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Chinesischer Aviso Fupo (1/700, Oceanmoon) von Lars Scharff Drucken
Dienstag, 03. September 2019 um 05:00

 

23.08.1884 - 135 Jahre Schlacht von Fuzhou

 

Eines der wenigen chinesischen Schiffe, die die Schlacht von Fuzhou 1884 überlebten, war der Aviso Fupo.  (siehe Jahrestage auf Modellmarine). Der Großteil der in Fuzhou stationierten Fujian-Flotte war damit durch die französische Marine ausgeschaltet worden. 

Das Original

Die Fupo (伏波, auch Fu Po transkribiert) war das Typschiff einer Klasse von vier Schiffen, die in den frühen 1870ern für die chinesische Fujian-Flotte gebaut wurden. Für die Klasse findet man verschiedene Typenbezeichnungen und Klassifizierungen, u.a. Aviso, Sloop und Kanonenboot. Diese verschiedenen Bezeichnungen für einen kleineren Kreuzer waren nicht ungewöhnlich, da verschiedene Marinen für kleinere Kreuzer damals unterschiedliche Bezeichnungen verwendeten. Die chinesische Bezeichnung war eventuell "Kanonenschiff". Teilweise werden sie auch als Transportschiffe bezeichnet, was wohl auf eine spätere entsprechende Nutzung der überlebenden Schiffe und eine aus der Fupo-Klasse abgeleitete Klasse von Transportern zurückzuführen ist. Die Fupo-Klasse waren typische kleinere Kreuzer der Epoche. Die gesamte Bewaffnung war auf dem Oberdeck aufgestellt. Das schwerste Geschütz, ein 16 cm-Geschütz, konnte nach beiden Seiten feuern, die anderen Geschütze waren auf der Breitseite aufgestellt. Ungewöhnlich war, dass die Schiffe trotz ihrer Größe keine Vollschiffstakelung als Hilfsantrieb hatten, sondern eine Briggtakelage.

Von der Fupo-Klasse wurden 1870-73 Fupo, Anlan, Feiyun und Jian (Chian) gebaut. Drei der Schiffe kämpften in der Schlacht von Fuzhou, in der Feiyun und Jian zerstört wurden und Fupo beschädigt wurde. 1872-74 wurden vier Transportschiffe gebaut, deren Entwurf aus der Fupo-Klasse abgeleitet war: Yungpao, Haiching, Chenhang und Taya. Diese unterschieden sich von den Avisos der Fupo-Klasse durch eine erhöhte Back und Poop, ein größeres Deckshaus unter der Brücke und natürlich die fehlende Bewaffnung. Von diesen Transportschiffen wurden Yungpao und Chenhang in der Schlacht von Fuzhou versenkt.

Die Fupo war 69,6 m lang, 11,2 m breit und verdrängte 1258 t. Der Antrieb erfolgte über zwei Kessel und eine Dampfmaschine mit 600 PS, womit 10 kn erreicht wurden. Als Hilfsanstrieb war eine Briggtakelage vorhanden. Die Besatzung bestand aus 180 Mann.

Bewaffnung
1 x 16 cm
6 x 12 cm

Die Fupo wurde 1870-71 von dem Arsenal in Fuzhou (Foochow) für die Fujian-Flotte gebaut. In der Schlacht von Fuzhou 1884 lag sie in der Nähe des Flaggschiffs Yangwu vor Anker, konnte aber beschädigt flussaufwärts fliehen. Sie wurde repariert und operierte später u.a. von Formosa (Taiwan) aus. 1890 wurde sie ein Wohnschiff, aber bereits drei Jahre später wurde sie wieder aktiviert, um Piraten zu bekämpfen. Noch 1909 wurde sie zur Vermessung einer Insel verwendet, die nach ihr benannt wurde. Ihr weiteres Schicksal ist unbekannt.

Das Modell

Das Modell des Avisos Fupo habe ich aus dem Bausatz von Oceanmoon "The Imperial Chinese Foochow Arsenal Gunship Fu Po" gebaut. Der Bausatz besteht aus Resinteilen für den Rumpf und den Schornstein, Spritzgussteilen für die Beiboote, Lüfter, Kompass und Gangspill (der Zubehörspritzling von S-Model), gedrehten Messingrohren und Fotoätzteilen. Ich bin mir nicht sicher, wie Fupo zum Zeitpunkt der Schlacht von Fuzhou aussah. Es gibt ein oft abgebildetes Foto, das sie aber wahrscheinlich eine längere Zeit nach dem Krieg zeigt, da die Segel entfernt wurden. Fotos der Schwesterschiffe Feiyun und Jian kurz vor dem Beginn der Schlacht in Sino-French Naval War 1884-1885 sind zu unscharf, um viele Details auszumachen, bestätigen aber die Segeltakelage und den Anstrich. Etwas unsicher bin ich mir, ob das Steuerhaus schon vorhanden war. Ich entschied mich, es zu verwenden.

Der Bausatz lässt sich problemlos bauen. Ich habe die fotogeätzten Masten und das Bugspriet durch Metallteile ersetzt und die fotogeätzten Rahe mit Metallstäben verstärkt. Außerdem ergänzte ich die fehlenden Marsen, die aus Plastikteilen gebaut wurden. Die eingeholten Segel deutete ich mit Weißleim (Holzleim) an, der vorne an den Rahen angebracht wurde. Weißleim benutzte ich auch für die Darstellung der Persenning an der Brückenreling. Für die Takelung verwendete ich für die Wanten die enthaltenen Fotoätzteile. Diese sind allerdings relativ dick, also nicht ganz optimal. Für den Rest der Takelung benutzte ich schwarzen 20 Denier Faden von UNI Caenis, der mit Weißleim verklebt und mit einem Heißwachsspachtelgerät mit Hitze nachgespannt wurde.

Bemalt habe ich die Fupo mit Farben von Vallejo Model Color: 167 Anthrazitgrau für den Rumpf und die Geschützlafetten, 110 Achatgrau für die Decks, 4 Cremeweiss für die Innenseite des Schanzkleids und die Rümpfe der Beiboote, 121 Ockergelb für den Schornstein, die Lüfter und die Masten sowie 139 Mahagonibraun für diverse Details der Decks wie Oberlichter und Steuerrad. Die Messingrohre der Geschütze bemalte ich nicht, sondern schwärzte sie durch Brünierung. 

Hier noch eine Reihe von Größenvergleichen mit chinesischen Schiffen verschiedener Epochen: links mit der Korvette Yangwu (1872), die ebenfalls in der Schlacht von Fuzhou kämpfte, und dem Torpedokreuzer Guangyi (1892) aus dem Ersten Chinesisch-Japanischen Krieg. Rechts mit dem Schulkreuzer Chaoho (1912), der im Zweiten Chinesisch-Japanischen Krieg versenkt wurde, und der modernen Fregatte Yulin (2010).

Quellen

Lars