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Deutsche Marine plant Umbau der Gorch Fock zum Rotorschiff Drucken
Freitag, 01. April 2016 um 05:00

Bundesmarine plant Umbau der Gorch Fock zum Rotorschiff

Die Ausgangssituation

Von der Verkleinerung der Bundeswehr ist nat√ľrlich auch die Deutsche Marine betroffen. Die deutliche reduzierte Anzahl an Seekadetten hat zwangsl√§ufig Auswirkungen auf den Betrieb des Segelschulschiffes Gorch Fock. Denn die Personalst√§rke aus Stammbesatzung und Kadetten reicht nicht mehr aus um die Takelage der Dreimastbark zu bedienen. Unter dem Eindruck des allgemeinen Ressourcenmangels - Geld und Personal - wird deshalb in der Marinef√ľhrung und im Bundesministerium f√ľr Verteidigung √ľber die Zukunft der Gorch Fock diskutiert.

Eine Au√üerdienststellung des Segelschulschiffes mit anschlie√üendem Abwracken oder Auflegen als Museumsschiff im Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven ist eine im Ministerium bevorzugte Option. Die Marinef√ľhrung m√∂chte dagegen den Betrieb als Schulschiff erhalten und plant deshalb einen radikalen Umbau der Gorch Fock zum Flettner-Rotorschiff. Die Gorch Fock lie√üe sich somit mit deutlich verringerter Mannschaftsst√§rke segeln. Gleichzeitig w√§re die Unfallgefahr deutlich reduziert, da niemand mehr in die Masten aufentern m√ľ√üte.

Bundesmarine plant Umbau der Gorch Fock zum Rotorschiff Bundesmarine plant Umbau der Gorch Fock zum Rotorschiff

Die Technik

Das Prinzip des Rotoschiffes geht auf den Erfinder und Konstrukteur Anton Flettner zur√ľck. Flettner forschte nach dem Ersten Weltkrieg an modernen, personalsparenden Segelantrieben. Dabei erfuhr er von den Forschungsergebnissen √ľber die Str√∂mungsverh√§ltnisse an¬†rotierenden Zylindern an der Aerodynamischen Versuchsanstalt in G√∂ttingen. Auf dieser Basis entwickelte er den Flettner-Rotor, der den Magnus-Effekt zur Erzeugung von Vortrieb nutzt.¬†

Mit dem Rotorschiff Buckau konnte 1924 die technische Nutzbarkeit des Flettner-Rotos bewiesen werden. Das billige √Ėl und der Siegeszug des Dieselmotors verhinderte in der Folgezeit jedoch die weitere Erforschung und den Einsatz der Rotorschiffe. Erst in unserem Jahrhundert mit stark steigenden √Ėlpreisen erinnerte man sich wieder an diese Antriebstechnik. Das E-Ship 1 ist ein Spezialschiff f√ľr den Transport von maritimen Windenergieanlagen und ist mit vier von Enercon entwickelten¬†Flettner-Rotoren mit 4 m Durchmesser und 27 m H√∂he ausgestattet.

Bundesmarine plant Umbau der Gorch Fock zum Rotorschiff

Damit stehen moderne und erprobte Flettner-Rotoren als Antriebseinheit f√ľr eine umgebaute Gorch Fock zur Verf√ľgung. Die Umbaupl√§ne sehen eine komplette Entfernung der Masten und des Riggs vor. An ihrer Stelle werden die wesentlich leichteren und kleineren Flettner-Rotoren aufgebaut. Aufgrund der Effizienz der Flettner-Rotoren kann die Gorch Fock bei optimalen Windverh√§ltnissen nahezu die gleiche Geschwindigkeit erreichen wie mit der alten Bark-Takelung. Durch die hohe Gewichtsersparnis - die Rotoren wiegen etwa 1/7 der Stahlmasten und des Riggs - muss zus√§tzlicher Ballast im Schiffsrumpf untergebracht werden.

W√§hrend f√ľr Rumpf- und Aufbauten das freundliche Standardgrau der Deutschen Marine vorgesehen ist, sollen die Rotoren einen wei√üen Anstrich bekommen, um an die √Ąra der Rahsegler zu erinnern.

Bundesmarine plant Umbau der Gorch Fock zum Rotorschiff

Nach den Pl√§nen der Deutschen Marine soll der Beschluss zum Umbau der Gorch Fock noch in dieser Legislaturperiode fallen. Der Umbauzeit selbst wird mit ca. zwei Jahren veranschlagt, somit k√∂nnte das Rotorschiff Gorch Fock voraussichtlich im Jahr 2019 in Dienst gestellt werden und den Schulungsbetrieb f√ľr Kadetten wieder aufnehmen.

Stefan