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Schwerer Kreuzer HMS Exeter (1/700, Umbau Niko Model) von Michael Delf Drucken
Donnerstag, 20. Februar 2020 um 06:00

Das Original

Der britische Schwere Kreuzer HMS Exeter war - wie seine Halbschwester York - das Ergebnis eines Versuchs, einen kleineren und billigeren Schweren Kreuzer zu entwickeln, um höhere Stückzahlen bauen zu können. Im Vergleich zu den Schweren Kreuzern der County-Klasse hatten York und Exeter einen geringeren Freibord mittschiffs und achtern, nur drei statt vier 20,3-cm-Zwillingstürme und eine um 2000 t geringere Verdrängung, aber sie waren besser gepanzert. Durch die Abkehr von der Glattdeckerauslegung der County-Klasse war jedoch wesentlich weniger Rumpfvolumen vorhanden, so dass die Schiffe sehr beengt ausfielen. Dies wurde noch dadurch verschärft, dass sie wegen der geringeren Länge relativ starke Maschinen brauchten, um die erforderliche Höchstgeschwindigkeit erreichen zu können.

Die Exeter wurde während des Entwurfs geändert. Da das ursprünglich für York geplante Katapult auf Turm B sich als unmöglich erwies, war die hohe Brücke nicht länger notwendig. Sie wurde durch eine niedrigere, stromlinienförmigere Brücke ersetzt, die wegen geringerer Turbulenzen auf der Brücke komfortabler ausfallen sollte. Diese Form der Brücke wurde auf den folgenden britischen Kreuzern beibehalten. Statt eines drehbaren Katapults kam auf Exeter ein V-förmiges Katapult zum Einbau. Weitere Unterschiede zur York waren nicht geneigte Masten und Schornsteine sowie Zwillingstürme mit nur 50° Rohrerhöhung statt 70°.

Exeter war 175,3 m lang, 17,7 m breit und verdrängte voll beladen 10.620 t. Der Antrieb bestand aus acht Kesseln und vier Dampfturbinensätzen, die 80.000 PS leisteten, womit 32 kn erreicht wurden. Die Besatzung bestand ursprünglich aus 628 Mann.

Bewaffnung
6 x 20,3 cm L/50 Mk VIII (3 Mk II Zwillingstürme)
4 x 10,2 cm L/45 Mk V (4 Mk IV-Einzellafetten)
8 x 1,27 cm Mk III (2 Mk I-Vierlinge)
6 x 53,3 cm Torpedorohre(2 TRIII Drillingsrohre)
2 x Supermarine Walrus Bordflugzeuge

Der Schwere Kreuzer HMS Exeter wurde von 1928-31 auf der Marinewerft Devonport gebaut. Am 13.12.1939 war sie zusammen mit den Leichten Kreuzern HMS Ajax und HMNZS Achilles vor der Rio de la Plata-Mündung am Gefecht gegen den deutschen Schweren Kreuzer (Panzerschiff) Admiral Graf Spee beteiligt. Dabei erzielte Exeter drei Treffer auf der Admiral Graf Spee, wurde aber selbst von sieben 28-cm-Granaten schwer getroffen, wodurch 61 Mann der Besatzung starben und 23 verwundet wurden. Alle eigenen 20,3-cm-Geschütze waren außer Gefecht gesetzt und Exeter musste sich für Notreparaturen nach Port Stanley auf den Falklandinseln zurückziehen. Diese zogen sich bis Januar 1940 hin, worauf sie nach Devonport verlegt wurde. Dort wurde sie von Februar 1940 bis März 1941 wiederhergestellt und modernisiert, u.a. die Feuerleitung und Flak verbessert.

Nach ihrer Wiederindienststellung diente Exeter zum Geleit von Konvois. Ab Dezember 1941 geleitete sie Konvois nach Singapur, um dessen Verteidigung gegen einen befürchteten japanischen Angriff zu verstärken. Sie wurde dort Teil der ABDA-Streitkräfte. In der Schlacht in der Java-See am 27.2.1942 erhielt sie einen 20,3-cm-Treffer von dem japanischen Schweren Kreuzer Haguro. Dabei wurden 14 Mann getötet und ein Kesselraum zerstört, was die Geschwindigkeit auf 16 kn reduzierte. Nach Behelfsreparaturen in Surabaya wurde Exeter beim Rückzug am 1.3.1942 südlich von Borneo erneut von den vier japanischen Schweren Kreuzern der Myoko-Klasse und vier Zerstörern abgefangen. Wieder erhielt sie einen 20,3-cm-Treffer in einen Kesselraum und blieb liegen. Sie wurde aufgegeben und von einem Torpedo des japanischen Zerstörers Inazuma versenkt. 54 Mann der Besatzung starben, während 651 Mann von japanischen Schiffen gerettet wurden. Von diesen starben aber 154 in Kriegsgefangenschaft.

