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Niko Model: Leichter Kreuzer Hr. Ms. Jacob van Heemskerck (1/700) Drucken
Dienstag, 28. Januar 2020 um 06:00

Leichter Kreuzer Hr. Ms. Jacob van Heemskerck Deckelbild

Modell: HNLMS Jacob van Heemskerck 1942 Dutch light cruiser
Hersteller: Niko Model
Maßstab: 1/700
Material: Resin, Fotoätzteile, Metallstäbe
Art.Nr.: 7107
Preis: 56,8 € (bei NNT Modell + Buch)

Das Original

Der niederländische Leichte Kreuzer Hr. Ms. Jacob van Heemskerck war das zweite Schiff der Tromp-Klasse. Es gelang, sie 1940 im unfertigen Zustand vor den deutschen Invasoren nach Großbritannien zu evakuieren, wo sie bis 1941 mit einer auf Flugabwehr spezialisierten Bewaffnung fertiggestellt wurde. Sie unterschied sich in diesem Zustand deutlich von dem Typschiff Tromp.

Die Tromp-Klasse war als Rückhalt und Führungsschiffe für Zerstörer entworfen worden und war in vielerlei Hinsicht ein Zwischending zwischen einem Leichten Kreuzer und einem Zerstörer. Die Schiffe waren nur leicht gepanzert und mit sechs 15-cm-Geschützen in drei Zwillingslafetten, im ursprünglichen Entwurf, auch relativ leicht bewaffnet. Die Flugabwehr war nach dem ursprünglichen Entwurf recht fortschrittlich, es fehlte aber eine schwere Flak. Jacob van Heemskerck erhielt in Großbritannien statt der 15-cm-Geschütze und der Torpedorohre fünf 10,2-cm-Zwillingsflak und zwei passende Feuerleitgeräte. Sie wurde so zu einem Flugabwehrkreuzer.

Jacob van Heemskerck war 132,0 m lang, 12,4 m breit und verdrängte 4860 t. Der Antrieb bestand aus zwei Kesseln und zwei Dampfturbinen und leistete 56.000 PS, womit 32,5 kn erreicht wurden. Die Besatzung bestand aus 393-420 Mann.

Bewaffnung
10 x 10,2-cm-L/45-Mk-XVI (fünf Zwillingslafetten)
4 x 4-cm-Pom-Pom (eine Vierlingslafette)
6 x 2-cm-Hispano-Suiza (Einzellafetten)
Wasserbomben

Jacob van Heemskerck wurde ab 1938 von Nederlandsche Scheepsbouw Mij. in Amsterdam gebaut. Sie wurde im Mai 1940 unfertig und mit nur sechs 2-cm-Flak nach Großbritannien evakuiert. In diesem Zustand wurde sie im Juni gemeinsam mit dem Leichten Kreuzer Sumatra genutzt, um Teile der königlichen Familie nach Kanada in Sicherheit zu bringen. Von Juli 1940 bis Januar 1941 wurde sie in Portsmouth als Flugabwehrkreuzer fertiggebaut. Jacob van Heemskerck diente danach als Geleitschiff für Atlantikkonvois, bis sie im Januar 1942 nach Niederländisch-Ostindien geschickt wurde, um die dortigen Verbände gegen die Japaner zu verstärken. Bevor sie die Region erreichen konnte, waren die alliierten Verbände allerdings bereits in der Schlacht in der Javasee geschlagen worden und die Japaner hatten die niederländischen Kolonien erobert. Der Flugabwehrkreuzer wurde deshalb in die britische Eastern Fleet eingegliedert und geleitete meist im Indischen Ozean Konvois. Zudem war Jacob van Heemskerck an der Eroberung Madagaskars beteiligt. Am 28. November 1942 fing sie gemeinsam mit dem australischen Leichten Kreuzer HMAS Adelaide den deutschen Blockadebrecher Ramses ab, der sich selbst versenkte. Im Juni 1944 wurde sie nach Großbritannien verlegt, um dort überholt zu werden.

Jacob van Heemskerck war das erste niederländische Kriegsschiff, das nach der Befreiung wieder die Niederlande anlief. Im September 1945 wurde sie nach Niederländisch-Ostindien verlegt, wo sie bis 1946 im Einsatz war. Sie diente noch bis 1954, inzwischen modernisiert, u.a. mit neuen 4-cm-Flak und mittschiffs vergrößerten Aufbauten. Von 1957 bis 1969 wurde sie noch als Wohnschiff genutzt. 1970 wurde sie nach Alicante zum Abwracken verkauft.

Der Bausatz

Niko Model hat mit dem Leichten Hr. Ms. Jacob van Heemskerck im Zustand von 1942 nach Java, De Ruyter und Tromp einen weiteren niederländischen Kreuzer herausgebracht. Damit können jetzt alle niederländischen Kreuzer des Zweiten Weltkriegs gebaut werden. Die Unterschiede zwischen den Schwesterschiffen Tromp und Jacob van Heemskerck sind wegen der unterschiedlichen Hauptbewaffnung, Feuerleitgeräte, Flak etc. recht deutlich. HP Models hatte (hat?) einen Bausatz der Jacob van Heemskerck im Angebot, der allerdings den Nachkriegszustand zeigt (mit dem stark nach achtern verlängerten Backdeck).

