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Masters of Military: kanadische Fregatten HMCS Fraser und HMCS Saguenay (1/700) Drucken
Donnerstag, 10. Oktober 2019 um 05:00

HMCS Fraser (links, ursprünglicher Zustand), HMCS Saguenay (rechts, nach Modernisierung)

Quelle: Wikimedia Commons Fraser und Saguenay

Modell: HMCS DDE 233 Fraser 1957
Hersteller: Masters of Military auf Shapeways
Maßstab: 1/700
Material: 3D-Druck (Smooth Fine Detail Plastic-Qualität)
Art.Nr.: - (YXSEW22WZ)
Preis: 44,99 €

Modell: HMCS DDH 206 Saguenay 1965
Hersteller: Masters of Military auf Shapeways
Maßstab: 1/700
Material: 3D-Druck (Smooth Fine Detail Plastic-Qualität)
Art.Nr.: - (LM3959GCN)
Preis: 45,96 €

Das Original

Die kanadischen Fregatten HMCS Fraser und HMCS Saguenay gehörten zur St. Laurent-Klasse, von der 1950-56 sieben Schiffe gebaut wurden. Die Klasse wurde für die kanadische Marine entworfen. Diese forderte moderne U-Jagd-Schiffe, die über weitreichende Waffen und hohe Geschwindigkeit verfügten, um die letzte Generation von U-Booten zerstören zu können, und gleichzeitig für das stürmische und kalte Wetter des Nordatlantik geeignet waren. Die Schiffe der Klasse waren die ersten größeren Kampfschiffe, die in Kanada entworfen und gebaut wurden. Sie hatten den Spitznamen "Cadillac Destroyer".

Die St. Laurent-Klasse war nach ähnlichen Anforderungen wie die britische Whitby-Klasse (Typ 12) entworfen worden und hatte die gleiche Maschinenanlage und U-Jagd-Bewaffnung. Letztere bestand aus zwei Limbo-U-Jagd-Raketenwerfern. Bewaffnung und Sensoren waren eine Mischung aus britischen und US-amerikanischen Modellen. Bei der Rumpfform ging die kanadische Marine eigene Wege und das Ergebnis waren sehr seetüchtige Schiffe. Sie waren sehr fortschrittlich ausgerüstet, u.a. mit einer Operationszentrale, von der aus der Kapitän das Schiff im Gefecht kommandierte, und mit einer sehr aufwendigen Elektronik. Viel Wert (aus damaliger Sicht) wurde auf eine gute Unterbringung der Mannschaft gelegt. Die Rumpfform war so optimiert, dass sich wenig Eis bilden konnte. Die Ankerklüsen konnten verschlossen werden und waren beheizt. Es wurden diese sieben Schiffe gebaut: St. Laurent (DDE-205), Saguenay (DDE-206), Skeena (DDE-207), Ottawa (DDE-229), Margaree (DDE-230), Fraser (DDE-233) und Assiniboine (DDE-234). Statt weiterer Schiffe der Klasse wurden danach sieben Schiffe der Restigouche-Klasse gebaut, die vorne einen britischen 7,62 cm-Zwillingsturm statt einer US-amerikanischen 7,62 cm-Zwillingslafette hatten und deren Brücke deshalb erhöht war. Auf diese Klasse folgte die ähnliche Mackenzie-Klasse mit vier Schiffen und als letzte der Entwicklungslinie die Annapolis-Klasse, deren zwei Schiffe von Anfang an mit Hubschrauberhangar ausgestattet waren. Alle Schiffe wurden, wie ähnliche Schiffe der US Navy, als Geleitzerstörer klassifiziert, oft aber als Zerstörer bezeichnet, während auf der anderen Seite des Atlantiks die meisten NATO-Marinen solche Schiffe als Fregatten klassifizierten - ein Beispiel für das Klassifizierungschaos von größeren Kampfschiffen nach dem Zweiten Weltkrieg.

