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Aoshima: Schwere Kreuzer HMS Norfolk und HMS Dorsetshire (1/700) Drucken
Dienstag, 25. Februar 2020 um 06:00

HMS Norfolk Deckelbild

Das Original

Die britischen Schweren Kreuzer HMS Norfolk und HMS Dorsetshire sind für ihre Beteiligung an der Versenkung der deutschen Schlachtschiffe Bismarck und Scharnhorst bekannt. Sie gehörten zum letzten Untertyp der County-Klasse, der Dorsetshire-Klasse. Die County-Klasse war ein Ergebnis des Washingtoner-Flottenvertrags. Die Royal Navy ging davon aus, dass alle Unterzeichnerstaaten Kreuzer nach den maximal erlaubten Charakteristika, also 10.000 ts Standardverdrängung und 20,3-cm-Geschütze, bauen würden. Deshalb bestellte sie selbst solche Kreuzer, obwohl diese als zu groß und zu teuer betrachtet wurden, um in ausreichender Stückzahl realisiert werden zu können. Die County-Klasse sollte zum Schutz des Handels dienen - und deshalb einen ausreichenden Fahrbereich haben - aber auch mit der Flotte operieren können. Man wählte einen Glattdeckerrumpf mit sehr hohem Freibord, der der Klasse zusammen mit den drei hohen Schornsteinen das typische Aussehen gab.

Von der County-Klasse wurden 1924-30 insgesamt 13 Schwere Kreuzer gebaut. Die ersten sieben Schiffe der Kent-Klasse wurden für die britische und australische Marine gebaut. Es folgten vier Schiffe der London-Klasse für die britische Marine. Bei diesen wurde auf die Torpedowülste verzichtet und die Rumpfform optimiert, so dass sie etwas schneller ausfielen. Die letzten beiden Schiffe für die Royal Navy, die Dorsetshire-Klasse, erhielten ein neuen 20,3-cm-Turm und erstmals auch einen DCT zur Leitung der 20,3-cm-Geschütze. Der hohe Turm auf der Brücke fiel deshalb weg und der Brückenaufbau war niedriger. Außerdem wurde die Panzerung verstärkt. Zwei weitere aus der County-Klasse abgeleitete Schiffe, die Canarias-Klasse, wurde 1928-36 in Spanien gebaut.

Die County-Klasse erhielt eine sogenannte Box-Panzerung, d.h. nur um die Maschinen und insbesondere um die Munitionsmagazine war Panzerung vorhanden, es gab kein durchgehendes Panzerdeck und keinen Seitenpanzer. Als Hauptschutz sollte die Geschwindigkeit dienen. Oft wird mit Verweis auf die bei Skagerrak explodierten Schlachtkreuzer angegeben, dass nach dem Ersten Weltkrieg eine maximale Panzerung oberste Priorität hatte, tatsächlich führten die Erfahrungen aus diesem Krieg bei Kreuzern jedoch zur Fokussierung auf eine hohe Geschwindigkeit.

