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Schlachtschiff Scharnhorst (1/350, Dragon) von Rainer Michalek Drucken
Montag, 23. Januar 2012 um 07:00

Scharnhorst-Spezial

 

Vor vielen Jahren bekam ich die Scharnhorst von Airfix zu Weihnachten von meinen Eltern geschenkt, die gleich am darauf folgenden Tag ganz gruselig zusammengeklebt wurde. So war das halt damals. Später erfuhr ich von meiner Oma, dass ihr Cousin mit der Scharnhorst im Nordmeer unterging, worauf ich ihr das Modell schenkte. Als ich nun hörte, dass Dragon die Scharnhorst heraus bringt, war ich hell auf begeistert und setzte alle Hebel in Bewegung, dass ein Muster den Weg zu mir fand, was ich auf keinen Fall bereut habe.

Das Original

Die Scharnhorst wurde in Wilhelmshaven gebaut. Nach dem Stapellauf am 03.10.1936, folgte am 7. Januar 1939 die Indienststellung. Am 23. November versenkte die Scharnhorst bei Island den britischen Hilfskreuzer HMS Rawalpindi. Am 9. April 1940 auf Höhe Westfjord wurden Scharnhorst und Gneisenau in ein Gefecht mit dem englischen Schlachtkreuzer HMS Renown verwickelt. Am 8. Juni versenkten Scharnhorst und Gneisenau den englischen Flugzeugträger Glorious sowie zwei Zerstörer. Am 22 Juni 1941 gingen Scharnhorst und Gneisenau auf eine 60-tägige Feindfahrt, wobei 22 Handelsschiffe mit 115.000 ts aufgebracht und versenkt wurden. Das Unternehmen endete in Brest. Scharnhorst erhielt am 24. Juli 1941 fünf Bombentreffer. Die Reparaturarbeiten erfolgten im August 1941. Unter dem Decknamen Cerberus erfolgte am 11.bis 13. Februar 1942 der Rückmarsch in die Heimat durch den Kanal und die Straße von Dover.

Vom 8.-10. März 1943 wurde Scharnhorst nach Norwegen verlegt. Vom 6.- 9. September 1943 nahm sie an der Unternehmung gegen Spitzbergen teil. Am 26. Dezember 1943 erfolgte eine Operation gegen den Konvoi JW-55 B nördlich vom Nordkap. Dabei stieß die Scharnhorst bei schlechter Sicht auf einen überlegenen britischen Kampfverband. Schon zu Beginn des Gefechts wurde die Radaranlage der Scharnhorst zerstört, worauf es der Scharnhorst nicht mehr möglich war, ihre Geschütze effektiv einzusetzen. Nach 13 35,5 cm und 14 Torpedotreffern sank die Scharnhorst. Dabei verloren 1803 Matrosen ihr Leben, lediglich 36 Seeleute konnten gerettet werden.

Technische Daten

Länge 236 m, Breite: 30 m, Tiefgang: 10,5 m, Verdrängung: 31.850/ 38.900 ts

Maschinenanlage: 3 Satz BBC Getriebe-Turbinen, 12 Wagner Kessel, Leistung: 160.000 PS, Geschwindigkeit: 31,5 Knoten, Fahrbereich: 10.000 sm

Bewaffnung: 9 x 28 cm Geschütze, 12 x 15 cm Geschütze, 14 x 10,5 cm Flak, 16 x 3,7 cm Flak, 38 x 2,0 cm Flak, 6 x 53,3 cm Torpedorohre, 4 Arado Ar 196 Bordflugzeuge

Besatzung 1800 Mann.

Das Modell

Dragon hat schon mit dem informativen Karton des Bausatzes die Messlatte hoch gelegt, da von allen Seiten 3D Bilder der einzelnen Baugruppen zu sehen sind. Lüftet man den Deckel, warten 1300 Teile an 29 Gussrahmen darauf verbaut zu werden. Es lässt einem das Herz höher schlagen, wenn man sieht mit wie viel Liebe zum Detail die Firma Dragon hier zur Werke ging. Das Deck ist so geteilt, dass die Naht nach der Fertigstellung nicht zu sehen ist. Der Schiffsrumpf hat eine Wasserlinien-Option und ist sehr schön graviert, was man im übrigen von allen Bauteilen sagen kann. Im Bausatz enthalten sind außerdem noch fünf Ätzteilplatinen und ein Ständer für ein Vollrumpfmodell. Der informative Bauplan bringt uns über 19 Baustufen zum Ziel. Die Modelmaster-Farbangaben sind für das Tarnschema “Operation Ostfront” 1943 ausgelegt. Der Decalbogen enthält Fliegerkennung und Flaggen. Für einen guten Tagelageplan müssen wir leider noch zu mal in die Geldbörse greifen. Ansonsten haben wir es hier mit einem Bausatz der Superlative zu tun.

Der Zusammenbau der Scharnhorst ging recht flott von der Hand, da alle Teile recht Passgenau sind. Alle Kunststoffteile wurden mit Tamiya-Flüssigkleber fixiert. Die Fotoätzteile wurden mit Sekundenkleber angeklebt. Der einzige Minuspunkt ist sicherlich der Hauptmast, da dieser aus Kunststoff gefertigt ist, da das ziehen der Takelage ohne verbiegen nicht zu bewerkstelligen ist. Hier wäre es wünschenswert, gedrehtes Material aus Kupfer zur Verfügung zu haben. Ich habe deshalb den Mast bei BMK Kleinserien drehen lassen.

Fotos des Modells während des Baus gibt es hier:

Link zur Bildergalerie

Farben

Revell 6 matt Schwarz, Humbrol 34 matt Weiß, Revell 77 matt Mittelgrau, Revell SM 374 Hellgrau, Revell 57 matt Dunkelgrau, Humbrol 66 matt Rot, Revell 9 matt Anthrazit, WEMCC 01 Teak.

Fotographie

Wie setze ich ein solches Modell in Szene. Dieser Gedanke kam erstmals beim Modellieren der Wasseroberfläche der Yamato auf. Ich sah auf dem Deckelbild diese schwere See mit dem dunkel verhangenen Himmel. Also nahm ich mir eine blaue Tapete und fing an diese mit unterschiedlichen Grautönen zu bemalen. Später wurde noch ein Sonnenaufgang mit rötlichen Farbtönen imitiert. Da kommt man schnell ins Staunen, wie ein Modell plötzlich einem Originalfoto recht nahe kommt. Vorraussetzung ist ein rahmenfreies Diorama, da der Rahmen dem Foto die Wirkung nimmt. Außerdem sollte man das Modell immer so fotografieren, wie in diesem Falle eines Schiffes, als wenn man im Boot sitzt. Was die Belichtung angeht, immer mit Restlicht oder Kunstlicht fotografieren, niemals mit Blitz. Der Blitz erschlägt das Motiv und verfälscht die Farben.

Literatur

Planmappe Scharnhorst im Maßstab 1:200.

Fazit

Wir haben es hier mit einem wunderbaren Bausatz der Scharnhorst zu tun, der seinem Preisleistungsverhältnis mehr als gerecht wird. Für einen Straßenpreis von ca. 120 € bekommt man jede Menge Bastelspaß.

Rainer Michalek

IG Waterline