Mit der Einführung der ersten atomgetriebenen U-Boote parallel zur Indienststellung der St. Laurent-Klasse erwies sich die Klasse als zu langsam bzw. die Reichweite ihrer U-Jagd-Waffen als zu begrenzt, da die atomgetriebenen U-Boote unter Wasser schneller waren (aber auch lauter, so dass sie auf größere Entfernung geortet werden konnten). Die kanadische Marine reagierte mit der Entwicklung von Technologien, um von solchen Schiffen sicher U-Jagd-Hubschrauber einsetzen zu können. Dazu gehörte das Beartrap-System, eine Winde, mit der der Hubschrauber auf das Landedeck gezogen wird, so dass Landungen auch bei schwerem Wetter möglich sind. Alle sieben Schiffe der St. Laurent-Klasse wurden entsprechend umgerüstet: der achtere 7,62 cm-Zwilling und ein Limbo-Werfer wurden entfernt und stattdessen ein Hangar und ein Landedeck für einen Sea King-Hubschrauber angebracht. Um Platz für den Hangar zu bekommen, wurde der Schornstein durch zwei Schornsteine auf den beiden Seiten des Hangars ersetzt. Als weitreichender U-Jagd-Sensor kam ein Schleppsonar an Bord. Der Umbau wurde 1963-66 abgeschlossen. Die 1960-64 gebaute Annapolis-Klasse wurde nach einem Entwurf gebaut, der stark den umgebauten Schiffen der St. Laurent-Klasse ähnelte. Die St. Laurent-Klasse, mit Ausnahme des Typschiffs selbst, wurde Ende der 1970er, Anfang der 1980er mit einer begrenzten Version des Destroyer Life Extension (DELEX) für den Einsatz bis Ende der 1980er modernisiert. St. Laurent wurde schon 1974 außer Dienst gestellt, die modernisierten Schiffe folgten 1988-94.

Fraser und Saguenay waren 111,6 m lang, 12,8 m breit und verdrängten 2800 t (3051 t nach dem Umbau). Der Antrieb erfolgte über zwei Kessel und zwei Dampfturbinensätze, die zusammen 30.000 PS leisteten, womit 28 kn erreicht wurden. Die Besatzung bestand aus 249 Mann (233 nach dem Umbau).

Bewaffnung Fraser 1957
4 x 7,62 cm L/50 Mk 33 (zwei Zwillingslafetten)
6 x 30,5 cm Mk.NC 10 Limbo-U-Jagdraketenwerfer (zwei Drillingslafetten)
2 Mk 2 K-Gun Werfer für U-Jagd-Torpedos

Bewaffnung Saguenay 1965
2 x 7,62 cm L/50 Mk 33 (eine Zwillingslafette)
3 x 30,5 cm Mk.NC 10 Limbo-U-Jagdraketenwerfer (eine Drillingslafette)
6 x 32,4 Mk 32-Torpedorohre (zwei Drillingsrohre für Mk 44 oder Mk 46 Torpedos)
1 Sikorsky CH-124 Sea King-Bordhubschrauber

HMCS Fraser (DDE 223) wurde 1951-57 von Burrard Dry Dock in Vancouver und Yarrows in Esquimalt gebaut. Sie diente anfangs im Pazifik bei der Second Destroyer Squadron mit Heimathafen in Esquimalt. 1965-66 wurde sie von Canadian Vickers Shipyard in Montreal umgebaut, erhielt Hubschrauberhangar und -landedeck und wurde zu DDH 233 umklassifiziert. Sie war danach in Halifax stationiert und diente im Atlantik. 1973-74 war sie zeitweise bei der Reserveflotte. 1981-82 wurde sie von Canadian Vickers in Montreal im Rahmen des DELEX-Programms modernisiert. Sie diente danach als Testschiff, u.a. für neue Schleppsonare und Peilantennen für den Hubschrauber (TACAN). 1993 und 1994 war sie an der Blockade Haitis (Operation Forward Action) beteiligt. 1994 wurde Fraser außer Dienst gestellt. Es wurde versucht, sie als Museumsschiff zu erhalten und sie lag deshalb von 1998-2009 in Bridgewater. Dies gelang jedoch nie, so dass sie 2010 zum Verschrotten verkauft wurde, das bis 2011 in Port Maitland abgeschlossen wurde.

