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Französischer Panzerkreuzer Triomphant (1/700, Doggy Industries) von Lars Scharff Drucken
Mittwoch, 04. September 2019 um 05:00

 

23.08.1884 - 135 Jahre Schlacht von Fuzhou

 

Das stärkste französische Schiff in der Schlacht von Fuzhou vor 135 Jahren war der Panzerkreuzer Triomphante (siehe Jahrestage auf Modellmarine). Triomphante war das letzte französische Schiff, das die Reede von Fuzhou erreichte und der französische Admiral, Courbet, wartete ihre Ankunft ab. Sie spielte trotzdem in der Schlacht nur eine geringe Rolle, da sie erst spät eine Position erreichte, die ihr das Eröffnen das Feuers erlaubte. Sie versenkte das chinesische Kanonenboot Zhenwei (Chen Wei) und war an der Ausschaltung chinesischer Batterien an Land beteiligt. Die wichtigste Rolle hatte sie, als sich die französische Flotte den Weg an den chinesischen Batterien am Fluss Min Jiang vorbei zurück aufs Meer erkämpfen musste. Triomphante hatte mit dem Kreuzer Duguay-Trouin als einzige der französischen Flotte schwere Artillerie, die geeignet war, befestigte Batterien auszuschalten. Die französische Flotte brauchte vom 25. bis 29. August, um wieder das offene Meer zu erreichen.

Das Original

Der französische Panzerkreuzer Triomphante war eines von drei Schiffen der 1868-1879 gebauten La Galissonnière-Klasse. Die Klasse wurde entworfen, um als Flaggschiff und Rückhalt für Kreuzergeschwader in den Kolonien zu dienen. Klassifiziert waren sie corvette cuirassée (Panzerkorvette), später croiseur cuirassé (Panzerkreuzer). Man findet auch die Bezeichnung cuirassé 2e classe (Schlachtschiffe 2. Klasse), cuirassé de station (Stationsschlachtschiff) und cuirassé de croisière (Kreuzerschlachtschiff). Die La Galissonnière-Klasse war eine Weiterentwicklung der Alma-Klasse. Sie fiel größer aus, so dass sie mit 24 cm-Geschützen statt 19,4 cm-Geschützen bewaffnet werden konnte. Diese waren, wie bei der Alma-Klasse, so aufgestellt, dass man die Schiffe als Mischung aus Zentralbatterie- und Barbettschiffen bezeichnen kann. Vier der schweren Geschütze standen in einer zentralen, gepanzerten Batterie. Die restlichen beiden standen in offenen Barbetten auf beiden Seiten der Brückenaufbauten. La Galissonnière hatte zusätzlich 12 cm-, später 10 cm-Geschütze, auf dem Oberdeck. Die nächsten beiden Schiffe, Victorieuse und Triomphante, hatten stattdessen 13,8 cm-Geschütze auf dem Oberdeck und ein 19,4 cm-Geschütz, das durch ein Stückpforte im Bug nach vorne feuern konnte. Die letzten beiden Schiffe waren auch etwas länger, hatten eine andere Heckform, nur eine statt zwei Schrauben und die Barbetten waren etwas weiter vorne angeordnet. Alle drei Schiffe hatten als zusätzlichen Antrieb, insbesondere um die erforderliche Reichweite zu ermöglichen, eine Vollschiffstakelage. Diese wurde erst zu einer Barktakelage reduziert und schließlich komplett entfernt.

Triomphante war 79,9 m lang, 14,9 m breit und verdrängte 4585 t. Der Antrieb erfolgte vier Kessel und eine Dampfmaschine, die 2214 PS leistete, womit 12,8 kn erreicht wurden. Als Hilfsanstrieb war eine Vollschiffstakelage mit 1730 m2 Segelfläche vorhanden. Die Besatzung bestand aus 382 Mann.

