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FlyHawk: deutscher Leichter Kreuzer Königsberg (1/700) Drucken
Dienstag, 29. Januar 2019 um 06:00

Leichter Kreuzer Königsberg Deckelbild

Modell: German light cruiser Königsberg 1940 Deluxe Edition
Hersteller: FlyHawk
Maßstab: 1/700
Material: Polystyrol (Spritzguss), Fotoätzteile, gedrehte Messingteile, Abziehbilder
Art.Nr.: FH1125S
Preis: 64,6 € (bei NNT) (normale Version 34,6 €)

Das Original

Der deutsche Leichte Kreuzer Königsberg war das Typschiff einer 1926-30 gebauten Klasse, die auch oft K-Klasse genannt wird. Die Klasse unterlag den durch den Vertrag von Versailles aufgelegten Grenzen für Kreuzer: maximal 6000 ts (Standard)-Verdrängung. Der erste Kreuzerneubau nach Ende des Ersten Weltkriegs, die Emden (III) wurde nach einem modifizierten Entwurf der letzten Klasse aus dem Krieg, der Cöln-Klasse, gebaut. Die Königsberg-Klasse dagegen war ein kompletter Neuentwurf. Die Bewaffnung wurde in neu entwickelten Drillingstürmen untergebracht. Zwei davon waren achtern sehr ungewöhnlich angeordnet, da sie von der Längsachse zu den Seiten versetzt waren, was deren Feuerbereich nach vorne erhöhen sollte. Der Rumpf wurde zu stark auf Gewichtseinsparung optimiert und erwies sich als zu leicht gebaut. Er wies auch ein extremes Längen/Breiten-Verhältnis auf, das auch die Seeeigenschaften negativ beeinträchtigte, insbesondere die Stabilität als Geschützplattform. Der Antrieb bestand aus einer Mischung aus Dampfturbinen und Dieselmotoren, um durch letztere die Reichweite zu steigern.

Die Leichtbauweise des Rumpf erforderte Beschränkungen der Einsatzmöglichkeiten. Die Reisen in der Vorkriegszeit hatte gezeigt, dass der Rumpf für Einsätze im Atlantik zu schwach war. Dazu mussten, um den Rumpf nicht überanzuspruchen, immer ein Teil des Öls in den Tanks verbleiben, was die Reichweite einschränkte. Um die Defekte zu beheben, sollten die drei Schiffe umgebaut werden, u.a. verbreitert werden. Dies konnte vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs aber nur bei der Karlsruhe durchgeführt werden. Königsberg und Köln wurden nie entsprechend modernisiert. In der Schlacht um Norwegen gingen schon 1940 zwei von drei Schiffen der Klasse verloren: Königsberg und Karlsruhe. Köln wurde danach nur wenig eingesetzt und kurz vor Kriegsende im Hafen versenkt.

Die Königsberg war 174,0 m lang, 15,3 m breit und verdrängte voll beladen 8130 t. Der Antrieb bestand aus sechs Kesseln, zwei Dampfturbinensätzen und zwei Diesel, mit insgesamt 68.200 PS, womit 32 kn erreicht wurden. Die Besatzung bestand aus im Kriegs aus 820-850 Mann.

Bewaffnung 1940
9 x 15 cm L/60 C/25 (drei Drillingstürme)
6 x 8,8 cm L/76 C/32 (drei Zwillingslafetten)
8 x 3,7 cm L/83 C/30 (vier Zwillingslafetten)
4 x 2 cm L/65 C/30 (Einzellafetten)
12 x 53,3 cm-Torpedorohre (vier Drillingsrohre)
1 Arado Ar-196A-Bordflugzeug
120 Minen

