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Niko Model: niederländischer Leichter Kreuzer Hr. Ms. Tromp (1/700) Drucken
Mittwoch, 08. Februar 2017 um 06:00

Leichter Kreuzer Hr. Ms. Tromp: Deckelbild

Modell: Dutch Light Cruiser HNLMS Tromp 1942
Hersteller: Niko Model
Maßstab: 1/700
Material: Resin, Fotoätzteile, Abziehbilder
Art.Nr.: 7100
Preis: 56,8 € (bei NNT)

Das Original

Der niederländische Leichte Kreuzer Hr. Ms. Tromp war das Typschiff einer Klasse von zwei Schiffen. Diese wurden als Flottillenführer für ein neu zu bauendes Geschwader von Zerstörern für den Einsatz in Niederländisch-Indien (heutiges Indonesien) bewilligt. Die Klasse wies sowohl Kreuzermerkmale auf - eine leichte Panzerung, für die Größe relativ schwere Artilleriebewaffnung - als auch Zerstörermerkmale auf (leichte Bauweise, Geschütze nicht in Türmen).

Die Tromp-Klasse war vor der Verdrängung her einer der kleinsten damaligen Kreuzer. Die Panzerung beschränkte sich auf Splitterschutz. Auch ansonsten waren die Schiffe möglichst leicht gebaut. Ihre Geschwindigkeit war aber wegen einer relativ schwachen Maschinenanlage nicht sehr hoch. Wie der etwas ältere Leichte Kreuzer De Ruyter erhielt auch die Tromp-Klasse keine schwere Flak. Ihre 15 cm-Geschütze erhielten einen relativ hohe Rohrerhöhung (60°), dazu erhielt sie für die damalige Zeit sehr fortschrittliche 4 cm-Bofors-Flak auf stabilisierten Hazemayer-Lafetten. Vier dieser Zwillingslafetten waren ursprünglich geplant, eingebaut wurden aber nur zwei. Die Tromp-Klasse konnte ein Bordflugzeug mitführen, musste dies aber zum Starten aussetzen, da kein Katapult vorhanden war.

Die Tromp war bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs auf dem Weg nach Niederländisch-Indien. Dort wurde die Anordnung ihrer 4 cm-Bofors modifiziert: sie wurden übereinander statt neben einander angeordnet und die Form des achteren Deckshauses verändert, wodurch der Feuerbereich des achteren 15 cm-Geschützes vergrößert wurde. Nach der Schlacht in der Badung Straße wurde ihre Flak in Australien verstärkt und sie mit Radar ausgerüstet. Nach dem Krieg wurden sowohl Flak als auch Sensoren erneut verbessert und die Form ihrer Schornsteinkappe geändert. Neben Tromp wurde noch ein weiteres Schiff der Klasse gebaut: Jacob van Heemskerck. Diese war zum Zeitpunkt des deutschen Einmarschs in den Niederlanden noch unfertig und ohne Bewaffnung, konnte aber nach Großbritannien entkommen. Dort erhielt sie fünf 10,2 cm-Zwillingsflak und britische leichte Flak, d.h. unterschied sich deutlich von ihrem Schwesterschiff.

Die Tromp war 132,0 m lang, 12,4 m breit und verdrängte voll beladen 4225 t. Der Antrieb bestand aus vier Kesseln und zwei Dampfturbinen und leistete 56.000 PS, womit 32 kn erreicht wurden (bei Probefahrten 33,5 kn). Die Besatzung bestand aus 295 Mann vor dem Krieg und 393 während des Zweiten Weltkriegs.

Bewaffnung 1938
6 x 15 cm L/50 No. 11 Bofors (drei Zwillingslafetten)
4 x 4 cm L/56 No. 4 Bofors-Hazemayer (zwei Zwillingslafetten)
4 x 1,27 cm Vickers-Maschinengewehre (zwei Zwillingslafetten)
6 x 53,3 cm-Torpedorohre (zwei Drillingsrohre, zwölf Torpedos)
Wasserbomben
1 Fokker C.XI-W Bordflugzeug

Bewaffnung April 1942
6 x 15 cm L/50 No. 11 Bofors (drei Zwillingslafetten)
2 x 7,62 cm L/50 (Einzellafetten)
4 x 4 cm L/56 No. 4 Bofors-Hazemayer (zwei Zwillingslafetten)
6 x 2 cm L/70 Oerlikon (Einzellafetten)
6 x 53,3 cm-Torpedorohre (zwei Drillingsrohre, zwölf Torpedos)
Wasserbomben

Bewaffnung 1949
6 x 15 cm L/50 No. 11 Bofors (drei Zwillingslafetten)
4 x 7,62 cm L/50 (Einzellafetten)
8 x 4 cm L/56 Bofors (zwei Zwillingslafetten, vier Einzellafetten)
4 x 2 cm L/70 Oerlikon (Einzellafetten)

