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USS Guadalcanal und U 505 (1/700, Loose Cannon/HobbyBoss) von Eberhard Sinnwell Drucken
Donnerstag, 05. Juni 2014 um 05:00

 

04.06.1944 - 70 Jahre Kaperung von U 505

 

Vor 70 Jahren, am 4. Juni 1944, gelang es einer "Hunter-Killer-Group" der US Navy, bestehend aus dem Geleiträger USS Guadalcanal und den Geleitzerstörern Pillsbury, Chatelain, Flaherty, Jenks und Pope, das deutsche U-Boot U 505 aufzubringen (siehe auch Jahrestage auf Modellmarine).

Das Original

U 505 war eines der U-Boote des Typs IXC, d.h. des größeren der beiden Standardtypen der Kriegsmarine. U 505 war 76,8 m lang, 6,8 m breit und verdrängte 1120 t. Der Antrieb war diesel-elektrisch, womit über Wasser 18,3 kn (mit den Dieseln) und unter Wasser (nur mit den Elektromotoren) 7,3 kn erreicht werden konnten. Die Bewaffnung bestand sechs 53,3 cm-Torpedorohren (vier Bug, zwei achtern; 22 Torpedos oder 44 Minen), eine 3,7 cm FlaK M42U und zwei 2 cm FlaK 38 Zwillingen. Die Besatzung setzte sich aus 60 Mann zusammen.

U 505 wurde 1940-41 auf der Deutschen Werft in Hamburg gebaut. Sie fuhr insgesamt acht Einsätze, wobei sie acht Schiffe mit insgesamt 45 005 BRT versenkte. Sie lief zur ihrem letzten Einsatz vor der Westküste Afrikas am 16. März 1944 aus, erzielte aber keinen Erfolge. Sie war auf dem Rückmarsch nach Lorient als sie aus die Jagdgruppe um die Guadalcanal traf.

USS Guadalcanal (CVE-60) war einer der Geleitträger der Casablanca-Klasse, der mit 50 Schiffen umfangreichsten Klasse von Flugzeugträgern, die bisher gebaut wurde. Die Klasse beruhte nicht auf einem Handelsschiffentwurf wie andere Geleitträger-Klassen, sondern wurde als Flugzeugträger entworfen und von der Kaiser Werft in Vancouver in Serie gebaut.

Guadalcanal war 156,2 m lang, 32,9 m breit und verdrängte 10 400 ts. Der Antrieb bestand aus zwei Fünfzylinder-Dampfmaschinen und vier Kesseln, trieb zwei Schrauben und leistete 9000 PS. Damit wurden 19 kn erreicht. Die Bewaffnung bestand aus einem 12,7 cm L/38-Geschütz, acht 4 cm-Bofors-Zwillingen und 20 2 cm-Oerlikon-Flak. Es konnten etwa 28 Flugzeuge mitgeführt werden, z.B. 16 F4F Wildcat-Jagdflugzeuge und 12 TBM Avenger-Torpedobomber zur U-Jagd. Die Besatzung setzte sich aus 860 Mann zusammen.

Guadalcanal wurde 1943 von Kaiser in Vancouver gebaut und ab Anfang Januar 1944 im Atlantik zur U-Jagd eingesetzt. Bei ihrem ersten Einsatz konnte eine ihrer Avenger am 16. Januar U 544 versenken und U 516 zu beschädigen. Bei dem zweiten Einsatz gelang es der U-Jagdgruppe um die Guadalcanal U 515 und U 68 am 9. bzw. 10. April zu versenken.