Die Königsberg wurde 1926-29 von der Marinewerft Wilhelmshaven gebaut. 1936-37 war sie Teil der Intervention in den Spanischen Bürgerkrieg. Danach diente sie als Schulschiff. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs war sie in der Ostsee im Einsatz, später wurde sie in der Nordsee, u.a. für das Legen von Minensperren verwendet. Am 9. April 1940 nahm sie an der Invasion Norwegens teil: sie bildete zusammen mit dem Schwesterschiff Köln, dem Artillerieschulschiff Bremse, dem Tender Carl Peters, den Torpedobooten Leopard und Wolf, vier Schnellbooten und zwei Trawlern die Gruppe III der deutschen Invasionskräfte. Diese sollten Bergen einnehmen. Sie wurden schon vor Einfahrt von einem norwegischen Patrouillenboot entdeckt, so dass die norwegischen Verteidigung alarmiert werden konnte. Diese versuchte mit Minen, Torpedobooten und Küstenbatterien den Hafen zu schützen. Allerdings gelang es nur einer 21 cm-Batterie des Forts Kvarven effektiv Widerstand zu leisten. Dieses traf die Königsberg zwei Mal, wodurch diese antriebslos liegen blieb. Königsberg eröffnete das Feuer auf das Fort, konnte aber nur eines der Geschütze beschädigen - die anderen alten 21 cm-Geschütze überhitzten aber und mussten das Feuer einstellen. Den deutschen Truppen gelang es den Hafen und die Forts einzunehmen. Die Königsberg musste wegen der Schäden aber in Bergen bleiben, während die anderen Kampfschiffe zurück gezogen wurden. Dadurch wurde sie zum Ziel britischer Luftangriffe. Zwei Staffeln mit Blackburn Skua Sturzkampfbombern der britischen Marine griffen von einem Stützpunkt auf den Orkneys aus am 10. April an, wurden von den deutschen Schiffe zu spät als britisch erkannt, so dass der Großteil der Flak nicht rechtzeitig das Feuer eröffnete. Die Skua erzielten sechs Voll- bzw. Nahtreffer, die einen Wassereinbruch in allen Kesselräumen verursachten und die Dieselgeneratoren zerstörten. Königberg geriet in Brand und zunehmend auch in Schlagseite. Ohne Energie konnten die Feuer und der Wassereinbruch nicht bekämpft werden, so dass das Schiff evakuiert werden musste und etwa 2,5 Stunden nach dem Angriff kenterte und sank.

Das gekenterte Wrack wurde 1942 mit Kiel nach oben gehoben und 1943 aufgerichtet. Es sank aber wahrscheinlich zwei Mal erneut. 1945 wurde es auf Strand gesetzt, nach Kriegsende wurde es geborgen und nach Stavanger geschleppt, wo es abgewrackt wurde.

Der Bausatz

Der Bausatz der Königsberg von FlyHawk im Maßstab 1/700 ist der erste eines Leichten Kreuzers der Kriegsmarine als Spritzguss-Bausatz. Bisher gab es Resinbausätze von Samek/ŘOP o.s. der Königsberg (früher Zustand), verschiedene Varianten von HP Models und die Karlsruhe nach dem Umbau von WSW. Der Bausatz von FlyHawk stellt den Zustand der Königsberg von 1940 dar. Es dürfte möglich sein auch Zustände der Königsberg bis 1935 mit einem übersichtlichen Aufwand umzubauen, davor müssen auch die Aufbauten stärker geändert werden. Die Schwesterschiffe unterschieden sich immer. Königsberg hatte Linoleum auf den Decks, die Schwesterschiffe hatten holzbeplankte Decks. Dazu unterschieden sich die Aufbauten immer leicht. Karlsruhe nach dem Umbau von 1938/39 hatte so viele Änderungen, das man da entweder den Bausatz von HP Models oder WSW baut (z.B. mit den Zurüstteilen von FlyHawk für die Königsberg) oder darauf hofft, dass es noch einen neuen Bausatz geben wird.

Das Modell kann sowohl als Wasserlinien- als auch als Vollrumpfmodelle gebaut werden. Der Rumpf ist von der Abmessungen und Form originalgetreu. Für den Zustand 1940 ist korrekt das externe Entmagnetisierungskabel dargestellt. Die Details und der Guss sind sehr gut. Bemerkenswert ist z.B. das Teil für das Backdeck, an dem bereits die Deckshäuser darunter angegossen sind. Deren Wände sind trotzdem gut detailliert - dank beweglicher Formen.