HMCS Saguenay (DDE 206) wurde 1951-56 von Halifax Shipyards in Halifax gebaut. Sie diente danach bis 1959 bei der Third Destroyer Squadron im Atlantik, danach wurde sie zur Second Destroyer Squadron im Pazifik verlegt. 1963-65 wurde sie von Burrard Drydock in Vancouver mit einem Hubschrauberhangar ausgerüstet und danach als DDH 206 klassifiziert. Sie diente anschließend bei der First Destroyer Squadron in Atlanik. 1979-80 wurde sie von Vickers in Montreal im Rahmen des DELEX-Programms überholt. 1990 wurde Saquenay außer Dienst gestellt und 1994 bei Lunenburg als Taucherattraktion versenkt.

Der Bausatz

Masters of Military bietet auf Shapeways inzwischen alle Klassen der kanadischen "Cadillac Destroyer" im Maßstab 1/700 und 1/1250 als 3D-gedruckte Bausätze an. Von der St. Laurent-Klasse gibt es sechs Varianten:

  • St. Laurent 1955 (ursprünglicher Zustand mit zwei 4 cm-Einzellafetten: nur auf Assininboine, Ottawa, Skeena und St. Laurent)
  • Fraser 1957 (ursprünglicher Zustand, ohne 4 cm-Einzellafetten)
  • Ottawa 1957 (mit Hubschrauberdeck, um dieses zu testen)
  • Saguenay 1965 (nach Umbau mit Hubschrauberhangar)
  • St. Laurent 1966 (nach Umbau mit Hubschrauberhangar, schräge Schornsteinkappe, wiesie  noch Assiniboine hatte)
  • Fraser 1966 (nach Umbau mit Hubschrauberhanger plus TACAN-Gittermast; bisher nur im Maßstab 1/1250)

Es gibt auch einen Extrasatz von 7,62 cm-Zwillingen (offene Lafette und Turm) und 4 cm-Einzellafetten. Ich habe mich für Fraser im ursprünglichen Zustand (DDE) und Saguenay im Zustand mit Hubschrauberhangar (DDH) entschieden. 

Fraser 1957

Das Modell der Fraser ist in der Smooth Fine Detail Plastic-Qualität gedruckt. Das Material ist leicht transparent, weshalb ich das Modell für die Fotos grob reinigte und grundierte. Die Kleinteile sind an einen Rahmen gedruckt, der sich im Rumpfinneren befindet. Für die Fotos habe ich diesen entfernt.

Der Rumpf ist von den Abmessungen und der Form vorbildgetreu. Die Qualität der Teile ist gut, das Modell ist sehr gut detailliert. Bemerkenswert ist z.B., dass der Durchgang mitschiffs hinter dem Schornstein offen dargestellt ist. An den Rumpfseiten und auch teilweise auf den Decks und Aufbauten gibt es leichte Stufen vom Druckprozess, die man mit etwas Schleifen entfernen muss.

Als zusätzliche Teile findet man die Beiboote mit Davits, die Limbo-Werfer, den Mast, 7,62 cm-Zwillingslafetten (offen) und die Abdeckung für die Limbo-Werfer. Bei letzterer hat man die Option die Kuhl mit den Werfern offen oder geschlossen darzustellen. Diese Teile sind auf den Fotos unten noch nicht gut gereinigt. Die Davits, die Rohre der 7,62 cm-Geschütze sowie die Spieren und die Radarantennen auf dem Mast sollte man durch dünneres Material bzw. Fotoätzteile ersetzen. Fraser hatte SPS-12, SPS-10B und einen Sperry Mk 2-Radar. Die ersten beiden Antennen, die wegen ihrer Netzstruktur am besten durch Fotoätzteile dargestellt werden können, finden sich auf einigen Sätzen von US Navy-Radarantennen aus dem Kalten Krieg.

Es liegt keine Anleitung bei. Mit Hilfe von Fotos des Originalschiffs sollte der Zusammenbau und weitere Detaillierung aber nicht schwierig sein.