Bewaffnung
6 x 24 cm L/19 Modèle 1870 (einzeln in Barbetten und in der Zentralbatterie)
1 x 19 cm L/20 Modèle 1870 (im Bug)
6 x 13,8 cm L/21 (auf dem Oberdeck)
8 x 3,7 cm Hotchkiss-Revolverkanonen

Die Triomphante wurde von 1869-79 vom Arsenal de Rochefort gebaut und nach ihrer Fertigstellung in den Pazifik geschickt. 1883 wurde sie Flaggschiff der Levante-Station, 1884 aber wieder zur Flotte im Fernen Osten geschickt. Kurz vor Ausbruch des Chinesisch-Französischen Kriegs war sie bereits in China stationiert. Sie kämpfte in der Schlacht von Fuzhou. Zusammen mit ihrem Schwesterschiff La Galissionnière, dem Kreuzer D'Estaing und dem Kanonenboot Vipère war sie im Oktober 1884 bei dem Angriff auf Tamsui auf Taiwan beteiligt und unterstützte die Landung dort. Sie blieb in den Gewässern um Taiwan und war an dessen Blockade beteiligt. Zusammen mit den Kreuzern Champlain und D'Estaing stoppte oder versenkte sie um die 30 Dschunken. Im März 1885 blockierte sie zusammen mit dem Panzerkreuzer Bayard, dem Kreuzer Nielly und dem Transportschiff Saône den Hafen Chenhai und die Reistransporte von dort. Ende März gehörte sie zusammen mit Bayard und den Kreuzern D'Estaing und Duchaffault sowie dem Transportschiff Annamite zu den Schiffen, die Pescadoren (Penghu-Inseln) eroberten.

Von 1885-94 war Triomphante Flaggschiff der französischen Flotte im Fernen Osten. Danach kam sie zur Reserveflotte. 1896 wurde sie gestrichen, wurde aber danach wohl als Wohnschiff in Saigon genutzt. 1903 wurde sie zum Abwracken verkauft.

Das Modell

Das Modell des Panzerkreuzers Triomphante habe ich aus dem Bausatz von Doggy Industries gebaut. Dieser Kleinserienhersteller aus China bietet vier Bausätze von französischen Schiffen aus dem Chinesisch-Japanischen Krieg an: die Panzerkreuzer Triomphante und Bayard (siehe Besprechung des Bausatzes der Bayard) sowie der Kreuzer 1. Klasse Lapérouse (Typschiff seiner Klasse, die Schwesterschiffe D'Estaing und Nielly kämpften auch im Chinesisch-Französischen Krieg) und der Kreuzer 3. Klasse Volta (Limier-Klasse).

Der Bausatz der Triomphante besteht aus Resinteilen, Messingrohre für die beiden 24 cm-Geschütze in den Barbetten (aber nicht für den Rest der Bewaffnung), Fotoätzteilen und Plastikstäben für die Masten (die in die Restekiste wanderten, da Plastik für Masten viel zu weich ist). Ein großes Problem beim Bau des Modells war, dass ich nur wenig über das Original gefunden habe und viele Fragen zu Details offen blieben. Mir ist eine Seitenansicht mit Rumpflinien des Schwesterschiffs Victorieuse aus dem Atlas du Génie maritime bekannt, die wohl auch der Hersteller als Vorbild genommen hat. Leider zeigt diese keine Deckdetails und es gibt keinen Takelplan. Bei den Fotos stellte sich oft die Frage nach der genauen Datierung.

Dazu gibt es Fragen in Bezug auf die Art und Weise wie der Hersteller die Quellen interpretiert hat. Die Heckform im Bausatz zeichnet sich durch eine kuriose Plattform aus, die wohl auf dem Plan der Victorieuse beruht. Etwas geschockt war ich, als ich in Before the Battlecruiser die Skizze mit dem überhängenden Heck sah (wie es La Gallissionière hatte). Ein Foto der Triomphante als Wohnschiff in Saigon zeigt aber, dass sie ein eingezogenes Heck wie Victorieuse hatte (die meisten Fotos sind von schräg vorne aufgenommen, so dass man die Heckform nicht erkennen kann). Die hohe Plattform im Bausatz ist auf dem Fotos nicht erkennbar, übrigens auch nicht auf Fotos der Victorieuse. Vielmehr scheint diese nach achtern gerichtete Davits gehabt zu haben, keine Plattform. Ich entfernte deshalb den nach achtern überhängenden Teil der Plattform und schliff sie deutlich niedriger.

