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Typ 039G-U-Boot vs. U-Jagdflugzeug P-3C Orion (1/350, 1/144; Trumpeter, Tomytec) von Matthias Pohl Drucken
Donnerstag, 06. September 2018 um 05:00

Die Originale

Die ersten komplett in China konstruierten und gebauten U-Boote vom Typ 039 (NATO-Klassifikation „Song-Klasse") sind sowohl zur BekĂ€mpfung gegnerischer U-Boote als auch zum Angriff auf Überwasserschiffe vorgesehen. Der tropfenförmige Rumpf ist mit vier Rudern und einem Einzelpropeller ausgestattet. Der Antrieb wurde zur Schallreduzierung in StoßdĂ€mpfern gelagert und die HĂŒlle mit schallschluckenden Gummielementen belegt. Es wird angenommen, dass die lange Testphase des ersten Bootes (Nr. 320) auf die wĂ€hrend der Entwicklungszeit aufgetretenen Probleme mit GerĂ€uschpegeln und dem Unterwasserbetrieb zurĂŒckzufĂŒhren ist. In der Folge baute China nur ein einziges Boot nach dem Ursprungsentwurf Typ 039. Im Einsatz befinden sich 13 Boote der Klasse.

Die Lockheed P-3 Orion ist ein viermotoriges, propellergetriebenes Flugzeug, das weltweit als SeefernaufklĂ€rer und U-Jagd-Flugzeug eingesetzt wird. Die P-3 Orion ist eine militĂ€rische Variante der zivilen Lockheed L-188 Electra, die ihren Erstflug am 6. Dezember 1957 absolvierte. Bei der Bundesmarine sind derzeit acht Orion als Ersatz fĂŒr die in die Jahre gekommenen und zwischenzeitlich ausgemusterten Breguet BR1150 Atlantic im Einsatz.

Die Modelle

Der U-Boot-Bausatz von Trumpeter im Maßstab 1/350 gibt einen Song-Klasse-Vertreter der Variante 039G wieder. Der nur aus wenigen Teilen bestehende Kit ist schnell zusammengesetzt, wobei ich fĂŒr meine Zwecke eine Waterline-Version bevorzugt hĂ€tte. So wurde die untere Rumpfschale, StĂ€nder, Propeller und die unter der WasseroberflĂ€che befindlichen Ruder nicht benötigt.

Nach Vorbildfotos trennte ich weitere ca. 2,5 mm der oberen Rumpfschale ab, damit das Boot vorbildgerecht ins Wasser eintaucht. Im nĂ€chsten Schritt folgte der Turm mit den wenigen Anbauteilen. Die Lackierung in schlichtem Schwarz, wie die Bauanleitung es vorsah, habe ich mit dunkelgrauen Aufhellungen gebrochen. Die aus den Flutschlitzen austretenden Spuren der Wasserströme versuchte ich mit weiteren Aufhellungen darzustellen. Hierzu klebte ich die Sektoren ab und benutzte einen abgeschnittenen Pinsel, um die Verlaufsspuren aufzubringen. Ein unregelmĂ€ĂŸig aufgebrachter Filter fĂŒr den gesamten Rumpf dĂ€mpft die Farbunterschiede gut ab.

Der Einsatz des Bootes in das 60 cm x 25 cm messende Diorama gelang mittels Acrylgel und Weißleim. Die Dio-Platte ist wieder einmal eine 200 mm starke Styrodurplatte, die ich mit einem KĂŒchenbrenner vorsichtig „in Wallung“ brachte. Acrylfarbe, verschiedene Blau- und GrĂŒntöne, mit der Schaumstoffwalze aufgebracht und mehrfach mit Klarlack in Glanz versetzt, mit ein wenig Watte drapiert, bringen das Chinesische Meer in die heimische Vitrine. Eine kleine Hohlkehlleiste drumherum, gebeizt, lackiert – schon hat man einen ansprechenden Rahmen fĂŒr die Wasserplatte.

Auslöser fĂŒr dieses Diorama war ein Fachsimpeln mit einem Kollegen der IG Waterline beim Laupheimer Treffen im vergangenen Jahr. Die Überlegung, dem wunderschönen Kit der P-3C Orion von Tomytec einen Gegenspieler zur Seite (oder unter den Rumpf) zu stellen, war nahezu ein Muss! Der vorlackierte Bausatz bringt die Option, den Waffenschacht der Orion geöffnet und „mit Inhalt“ darzustellen. Der Bausatz Nr. AC-305 gibt eine Maschine des 5. Air Corps auf der Naha Air Base wieder, an der sĂŒdöstlichen Spitze der Insel Okinawa gelegen – also quasi direkt vor Chinas „HaustĂŒr“!