Der Umfang der Modernisierung der Dorsetshire-Klasse war im Vergleich zu den Kreuzern der Kent-Klasse und der London relativ gering. Die beiden Schiffe erhielten nach Fertigstellung ein Katapult, ein Feuerleitgerät für die schwere Flak achtern und Flugabwehr-Maschinengewehre. 1936/37 wurde die Flugabwehr verstärkt. Ein zweites Feuerleitgerät für die schwere Flak (HACS) kam an Bord und beide wurden auf beiden Seiten der Brücke aufgestellt. Die 10,2-cm-Einzellafetten wurden durch Zwillingslafetten ersetzt und zwei Pom-Pom-Achtlinge wurden ergänzt. Zudem wurde ein stärkeres Katapult eingebaut und die Brücke vergrößert. Dorsetshire wurde während des Kriegs nicht mehr stark verändert, sie erhielt 1941 eine begrenzte Ausstattung mit Radar und eventuell 2-cm-Oerlikon. Norfolk wurde dagegen mehrfach modernisiert: 1940 erhielt sie zwei UP-Flugabwehrraketenwerfer, 1941 wurden diese und die MG durch sechs 2-cm-Oerlikon ersetzt. 1942 kamen drei weitere und 1943 vier weitere Oerlikon dazu und das Katapult wurde entfernt. Auch die Brücke wurde vergrößert, die Radarausstattung wurde erweitert und sie erhielt Dreibeinmasten. 1944 wurde sie noch einmal stark modernisiert, wobei der Turm X und die Pom-Pom-Achtlinge entfernt wurden. Stattdessen kamen sechs Pom-Pom-Vierlinge und elf 2-cm-Zwillinge hinzu. Die Zahl der Oerlikon in Einzellafetten wurde auf zehn reduziert. 1945 wurden letztere durch 4 cm-Einzellafetten ersetzt.

Die beiden Schweren Kreuzer der Dorsetshire-Klasse waren 192,9 m lang, 20,1 m breit und verdrängten voll beladen 13.503 t (Norfolk 1943 14.834 t). Der Antrieb bestand aus acht Kesseln und vier Dampfturbinensätzen mit insgesamt 81.914 PS, womit 32,1 kn (32,9 kn im leichten Zustand) erreicht wurden. Die Besatzung umfasste ursprünglich 784 Mann.

Bewaffnung Dorsetshire Mai 1941
8 x 20,3 cm L/50 BL Mk VIII (vier Mk II-Zwillingstürme)
8 x 10,2 cm L/45 QF HA Mk XIX (vier Zwillingslafetten)
16 x 4 cm L/39 QF Mk VIII Pom-Pom (zwei Mk VI-Achtlingslafetten)
8 x 1,27 cm L/62 Mk III Vickers (zwei Vierlingslafetten)
8 x 53,3 cm QRIV-Torpedorohre (zwei Vierlingsrohre, neun Mk VII-Torpedos)
1 Supermarine Walrus-Aufklärungsflugzeug

Bewaffnung Norfolk Dezember 1943
8 x 20,3 cm L/50 BL Mk VIII (vier Mk II-Zwillingstürme)
8 x 10,2 cm L/45 QF HA Mk XIX (vier Zwillingslafetten)
16 x 4 cm L/39 QF Mk VIII Pom-Pom (zwei Mk VI-Achtlingslafetten)
13 x 2 cm L/70 Mk II Oerlikon (Einzellafetten)
8 x 53,3 cm QRIV-Torpedorohre (zwei Vierlingsrohre, neun Mk VII-Torpedos)