Der Rumpf ist komplett mit den unteren Decks des Brückenaufbaus als ein Teil gegossen. Bei den Rumpfseiten hat sich Niko Model, im Gegensatz zum Bausatz der Tromp, entschieden, keine Details außer Ankerklüsen und Bullaugen anzubringen - eventuell die maßstabsgetreuere Lösung. Die Detaillierung und der Guss sind sehr gut. Nur an der Wasserlinie an Bug und Heck ist bei meinem Exemplar des Bausatzes etwas Nacharbeit erforderlich. Der Rumpf ist von den Abmessungen und der Form vorbildgetreu.

Die anderen beiden größeren Aufbautenteile sind der Schornstein und der obere Teil der Brücke. Auch diese Teile sind gut detailliert. Der Schornstein ist offen gegossen und wird oben mit Fotoätzteilen weiter detailliert.

Die Bewaffnung und die restlichen Kleinteile sehen gut gemacht aus. Ich hoffe, dass sich die 10,2-cm-Zwillingsflak gut zusammenbauen lassen - ich hatte schon Probleme mit solchen Teilen von Niko Model, die nicht gepasst haben. Die 2-cm-Flak im Bausatz sehen sehr wie Oerlikon aus, sollten aber welche von Hispano-Suiza sein. In Den Helder findet man ein Modell der Jacob van Heemskerck, aber die darauf gezeigten 2-cm-Flak wirken merkwürdig. Auf diesem Foto auf dieser Seite sieht man vor einer 10,2-cm-Flak aber etwas, das den merkwürdigen 2-cm-Flak auf dem Modell tatsächlich ähnelt! Auch hier und hier sieht man eine solche Lafette an Bord von Jacob van Heemskerck. Mir ist kein Hersteller eines 1/700 Modells einer solchen Lafette bekannt. Die Hispano-Suiza wurden im Februar 1943 gegen 2-cm-Oerlikon ausgetauscht, allerdings kamen damals auch zwei 4-cm-Bofors (an die Stelle des Großmasts?) an Bord.

Neben diesen Resinteilen liegen noch einige Metallstäbe für die Masten bei.

Die Fotoätzteile

Die Fotoätzteilplatine umfasst Reling, Schornsteingitter, Scheinwerferplattformen, Wasserbombenwerfer, Bootslager, Davits, Radar, Ankerketten und einen Teil des Schanzkleids.

Das Schanzkleid soll mittschiffs an den Resinrumpf angebracht werden - das dürfte nicht trivial sein, dies passend anzubauen und die Übergänge sauber hinzubekommen!

Die Anleitung

Die Anleitung beginnt mit einer Übersicht der Teile, auf der sowohl die Resin- als auch die Fotoätzteile nummeriert sind und so leichter identifiziert werden können. Der Zusammenbau wird in fünf Schritten plus neun Unterschritten mit Hilfe von Fotos des Modells erklärt. Am Ende findet sich noch eine farbige Bauanleitung, deren Seitenansichten sowie die Aufsicht auch bei der Positionierung der Teile helfen sollten. Für die Masten findet man maßstabliche und perspektivische Ansichten sowie Angaben zur Dicke der Teile, die man verwenden soll - aber leider nicht zur Länge, was insbesondere für den Dreibeinmast hilfreich gewesen wäre. Für das Tarnschema gibt es keine Angaben für bestimmte Farben eines Herstellers, nur einen Verweis auf Originalfarbbezeichnungen - wobei es auch Hinweise gibt, dass 507A und 507B die gleiche Farbe waren...

Der Bausatz stellt den Bauzustand von 1942 dar. Der Umbau in einen Zustand später im Zweiten Weltkrieg dürfte nicht sehr aufwendig sein - wenn man gute Fotos und weitere Quellen findet, um zu bestimmen, was  alles geändert werden muss. Die Hispano-Suiza wurden 1943 durch Oerlikon ersetzt, dazu kamen zwei Bofors-Zwillinge an Bord. Auch der 4-cm-Pom-Pom-Vierling wurde wohl 1944/45 durch zwei 4-cm-Bofors-Zwillinge auf Hazemayer-Lafetten ersetzt. Außerdem kamen statt der sechs 2-cm-Einzellafetten vier 2-cm-Oerlikon-Zwillingslafetten an Bord. Zu einem mir unbekannten Zeitpunkt wurde das Backdeck im hinteren Bereich (etwa ab der ehemaligen Position des Großmasts) bis etwa zur Position des achteren Feuerleitgeräts seitlich verschlossen. Auch der Großmast wurde entfernt. Diesen Bauzustand stellt HP Models dar.

Quellen

Fazit

Der Bausatz des niederländischen Leichten Kreuzers Hr. Ms. Jacob van Heemskerck von Niko Model sieht in Bezug auf Guss, Detaillierung, Vorbildgetreue und Vollständigkeit gut aus. Leider sind für den dargestellten Bauzustand von 1942 die falschen 2-cm-Flak enthalten und die richtigen 2-cm-Flak von Hispano-Suiza in diesen merkwürdigen geschlossenen Lafetten dürften nicht leicht selbst herzustellen sein. Dies ist aber der einzige Punkt, der mir negativ aufgefallen ist, ansonsten ist der Bausatz

alt empfehlenswert

Lars