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Trumpeter: deutsches U-Boot U 552 des Typs VIIC (1/48), Teil 2 Drucken
Mittwoch, 04. Oktober 2017 um 05:00

U 552 Typ VIIC U-Boot Titel

Modell: DKM U-Boat Type VIIC U-552
Hersteller: Trumpeter
Maßstab: 1/48
Umfang: 1130 Plastikteile, 40 Ätzteile und Naßschiebebilder
Art.Nr.: 06801
Preis: ab 259 €

Der Bausatz

Den Plan, das Innenleben eines U-Boots, als Teil eines Plastikbausatzes darstellen zu wollen, muss man generell ambitioniert nennen, denn angesichts der Vielzahl an Handrädern, Manometern, Rohrleitungen, Kabelbäumen und sonstigen Einbauten innerhalb des Druckkörpers, steht von vornherein fest, dass dies nicht wirklich zu schaffen ist. Trumpeter hat es dennoch versucht und ganz so schlecht ist das Ergebnis auch gar nicht. Leider hat man sich bei Trumpeter vollkommen unkritisch an dem Museumsboot U 995 (siehe auch hier) in Laboe orientiert und dadurch viele vermeidbare Fehler, sowohl generell, als auch mit Blick auf U 552, eingebaut.

Der Bugraum birgt mit den vier Bugtorpedorohren nicht nur die Hauptbewaffnung, sondern ist zugleich auch der größte Wohnraum des Bootes. Die Innausstattung ist erstaunlich umfangreich, dennoch bleibt noch genug Raum für Eigenleistung, vor allem bei den elektrischen Leitungen an den Bordwänden und der "Decke". Schlecht dargestellt sind die Kojen. Es gibt keine vernünftige Darstellung der Matratzen. Kissen und Decken sucht man vergebens. Man kann die Betten auch nicht ohne weiteres hochgeklappt darstellen, da dies 1. bautechnisch nicht vorgesehen ist und 2. die Unterseiten der Betten keinerlei Bettfederstrukturen aufweisen.

Es sind vier Torpedos zur Lagerung unter den Flurplatten und je einer für jedes Torpedorohr vorgesehen. Ein weiter Torpedo soll stumpf an die Torpedoladeschiene angeklebt werden. Der Kurbelmechanismus zum Vor- und Zurückbewegen des Torpedos fehlt leider ebenso wie die Aufhängevorrichtung des Torpedos selbst. Erstaunlicherweise fehlen auch die Mündungsdeckel aller Torpedorohre! Die Torpedos selber sind leider sieben Millimeter zu kurz und weisen zwei gegenläufige Fünfblatt-Propeller auf. So etwas gab es aber leider nicht. Es gab gegenläufige Zwei-, Vier und Sechsblatt-Propeller. Das, was die Spitze der Zündpistole sein soll, ist leider voll daneben. Es sieht eher wie eine Art Bootshaken aus. Die Detaillierung der Torpedo-Oberflächen lässt leider auch sehr zu wünschen übrig. Vielleicht erbarmt sich ja ein Zubehör-Hersteller und produziert zeitnah korrekte Torpedos, sind sie doch markante Fixpunkte im Inneren des Bootes! Trumpeter hat noch ein weiteres "Torpedo-Thema" versucht einzubringen: das Torpedoladen. Hierzu gibt es ja das so genannte Torpedoluk auf dem Druckkörper, durch das die Torpedos in den bzw. aus dem Bugraum befördert werden konnten. Hierzu verwendete man eine Handwinde, einen abgestützten Lademast auf dem Turm sowie eine Art Rutsche. Nun, Trumpeter hat erkannt, dass beim Torpedoladen ein "Gehäuse" mit im Spiel war, allerdings ohne zu wissen, was es wirklich ist, denn es gibt keinerlei Handkurbel oder die unvermeidliche Kabelspule im Inneren des "Gehäuses", das ja die Handwinde darstellen soll. Der Lademast, mit seinem Abstützgestänge und der Umlenkrolle für die Stahltrosse, an der der Torpedo hängt, fehlt komplett. Die "Rutsche" sieht aus wie eine Regenrinne, war aber tatsächlich durchbrochen. Fotos davon gibt es mehr als genug, aber Trumpeter hat sich wohl nicht wirklich dafür interessiert, wie hätte denn sonst der Lademast vergessen werden können? Der "Schacht" im Oberdeck ist zu kurz dargestellt und besteht aus massiven "Wänden", was vollkommen falsch ist, denn die "Wände" waren durchbrochen, schließlich war dieser Bereich durchflutet, und wiesen darüber hinaus Halterungen für das zusammengelegte Ladegestänge und die Rutsche auf. Spannend ist im übrigen noch, dass man das Torpedoluk nicht verschließen kann, denn es gibt keinen Lukendeckel. Das Boot würde also unweigerlich beim ersten Tauchen absaufen! Vor dem Torpedoladeluk befand sich, in der ersten Kriegshälfte, außerhalb des Druckkörpers, noch eine druckfeste Röhre für einem weiteren Reservetorpedo. Trumpeter hat diese zwar vorgesehen, aber die "Röhre" hat gar keinen zu öffnenden Deckel, so dass gar kein Torpedo reingeschoben oder rausgezogen werden könnte. Unglücklicherweise sieht man diese "Röhre" aber durch die komplett transparente Rumpfhälfte und eben auch die mangelhafte Detaillierung. Das kleine Dingi, das sich an Backbord neben dem Reservetorpedobehälter befinden müsste, fehlt im übrigen ebenso, wie die druckfesten Rettungsflossbehälter vor und hinter dem Turm. Da sind also Deckel an Deck dargestellt unter denen sich aber rein gar nichts befindet!