Die Angaben für die Länge der verschiedenen Mastteile in der Anleitung sind sehr merkwürdig, da der Fockmast deutlich der höchst Mast wäre. Aus Mangel an Alternativen benutze ich die Skizze aus Before the Battlecruiser für die Angaben der Längen. Parallel fand ich Fotos der Triomphante, datiert auf 1885, die sie mit Barktakelage ohne Kreuzbramstenge (und natürlich ohne Rahe am Besanmast) zeigen (siehe hier für eine Erklärung der verschiedenen Begriffe einer Segelschiffstakelage). Also entschied ich mich für diese Variante und baute die Masten aus Metallstäben verschiedener Stärken. Die Mars am Besanmast und an der Spitze der Marstengen am Fock- und Großmast ergänzte ich aus Plastikplatten. Getakelt habe ich mit den Fotoätzteilen für die unteren Wanten und mit schwarzen 20 Denier Faden von UNI Caenis für den Rest.

Ansonsten baute ich das Modell halbwegs nach der Anleitung. Die Rohre für die 24 cm-Geschütze in der Batterie und dem 19 cm-Geschütz im Bug stellte ich aus Metallstäben dar, da hier keinerlei Teile im Bausatz enthalten sind. Die 3,7 cm Hotchkiss ergänzte ich aus Teilen von S-Model, wobei mir das oben erwähnte Foto der Triomphante mit der Barktakelage als Orientierung für die Positionierung diente: zwei auf die Back, zwei auf die Brücke, je zwei in der Mars auf dem Fock- bzw. dem Großmast.

Sehr spät im Bau fand ich noch einige Probleme, die ich aber aus Mangel an guten Quellen nicht korrigierte: a) das Bugspriet ist so, wie ich es gebaut habe, falsch. Es sollte aus drei Teilen bestehen (insgesamt also länger) und das Bugsprietknie sollte an einem deutlich kürzeren Bugspriet näher am Bug sein. b) eventuell sind die Masten zu niedrig. Das Großstag würde mitten durch den Schornstein gehen, weshalb ich es weglassen musste. c) die Datierung des Fotos mit der Barktakelage bezweifle ich inzwischen etwas an, möglicherweise hatte sie 1884 noch eine Vollschiffstakelage wie das Titelbild und diverse Zeichnungen in Sino-French Naval War sie zeigen. d) die Lafetten für die 24 cm-Geschütze in den Barbetten passen nicht zu den gedrehten Rohren. Man sollte sie besser neu bauen, um die Rohre etwas tiefer einbauen zu können. e) die 13,8 cm-Geschütze sehen im Bausatz eher wie 4,7 cm-Geschütze aus - auf den Fotos konnte ich sie aber gar nicht ausmachen und ich bin mir nicht sicher, was für Lafetten verwendet wurden. Ich änderte diese also nicht, obwohl die dargestellten Geschütze sicher falsch sind. f) die Position des Besanmasts und/oder dessen Wanten sind an meinem Modell falsch. Auf den Fotos wirkt es so, als wäre das achtere Paar Davits achteraus der Wanten an der Innenseite des Schanzkleids befestigt. Aber da war bei dem Modell kein Platz mehr, so dass sie außen am Rumpf (wie bei Victorieuse) befestigt wurden.

Bemalt habe ich die Triomphante mit Acrylfarben von Vallejo Model Color. Ich verwendete 4 Cremeweiss für den Rumpf, 110 Achatgrau für die Decks, 121 Ockergelb für den Schornstein, Lüfter und die Masten sowie 167 Anthrazitgrau für die Wanten und Geschützrohre.

Links mit einem weiteren Schiff, das als Flaggschiff von Kreuzergeschwadern eingesetzt wurde, das 74-Kanonenschiff Marengo (1796). In der Mitte mit dem chinesischen Flaggschiff aus der Schlacht von Fuzhou, der Korvette Yangwu (1872). Rechts mit einem neueren Panzerkreuzer, der Waldeck-Rousseau (1911).

Quellen

Lars