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Amerikanischer Lenkwaffenkreuzer Virginia (1/700, CyberHobby) von Eberhard Sinnwell Drucken
Montag, 03. September 2012 um 06:00

Das Original

Die USA (US Navy) hatten zwischen den Jahren 1961 und 1980 neun Atomkreuzer in Dienst gestellt. Diese waren:

USS Long Beach (CGN-9) ID: 09.09.1961 Long Beach-Klasse
USS Bainbridge (CGN-25) ID: 06.10.1962 Bainbridge-Klasse
USS Truxtun (CGN-35) ID: 25.05.1967 Truxtun-Klasse
USS California (CGN-36) ID: 16.02.1974 California-Klasse
USS South California (CGN-37) ID: 25.01.1975 California-Klasse
USS Virginia (CGN-38) ID: 11.09.1976 Virginia-Klasse
USS Texas (CGN-39) ID: 10.09.1977 Virginia-Klasse
USS Mississippi (CGN-40) ID: 05.08.1978 Virginia-Klasse
USS Arkansas (CGN-41) ID: 18.10.1978 Virginia-Klasse
ID= Indienststellung

Der erste Atomkreuzer, die USS Long Beach CGN-9, wurde, zeitgleich mit dem ebenfalls nuklear angetriebenen Flugzeugträger USS Enterprise CVN-65, im Jahr 1961 in Dienst gestellt. Ein Jahr später folgte die USS Bainbridge. Diese wurde zuerst als Zerstörer DLGN 25 (Destroyer Leader / guided missile / nuclear powered) in Dienst gestellt. Ab dem Jahr 1975 wurde sie zum atomgetriebenen Lenkwaffenkreuzer CGN-25 hochgestuft. Damit bildeten die USS Bainbridge CGN-25, die USS Long Beach CGN-9 und die USS Enterprise CVN-65, die erste „Nuclear Task Force One“. Am 01 August 1964 begann die Operation „Sea Orbit“, in deren zwei-monatigen Verlauf eine komplette Weltumrundung von 30565 Seemeilen erfolgte. Die reine Fahrzeit betrug 58 Tage, in denen eine Durchschnitts-geschwindigkeit von 25 Knoten erreicht wurde.

Alle US Navy Atomkreuzer wurden in den 1990 Jahren deaktiviert und verschrottet. Lediglich Russland hat noch einen, der ursprünglich vier Atomkreuzer der Kirow-Klasse, in Dienst. Dieser ist die Pjotr Weliki (Peter der Große) und dient als Flaggschiff der russischen Nordmeer-Flotte. Heutzutage werden nur noch Unterseeboote und Flugzeugträger mit Atomantrieb ausgestattet.

Geschichtliches / Lebenslauf

Die Virginia wurde 1971 bei Newport News Shipbuilding in Auftrag gegeben und im August 1972 in der Werft in Newport News, Virginia auf Kiel gelegt. Stapellauf und Taufe fanden im Dezember 1974 statt. Im Jahr 1976 wurde die Virginia in Dienst gestellt. Die ersten Monate verbrachte das Schiff mit Testfahrten vor der amerikanischen Ostküste. Anschließend fand noch einmal ein fünfmonatiger Werftaufenthalt statt. Erste Manöver führte die Virginia ab September 1977 durch, unter anderem U-Jagd-Übungen und Raketenabschussübungen. 1978 nahm die Virginia an NATO-Übungen in westeuropäischen Gewässern teil. Dabei lief sie mehrere europäische Häfen an. Im Oktober lief der Kreuzer wieder in seinen Heimathafen in Norfolk ein. Im Jahr 1980 fuhr das Schiff zu Einsätzen in den Indischen Ozean. Vor der libanesischen Küste verschoss sie im Jahr 1983 mehr als 300 Geschosse mit ihren zwei Geschützen. Die Ziele befanden sich hauptsächlich in Beirut. Im Jahr 1984 lief der Kreuzer die Werft an, wo er unter anderem zwei Armored Box Launcher mit je vier Marschflugkörpern BGM-109 Tomahawk erhielt. 1990 lief die Virginia zu einem Einsatz im Rahmen der Operationen „Desert Shield“ und „Desert Storm“ aus, wobei sie zwei Tomahawk auf Ziele im Irak abschoss. Die nächsten beiden Jahre verbrachte die Virginia mit einer eher untypischen Aufgabe als atomgetriebener Kreuzer. Sie machte Jagd auf Drogen-Schmuggler. 1994 wurde die Virginia außer Dienst gestellt und wurde ab 1999 zerlegt. Inzwischen wurde sie recycelt und tut vielleicht als Locher ihren Dienst.