Getrennt durch ein Stützschott schließt der Offizier- und Oberfeldwebelraum an den Bugraum an. In diesem Raum befanden sich auch der Funk- und der Horchraum sowie der Kommandantenraum, der ja eigentlich gar kein eigenständiger Raum ist, denn er konnte nur mittels eines Vorhangs vom Mittelgang getrennt werden. Auch hier ist die Ausstattung gar nicht schlecht, wenn auch wieder mit "Luft nach oben". Ziemlich gut ausgestattet sind die Arbeitsplätze des Funkers und des "Horchers". In wie weit die Ausstattung, die sicher von U 995 abgeguckt ist, auch für U 552 des Jahre 1940/41 gilt, kann ich nicht beurteilen. Ich habe aber Zweifel daran, da auch hier immer die neusten Geräte eingebaut wurden, wenn ein Boot vom Stapel gelaufen war oder zwischen zwei Feindfahrten überholt wurde. In einem großen Freiraum zeigt sich ein generelles Problem beinahe aller Innenräume. Trumpeter hat den Boden komplett als Tränenblechoberfläche dargestellt. Die Flurplatten waren aber in Segmente unterteilt. Dies war notwendig, um sie bei Bedarf wegnehmen zu können, damit man an die darunter liegenden Bereiche heran kommen konnte und natürlich war nicht alles aus Tränenblech erstellt. Ganz im Gegenteil! Unter dem Offizier- und Oberfeldwebelraum befand sich der Akku-Raum 2 (es wurde von der E-Maschine aus nach vorne gezählt) mit seinem Batteriezellen, die Trumpeter auch dargestellt hat. Ein Tisch steht auf einer dicken, zentralen Säule. Tatsächlich hatten die Tische zwei eckige Beine, die am Boden angeschlagen wurden und die hochklappbaren Tischplatten waren nicht gleich groß. Hier muss man selber ran, aber das ist kein Problem, kann man dies doch leicht selbst korrigieren. Es gibt sogar eine Toilette mit Handwaschbecken in diesem Bereich. Vergleiche mit Originalfotos lassen jedoch den Schluß zu, dass es sich hierbei aber um eine nicht originale Anordnung handelt. Ich kann es nur vermuten, aber ich denke, dass die Toilette im Bausatz jener an Bord von U 995 entspricht und somit vermutlich noch von den Norwegern stammt, die das Boot ja nach dem Krieg gefahren haben. Nun folgt, durch ein Kugelschott abgetrennt, die berühmte Zentrale, "Die Kommandostelle des Bootes" wie Uwe Ochsenknecht Herbert Grönemeyer im Film "Das Boot" erklärt. Auch dieser Raum ist nicht schlecht ausgestattet. Natürlich fehlen auch hier diverse Kabelbäume und Rohrleitungen, aber irgendwann muss ein Bausatz-Hersteller auch aufhören.

An der Innenwand des Kugelschotts befindet sich der Ruderstand für Unterwasserfahrt, Maschinentelegraphen sowie die anderen diversen Anzeigegeräte des Steuerstandes. Oberhalb des Luks befinden sich die großen Entlüftungsräder der Tauchbunker. Alkalipatronen finden sich, einsatzbereit, in ihren Halterungen verstaut.

Da wir von Steuerbord in das Innere des Bootes blicken, fehlt im Vordergrund logischerweise der markante Tiefensteuerstand und natürlich auch beinahe alles andere, was sich an Steuerbord an Einbauten befand. Lediglich die wuchtige Hauptlenzpumpe, Steuerbord, achtern neben dem Zentrale-Schott wurde dargestellt, da sie den Einblick nicht stört. An Backbord achtern wurde der über den Flurplatten sichtbare Teil der Hilfslenz- und Trimmpumpe dargestellt. An Backbord fehlt im Grunde nicht allzu viel, ich habe lediglich so meine Zweifel bezüglich der zeitlichen Korrektheit der Einbauten für das frühe U 552. Der Schacht, in den das Nacht-Luftziel-Sehrohr einfahren würde, ist mit einem Deckel verschlossen, wie es in Laboe der Fall ist, was aber keinen Sinn macht. Wieder nicht aufgepasst Trumpeter! Kartentisch des Obersteuermanns, Flach- und Tiefenlotanlage, das massive, die Mitte der Zentrale beherrschende, Gehäuse des Angriffssehrohrs mit dem Gehäuse des Kreisselkompasses gleich mit dran; alles da soweit. Leider auch der komplett aus Tränenblech gestaltete Fussboden!