Dorsetshire wurde 1927-30 von der Marinewerft Portsmouth gebaut. Sie diente von 1930-33 bei der Atlantikflotte. 1933-35 diente sie bei der 6. Cruiser Squadron in Afrika, danach bis 1939 bei der 5. Cruiser Squadron in China. Nach Kriegsausbruch wurde sie erst in den Indischen Ozean, dann in den Südatlantik verlegt, um Handelsstörer zu jagen und Konvois zu geleiten. Am 12. Februar 1940 fing sie den deutschen Frachter Wakama ab, der sich darauf selbst versenkte. Im Juni und Juli wurde Dorsetshire eingesetzt, dass französische Schlachtschiff Richelieu aufzuspüren. Am 21. Januar 1941 brachte sie das Vichy-französische Frachtschiff Mendoza auf. Für die Jagd auf die Bismarck wurde sie von einem Konvoigeleit-Einsatz abgezogen. Sie stieß am 27. Mai noch rechtzeitig zu den Schlachtschiffen Rodney und King George V und ihrem Schwesterschiff Norfolk, um die Bismarck abzufangen. Dorsetshire feuerte 254 20,3-cm-Granaten und drei Torpedos ab und trug wesentlich zur Versenkung der Bismarck bei (ob Bismarck sich selbst versenkt hat oder nicht, ist eigentlich nicht relevant, da sie auch ohne die Selbstversenkungsgmassnahmen untergegangen wäre). Dorsetshire rettete 85 Überlebende der Bismarck, brach die Rettungsaktion aber wegen eines U-Boot-Alarms ab. Im Juni wurde sie mit Radar nachgerüstet und danach wieder im Südatlantik und Indischen Ozean eingesetzt. Am 1. Dezember 1941 fing sie das deutsche U-Bootversorgungsschiff Python ab, das gerade die U-Boote U A und U 68 versorgte. Sie konnte Torpedoangriffen der U-Boote ausweichen und erzwingen, dass die Python aufgegeben und versenkt wurde. 1942 wurde sie überwiegend im Indischen Ozean eingesetzt. Während des japanischen Vorstoßes in den Indischen Ozean befand sie sich gerade in Überholung in Colombo, die Reparaturen wurden daraufhin abbrochen. Am 5. April 1942 wurde Dorsetshire in Begleitung des Schweren Kreuzers Cornwall von einem Flugzeug des japanischen Schweren Kreuzers Tone gesichtet, das Trägerflugzeuge der Akagi, Soryu und Hiryu heranführte, die beide britischen Schweren Kreuzer versenkten. Dorsetshire erhielt zehn Bombentreffer sowie diverse Nahtreffer und sank innerhalb von acht Minuten. 234 Mann der Besatzung starben. Dorsetshire erhielt zwei Battle Honours.

Norfolk wurde 1927-30 von Fairfield in Govan gebaut. Sie gehörte bis 1932 zur Atlantikflotte. Im Gegensatz zur Dorsetshire beteiligte sich die Besatzung der Norfolk massiv an der Invergordon-Meuterei vom 15./16. September 1931, einem Protest gegen Soldkürzungen. 1932-35 wurde Norfolk in Amerika und Karibik ("Westindien") eingesetzt, 1935-39 war sie Flaggschiff der 4. Cruiser Squadron im Indischen Ozean ("Ostindien"). Während des Zweiten Weltkriegs gehörte Norfolk zur 1. Cruiser Squadron der Home Fleet. Sie wurde zu Kriegsbeginn in der Nordsee, im Nordatlantik und im Mittelmeer eingesetzt. Am 28. November 1939 wurde sie von U 47 angegriffen, aber die Torpedos explodierten achteraus. Am 16. März 1940 fing Norfolk den deutschen Frachter Uruguay ab, der sich selbst versenkte. Am gleichen Tag wurde sie nach ihrer Rückkehr nach Scapa Flow von einer Bombe achtern getroffen, die ein Feuer im Magazin des Turms Y verursachte. Die Reparatur der Schäden benötigte drei Monate. Im Oktober 1940 erhielt Norfolk Radaranlagen. Am 23. Mai 1941 sichtete sie zusammen mit dem Schweren Kreuzer Suffolk das deutsche Schlachtschiff Bismarck und den Schweren Kreuzer Prinz Eugen und führte den Schlachtkreuzer Hood und das Schlachtschiff Prince of Wales heran. Nach der Versenkung der Hood beschattete sie weiter die deutschen Schiffe, wurde aber abgeschüttelt. Am 26. Mai gehörte sie zu den britischen Schiffen, die die Bismarck wieder aufspürten und am 27. Mai versenkten. Norfolk selbst feuerte 527 20,3 cm-Granaten und acht Torpedos ab. Danach diente sie weiter im Nordatlantik. Von Juli bis August 1941, im Februar 1942 und von April bis Mai 1943 wurde sie überholt und modernisiert. Am 26. Dezember 1943 fing sie mit den Leichten Kreuzern Sheffield und Belfast das deutsche Schlachtschiff Scharnhorst ab. Norfolk feuerte 161 20,3 cm-Granaten ab und zerstörte das Feuerleitgerät im Vormars der Scharnhorst. Sie selbst erhielt zwei 28-cm-Treffer, die durch das Schiff gingen, aber sieben Mann töteten und fünf verwundeten. Scharnhorst wurde schließlich durch das Schlachtschiff Duke of York, die Leichten Kreuzer Belfast und Jamaica sowie Zerstörer versenkt. Von Februar bis November 1944 wurde Norfolk umfassend modernisiert. 1945 wurde sie für diverse Angriffe vor der norwegischen Küste eingesetzt. Am 8. Juni 1945 transportierte sie den norwegischen König nach Oslo. Von Juni bis August 1945 wurde sie erneut überholt und ab Oktober 1945 bis 1949 bei der 5. Cruiser Squadron im Indischen Ozean ("Ostindien") eingesetzt. 1949 wurde Norfolk außer Dienst gestellt und 1950 nach Newport zum Abwracken verkauft. Norfolk erhielt sechs Battle Honour.