Zeitliche Eckdaten:
Bestellung: 21.12.1971
Kiellegung: 19.08.1972
Stapellauf: 12.12.1974
Indienststellung: 11.09.1976
Außerdienststellung: 10.11.1994
Verschrottung: 25.09.2002

Technische Daten:
Verdrängung: 11642 t
Länge: 178,6 m
Breite: 19,2 m
Tiefgang: 9,8 m
Antriebsleistung: 60.000 PS auf zwei Wellen
Antriebstyp: 1 Reaktor
Geschwindigkeit: 30+ kn (56 km/h)
Besatzung: 39 Offiziere, 539 Matrosen

Bewaffnung:
2 x Starter für Luftabwehrraketen
2 x 127 mm Geschütze Typ Mk-45
2 x Dreifach-Torpedowerfer
spätere Nachrüstung mit
2 x Gatling- Kanonen, Typ Phalanx
2 x Starter für Seeflugziele, Typ AGM-84 Harpoon
2 x Starter für Marschflugkörper, Typ BGM-109 Tomahawk

Das Modell

Modell: USS Virginia CGN 38
Hersteller: Dragon / Cyber-Hobby
Maßstab: 1:700
Material: Polystyrol + Fotoätzteile
Art.Nr: 7090
Preis: ca. 32 €

Zurüstteile:
Reling von Lion Roar
Matrosen von Eduard
Rettungsringe von NNT
Resinkleinteile California CGN Upgreat Set von JAG

Der Bausatz von Cyber Hobby enthält fünf Spritzrahmen aus Kunststoff, einen Sockel für das Display, den Unterwasserrumpf und eine Platine mit Ätzteilen. Von dem Spritzrahmen D werden nur sehr wenige Bauteile, wie Rettungsboote, Harpoon-Starter, Gatling-Kanonen, Dreifach-Torpedowerfer sowie kl. Radarantennen SLQ-32 benötigt. Der Rest wandert in die Ersatzteilkiste.

Der Bau meines Modells beginnt frei nach dem Motto, früher an später denken. Als erstes habe ich mir ein geleimtes Buchenholzbrett im Baumarkt auf meine gewünschten Maße sägen lassen. Anschließend habe ich mit einer Oberfräse die Randkontur gefräst. Nun wurde der Rand mit mattschwarzer Farbe aus der Sprühdose lackiert und nach dem Durchtrocknen mit Tape abgeklebt.

Dann habe ich den Rumpf mit 2 mm PE- Platten von Evergreen unterfüttert und verschliffen. Dies mache immer dann, wenn ich mein Schiff im/auf dem Wasser darstellen möchte. Der Grund hierfür ist, dass sich durch das Aufmodellieren der Wellen der Tiefgang vergrößert, was wiederum durch das Anheben ausgeglichen wird. In diesem Zuge habe ich die Rumpfform auf ein Stück Karton übertragen. Dieser Karton dient als Positionierungshilfe und Platzhalter für den nächsten Arbeitsschritt. Dieser besteht darin, dass nun die Wasseroberfläche mit weißer Wandfarbe grob und unregelmäßig gepinselt wird. Nach dem Durchtrocknen der Farbe habe ich den Karton wieder entfernt. Dicht am Rumpf habe ich mit türkiser, den Rest der Wasseroberfläche mit dunkelblauer Plakafarbe gestrichen.