Somit die Überlegung: Eine Lockheed P-3C Orion der JSDMF hat im August 2001 im Ostchinesischen Meer ein chinesisches U-Boot der Song-Klasse (Typ 039) aufgespĂŒrt und demonstriert im Überflug mit dem geöffneten Waffenschacht ihre Verteidigungsbereitschaft.

Ich kann mich nicht erinnern, jemals ein Flugzeugmodell in fliegender Position gebaut zu haben. Mir war es fast, als hĂ€tte ich beim Bau dieser Orion so etwas wie ein „Premiere“! Wie beim Bau meiner ersten Orion schon angekĂŒndigt, sollte der nĂ€chste Bau einer P-3C aus dem Hause Tomytec folgen. Auch war geplant, den U-Boot-JĂ€ger mit drehenden Propellern und blinkenden Positionslichtern zu versehen. Dazu gibt es vom gleichen Hersteller auch einen passenden Bausatz aus der „Gimix-Serie“. Schon fast ein Jahr halte ich  danach Ausschau, bisher vergebens. Die wenigen Exemplare, die in der Regel in den USA angeboten werden, liegen aktuell bei fast dem Dreifachen des von Hause aus schon sehr teuren Elektronik-Bausatzpreises. Also weiter warten und auf eine Neuauflage des Light-and-Motion-Bausatzes hoffen, eine Orion habe ich ja noch auf Halde liegen


Zum Bau der Orion gibt es nur wenig zu sagen. FĂŒr den (perfekt!) vorlackierten Bausatz gilt das Gleiche wie fĂŒr meinen hier bereits vorgestellten MV-22 Osprey-BausĂ€tz vom gleichen Hersteller. Extrem sparsamer Einsatz von Sekundenkleber, abschließend eine Schicht Mattlack von Revell – mehr ist es nicht. Die Teile sind so sauber gespritzt, haben kaum Angussstellen (die ohnehin sehr klug im nicht- oder wenig sichtbaren Bereich platziert wurden) und sind ĂŒberaus passgenau, so etwas wĂŒnscht man sich von manch anderem renommierten Hersteller! Ein kleiner Wermutstropfen stellt bei der Orion jedoch die Kanzel dar, die als lackiertes Klarsichtteil ausgefĂŒhrt ist. Hier gibt es eine minimale Kante zu Nase hin. Ich habe es hingenommen, scheute ich doch den Aufwand der Ausbesserung.

Ob auch im Langsamflug die Klappen ausgefahren werden oder nur bei Start- und Landemanövern, vermag ich nicht mit Bestimmtheit zu sagen. Der Bausatz gibt diese Möglichkeit her und als Farbtupfer habe ich sie genutzt.

Bei der Überlegung, die Propeller drehend darzustellen, stieß ich auf den Anbieter www.propblur.com aus den USA, der fotogeĂ€tzte Propeller in den MaßstĂ€ben 1/144 bis 1/32 im optisch drehenden Zustand herstellt. Das schien mir eine prima Alternative zur lackierten transparenten fotogeĂ€tzten Scheibe zu sein. Aber beurteilt das Ergebnis selbst, mich hat es jedenfalls derart ĂŒberzeugt, dass ich mit dem Anbieter in Kontakt trat und nach der Erstellung von RotorblĂ€ttern fĂŒr Hubschrauber in 1/144 nachsuchte. Mal sehen, wann da etwas auf seiner Seite erscheint.

Die somit „fliegende“ Orion erhielt bereits wĂ€hrend des Baus eine VerstĂ€rkung durch ein vorgebohrtes Holzklötzchen, das ich im Rumpf hinter dem Waffenschacht platziert hatte. Der 6 mm starke Acrylstab fand hierin seine Aufnahme.

Erste Versuche und GrĂ¶ĂŸenvergleiche mit einem deutschen VII-C-U-Boot im Maßstab 1/700 schienen mir hinsichtlich der 144er Orion dann doch zu niftelig, um den Höhenunterschied per Maßstab zu simulieren. Somit fiel meine Wahl auf das 350er-Boot von Trumpeter. Es hĂ€tte ggf. auch ein russisches Boot sein können, aber zum Einsatzort der P-3C dieser Staffel passte regional doch eher das Song-Klasse-Boot der chinesischen Marine.

Matthias Pohl,
PMC Fritzlar-Homberg e.V.