Der Bausatz der HMS Norfolk

Modell: HMS Norfolk (Battle of North Cape Limited Edition)
Hersteller: Aoshima
Maßstab: 1/700
Material: Polystyrol (Spritzguss)
Art.Nr.: 056691
Preis: 37,6 € (bei NNT Modell + Buch)

Aoshima hat inzwischen eine Reihe von Bausätzen von Schweren Kreuzern der County-Klasse herausgebracht. Neben der Kent und Cornwall (Kent-Klasse) sind auch mindestens drei Bausätze der Dorsetshire und zwei der Norfolk (Dorsetshire-Klasse) erschienen. Von der Norfolk gibt es zwei Versionen: einen Bausatz des Zustands von 1942 (Artikelnr. 056707), sowie die hier besprochene Auflage (Artikelnr. 056691), die sie im Zustand der Schlacht am Nordkap Ende 1943 zeigt.

Diese Version ermöglicht den Bau eines Wasserlinienmodells. Die Teile des Rumpfs sind über mehrere Spritzlinge verstreut. Die Abmessungen sind maßstabsgetreu und die Formen vorbildgetreu. Die Teile für das Oberdeck sind in einem hellen Braun gespritzt - als Hilfe für die gedacht, die das Modell nicht bemalen wollen? Das Vorschiff vor dem Wellenbrecher ist ein Extrateil, und auch der vordere Teil des Aufbautendecks ist in diesem Hellbraun gehaltet. Das Holzdeck ist mit feinen Gravuren dargestellt.

Die beiden Rumpfhälften sind fein detailliert. Die Blechstöße sind durch erhabene Linien angedeutet.

Die beiden C-Spritzlinge enthalten die Wasserlinienplatte sowie diverse Teile für die Aufbauten und Schornsteine, alles gut detalliert. Die meisten Teile vom Spritzling mit der Wasserlinienplatte werden nicht gebraucht, sie stammen von der ersten Version des Dorsetshire-Bausatzes (siehe Besprechung unten).

Von dem nächsten zwei Mal enthaltenen Spritzling soll man nur Davits, Anker, Otter und 2-cm-Flak verwenden. Letztere können durch feinere aus dem Zubehörhandel ersetzt werden. Die anderen Teile sind erneut aus dem Dorsetshire-Bausatz und finden für die Norfolk keine Verwendung. Die nicht benötigten 20,3 cm-Türme sind zu klein und ihre Rückseite ist falsch geformt, sie taugen also leider auch nicht für die Restekiste.

Auf dem nächsten Spritzling finden sich weitere Teile für die Aufbauten, Masten und Feuerleitgeräte. Hier soll man alles verwenden, und bis auf die Bauteile für die Masten und die Dampfrohre, die ich eventuell durch Metallteile ersetzten würde, sind die meisten Teile auch recht gut.

