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Atlantic Models: Schwerer Kreuzer HMS London (1/700) Drucken
Dienstag, 23. Juni 2020 um 05:00

Schwerer Kreuzer HMS London Deckelbild

Modell: H.M.S. London Royal Navy County Class heavy cruiser 1941
Hersteller: Atlantic Models
Maßstab: 1/700
Material: Resin, 3D-Druckteile, Fotoätzteile
Art.Nr.: ATK70028
Preis: 65 Britische Pfund

Das Original

Der britische Schwere Kreuzer HMS London war das Typschiff der zweiten Unterklasse der County-Klasse. Im Vergleich zur vorgehenden Kent-Klasse wurde bei der London-Klasse primär der Rumpf modifiziert. Die Torpedowülste wurden weggelassen und der Rumpf leicht verlängert, wodurch die Geschwindigkeit erhöht werden konnte. Zudem gab es einige andere leichte Modifikationen, u.a. wurden die beiden achteren 20,3-cm-Türme und die beiden vorderen Schornsteine etwas weiter achtern angebracht, die Magazine für die leichten Waffen wurden etwas anders angeordnet und es war möglich, die Zahl der 20,3-cm-Granaten in den Magazinen zu erhöhen. Bemerkenswert ist die London in erster Linie durch den grundlegenden Umbau von 1939-41, der das Aussehen des Schiffs komplett veränderte.

Bei diesem Umbau wurde der Großteil der Aufbauten entfernt und durch neue ersetzt, die denen der Leichten Kreuzer der Fiji-Klasse ähnelten. So wurde die Brücke stark vergrößert. Außerdem fügte man an den Brückenanbau achtern zwei Flugzeughangars hinzu und ergänzte dahinter ein fest eingebautes Katapult. Die ursprünglich drei stark geneigten Schornsteine wurden durch zwei aufrechtstehende ersetzt. Die Panzerung wurde durch einen Seitenpanzer im Bereich der Maschinenräume verstärkt. Um die Feuerleitung zu verbessern, erhielt London für die 20,3-cm-Geschütze einen neuen DCT auf der Brücke. Das ursprüngliche Feuerleitgerät für diese Geschütze wurde achtern hinter dem Großmast aufgestellt und diente als Reserve. Zudem erhöhte man die Zahl der Feuerleitgeräte für die schwere Flak von einem auf zwei und ordnete beide neben der Brücke an. Die schwere Flak selbst wurde durch den Austausch der Einzellafetten durch Zwillingslafetten verstärkt. Diese wurden komplett neu angeordnet, in der für britische Schiffe der späten 1930er typischen Weise. Die leichte Flak wurde durch Pom-Pom-Achtlinge auf dem Hangar verstärkt.

Der Umbau der London sollte als Vorbild für die restlichen drei Schiffe der Klasse dienen, aber wegen des ausgebrochenen Kriegs wurden diese nicht modernisiert. Auf dem Papier stellte der Umbau eine gewaltige Verbesserung dar. Allerdings zeigte sich kurz nach der Indienststellung, dass die starke Gewichtszunahme,  insbesondere im Bereich der Aufbauten, die Rumpfstruktur überanspruchte. Im oberen Bereich des Rumpfs und auf dem oberen Deck häuften sich die Lecks. Die London musste deshalb Ende 1941 erneut in die Werft. Der Rumpf wurde im betroffenen Bereich verstärkt, aber diese Modifikationen verursachten neue, noch schwerwiegendere Probleme. Jetzt strapazierte das durch die Verstärkungen noch erhöhte Gewicht den unteren Rumpfbereich und es entwickelten sich dort Risse, Verformungen und Lecks. Die Wassertanks für die Kessel wurden durch die Lecks kontaminiert, wodurch der Fahrbereich und die Geschwindigkeit des Schiffs stark reduziert wurden. Interne Lecks der Öltanks verunreinigten u.a. die Munitionsmagazine. London musste von Ende 1942 bis Mitte 1943 wieder in die Werft. Hierbei wurde der Rumpf u.a. durch außen angebrachte Verstärkungen stabilisiert. Diese Modifizierungen waren erfolgreich und London konnte danach normal eingesetzt werden.

London war 192,8 m lang, 20,1 m breit und verdrängte 1941 nach dem Umbau voll beladen 14.811 t. Der Antrieb bestand aus acht Kesseln und vier Dampfturbinensätzen, die zusammen 80.000 PS leisteten, womit 32,3 kn erreicht wurden. Die Besatzung umfasste ursprünglich 784 Mann.