Zu ihrem dritten Einsatz lief sie am 14. Mai aus. Neben Guadalcanal gehörten die Geleitzerstörer Pillsbury (DE-133), Pope (DE-134), Flaherty (DE-135), Chatelain (DE-149) (alle Edsall-Klasse) und Jenks (DE-665, Buckley-Klasse) der U-Jagd-Gruppe an. Der Befehlshaber dieser U-Jagdgruppe, Kapitän Daniel V. Gallery, hatte aus den Erfahrungen bei der Versenkung von U 515 am 9. April 1944 die Schlußfolgerung gezogen, dass es möglich sein müsste, eines der U-Boote zu kapern. Er ließ darauf auf allen Schiffen der Gruppe Enterkommandos die Übernahme eines U-Boots trainieren. Als der Verband dann vor Westafrika auf U 505 traf, zahlten sich diese Vorbereitungen aus. Der Geleitzerstörer Chatelain beschädigte das U-Boot mit Wasserbomben so schwer, dass es notauftauchte und fluchtartig von der Besatzung verlassen wurde. Daraufhin sicherte ein Enterkommando der Pillsbury das U-Boot. Ein erster Abschleppversuch durch die Pillsbury scheiterte, letztlich nahm der Geleitträger Guadalcanal selbst das U-Boot in Schlepp bis der zur Unterstützung gerufene Bergungsschlepper Abnaki übernahm und U 505 nach Bermuda schleppte.

Im Boot wurden u.a.  zwei damals den Alliierten noch unbekannte akustisch gelenkte G7es (Zaunkönig T-5) Torpedos sowie eine Enigma-Maschine und diverse Verschlüsselungstabellen gefunden (die erste Enigma war schon am 9. Mai 1941 an Bord von U 110 durch die Royal Navy erbeutet worden, eine weitere am 30. Oktober 1942 von U 559; deutsche Funksprüche wurden bereits seit Mitte 1943 routinemäßig entschlüsselt). Nach umfassenden Untersuchungen wurde das Boot - das zur Tarnung USS Nemo genannt wurde, um zu verhindern, dass die Erbeutung bekannt wurde - in der Marinewerft Portsmouth aufgelegt. 1954 wurde U 505 an das Museum of Science and Industry in Chicago übergeben. Für die Restaurierung lieferten diverse deutsche Firmen Ersatzteile. Bis 2004 wurde das Boot außerhalb des Museums ausgestellt, danach wurde es in eine neue Ausstellungshalle gebracht, wo es heute noch zu besichtigen ist.

Die Guadalcanal blieb nach der Erbeutung von U 505 im Atlantik im Einsatz, konnte aber kein weiteres U-Boot versenken - viele waren auch nicht mehr im Einsatz. Am 15. Juli 1946 wurde sie außer Dienst gestellt und war in den Jahren darauf Teil der Reserveflotte. Am 27. Mai 1958 wurde sie aus der Schiffsliste gestrichen und 1959 zum Verschrotten verkauft. Zusammen mit dem Schwesterschiff Mission Bay wurde sie von dem niederländischen Hochseeschlepper Elbe nach Japan geschleppt, wo Guadalcanal abgewrackt wurde.

Guadalcanal erhielt drei Battle Stars sowie eine Presidential Unit Citation für die Erbeutung von U 505.

Die Modelle

U-Boot U 505

Beim U 505 handelt es sich um ein deutsches U-Boot der Klasse IX C. Unter dieser Bezeichnung hatte ich das Modell bei einem Internethändler bestellt. Als ich den Bausatz von Hobby Boss in Händen hielt, kam eine gewisse Ernüchterung auf. Es handelt sich mehr um einen Steckbausatz als um einen zu klebenden Bausatz im klassischen Sinn. Der Hersteller bietet die Wahl zwischen einem Vollrumpfmodell mit Sockel oder einer Wasserlinienausführung. Am Rumpf ist auf Höhe der Insel sowie an den Wintergärten die Reling angegossen. Spritzgusstechnisch sind diese zwar dünn ausgeführt, aber für diesen Maßstab trotzdem immer noch viel zu dick. Auf dem Vordeck befindet sich ein Geschütz, auf dem unteren sowie dem oberen Wintergarten ist jeweils eine Flak angeordnet. Anzumerken ist, dass die beiden Flaks die gleiche Größe haben. Die Deckstrukturen und die Flutschlitze sind fein ausgeführt. Die Insel besteht aus einem Bauteil. Der Bauplan ist auf der Rückseite des Kartons abgedruckt, die Farbangaben beziehen sich auf Mr. Colour bzw. Hobby Colour. Bei dem von mir gewählten U-Boot befand sich kein 10,5 cm Geschütz auf dem Vordeck. Die Insel war beim Original, im Bereich des unteren Wintergartens länger, um die 3,7 cm Flak mit Splitterschutz aufzunehmen. Der obere Wintergarten war wiederum zu schmal, um beide nebeneinander angeordneten 2 cm Flaks aufzunehmen. Die Flaks habe ich aus einem PE Teilesatz von Fly Hawk verwendet. Die Reling habe ich aus der Restekiste genommen und bewusst verbogen, wie auf Originalfotos zu sehen.