Ab hier/jetzt beginnt der eigentliche Bau des Modells mit dem Einkleben des Vordecks. Ich habe mich nicht an die übersichtliche Bauanleitung gehalten, sondern von unten nach oben, bzw. von groß nach klein vorgearbeitet. Wo es möglich war, habe ich jedes Deck einzeln fertiggestellt, ohne diese vorerst miteinander zu verkleben. Einzig kniffelig war die Montage der vorderen und achtern Masten mit dem Ausrichten der Plattformen und Antennen, die etwas Geduld und ein geübtes Auge erfordern. Der achtern Luftüberwachungsradar und die sternförmige Antenne am Bug sind erfreulicherweise auch als fotogeätztes Teile vorhanden. Im nächsten Schritt wurden die Kleinteile von Gießast befreit, versäubert und mit doppel-seitigem Klebeband auf ein Stück Holz befestigt.

Nun kommt Farbe ins Spiel. Mit etwas aufgehelltem Revell 78 Panzergrau wurde das gesamte Deck und alle horizontalen Flächen per Airbrush lackiert. Das Hauptdeck wurde dann mit einer Schicht „Future“ versiegelt, um eine gute Grundlage für die Decals zu bekommen. Diese sind recht dünn und lassen sich gut verarbeiten. Es ist nur darauf achten, dass die runden Gefahrenbereichsmarkierungen auch wirklich rund sind. Eine weitere dünne Schicht „Future“ schützt die Decals vor dem Abkleben mit Tamiya Tape. Ebenso wurden alle Decks sowie Plattformen abgeklebt. Nun wurde der Rumpf, alle vertikalen Flächen, Waffen sowie die Kleinteile mit Neutral Haze Gray von WEM per Airbrush lackiert.

Nun habe ich alle Decks von unten nach oben angeklebt. Die Teile 2x D40 und 4x B41 sollten auf Deck Teil A10 aufgeklebt werden, bevor dieses von hinten in die Aufbauten eingeschoben wird. Ansonsten lassen sich die 6 Teile schlecht positionieren, da sie darüber liegenden Deck verdeckt werden.

Beim nächsten Bauabschnitt beginne ich mit dem Ankleben der fotogeätzten Teile. Hier hauptsächlich mit der Reling, der dem Bausatz beigelegten fotogeätzten Treppen, Leitern, Radarantennen und den Wasserabweisern auf Höhe der Aufbauten. Nun folgen die Mk.-45 Geschütze, die SM-1-Raketenstarter, die Armored Box Launcher, der Dreifachtorpedowerfer sowie die AGM-84 Harpoon-Starter. Dann folgten alle Antennen, Stabantennen und Parabolantennen, der SPS-40 2D-Luftraumüberwachungsradar sowie der SPS-48 3D-Luftraumüberwachungsradar. Um ein paar wenige Farbtupfer zu erhalten, habe ich die Raketen, Rettungsinselcontainer, die kugelförmigen Antennen sowie die Aufbauten des Beibootes weiß lackiert. Die stirnseitigen Abdeckungen der Harpoon-Starter wurden rot gestrichen. Die Rettungs- und Beiboote erhielten zudem einen schwarzen Unterwasserrumpf.

Die 30 Offiziere und Matrosen, die Rettungsringe und die rote Backbord bzw. grüne Steuerbordlaterne, verschwinden durch ihre Größe. Besser müßte es heißen: „durch ihre Winzigkeit“. Mit dünner Angelschnur habe ich die Flaggenleinen und Abspannungen der Masten dargestellt. Am achteren Flaggenstock wurde die amerikanische Flagge angebracht. Nun habe ich eine Schicht Gunze Mattlack über alles gesprüht. Dadurch verschwindet der Glanz des Sekundenklebers und der Versiegelung des Hauptdecks. Jetzt habe ich die USS Virginia auf meinem Display befestigt und die Bugwellen und Hecksee mit Acrylgel modelliert. Die Wellenkämme habe ich mit weißer Farbe hervorgehoben. Ziel war es, das Schiff bei ruhiger See, aber mit maximaler Fahrt von 30 Knoten darstellen.

Quellen

Eberhard Sinnwell