Es sind natürlich auch keine Angaben über die Bemalung enthalten. Zumindest einige der Schiffe St. Laurent-Klasse - St. Laurent und Assiniboine - hatten anfangs einen zweifarbigen Tarnanstrich mit einem dunklen Rumpf und hellen Aufbauten. Später hatten alle Schiffe, eventuell einige Schiffe von Anfang an, einen hellgrauen Anstrich, der wohl dem graugrünen Anstrich der heutigen kanadischen Schiffen entspricht. Die Kennnummern waren schwarz. 

Saguenay 1965

Das Modell der Saguenay ist ähnlich aufgebaut, berücksichtigt aber die Unterschiede, die das Schiff nach dem Umbau zum DDH aufwies. Der Rumpf ist mit Aufbauten sowie Hubschrauberdeck und -hangar gedruckt. Die Masten für die TACAN-Antennen vor dem Schornsteinen habe ich irgendwann abgebrochen - diese Teile sind unten bei den restlichen Kleinteilen zu sehen. Auch auf diesen Fotos ist das Modell bereits grundiert und die diversen Kleinteile wurden entfernt. Die Kuhl für den Limbo-Werfer wird mit einem Ast gedruckt, an dem deren Abdeckung zu finden ist. Der Ast ist auf den Fotos noch zu sehen.

Auch dieser Rumpf ist vorbildgetreu und gut detailliert. Wie beim Modell der Fraser fällt an den Rumpfseiten und auch etwas an den Aufbauten Nacharbeit an, um die Spuren des Druckens zu entfernen. Die Detaillierung ist sehr gut und die Durchbrüche unter dem Hangar sowie dem Hubschrauberdeck sind offen dargestellt. Schön ist z.B. auch die Nachladevorrichtung für den Limbo-Werfer in der Seitenwand der Kuhl und die Winde für den Schleppsonar. Die Masten für die TACAN-Antennen werde ich durch dünnere Metallteile ersetzen.

Auch hier sind die Kleinteile unten im Rumpf zu finden, allerdings nicht an einem Rahmen, sondern etwas mehr verteilt:

Die Kleinteile umfassen die Beiboote mit Davits, den Mast, die 7,62 cm-Geschütze (mit Schildern), Limbo-Werfer, Torpedorohre, Abdeckung für den Limbo-Werfer (offen und geschlossen) und Teile des Schleppsonars. Auch hier kann man einige Teile durch dünnere Metallteile bzw. Fotoätzteile ersetzen, z.B. die Geschützrohre und die SPS-10B- und SPS-12-Radarantennen. Schwierig dürfte die Suche nach einem passenden Fotoätzteile für die Gitterstruktur der Topspiere des Masts werden. 

Für die Saguenay muss man selbst noch den Sikorsky CH-124 Sea King ergänzen. Ich habe Fotos der Sea King sowohl mit als auch ohne ein Radarradom hinten auf dem Rumpf gesehen. Es gibt diverse Sea King im Maßstab 1/700, z.B. von Trumpeter und L'Arsenal. Letztere enthalten auch fotogeätzte Rotoren.

Auch hier ist keine Anleitung enthalten. Saguenay hatte als DDH wohl immer den sehr hellen, graugrünen Anstrich.

Zuletzt noch ein Vergleich der Modelle von Fraser und Saguenay, so dass man die unterschiedlichen Bauzustände besser sehen kann:

Quellen

Fazit

Master of Military nutzt hier die Möglichkeiten des 3D-Drucks, um einerseits eine Klasse anzubieten, die bisher selbst von den Resinbausatzherstellern ignoriert wurde, und um andererseits auch die Vorteile des Verfahrens auszunutzen, z.B. bei der Darstellung der Öffnungen mittschiffs. Dabei sind die Modelle so aufgebaut, dass viele Kleinteile als Extrateile beiliegen, also wie bei einem Bausatz. Die Detaillierung und der Druck ist überwiegend gut. Die Nacharbeit bei den Oberflächen sollte machbar sein, genauso die weitere Detaillierung der Modelle. Ich werde mir auch die anderen Klassen der kanadischen "Cadillac Destroyer" von diesem Anbieter bestellen und bewerte die Modelle insgesamt mit

alt empfehlenswert

Lars