Flugzeugträger CVE-60

Beim vorliegenden Modell handelt es sich um einen Resinbausatz mit Fotoätzteilen von Loose Cannon und Tom’s Modelworks. Weiterhin liegen dem Bausatz Messingdrähte in verschiedenen Stärken bei. Flugzeuge sind nicht enthalten. Das beigefarbene Resin ist recht weich und hatte einige Lufteinschlüsse. Obwohl Resin eingesetzt wurde, sind die Flugdeckunterkonstruktion, die Strukturen und Kanten unscharf und die Kleinteile sind kaum zu gebrauchen.

Die sechsseitige Bauanleitung ist in amerikanischer Sprache verfasst. Der Bausatz ist so alt, dass die Texte der Anleitung noch mit der Schreibmaschine getippt und anschließend vervielfältigt wurden. Ich habe bewusst nicht das Wort fotokopiert verwendet- damals gab es noch keine Kopierer! Die erste Seite befasst sich mit der Modellvorbereitung (Kit Preparation), der Detaillierung (Detailling) und der Bemalung (Painting). Zum letzten Punkt gibt es diverse Verweise auf Literatur und weitere Quellen sowie die zu verwendenden Farben. Um einen bestimmten Träger dieser Klasse zu bauen, sollte man laut Anleitung detailliertes Fotomaterial heranziehen. Die zweite Seite behandelt die Flugdeckmarkierung der Casablanca-Klasse. Hierzu sind zwei Flugdecks sowie zweimal die Ziffern in Originalgröße abgedruckt. Vier Träger hatten keine Nummer am Bug und Heck des Flugdecks, 15 Stück hatten die Nummern in Schwarz und einer mit schwarzer Schrift und weißer Mittellinie (laut Bauanleitung). Auf allen Flugzeugaufzügen befanden sich weiße, diagonal angeordnete Kreuze. Die dritte Seite geht auf die Anordnung der sogenannten „Schwalbennester“, die rings um das Flugdeck angeordnet sind. Die 13 Teile werden auf dreierlei Arten angeklebt. Auf der vierten Seite der Bauanleitung sind die drei Hauptansichten des fertigen Flugzeugträgers abgebildet. Leider ist dies sehr unübersichtlich. Die darauf folgende Seite informiert über den allgemeinen Umgang und zeigt die mitgelieferten fotogeätzten Messingteile passend zu diesem Bausatz. Die letzte Seite zeigt den Zusammenbau des Gittermastes und die Positionierung der Fangseilhalter.

Der Bau

Der erste Arbeitsschritt besteht im Entfernen der Angüsse und dem Versäubern der Resinteile. Die Hauptarbeit besteht im Planschleifen des Rumpfboden und des Flugdecks. Das Kunststoffflugdeck steht leicht über und muss an das Resindeck angepasst werden. Zur Befestigung des Schiffes auf meiner Dioaramaplatte hatte ich zwei Durchgangsbohrungen in den Rumpfboden gebohrt und diese auf die Holzplatte übertragen. In einem Hohlraum auf Höhe des Hangardecks hatte ich Muttern zum Verschrauben eingeklebt. Anschließend hatte ich alle Schwalbennester, Schornsteine und Catwalks an das Deck geklebt. Als Tipp für diejenigen, die ebenfalls diesen Bausatz besitzen und ihn bauen wollen: An einer Ecke anfangen und die Teile der Reihe nach ankleben, sonst tun sich unerwartet Lücken auf, wo keine sein sollten. Auf die exakte bzw. horizontale Ausrichtung sollte geachtet werden. Ich musste Stellenweise die Stützstreben mit dünnen Profilen unterfüttern, damit die Plattformen horizontal ausgerichtet sind. Die Insel habe ich neu aus rechteckigem Evergreen Material gebaut, da das entsprechende Resinteil unbrauchbar war. Die Leitern, Leitungen und Kräne habe ich anhand von Fotos angebracht.