Die Teile für die Aufbauten sind auch sehr gut gemacht. Die Schornsteine sind innen hohl, die Unterseiten der Decks sind hier auch detailliert - auch wenn man davon im gebauten Zustand wohl kaum mehr etwas sehen wird. Für den Kran sind in der Deluxe Edition auch alternative Fotoätzteile enthalten.

Die 15 cm-Drillingstürme sind vorbildgerecht. Die Rohre sind einzeln einbaubar. Es gibt auch alternative Messingteile, die der Deluxe Edition bereits beiliegen aber auch extra erhältlich sind (siehe unten). Auch die 8,8 cm-Zwillingslafetten sind sehr gut. Es liegen vier Lafetten bei, wohl wegen der auch angekündigten Nürnberg. Etwas zwiegespalten bin ich bei den 3,7 cm- und 2 cm-Flak. Auch diese sind schön detailliert, aber die Rohre wirken immer noch etwas dick. Vielleicht sind man das beim gebauten Modell nicht mehr so oder man tauscht die Rohre gegen dünnere Drahtteile aus. Die alternativen Fototätzteile sind meiner Meinung nach keine gute Alternative, da hier die Rohre nur zweidimensional sind.

Es liegen zwei Spritzlinge mit Torpedorohren bei. Die links auf Spritzling Q soll man verwenden und scheinen auch den Fotos des echten Schiffs zu entsprechen. Eventuell sind die auf dem rechten Spritzling welche für spätere Klassen.

Die Kleinteile sind gut gemacht. Die Teile für die Masten würde ich aus Stabilitätsgründen wohl gegen Metallteile austauschen.

Links noch die schön detaillierten Beiboote, rechts die schön detaillierte Arado Ar 196. Die stoffbespanneten Steuerflächen sind natürlich stark übertrieben dargestellt und auch die Verstrebung der Schwimmer ist etwas dick. Die Flügel können alternativ auch eingeklappt dargestellt werden.

Als Klarsichteile liegen der Deluxe Edition zwei Spritzlinge mit je drei Blackburn Skua und der Brückenfront bei. Damit können auch die Flugzeuge gebaut werden, die die Königsberg versenkten - oder man kann sie für Modelle britischer Träger verwenden.

Wie die Brückenfront im normalen Bausatz aussieht, kann ich nicht sagen - eventuell an Spritzling G angegossen. Über die Frage, ob das Klarsichtteil für 1/700 wirklich einen Vorteil bietet - sowohl für die Brückenfenster als auch die Cockpits der Skua - kann man geteilter Meinung sein.

Die Fotoätzteile

In der Deluxe Edition sind auch drei Platinen mit Fotoätzteilen enthalten. Die Fotoätzteile umfassen u.a. den Kran, Plattformen, Katapult, Davits, Rotor für die Ar 196, Reling, Niedergänge und Fusspeerde für die Schornsteine.

Man findet hier auch fotogeätzte 3,7 cm- und 2 cm-Flak, die natürlich feiner als die Spritzgussteile sind, aber deren Rohre nur zweidimensional sind.

Gedrehte Messingteile

Die Deluxe Edition enthält auch gedrehte Messingteile für die 15 cm- und 8,8 cm-Geschütze, den Kranpfosten und den Pfosten für den Scheinwerferstand.

Dazu gibt es verschieden dicke Messingstäbe, die als Ersatz für die Spritzgussteile für die Masten gedacht sind. Diese muss man selbst ablängen. Die Angaben für die Länge findet man in der Anleitung.

Die Abziehbilder

Die Abziehbilder umfassen Flaggen sowie Markierungen für die Arado Ar 196 sowie Blackburn Skua.

Die Anleitung

Die Deluxe Edition enthält zwei Anleitungen: eine für den normalen Bausatz und eine für die Zusatzteile der Deluxe Edition. D.h. man muss beide studieren, um zu wissen, welche Spritzgussteile man ersetzen kann (und will).