Die kleinen Spritzlinge enthalten weitere 2-cm-Flak, Teile, die auf die Position des 1943 ausgebauten Katapults kommen, sowie die Schornsteingrille. Die 2-cm-Flak und die Schornsteingrille sind etwas grob und könnten gut durch feinere Teile ersetzt werden.

Auch die folgenden zwei Spritzlinge umfassen viele nicht benötigte Teile. Nur zwei Flöße und der Kran sollen zum Einsatz kommen, allerdings ist der Kran massiv gespritzt. Eine realistische Darstellung ist mit Spritzguss aber auch kaum möglich, hier sind Fotoätzteile notwendig.

Der nächste Spritzling ist zwei Mal enthalten und umfasst zahlreiche Teile für die Bewaffnung sowie einige andere Teile, wie Flöße. Es liegen sechs obere Teile für die vier 20,3-cm-Türme bei, denn zwei der Türme kann man entweder mit oder ohne eingebautem Entfernungsmesser bauen. Norfolk hatte, wie die Anleitung auch richtig vermerkt, allerdings nur im Turm Y keinen Entfernungsmesser. Die Türme sind gut, eventuell sollte man die Rohre gegen Messingrohre austauschen. Die 10,2-cm-Flak sehen OK aus, können aber auch durch Messingrohre verfeinert werden. Die 4-cm-Achtlinge sollte man durch feinere Teile ersetzen, die Rohre sind etwas merkwürdig. Die Torpedorohre und die restlichen Teile sind in Ordnung.

Die Beiboote sind auf zwei identischen Spritzlingen untergebracht. Die Boote sind brauchbar, es gibt aber bessere. Die Scheinwerfer sind aus klarem Plastik - was meiner Meinung nach nicht sinnvoll ist, da sie so schwerer zu bearbeiten (brüchiger) und zu bemalen sind.

Die Fotoätzteile

Diese "1943"-Version des Bausatzes enthält eine kleine Fotoätzteilplatine, auf der sich Typ 281-, Typ 284- und Typ 285-Radarantennen befinden. Die Platine ist relativ dick und man muss sehen, ob man die Teile verwenden kann. Für diese Radarantennen liegt eine Extraanleitung bei, sie zeigt aber nur die fertiggefalteten Teile.

Es ist grundsätzlich eine gute Idee, Bauteile wie Radarantennen als Fotoätzteile beizulegen. Allerdings wäre es ein Plus, wenn Aoshima alle für das Schiff spezifischen Teile beifügen würde, insbesondere auch den Flugzeugkran. Ein spezifischer Fotoätzteilsatz für die Norfolk ist mir nicht bekannt. Eventuell ist der Fotoätzteilsatz für die HMS Sussex von White Ensign Models hilfreich.

Die Abziehbilder

Der Abziehbildersatz entspricht dem der Dorsetshire und umfasst Flaggen und diverse Markierungen für Flugzeuge. Letztere sind für diesen Bausatz der Norfolk allerdings irrelevant, da das Schiff im Dezember 1943 kein Bordflugzeug mehr hatte.

Die Anleitung

Die Anleitung ist auf Japanisch und Englisch. Sie enthält keinerlei Informationen über das Original (einen sehr kurzen Text findet man auf der Seite der Schachtel). Eine Teileübersicht enthält auch so etwas wie Bestellnummern für die einzelnen Spritzlinge, so dass diese eventuell einzeln bezogen werden können. Auf jeden Fall sind diese Nummern wichtig, da die Buchstaben in vielen Fällen mehrfach vergeben sind. Hier ist auch markiert, welche Teile nicht benutzt werden sollen - und das sind sehr viele!

Die eigentliche Bauanleitung besteht aus 16 Schritten, die teilweise in weitere Unterschritte aufgeteilt sind. Insgesamt wirkt die Anleitung übersichtlich und klar.