Bewaffnung 1941
8 x 20,3 cm L/50 BL Mk VIII (vier Mk I Zwillingstürme)
8 x 10,2 cm L/45 QF Mk XVI (vier Mk XIX Zwillingslafetten)
16 x 4 cm L/39 QF Mk VIII Pom-Pom (zwei Achtlingslafetten)
8 x 1,27 cm L/62 Mk III Vickers (zwei Vierlingslafetten)
8 x 53,3 cm QRII* Torpedorohre (für Mk VII Torpedos)
3 Supermarine Walrus Bordflugzeuge

London wurde 1926-29 von Portsmouth Dockyard gebaut. Sie diente danach bei der 1st Cruiser Squadron im Mittelmeer. Während des Spanischen Bürgerkriegs wurde sie zur Sicherung der Evakuierungen aus Barcelona und für Neutralitätspatrouillen eingesetzt (d.h. die Durchsetzung eines Waffenembargos). Der massive Umbau vom März 1939 bis März 1941 erfolgte im Chatham Dockyard. Danach diente der Kreuzer im Nordatlantik, u.a. zur Konvoisicherung, und war an der Jagd auf die Bismarck beteiligt. Nach der Versenkung der Bismarck im Juni 1941 konnte London im Südatlantik die deutschen Versorgungsschiffe Esso Hamburg, Egerland und Babitonga abfangen, die sich alle selbst versenkten. Im September wurde sie noch in den Nordatlantik verlegt, aber die Probleme mit ihrem Rumpf wurden so massiv, dass sie von Oktober 1941 bis Januar 1942 in die Werft musste, wo der Rumpf verstärkt wurde. Als London nach den Reparaturen wieder im Nordatlantik zur Konvoisicherung diente (u.a. für die Konvois PQ 16, 17 und 18), machte der Rumpf jedoch erneut schwere Probleme. Von Dezember 1942 bis Mai 1943 musste der Kreuzer deshalb wieder in die Werft. Anschließend diente London erneut im Nordatlantik für Patrouillen. Im Juli fuhr sie mit dem Schweren Kreuzer Kent und dem Leichten Kreuzer Belfast einen Ablenkungsangriff auf Norwegen (parallel zur Landung auf Sizilien). Im Januar 1944 wurde London für den Einsatz im Fernen Osten modernisiert und danach in den Indischen Ozean verlegt. Dort sicherte sie die Träger, u.a. für Angriffe auf Sabang und Soerabaya. Zudem wurde sie zur Sicherung von Konvois verwendet. Im Oktober war London an Ablenkungsangriffen im Indischen Ozean während der Invasion von Leyte beteiligt. Im April 1945 nahm sie an Angriffen auf Sumatra teil. Von Juni bis Juli wurde der Kreuzer in Simonstown überholt. Am 31. August 1945 wurde an Bord die Kapitulation der japanischen Kräfte auf Sumatra unterzeichnet. London setzte danach Truppen in Sabang und Singapur ab. Sie diente bis 1946 mit der 5th Cruiser Squadron im Fernen Osten, wurde danach in Chatham überholt und diente danach erneut bei der gleichen Einheit im Fernen Osten. Im April 1949 versuchte sie die Sloop HMS Amethyst auf dem Jangtsekiang zu retten und wurde dabei von chinesischer Artillerie schwer beschädigt. Sie erhielt 23 Treffer, durch die 13 Mann getötet und 54 verwundet wurden. London selbst feuerte 155 20,3-cm-Granaten, 449 10,2 cm und 2625 Schuss aus ihrer leichten Flak. Sie kehrte danach nach Großbritannien zurück, wo entschieden wurde, sie nicht wieder zu reparieren, sondern stattdessen außer Dienst zu stellen. London wurde 1950 zum Abwracken verkauft.

Der Bausatz

Der Bausatz der London von Atlantic Models stellt den Zustand der London von 1941 direkt nach dem Umbau dar. Es ist der Bau eines Wasserlinienmodells möglich. Der Rumpf meines Exemplars ist etwas zu kurz, etwa 2,5 mm. Die Breite ist allerdings korrekt. Die Form des Hecks entspricht nicht den Plänen, die ich habe. Beim Bausatz läuft das Heck kontinuierlich schräg nach unten, während es sich beim Original kurz vor der Wasserlinie biegt, so dass die größte Länge etwas über der Wasserlinie liegt. Hier wird man etwas schleifen müssen - was bei meinem Exemplar sowieso notwendig ist, da sich hier relativ viel Grat befindet. Auch an der Backbordseite am Heck im Bereich der Bullaugen muss etwas nachgeschliffen werden. Die Detaillierung des Rumpfs ist allgemein gut. Auch das holzbeplankte Deck ist sehr fein dargestellt. Für die Aufbautenblöcke gibt es Vertiefungen, so dass deren Positionierung klar ist.

Die Aufbautenblöcke haben auf der Unterseite Passstifte und zumindest das achtere Deckshaus hat auch sehr gut gepasst. Der Brückenblock besteht - bis auf die Brücke selbst - aus einem großen Teil. Die beiden Hangars können offen dargestellt werden.

Das Brückendeck ist recht gut detailliert. Die beiden Schornsteine sind oben offen und enthalten auch innen Details wie die Dampfrohre.

