der 1950er Jahre wurde HMS Zest in eine Fregatte umgebaut, und wurde schließlich in 1970 nach vielen Dienstjahren abgewrackt.

Zerstörer HMS Zest

Das Modell

Mittlerweile gibt es auf dem Markt Bausätze, ob in Plastik oder Resin, von den meisten britischen Zerstörerklassen des 2. Weltkrieges. Nur die späteren Klassen der „Emergency“ Zerstörer, d.h. die Klassen ‚Q’ bis ‚Z’, ‚Ca’, Ch’ usw., fehlen als Bausatz. Deshalb wenn man ein Modell eines dieser Zerstörer wünscht, bleibt nur der Eigenbau.

Ich hatte vor etwa 20 Jahren meine erste Version eines Modells der HMS Zest gebaut, damals mit Teilen aus einem Matchbox Kelly Bausatz, und zwar den Rumpfhälften, dem Schornstein und der Brücke. Für mein neues Modell der HMS Zest habe ich diese Teile wieder benutzt, nur mit den entsprechenden neuen Überarbeitungen und Modifizierungen. Alle anderen Teile des Schiffsmodells habe ich aus Plastikcard angefertigt. Als notwendige Hilfe um eine solche Schiffskonstruktion überhaupt zu bauen, habe ich verschiedene Zeichnungen, Seitenrisse, Pläne und viele Fotos aus der unten angegebenen Literatur (insbesondere Referenz Nr.7) verwendet.

Der Rumpf wurde mit einer neuen Wasserlinieplatte aus 0,5 mm Plastikcard und Hauptdeck und Backsdeck aus 0,25 mm Plastikcard zusammengebaut. Zwischen den Rumpfhälften wurden Querstreben aus dickerem Plastikcard (0,75 oder 1,0 mm) eingesetzt, um dem Rumpf Stabilität zu geben und als Stütze für die Decks zu wirken. Unmittelbar vor dem Decksprung wurde der Rumpf durch 2 quergeklebte 1 mm dicke Plastikcard Streifen verlängert. Die Rumpfseiten in diesem Bereich mussten dann gespachtelt und geschliffen werden.

Zerstörer HMS Zest

Eine neue Heckpartie aus Plastikcard musste angefertigt und am Rumpf angeklebt werden. Das Heck der „Emergency“ Zerstörer war flacher ausgeführt und nicht so abgerundet wie bei den ‚J’, ‚K’ & ‚N’ Zerstörern. Um die Konstruktion des Rumpfes abzuschließen, mussten die Rumpfseiten entlang der Decks und der Bodenplatte gespachtelt und geschliffen werden, da die Kelly Rumpfseiten an den Randen etwas abgerundet sind. Die Bullaugen-Details an den Rumpfseiten mussten alle abgeschliffen und der Bug viel schräger und gerade geschliffen werden. Zum Schluss wurden dann neue Bullaugen mit einem 0,5 mm Bohrer ausgebohrt.

Die Deckshäuser und andere Aufbauten sind alle aus Plastikcard angefertigt worden. Der Schornstein ist, wie schon erwähnt, aus dem Kelly-Bausatz aber mit Plastikcard-Streifen 0,25 mm breiter gemacht. Die Brücke ist aus der Kelly- Brücke umgebaut, da ich mir die Zeit, um eine komplett neue Brücke zu bauen, sparen wollte. Das für die ‚Z’ Klasse typische Feuerleitgerät hinten auf der Brücke ist aus meiner Ersatzteilkiste sowie die 3 Beiboote, die Rettungsfloße und der Scheinwerfer.

Zerstörer HMS Zest

Die Geschützgehäuse sind aus 0,25 mm Plastikcard zusammengebaut. Dies war vielleicht die schwierigste Arbeit am ganzen Schiffsmodell, weil ich die Gehäuse offen und somit realistischer darstellen wollte. Als Geschütze habe ich diejenigen von WEM genommen, da die etwas feiner sind als die Kelly Geschütze. Für die Rohre habe ich gedrehte Messingrohre von Aber benutzt, die zwar Kaliber 4,7 sind, was aber im Maßstab 1/700 keinen Unterschied macht. Zurüstteile wie der Hazemeyer Zwillingsbofors, die 20 mm Zwillings-Oerlikons und die Torpedorohrsätze sind auch von WEM.

Ätzteile

Für dieses Modell habe ich überwiegend die Ätzteile aus dem Satz „O & P Destroyers“ von WEM genommen. In diesem Satz findet man ziemlich alles was man für einen ‚Z’ Klasse Zerstörer gebrauchen kann, z.B. Radarantennen, Relings, Anker und Ankerketten, Gittermast, Bootsdavits, 20 mm Oerlikons und Wasserbombengestelle.

Zerstörer HMS Zest

Bemalung

Während ihrer Dienstzeit im Kriege trug HMS Zest das „Special Emergency Fleet“ Tarnschema (auch als „Special Home Fleet Destroyer“ Schema bezeichnet), das für Flottenzerstörer ab 1942 entwickelt wurde. Dieses Tarnschema bestand aus bis zu 4 Farben und zwar entweder G10 oder G20, B30, G45 und weiß. Aus meiner Interpretierung der schwarz-weiß Fotos der HMS Zest, die ich in der Literatur oder im Internet finden konnte, kam ich zu der Schlussfolgerung, dass HMS Zest ein Tarnschema aus nur drei Farben trug und zwar aus G20, G45 und weiß. Nach diesem Schema habe ich das Modell bemalt unter Verwendung der entsprechenden WEM Colourcoats Farben.

Zerstörer HMS Zest

Literatur

  1. Naval Camouflage 1914 – 1945 David Williams
  2. Warship Perspectives – RN Camouflage Volumes 2 & 3 Alan Raven
  3. Destroyers of World War II M. J. Whitley
  4. British Warships of the Second World War John Roberts
  5. Destroyer Weapons of World War II Peter Hodges & Norman Friedman
  6. British Destroyer Appearance in World War II, Part 2 Alan Raven (Artikel in Warship Nr. 2 vom 1977)
  7. War Emergency Destroyers von Peter Hodges, Airfix Magazine, December 1969

Zerstörer HMS Zest

Fazit

Der Bau dieses Modells hat sechs Monate gedauert, da fast jeder Teil des Schiffsmodells „gescratcht“ werden musste. Daher möchte ich nicht behaupten, dass jedes Detail des Modells stimmt. Ich meine aber, dass das Modell als Darstellung dieser Zerstörerklasse gelungen ist, und deshalb bin ich mit dem Modell zufrieden.

Michael Delf

IG Waterline