Die Bemalanleitung besteht aus zwei Seitenansichten und einer Aufsicht. Die Farbangaben beziehen sich auf Farben von GSI Creos (Mr. Color und Aqueous Hobby Color), es sind keine Hinweise auf die offiziellen Namen der Farben vorhanden. Laut Warship Perspectives Camouflage Volume 3 (Seite 33) bestand das Schema im Juni 1943 aus B15, B30 und B55, ab Oktober dann aus B15, G10 und B55 (hier bin ich nicht sicher, ob ich den Text richtig verstehe), die Farbe der Decks ist unbekannt (Dunkelgrau?). Es ist unklar, auf welchen Quellen das Schema der Backbordseite in der Anleitung beruht. So wie es dort dargestellt ist, wird es auch oft in der Literatur angegeben, aber alle Fotos, die ich finden konnte, zeigen ein anderes Schema. Es empfiehlt sich hier Fotos zu suchen, wobei es leichter ist, Fotos von der Steuerbordseite zu finden (z.B. hier).

Wer Norfolk nach der Modernisierung von 1944 darstellen will (mit drei 20,3 cm-Türmen und verstärkter Flak), wird wohl nicht um einen größeren Umbau herumkommen. Für den Zustand vor der Modernisierung im Juni 1943 kann man den Bausatz mit der Artikelnummer 056707 benutzen. Wer Norfolk im Aussehen von 1941 oder noch früher bauen möchte, hat wahrscheinlich mit dem neuen Bausatz des Schwesterschiffs Dorsetshire (Artikelnr. 052693) einen besseren Ausgangspunkt.

 

Schwerer Kreuzer HMS Dorsetshire (alter Bausatz)

HMS Dorsetshire (Deckelbild)

Modell: HMS Dorsetshire
Hersteller: Aoshima
Maßstab: 1/700 (tatsächlich 1/730!)
Material: Polystyrol (Spritzguss)
Art.Nr.: 052686
Preis: - (nicht mehr erhältlich)

Die ersten beiden Bausätze der County-Klasse von Aoshima waren 2018 zwei Versionen der Dorsetshire. Unter Artikelnummer 052662 wurde der 1942er-Zustand bei ihrer Versenkung (Indian Ocean Raid) angeboten, unter Artikelnummer 052686 der 1941er bei der Versenkung der Bismarck (Bismarck Pursuit). Letzteren Bausatz kaufte ich mir. Diese Version enthält nicht nur die Dorsetshire, Fotoätzteile, Spritzgussteile für die 4-cm- und 2-cm-Flak von Fine Moulds sondern auch Bausätze für ein Typ VIIB- und ein Typ VIIC-U-Boot, sechs Swordfish-Torpedobomber, einen Wellington-Bomber, ein Sunderland-Flugboot und zwei Walrus-Flugboote. Also auf den ersten Blick ein wirklich tolles Angebot. Aber nur auf den ersten. Leider erwies sich der Maßstab der Dorsetshire selbst als falsch: 1/730 statt 1/700! Siehe unten der Vergleich der Rumpfseiten von Dorsetshire (Spritzling unten) und Norfolk (oben).

Viele Firmen hätten es dabei belassen und weiter ihren falschen Bausatz vermarktet. Aoshima ist anders vorgegangen. Sie überarbeiteten den Bausatz und brachten 2019 zunächst einen maßstabsgetreuen Bausatz der Norfolk heraus (siehe oben). Noch im selben Jahr erschien dann auch ein maßstabsgetreuer dritter Bausatz der Dorsetshire (Artikelnr. 052693):

 

Schwerer Kreuzer HMS Dorsetshire (neuer Bausatz)

HMS Dorsetshire (Deckelbild)

Modell: HMS Dorsetshire
Hersteller: Aoshima
Maßstab: 1/700
Material: Polystyrol (Spritzguss)
Art.Nr.: 052693 (808)
Preis: 28,6 € (bei NNT Modell + Buch)