Die Anleitung des normalen Bausatzes umfasst eine Teileübersicht, die eigentliche Bauanleitung in neuen Schritten und eine Bemalanleitung. Das Format der Anleitung ist etwas unhandlich, die Anleitung aber ansonsten übersichtlich. Die Farbangaben beziehen sich auf zwei chinesische Anbieter, Mr. Hobby, Tamiya und WEM Colourcoats. Sie sind meines Wissens nach korrekt. Die Königsberg hatte 1940 keine aufgemalten Hakenkreuze zur Fliegererkennung, sondern nur die gelben Turmdecken und mindestens auf der Back eine große Flagge ausgelegt.

Die Anleitung für die Zurüstteile der Deluxe Edition umfasst ebenso eine Teileübersicht, zahlreiche Ansichten für den Zusammenbau der Zurüstteile und einige perspektischen Ansichten, auf denen die Zurüstteile farbig hervorgehoben sind. Die Anleitung ist genauso unhandlich und etwas unübersichtlich.

Für die Blackburn Skua findet man eine extra Anleitung, sowohl für den Zusammenbau als auch die Farbgebung.

Die Zurüstteile

Modell: German light cruiser Königsberg 1940 Painting Seal
Hersteller: FlyHawk
Maßstab: 1/700
Material: Maskierschablonen
Art.Nr.: FH710060
Preis: 9 € (bei NNT)

Modell: German light cruiser Königsberg 1940 15cm/60 SK C/25 Metall Barrels
Hersteller: FlyHawk
Maßstab: 1/700
Material: gedrehte Messingrohre (neun Stück)
Art.Nr.: FH760162
Preis: 7 € (bei NNT)

Modell: German light cruiser Königsberg 1940 8,8cm/78 SK C/31 Metall Barrels
Hersteller: FlyHawk
Maßstab: 1/700
Material: gedrehte Messingrohre (sechs Stück)
Art.Nr.: FH760163
Preis: 7 € (bei NNT)

Als zusätzliches Zubehör sind Schablonen für das Lackieren der Decks erhältlich. Auch die Messingrohre für die 15 cm- und 8,8 cm-Geschütze sind extra erhältlich.

Die Fotoätzteile und gedrehten Messingteile gibt es auch als Detailsatz FH710059 für 27,8 €. Kombiniert mit dem normalen Bausatz wäre das etwas billiger, allerdings sind dann keine Blackburn Skua enthalten.

Quellen

  • Die Leichten Kreuzer der Königsberg-Klasse. Vom Original zum Modell von Gerhard Koop und Klaus-Peter Schmolke, Bonn, 1994
  • Die K-Kreuzer (II) von Siegfried Breyer, Marine-Arsenal 13, Friedberg, 1990
  • Krążowniki typu K cz. 1 Königsberg, Köln, Karlsruhe, Encyklopedia Okrętów Wojennych 22 von Marek Cieślak und Waldemar Danielewicz, Gdańsk, 2001
  • The German Invasion of Norway. April 1940 von Geirrr H Haarr, Barnsley, 2009 (siehe Besprechung)
  • Königsberg-Klasse (1927) (Wikipedia)
  • Königsberg (Schiff, 1927) (Wikipedia)

Fazit

FlyHawk hat mit der Königsberg den ersten Spritzgussbausatz eines Leichten Kreuzers der Kriegsmarine herausgebracht. Dieser Bausatz ist auf dem heutigen Stand der Technik und damit auch den inzwischen sehr viel älteren Resinbausätzen qualitativ deutlich überlegen. Die Basisversion ist schon gut, richtig vollständig ist die Deluxe Edition. Diese enthält dann auch gedrehte Messingteile und mehrere Fotoätzteilplatinen. Der Preis erreicht aber dann auch fast den von Resinbausätzen. Insgesamt ist der Bausatz

alt sehr empfehlenswert

Lars

Wir danken FlyHawk für das Bausatzmuster