Das Wrack wurde 2007 entdeckt, aber, wie durch eine Expedition von 2016 bestätigt, später von Schrottjägern zerstört.

Das Modell

Für mein Modell der HMS Exeter im Bauzustand von 1939 habe ich hauptsächlich den Bausatz „HMS Exeter 1939“ von Niko Model verwendet. Dieser Bausatz enthält Resinteile sowie einen guten Ätzteilsatz für den Bau des Schiffsmodells. Als zusätzliche Hilfe habe ich das Profile Morskie-Heft 111 HMS Exeter 1939 genommen.

Leider hat der Niko-Bausatz zwei gravierende Fehler: Die Schornsteine sind viel zu groß, was optisch auffällt. Wenn ausgemessen, haben die Schornsteine einen Maßstab von 1/650! Die Brücke ist auch zu groß, in der Höhe sogar 1/620! Die Fensterreihe entlang beider Seiten der Brücke ist auch falsch, die Fensterteilung ist nicht richtig.

Außerdem sind die oberen Reihen der Bullaugen auf beiden Rumpfseiten nicht gerade (das kennt man von einem anderen Bausatzhersteller!). Das bedeutete, manche Bullaugen mussten zugespachelt und neu ausgebohrt werden. Auch der Knickspant auf beiden Rumpfseiten ist zu niedrig und musste durch vorsichtiges Schleifen und Abschaben erhöht werden.

Von den Maßen her wäre der Matchbox-Rumpf für den Bau des Modells besser geeignet gewesen. Nur sind die Decksteile von Matchbox glatt und haben keine Holzdeckstruktur, die hingegen auf dem Rumpf von Niko schön dargestellt ist. Deshalb habe ich trotz der Mängel mit dem Niko-Rumpf weitergearbeitet.

Um die Fehler zu korrigieren, habe ich die Schornsteine und die Brücke aus einem alten Matchbox-Bausatz genommen (Diese Teile in dem Matchbox-Bausatz sind genau 1/700!). Die Schornsteine mussten mit den Dampfrohren usw. detailliert werden und der obere Teil der Matchbox-Brücke geändert werden. Hierfür waren die Pläne bzw. Zeichnungen in dem Profile Morskie-Heft sehr hilfreich. Sonst wurde das Modell mit den Teilen aus dem Niko-Bausatz gebaut.

Zumindest die Ätzteilplatine von Niko ist sehr gut. Mit den enthaltenen Teilen kann man ein sehr schön detailliertes Katapult und einen ebenso fein strukturierten Kran bauen. Manche Ätzteilstützen für die Beiboote sind aber zu groß, wenn sie rechtwinklig gebogen werden, und müssen in der Breite gekürzt werden, damit sie in die vorgesehenen Positionen zwischen Aufbauten und Rumpfkante passen.

Die Geschütze der Hauptartillerie habe ich durch Messingrohre von NNT/Schatton (British 8 inch) ersetzt. Die schwere 4-inch-(10,2-cm)-Flak sind von Niko, aber nicht aus dem Exeter-Bausatz, sondern aus einem Zurüstteilesatz. Diese sind schön detailliert und sehen zusammengebaut viel besser aus.

Die Masten und Rahen sind aus Messingrundstäben und wurden nach den Zeichnungen in dem Profile Morskie-Heft zusammengelötet (hierfür einen besonderen Dank an Reiner Vögel). Die Takelage ist entweder aus Messingdraht (0,1 mm für die Wanten, sonst 0,06 mm) oder aus Lycra Rigging 0,07 mm von Infini.

Die Holzdecks habe ich mit verschiedenen Grau- und Brauntönen von Humbrol bemalt. Für die Stahldecks habe ich Dunkelgrau 507A von Colourcoats verwendet. Das Schiff ist in Hellgrau 507C, auch von Colourcoats, angestrichen.

Das Bordflugzeug (Walrus) befindet sich noch im Bau!

Fazit

Dieser Bausatz von Niko hat mich leider enttäuscht, obwohl die ersten Eindrücke positiv waren. Die alte Weisheit hat sich wieder bewahrheitet: Es stellt sich erst heraus, wie gut der Bausatz ist, wenn man anfängt, das Modell zu bauen. Solche Fehler, wie oben beschrieben, habe ich in einem Niko-Bausatz nicht erwartet. Meiner Meinung nach ist es wichtiger, dass die Hauptteile des Bausatzes – Rumpf, Aufbauten, Schornsteine usw. - maßstäblich genau hergestellt werden, als dem Bausatz viele Gussäste mit Dutzenden von kaum zu verarbeitenden Kleinteilen beizulegen.

Michael Delf

(Fotos von Bernd Villhauer, Text über das Original von Lars)