Die Tromp wurde 1936-38 von N.V. Nederlandsche Scheepsbouw Maatschappij in Amsterdam gebaut. Sie wurde in europäischen Gewässern eingefahren und im August 1939 nach Niederländisch-Indien geschickt, wo sie im September 1939 nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in Europa ankam. Ab 1940 geleitete sie wiederholt niederländische Handelsschiffe, nach dem Angriff auf Pearl Harbor patrouillierte sie meist in den östlichen Gebieten, um diese gegen japanische Angriffe zu sichern. Ab dem 3. Februar 1942 wurde sie Teil der ABDA-Kräfte, die gegen die japanische Invasion operierten. Am nächsten Tag wurde der Verband bereits nördlich von Bali von japanischen Bombern angegriffen, die den Leichten Kreuzer USS Marblehead und den Schweren Kreuzer USS Houston beschädigten. Am 15. Februar lief der Zerstörer Hr. Ms. Van Ghent auf ein Riff und der Verband wurde kurz danach erneut von japanischen Flugzeugen bombardiert, wobei die Zerstörer USS Barker und USS Bulmer durch Nahtreffer beschädigt werden. Am 19. Februar griff die ABDA-Kräfte japanische Landungskräfte in der Bandung Straße an. In der folgenden Schlacht wurde Tromp von den japanischen Zerstörern Asashio und Oshio durch elf Treffer u.a. im Bereich der Brücke beschädigt, wobei zehn Mann getötet und 30 verwundet wurden. Sie selbst erzielt nur je einen Treffer auf den beiden Zerstörern. Durch die Beschädigungen ohne Feuerleitung musste sich die Tromp zurückziehen, wobei sie auf die Zerstörer Arashio und Michishio traf. Letztere wurde durch das Feuer von Tromp und den Zerstörern USS John D. Edwards und USS Pillsbury schwer beschädigt. Für die Reparaturen wurde Tromp nach Australien geschickt, wodurch sie der Vernichtung des ABDA-Geschwaders Ende Februar in den Schlachten in der Javasee und Sunda Straße entkam.

Im Rahmen der Reparaturen in Australien wurde auch die Flak verstärkt. Danach operierte Tromp im Indischen Ozean oder australischen Gewässern, u.a. geleitete sie Konvois. Im Dezember 1943 wurde sie Teil der British Eastern Fleet. Mit dieser war sie von April bis Juli 1944 an eine Reihe von Angriffen auf japanische Einrichtungen auf Sabang (Operation Cockpit und Crimson) und Soerabaja (Operation Transom) beteiligt. Während Operation Crimson drang sie am 25. Juli mit drei britischen Zerstörern in die Sabang Bay ein und beschoss die japanischen Anlagen dort. Dabei wurde sie vier Mal von japanischer Küstenartillerie getroffen, blieb aber einsatzfähig. Von Oktober 1944 bis Februar 1945 wurde sie in Sydney überholt und modernisiert. Danach wurde Tromp erneut mit der British Eastern Fleet eingesetzt und war im April 1945 an Angriffen auf die Andamanen und Nikobaren beteiligt, die als Ablenkung während der Landung bei Rangoon (Operation Bishop) dienten. Durch einen Rohrkrepierer in einer ihrer 15 cm-Geschütze während der Bombardierung von Ross Island vor Port Blair auf den Andamaen wurden zwei Mann getötet und zwölf verwundet. Im Mai 1945 wurde Tromp der US-amerikanischen 7. Flotte zugeteilt und war mit dieser an den Landungen auf Borneo (Operation Oboe) beteiligt. Nach Kriegsende blieb sie bis Januar 1946 in der Region und kehrte dann nach sieben Jahren wieder in die Niederlande zurück. Sie diente noch bis 1955 und wurde danach noch als Wohnhulk verwendet. 1968 wurde aus der Marineliste gestrichen und 1969 zum Abwracken nach Spanien verkauft.

Der Bausatz

Nach dem Bausatz der Tromp von HP Models (Vorkriegszustand?) ist dieser Bausatz von Niko Models der zweite im Maßstab 1/700. Er stellt den Bauzustand nach den Reparaturen in Australien 1942 dar, also zwischen April 1942 und Oktober 1943.

