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Flugboot Martin PBM-5 Mariner (1/144, Anigrand) von Matthias Pohl Drucken
Freitag, 05. Juli 2019 um 05:00

Das Original

Das Flugboot Martin PBM Mariner wurde 1937 als Patrouillenbomber für die US Navy entworfen. Sie wurden zur Aufklärung, U-Jagd und als Such- und Rettungsflugzeug verwendet. Sie ergänzten die PBY Catalina und PB2Y Coronado im Bestand der US Navy. Die Mariner flog 1939 zum ersten Mal und war von 1940-56 bei der US Navy im Einsatz, d.h. sowohl im Zweiten Weltkrieg als auch im Koreakrieg. Insgesamt wurden 1940-49 1366 Maschinen gebaut. Neben der US Navy diente die Mariner auch bei der US Coast Guard, der australischen und britischen Luftwaffe sowie der argentinischen, niederländischen und uruguayischen Marine. Dazu flogen sie auch für die portugiesische Fluglinie ARTOP Linhas Aéreas.

Das Modell

Erstmals bekam ich einen Resin-Bausatz von Anigrand aus Hong Kong auf den Basteltisch. Zugegeben, was die zu erwartende Qualität anbelangte, war ich schon ein wenig skeptisch. Denn auch der Preis wies das Modell nicht gerade als Schnäppchen aus! Interessant ist die Marketing-Strategie des Herstellers, drei kleinere Flugzeugbausätze dem "Haupt-Bausatz" beizufügen, sie aber nicht zu benennen, sondern nur als Schattenriss aufzulisten! Es gibt natürlich im Web eine Seite, auf der man klar nachlesen kann, um welche "aditional kits" es sich handelt. Im Fall der PBM-5 (die auch als PBM-3D aus der Zeit vor 1945 gebaut werden kann) sind das die Grumman F7F-1 Tigercat, die Curtiss SB2C-3 Helldiver und die Douglas XTB2D-1 Skypirate. Im Wesentlichen sind diese Zusatzbausätze bei den Anigrand-Kits Experimentalflugzeuge, die es im 144er Maßstab noch nie von einem anderen Hersteller gab.

Natürlich gelten bei solchen Resin-Bausatz ein wenig andere Regeln und andere Vorgehensweisen sind notwendig, um aus den passzapfenlosen Bauteilen ein ansehnliches Modell zu bekommen. Ein wenig hat man das Gefühl, einen Kleinserien-Spritzgussbausatz vor sich zu haben, halt eben nur aus einem anderen Material.

Die Detaillierung von Rumpf und Tragflächen mit versenkten Gravuren ist ausreichend, aber nicht übermäßig viel. Hier könnte man sich noch austoben, wenn man Spaß an der Darstellung vorbildgerechter Beplankungen und Gravuren haben sollte. Das Cockpit weist einiges an Details auf, die jedoch nach dem Anbringen der Verglasung kaum noch zu sehen sind. Die Waffenstände muss man mit eigenen Materialien bestücken. Aus Evergreen-Profilen und 0,3 mm Federstahldraht habe ich die Bord-MG der Geschütztürme nachgestellt. Die Kuppeln der Waffenstände sind vom Material her nicht ganz so klar, auch mit Polieren habe ich hier nur wenig mehr erreicht.

Die Bemalung per Airbrush erfolgte mit Vallejo-Farben (White Primer, Interior Green 71.010 und Glossy Sea Blue 71.300) Der Decklack ist jedoch der normale Mattlack von Revell. Die Fenster im Rumpf der Mariner habe ich mit Crystal Clear von Humbrol verglast. Das Pinwashing erfolgte wieder einmal mit wässrig verdünnter Schminke-Ölfarbe.

Schon zu Baubeginn war mir das Szenario klar, in welchem ich meine Mariner darstellen wollte. Es existieren sehr schöne Fotos im Web von diesen Flugbooten, wie sie von Barkassen und Kuttern versorgt und beladen werden. Eine solche Szene wollte ich gerne nachstellen.

Hier das obligatorische „Beweisfoto“, was den Maßstab anbelangt:

Der Aufbau des kleinen Dioramas (29 x 19 cm), mit einem Bilderrahmen eingefasst, erfolgte nach meiner bewährten Methode einer angeflammten Styrodurplatte, 20 mm stark. Im Rohbau wurden Barkasse und Mariner eingepasst, die Platte bemalt und mehrfach klarlackiert. Der Anschluss an die Rümpfe erfolgte später mit Acryl-Gel.

Die Barkasse stammt von Artitec, ist aus Resin mit Fotoätzteilen und ist im Eisenbahnmaßstab Spur N, also 1/160 gehalten. Aber es gibt ja große und kleine Schiffchen! Sie passt wunderbar ins Bild und wurde von mir nur ein klein wenig umgearbeitet und "militarisiert". Die Autoreifen als Fender waren aus dem Kit schlicht unbrauchbar. So besorgte ich mir "echte" Gummireifen für Spur N-Autos, die ich mit hanffarbenem Nähgarn am Modell befestigte.

Ein wenig schwieriger wurde es dann hinsichtlich der Besatzung. Ich wurde aber wieder einmal bei Shapeways fündig. "Panzer vs Tanks 2" by HOLDEN8702ND heißt der Anbieter, der US Navy-Figuren im Maßstab 1/144 aus der Weltkriegszeit im Angebot hat, die von der Bekleidung her (u.a. mit Dixie-Mützen beim seemännischen Personal und mit den frühen Stoffhauben des Trägerdreckpersonals) prima noch in die Zeit der 50er Jahre hinein passen. Ich hatte mir ausreichend Figuren besorgt, so dass noch jede Menge übrig sind, um später mal ein Trägerdeck mit den entsprechenden Maschinen und dem Personal dieses Zeitraums zu bestücken. Der Barkasse habe ich ein Echtholzdeck spendiert (generische Beplankungen), welches eigentlich im 350er Maßstab gehalten ist. Passt aber auch hier hervorragend, wie ich finde. Das Ladegut kommt von KIBRI und stammt aus dem Modellbahnsektor.

Die Decals machten mir allerdings ein wenig Kopfzerbrechen, denn im Bausatz waren zwar ausreichend Wasserschieber dabei - aber natürlich nicht für eine Maschine in der Version, wie ich sie darstellen wollte, auch was den Darstellungszeitraum und -ort anbelangt. So musste ich einerseits tief in meine Decal-Grabbelkiste greifen und andererseits ein paar Decals noch dazu kaufen.

Zur "Abrundung" des kleinen Dioramas suchte ich mir passende, hochauflösende Fotos von Hawaii aus dem Web, die ich mir soweit vergrößern ließ, bis es von der Perspektive her gut zur Mariner und der Barkasse passte. Mein Modell stellt die taktische "2" der VP-47 "Golden Swordsmen" dar, die auf der Naval Air Station Kaneohe Bay auf Hawaii im Mai 1951 versorgt wird.

Eine sehr schöne, kleine Szenerie, die wieder einmal belegt, was aktuell im "Bonsai-Maßstab" alles möglich ist! Und das Feld ist noch lange nicht ausgereizt!

Go 1/144 - beat 1/72!

Matthias Pohl,
PMC Fritzlar-Homberg e.V.