Die Farben

Das Flugdeck wurde zuerst mit einer Holzfarbe lackiert. Danach habe ich am Rand und punktuell mit stark verdünntem Deck Blue B20 von WEM Color Coats gearbeitet. Die Schiffsnummer (60) hatte ich an Hand von Papiervorlagen der Bauanleitung auf Klebeband übertragen, aufgeklebt und mit schwarzer Farbe dünn aufgesprüht. Es war mir wichtig, einen abgenutzten Eindruck zu erzielen. Bei den Flugfeldbegrenzungen (weißen Linien) bin genauso vorgegangen. Eine abschließende Schicht Klarlack diente als Schutz. Nachdem alles gut durchgetrocknet war, habe ich das Flugdeck abgeklebt und alle vertikalen Flächen, sowie den gesamten Rumpf, mit Light Grey 5-L gesprüht. Das Tarnmuster (Measure 32) hatte ich mir aus dem Internet besorgt, auf die richtige Größe herunter skaliert und dann Schablonen für die einzelnen Felder angefertigt. Die nächsten Farben waren Navy Blue 5-N und Pale Grey 5-P. Wenn ich ohnehin die jeweilige Farbe in der Sprühpistole hatte, habe ich auch gleich die diversen Kleinteile, wie Rettungsflöße, Anker, Beiboote, Fotoätzteile, Geschütze sowie die Zwillingsflugabwehrgeschütze lackiert

Quelle: Wikimedia Commons

Die Flugzeuge

Die TBM Avenger Flugzeuge stammen von Dragon, die der F4F Wildcat von Trumpeter. Alle Flugzeuge sind aus durchsichtigem Kunststoff hergestellt und wurden zuerst mit seidenmatter weißer Farbe lackiert. Dann wurden die Unterseiten sowie Teile des Rumpfes abgeklebt und mit hellgrauer Farbe gesprüht. Nachdem die Farbe gut durchgetrocknet war, habe ich die Farbe im Kanzelbereich mittels eines neuen Skalpells abgekratzt. Nun folgte eine Schicht Future als Versiegelung, die wiederum als Grundlage für die Decals diente. Im folgenden Schritt wurden die Tragflächen und die fotogeätzten Propeller angeklebt. Den Abschluss bildete eine Schicht Mattlack.

Die Endmontage

Nachdem der Gittermast gebaut und angebracht war, folgte die Reling zwischen den einzelnen Geschützständen. Nun brachte ich die 40 mm Bofors Zwillingsgeschütze sowie die 20 mm Flak mit Sekundenkleber an. An die Reling wurden anschließend die Schlauchboote in der entsprechenden Farbe (Light Grey / Navy Blue) angeklebt. Die blauen Rechtecke sollen Überlebensrationen oder Trinkwasser darstellen. Der Funkmast vor der Insel wurde aus Messingdraht aufgebaut, ebenso der Kran. Jetzt wurden die Flugzeuge positioniert und fertig bemalte Figuren von Eduard sowie unbemalte von Fly Hawk zur Belebung des Flugfeldes aufgeklebt. Die zuletzt genannten Figuren müssen selbst bemalt werden, bieten aber eine größere Auswahl an Körperhaltungen. Bemerkenswert sind die Unterlegkeile für die Flugzeuge und Schwimmwesten für die Seeleute, die als PE Teil vorhanden sind.

Restarbeiten

Diverse Restarbeiten werde ich noch durchführen. Es fehlt die amerikanische Flagge, die Backbord bzw. Steuerbordlaterne, kleinere Antennen am Gittermast, Zubehör auf dem Flugdeck sowie diverse Rostspuren.

Quellen

Eberhard Sinnwell (Text über Originale von Lars)