Dieser Bausatz der Dorsetshire stellt ihren Zustand von 1941 bei der Versenkung der Bismarck dar. Einige  Spritzlinge des alten Bausatzes wurden mit neun neuen Spritzlingen kombiert. Alle großen Baugruppen wie Rumpf, Aufbauten und Schornsteine wurden durch neue, maßstabsgerechte Teile ersetzt. Sieben der neun neuen Spritzlinge unterscheiden sich von denen des Schwesterschiffs Norfolk, um den Bauzustand von 1941 wiedergeben zu können. Sie sind in den folgenden Fotos zu sehen, für die restlichen Spritzlinge siehe Besprechung des Norfolk-Bausatzes oben:

Unklar ist, ob die Teile für die Brücke, die denen aus dem alten, zu kleinen Bausatz entsprechen, in Kombination mit den neuen Rumpf- und Aufbauten verwendet werden können oder ob diese Teile ersetzt werden müssen. Im Vergleich mit dem Plan der Dorsetshire in "British Cruisers - Two World Wars and after" von Norman Friedman (S. 127) sind die beiden Brückendecks jeweils etwa einen Millimeter zu kurz.

Der Bausatz enthält außerdem einen Spritzling mit mehreren Flugzeugen. Dieser lag bereits dem alten Bausatz der Dorsetshire bei, war aber da schon korrekt im Maßstab 1/700 wiedergegeben. Hier findet man einen Vickers Wellington-Bomber, ein Short Sunderland-Flugboot sowie zwei Supermarine Walrus-Bordflugzeuge. Von letzteren ist eines mit eingeklappten und eines mit ausgeklappten Flügeln dargestellt. Die Modelle sind gut gemacht und können noch durch fotogeätzte Propeller sowie Verstrebungen bei den Walrus verfeinert werden.

Um den Spritzgussbausatz zu verfeinern, kann man 4-cm-Achtlinge und 1,27-cm-Vierlings-Maschinengewehre z.B. von Fine Moulds oder 3D Model Parts verwenden. Hier nicht beiliegende Fotoätzteile, z.B. für den Flugzeugkran und das Katapult, kann man eventuell dem Satz für die HMS Sussex von White Ensign Models entnehmen. Für die Darstellung der Dorsetshire im Mai 1941 sind keine fotogeätzten Radarantennen notwendig, da sie noch nicht mit Radar ausgerüstet war. Die Flakbewaffnung im Bausatz ist mir etwas unklar. Anscheinend sollen neben den 4-cm-Achtlingen und den MG noch drei 4-cm-Einzellafetten eingebaut werden - laut "British Cruisers - Two World Wars and after" hatte Dorsetshire zum Zeitpunkt ihrer Versenkung aber nur eine solche Lafette auf dem Achterdeck. Die mir zugänglichen Fotos scheinen mir darauf hinzudeuten, dass sie im Mai 1941 keine 4-cm-Einzellafetten hatte.

Anleitung

Die Anleitung ist ähnlich wie die der Norfolk aufgebaut. Das Tarnschema der Dorsetshire im Mai 1941 waren laut Warship Perspectives Camouflage Volume 1 507B und 507C, die Holzdecks waren unbemalt (Seite 22).

Mit Hilfe des Bausatzes kann man die Dorsetshire mit relativ kleinen Änderungen in jedem Bauzustand von 1937-42 bauen. Laut vielen Quellen erhielt sie vor ihrer Versenkung noch neun 2-cm-Oerlikon, laut "British Cruisers - Two World Wars and after" wurde sie aber nur für vier davon vorbereitet und erhielt sie nie, stattdessen hatte sie nur ein einzelnes Pom-Pom auf dem Achterdeck. Außerdem erhielt sie im Juni 1941  einen Typ 290-Radar auf dem Fockmast sowie einen Typ 284-Radar auf dem DCT (mit einer Typ 285-Antenne). Auch die Bauzustände der Norfolk vor 1942 dürfte man aus diesem Bausatz bauen können. Für die Bauzustände beider Schiffe vor 1937 sind mehr Änderungen notwendig, u.a. Änderungen bei der Brücke, nur ein HACS achtern statt zwei auf beiden Seiten der Brücke, 10,2-cm-Einzellafetten statt der Zwillinge, keine Pom-Pom-Achtlinge und ein schwächeres Katapult. Den HACS und das Katapult erhielten beide Schiffe erst nach Fertigstellung, die MG kamen 1933 dazu.

