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Britischer Schaufelraddampfer Great Western (1/440, Airfix) von Frank Spahr Drucken
Donnerstag, 28. März 2019 um 06:00

Das Original

Der Schaufelraddampfer Great Western war das erste Schiff, das gezielt zur Überquerung des Atlantiks entworfen wurde. Es war der erste von drei Schiffsentwürfen der britischen Ingenieurslegende Isambard Kingdom Brunel. Jedes der drei Schiffe sollte neue Standards setzen und das technisch Machbare ausreizen.

Die Great Western wurde noch traditionell aus Eiche gebaut und hatte zwei Schaufelräder an den Seiten. Ihre Zweizylinder-Dampfmaschine von Maudslay leistete 750 PS für eine Höchstgeschwindigkeit von 8,6 kn. Eine Hilfsbesegelung auf vier Masten unterstützte die Maschine. Das Schiff wurde 1836 auf Kiel gelegt und hatte seine Jungfernfahrt im April 1838. Auf dieser Fahrt errang das Schiff auch das Blaue Band, das es bis 1843 hielt. Es lief erfolgreich im Transatlantikdienst bis zum Bankrott der Muttergesellschaft 1846. Ab da wurde es in der Karibik eingesetzt. Nach einer Strandung 1851 wurde die Great Western noch als Truppentransporter im Krimkrieg eingesetzt und 1856 abgewrackt.

In dieser Zeit des rapiden technologischen Fortschritts veralteten Schiffe sehr schnell. Bereits Brunels nächstes Schiff, die S.S. Great Britain, war erheblich größer, aus Eisen gebaut und hatte den effektiveren Schraubenantrieb. Die Great Western zeichnet sich immer noch dadurch aus, dass sie die Ahnherrin aller Transatlantikdampfer ist.

Quelle: Wikipedia.

Der Bausatz

Ich fand diesen Bausatz auf der Scale Modell Challenge in Veldhoven 2018 bei einem Händler, der auf antiquarische Kits spezialisiert war. Er hatte jede Menge Airfixbausätze in den Verpackungen, die ich aus meiner Jugend kannte - Nostalgie pur. Dieser kleine Bausatz aus dem Jahr 1976 sprach mich an, ich hatte das Gefühl, dass es Spaß machen würde, ihn zu bauen. Später fand ich heraus, dass die Formen aus dem Jahr 1957 stammen und auch von Heller als Atlantic Star vertrieben worden waren. Derzeit ist der Bausatz nicht im Programm.

Zeitgemäß ist der Bausatz natürlich eher einfach und klobig ausgeführt, wobei mir die Form des Rumpfes gut gefiel. Ich verglich ihn mit Bildern von dem sehr schönen Modell der Great Western, das bis 2011 im Science Museum in London ausgestellt war (siehe Fotos). Zudem kann ich nur einen Besuch auf der SS Great Britain in Bristol empfehlen, ein ausgesprochen eindrucksvolles und liebevoll präsentiertes Museum (siehe Bericht). Meine Fotos vom Museumsschiff und der gedruckte Museumsführer gaben mir einen Eindruck, wie das Schiff ausgesehen haben könnte.

Das Modell

Airfix, Best.Nr. 01261-6
Weißer Spritzguss, Flaggen aus Papier
Antiquarisch, ich habe 10 Euro bezahlt

Zuerst musste ich entscheiden, wie ich das Modell präsentieren und was ich modifizieren würde. Sofort war klar, dass das Schiff auf eine Wasserfläche gehörte, um das durch Rumpf und Schaufelräder aufgewühlte Wasser schön zeigen zu können. Bei Durchsicht der Bausatzteile wurde mir rasch klar, dass ich fast alles ersetzen werden müsste. Am Ende behielt ich die Rumpfhälften, die Schaufelräder und ihre Verkleidungen, den Schornstein, die Dächer der Oberlichter und Teile der Anker.

Alle Decks wurden mit entsprechend profiliertem Material von Evergreen ersetzt, um eine Anmutung von Beplankung zu erzielen. Die Masten und Rahen wurden aus gedrehtem Messingmaterial und selbstgebauten Fittings aus Styrolprofilen ersetzt. Die gerefften Segel „modellierte“ ich aus Apoxie Sculpt. Der Großteil der Aufbauten wurde ebenfalls aus Styrolprofilen ersetzt. Am Rumpf simulierte ich die „vergoldeten“ Linien durch 0,2 mm Messingdraht, den ich vorbog und mit Sekundenkleber befestigte. Die achteren Kabinenfenster wurden aus fotogeätztem Gitter zurechtgeschnitten und aufgeklebt. Die Verzierungen an den Schaufelradkästen entstammen den immer wieder nützlichen „Structural parts“ von L'Arsénal.

Wie immer begann ich früh mit der Basis. Leider hatte ich ursprünglich eine zu kleine Displaybox ausgesucht und war dann mit der sehr kleinen Wasserfläche unzufrieden. Also fing ich noch einmal von vorn an und nutzte jetzt eine deutlich größere Box, auf der ich mich mit dem aufgewühlten Wasser richtig austoben konnte. Auch wenn das Ergebnis vielleicht nicht akkurat ist, sieht es doch ansprechend aus.