Der Rumpf ermöglicht den Bau eines Wasserlinienmodells. Die Abmessungen und Form sind sehr gut wiedergegeben. Die meisten kleinen Details am Rumpf sind nicht angegossen, sondern liegen als Extrateile bei - was das Bemalen erleichtert, den Zusammenbau aber aufwendiger macht. Sehr bemerkenswert ist, dass man auf der Höhe der Torpedorohre zwischen den Deckshäusern unter dem Backdeck durchsehen kann. Auch die Verstärkungen der Decksüberhänge sind sehr gut dargestellt. Die Rumpfseiten am Ende der Back liegen als Fotoätzteile bei, was ermöglicht diesen Teil sehr fein darzustellen - aber Anpassungsprobleme an den Rumpfseiten verursachen kann. Die Details an den Rumpfseiten sind relativ massiv dargestellt. Aber allgemein ist der Rumpf sehr gut detailliert und gegossen.

Die oberen Brückendecks und die Schornsteine liegen als extra Teile bei, die wiederum gut detailliert und gegossen sind. Bei den Brückendecks sind bei meinem Exemplar die hinteren Enden etwas hochgebogen gewesen. Der Schornstein ist oben offen. Alle Teile haben Passstifte, was den Zusammenbau erleichtern sollte - bei mir hat aber keiner der Passstifte gepasst.

Auch die Kleinteile sind schön detailliert und gut gegossen. Etwas Anguss muss bei einigen Teilen entfernt werden. Die 15 cm-Geschütze haben Extrateile für jeweils die Lafette und das Schutzschild. Die 4 cm-Bofors liegen mehrfach bei, was gut ist, da deren Rohre leicht abbrechen. Wie schon erwähnt liegen viele Decksdetails, u.a. Poller und Niedergänge, als zusätzliche Teile bei.

Dazu findet man noch Drahtteile in verschiedenen Stärken für den Mast.

Die Fotoätzteile

Die Platine mit Fotoätzteilen ist sehr umfangreich. Enthalten sind u.a. bereits abgelängte Reling, Bootslager, Davits, Ankerketten, Leitern, Niedergänge, der Unterbau des achteren Entfernungsmessers und die 2 cm-Oerlikons.

Die Teile lassen sich gut verarbeiten.

Abziehbilder

Flaggen und Wimpel liegen als Abziehbilder bei.

Die Anleitung

Die Anleitung umfasst eine Übersicht über die Teile, die Anleitung für den Zusammenbau und eine Bemalanleitung. Der Zusammenbau wird mit Hilfe von Zeichnungen sehr gut beschrieben. Für den Mast liegt eine maßstäbliche Zeichnung bei. Im Zweifelsfalls hat man zusätzlich auch noch die detaillierte Zeichnung der Bemalanleitung. Die Farben in der Bemalanleitung sind allgemein, d.h. man muss sich selbst entsprechende Farben heraussuchen. Man soll Farbtöne der Royal Navy verwenden (durchaus wahrscheinlich), die es von verschiedenen Anbietern gibt.

Der Umbau in den ursprünglichen Bauzustand ist wegen der anderen Form des achteren Deckshaus aufwendig. Der Umbau in den Zustand während der Schlacht in der Bandung Strasse ist relativ einfach. Man muss die 7,62 cm-Flak und 2 cm-Oerlikon und deren Splitterschutzschilde weglassen, zwei 1,27 cm-Zwillings-MG auf der Brücke und einen Ladebaum an Steuerbord ergänzen (die Backbordhälfte des "Fussballtors" wurde zu einem mir unbekannten Zeitpunkt zwischen 1939 und 1942 entfernt) sowie den Fockmast etwas modifizieren. Fotos der Tromp im Februar 1942 finden sich hier und hier. Für die Zustand bei der British Eastern Fleet 1944 muss man zwei 7,62 cm-Flak neben dem ersten Paar ergänzen, die im Oktober 1943 an Bord kamen. 1945 erhielt sie einen anderen Anstrich (Schema 22 bzw. Admiralty Standard), die Scheinwerfer hinter dem Schornstein wurden durch 2 cm-Oerlikons ersetzt, ein kleiner Mast mit einem SC-4-Radar wurde vor den Fockmast gesetzt, ein SG-Radar war auf der Mastspitze und Typ 282-Radar auf den 4 cm-Lafetten (siehe hier). Nach dem Krieg wurde die leichte Flak zum Teil durch 4 cm-Einzelafetten ersetzt und der Schornstein erhielt eine Kappe (siehe hier).

Quellen

Fazit

Niko Models baut seine Serie niederländischer Schiffe von 1942 konsequent mit einem Bausatz des Leichten Kreuzers Tromp aus. Nur im Unterschied zu den meisten anderen dieser Bausätze wird die Tromp nicht in dem Bauzustand gezeigt, den sie hatte, als sie ein Teil der ABDA-Verbände war, sondern später nach ihren Reparaturen in Australien. Der Bausatz zeichnet sich durch sehr gute Vorbildgetreue, Detaillierung und Guss aus und ist deshalb

alt sehr empfehlenswert

Lars