Unteroffizierswohnraum und Kombüse schliessen achtern an die Zentrale an. Zuerst kommt der Wohnraum, der durch ein Leichtbauschott von der Kombüse getrennt ist. Vier Kojen wurden dargestellt und auch zwei der wenig überzeugenden, ja geradezu falschen, Tische. Im Vordergrund wurde noch ein Presslufttank dargestellt. Unter der Bodenplatte (Achtung: Tränenblech!) befinden sich die Batteriezellen des Akku-Raums I. Die Kombüse ist nicht schlecht ausgestattet, allerdings frage ich mich, ob die Dunstabzugshaube nicht doch auch eher von den Norwegern stammt! Im Vordergrund und gegenüber der Kochniesche müsste sich eigentlich noch das achtere WC befinden, aber Trumpeter sieht an der Stelle eine Art Holzkiste (?) vor!

Im Anschluß an die Kombüse, getrennt durch ein Lärmschott, befindet sich der Dieselmotorenraum. Trumpeter hat sich hier sehr, sehr viel Mühe gegeben. Etwas mehr als neun Seiten sind im Bauplan dafür vorgesehen und das, obwohl logischerweise nur einer der beiden MAN-Diesel dargestellt wird! Dieser ist dann auch so gut detailliert, dass ich nichts vermisse. Es ist direkt schade, dass er soweit in der Tiefe des Raumes liegt. Man wird wohl leider nicht mehr all zu viele Details erkennen können, es sei denn, man sorgt für Beleuchtung, was sich sowieso für das gesamte Boot aufdrängt!

Die letzte Sektion ist der Heckraum, in dem sich die E-Maschinen, das Hecktorpedorohr und der manuelle Notruderstand befinden. Außerdem "wohnen" hier auch noch die E-Maschinisten und die achteren "Torpedomixer". Trumpeter hat hier in Laboe gut hingeschaut, was aber leider auch zu Fehlern geführt hat. Die AEG Haupt-und Hilfsschalttafel der E-Maschine ist gut wiedergegeben worden, nur leider ist sie für U 552 vollkommen falsch, da dieses frühe Boot noch über die von der Firma BBC (Brown, Boveri & Cie.) gebaute Version verfügte. Die Torpedoladeschiene fehlt hier leider komplett.

Neben dem Torpedorohr hat Trumpeter noch etwas vorgesehen was 1. falsch dargestellt ist und 2. es nicht an Bord eines frühen VIIC Bootes gegeben hat. Es handelt sich dabei um einen Ausstossstopfen der hinter dem Torpedo ins Rohr gesteckt wurde und verhinderte, dass die Ausstosspressluft nach außen entlüftet wird und somit einen verräterische Luftblasenschwall aufsteigen lässt. Das Notruder und die diversen sonstigen Einbauten sehen gut aus, aber natürlich können auch hier wieder Kabelstränge ergänzt werden. Eine Torpedorohrmündungsklappe fehlt hier ebenso wie bei den Bugtorpedorohren. Die Steuerstangen der Ruderanlage, außerhalb des Druckkörpers, sind eher überflüssig aber manch einer wird sie vielleicht gerne zeigen wollen. Besser, es ist etwas da, was man weglassen kann, als dass man etwas vermisst, was nicht fehlen dürfte.

Fazit

Das "Innenboot" ist meiner Meinung nach der deutlich bessere Teil des Bausatzes. Beide Teile zusammen ergeben sicherlich ein interessantes Modell, das aber nach vielen, vielen Korrekturen verlangt und das wiederum kann nicht in ein paar Wochen erfolgen. Wir haben es hier also mit einem Langzeitprojekt zu tun, das aber zu einem wirklich beeindruckenden Modell führen kann. Die Zubehör-Industrie 'rotiert' jedenfalls bereits heftig und vieles was am Trumpeter-Bausatz nicht überzeugen kann, ist mittlerweile korrigierbar oder kann doch zumindest abgemildert werden. Eine wie auch immer geartete Empfehlung kann ich dennoch nicht aussprechen, da der Bausatz einfach zu viele Fehler aufweist. Schade!

Teil 1

Olaf Krabbenhöft

Wir danken Trumpeter für das Bausatzmuster