Nachdem ich die Basis von der Form her vorbereitet hatte, konnte ich mich um die Schaufelräder kümmern. Diese sind eher grob ausgeführt und passen auch nicht optimal. Letztendlich sieht man aber nur drei Schaufeln an der Vorder- und Hinterseite des Rades in dem Zwischenraum zwischen Verkleidung und Wasseroberfläche. Also kürzte ich der Räder so ein, dass sie auf meiner Wasserfläche aufliegen würden, und ersetzte die drei sichtbaren Schaufeln mit Eigenbauten aus Polystyrol. Nun konnte die Basis wie üblich eingefärbt, charakterisiert und geglänzt werden.

Am Modell machte ich mit den übrigen Baugruppen weiter. Ein Steuerrad wurde aus einer geätzten Kabeltrommel gebaut, die Boote entstammen einem 1/700er Schiffsbausatz von Hasegawa, die Davits einem Ätzteilsatz von WEM aus meinem Ätzteilordner. Die Anker sind eine Kombination der (dünner geschliffenen) Bausatzteile mit Styrolprofilen und fotogeätzten Ringen.

Die Bemalung

Das Modell wurde mit Stynylrez Primer von Badger grundiert, Schwarz für Rumpf und Masten, Weiß für den Rest. Die Wasserlinie wurde abgeklebt und das Unterwasserschiff mit True Metal von AK Interactive in Kupfer bemalt. Die Holzdecks wurden sandfarben lackiert und erhielten einen braunen Wash, um ihnen etwas Struktur zu geben. Die Schaufelräder wurden schwarz grundiert und knallrot lackiert, wodurch sie ziegelrot wurden.

Masten und Rahen wurden gemäß dem Modell im Science Museum schwarz und holzfarben bemalt und etwas trockengemalt. Die Segel wurden weiß grundiert, sandfarben lackiert und auch gewasht. Nun konnten sie an den Rahen und Gaffeln befestigt werden.

Der Endausbau

Bei der überschaubaren Teilezahl dauerte dieser nicht sehr lange. Nachdem ich das Deck und die eher wenigen Aufbauten angebracht hatte, baute ich die beiden Aufbaudecks an. Diese wurden mit fotogeätzten Relings aus einem vorigen Projekt versehen. Sie wurden vorgebogen, angepasst und auf Tape befestigt. Dann wurden sie mittelbraun lackiert und die Handläufe dunkelbraun abgesetzt. Nun konnten sie angebracht werden.

Am Schornstein hatte ich die Öffnung etwas ausgebohrt, ihn schwarz grundiert, die Dampfrohre kupferfarben bemalt und den Schornstein leicht trockengemalt. Auch er konnte jetzt angebracht werden.

Es folgten eine Anzahl fotogeätzter Figuren aus dem GMM-Satz für die Boxscale-Flugzeugträger von Revell. Diese wurden mit Sekundenkleber etwas körperlicher gemacht und blau für Offiziere und weiß für Mannschaften bemalt.

Nun konnte ich den Klüverbaum und die Masten mit Sekundenkleber anbringen, wobei ich versuchte, die Ausrichtung möglichst gut hinzubekommen. Ich ließ alles über Nacht trocknen.

Ich hasse es, Modelle zu takeln. Von daher war ich sehr froh, dass die fotogeätzten Wanten von Atlantic Models in 1/600-700, die ich einmal gekauft hatte, auch hier einigermaßen passten. Sie wurden schwarz grundiert und dann angebracht. An den beiden achteren Masten sind es jeweils halbierte Teile. Für das Takeln machte ich es mir einfach und benutzte 0,2 mm Messingdraht für die Stage, 0,1 mm Stahldraht von Albion Alloys für den Großteil der übrigen Takelung und UNI Caenis Monofilament nur für die feinsten Leinen. Das hatte den Vorteil, dass ich mir kaum Gedanken über das Spannen von Leinen machen musste. Natürlich weiß ich, dass selbst ein so einfach getakeltes Schiff deutlich mehr an Takelung hat, als ich angebracht habe. Meine Antwort darauf ist: Und?

Schließlich brachte ich Davits und Boote sowie die Anker und Ankertaue an, bevor ich meinen üblichen abschließenden Mattlacküberzug des Schweigens anbrachte. Jetzt konnte ich das Modell auf der Basis anbringen, wobei ich unter die Schaufelräder und am Heck ein wenig Watte, gemischt mit Acrylgel, einarbeitete.

Schlussfolgerungen

Wie ich mich an die Siebziger erinnere, ging so ein Bausatz damals für etwas mehr als zwei Mark über die Theke unseres örtlichen Schreibwarenhändlers. Also etwas über einen Euro. Ich zahlte zehn Euro und schmiss einen Großteil der Teile weg, also habe ich nominell ein fürchterlich schlechtes Geschäft gemacht. Für mich fühlt es sich aber anders an. Ich habe jede Menge Spaß daran, so alte Bausätze aufzumoppeln, und der ist in Zeiten wie diesen unbezahlbar.

Frank Spahr