Quellen

  • County class cruisers von Alan Raven und John Roberts, Man O' War 1, Brooklyn, 1978
  • County Class Cruisers, Shipcraft 19 von Les Brown, Barnsley, 2011
  • British Cruisers of World War Two von Alan Raven und John Roberts, London, 1980
  • British Cruisers. Two World Wars and after von Norman Friedman, Barnsley, 2010 (Buchbesprechung)
  • HMS NORFOLK - County-type Heavy Cruiser (Naval History Homepage)
  • HMS Norfolk (78) (Wikipedia)
  • HMS DORSETSHIRE - County-type Heavy Cruiser (Naval History Homepage)
  • HMS Dorsetshire (40) (Wikipedia)
  • Warships After Washington. The Development of the Five Major Fleets 1922-1930 von John Jordan, Barnsley, 2011 (Buchbesprechung)
  • Cruisers in Camera von Roger Hayward, Thrupp, 2000 (Buchbesprechung)
  • History of British Cruisers, Ships of the World 1996, No. 517
  • Cruisers of the Royal Navy and Commonwealth Navies von Douglas Morris, Liskeard, 1987 (Buchbesprechung)
  • British Warship Recognition. The Perkins Identification Albums. Volume III: Cruisers 1865-1939, Part 1 von Richard Perkins, Barnsley, 2017 (Buchbesprechung)
  • British Cruiser Warfare. The Lessons of the Early War,, 1939-1941 von Alan Raven, Barnsley, 2019
  • HMS Norfolk (C78) (WW2 cruisers)
  • British and Commonwealth Warship Camouflage of WWII, Volume 3. Cruisers, Minelayers and Armed Merchant Cruisers von Malcolm Wright, Barnsley, 2016 (Buchbesprechung)
  • Warship Perspectives Camouflage Volume 1, 2 und 3 von Alan Raven, New York, 2000-01
  • Nelson to Vanguard. Warship Design and Development 1923-1945 von D.K. Brown, London, 2006
  • Cruisers of World War Two. An International Encyclopedia von M.J. Whitley, London, 1995
  • Conway's All the World's Fighting Ships 1922-1946 von Robert Gardiner (Herausgeber), London, 1980

Fazit

Aoshima hat mit den Bausätzen der Dorsetshire-Klasse die ersten Schweren Kreuzer der County-Klasse im Maßstab 1/700 in Spritzguss herausgebracht. Der erste Bausatz der Dorsetshire fiel leider deutlich zu klein aus (1/730) - allerdings reagierte Aoshima und brachte kurz darauf Dorsetshire und Norfolk mit den richtigen Abmessungen heraus! Das ist meiner Meinung nach sehr bemerkenswert und positiv. Man vergleiche es mit dem Hersteller, der eine Typ 21-Fregatte im Maßstab 1/600, statt 1/700 wie auf der Packung angegeben, herausgebracht hat und immer noch vertreibt...

Die Aoshima-Bausätze der Dorsetshire und Norfolk bieten eine gute Grundlage für den Bau eines Modells. Sie können noch etwas verfeinert werden, z.B. bei den leichten Flak, Katapulten, Bootskränen und einigen weiteren Details. Bei der Dorsetshire muss man sehen, ob man die etwas zu kleine Brücke überarbeiten muss. Bei dem Bausatz der Norfolk erwarte ich solche Probleme nicht. Insgesamt sind die beiden neuen Bausätze der Dorsetshire und Norfolk

alt empfehlenswert

Lars