Die Aufbauten werden durch zahlreiche Plattformen komplettiert.

Die 20,3-cm-Türme sind gut macht. Leider liegen die Rohre nur als Resinteile bei. Für einen Turm, Turm A, ist kein Entfernungsmesser vorhanden. Beim Original wurde dieser aber wahrscheinlich erst beim Umbau Ende 1942/Anfang 1943 entfernt. Fotos vom April 1941 und August 1942 zeigen Turm A mit einem Entfernungsmesser. Diesen wird man also selbst ergänzen müssen, wenn man den im Bausatz dargestellten Zustand bauen will.

Einige Kleinteile sollen laut Anleitung durch 3D-gedruckte Teile bzw. Fotoätzteile ersetzt werden, so Teile für die PomPom oder das Katapult. Andere Teile, z.B. für die Flugzeugkräne, werden durch die enthaltenen Fotoätzteile weiter detailliert.

Die Beiboote, Rettungsflöße und Feuerleitgeräte sind gut gemacht (...es gibt aber bessere z.B. von Micro Master).

Die Supermarine Walrus-Bordflugzeuge bestehen aus Resin- und Fotoätzteilen. Es liegen zwei Maschinen bei, allerdings keine mit gefalteten Flügeln, so dass man sie in einen der Hangars stellen könnte.

Für die Flugabwehrbewaffnung liegen 3D-gedruckte Teile von 3D Model Parts bei. Diese Geschütze sind sehr detailliert.

Die Fotoätzteile

Der Bausatz enthält eine sehr umfangreiche Fotoätzteilplatine. Hier findet man zahlreiche Teile, u.a. für das Katapult, die Bordkräne, Hangartore, Radargeräte, Anker, Ankerketten, Davits, Wellenbrecher, Reling, Scheinwerferturm, Schornsteingrille, Teile für die Masten etc.

Für die Walrus-Flugzeuge liegen z.B. sogar die MG und ihre Drehkränze bei. Für die Beiboote findet man auch Ruder und Riemen. Die Flakbewaffnung - 4 cm, 1,27 cm und 2 cm Oerlikon, letztere könnte man für spätere Bauzustände brauchen - liegen ebenfalls als Fotoätzteile bei. Ich finde, dass die 3D-gedruckten Teile die bessere Form der Darstellung bieten, da so z.B. die Rohre nicht flach, sondern dreidimensional sind.

Die Anleitung

Die Anleitung ist sehr umfangreich. Neben Angaben über das Original und genau beschriftete Teileleisten (sehr vorbildlich!) wird der Zusammenbau durch eine Kombination aus Zeichnungen, Fotos des Modells und Textangaben erklärt.

Außerdem ist das Tarnschema von 1941 sowie ein Plan im Maßstab 1/700 abgedruckt. Das gezeigte Tarnschema ist nicht das bei Fertigstellung der Umbauten, sondern das leicht veränderte einige Wochen später.

Der Bausatz kann auch genutzt werden, um das Schiff in späteren Zuständen darzustellen. Bei dem Werftaufenthalt 1941/42 erhielt London acht 2-cm-Flak statt der beiden Vierlings-Maschinengewehre. Zwei davon standen auf den Türmen B und X, zwei auf den Brückenflügeln und vier in der Nähe des Großmasts. Bei der nächsten Reparatur 1942/43 erhielt der Kreuzer Typ 273- und Typ 282-Radar sowie sieben weitere 2-cm-Flak. Außerdem wurde das Katapult entfernt. Im Januar 1944 wurden drei der 2-cm-Einzellafetten entfernt und vier 2-cm-Zwillinge hinzugefügt. Im Juni/Juli 1945 erhielt London Typ 283-Radar und ein Typ 277-Radar statt des Typ 273. Vier 4-cm-Einzellafetten und vier 2-cm-Zwillinge kamen an Bord, während die Zahl der 2-cm-Einzellafetten auf vier reduziert wurde. In der Nachkriegszeit wurde die leichte Flak wieder reduziert. Die entsprechende Flak und Radargeräte findet man im Zubehörhandel, man benötigt allerdings gute Fotos, um die Positionen der zusätzlichen Flak und Radarantennen zu finden. Für die Darstellung der London in einem Zustand vor dem Umbau von 1939/41 oder für den Bau eines ihrer Schwesterschiffe sollte man allerdings besser einen Bausatz der Sussex suchen, den es von HP Models gab bzw. von Atlantic Models eventuell noch gibt (der ehemalige Bausatz von White Ensign Models).

Quellen

  • County class cruisers von Alan Raven und John Roberts, Man O' War 1, Brooklyn, 1978
  • County Class Cruisers, Shipcraft 19 von Les Brown, Barnsley, 2011
  • British Cruisers of World War Two von Alan Raven und John Roberts, London, 1980
  • British Cruisers. Two World Wars and after von Norman Friedman, Barnsley, 2010 (Buchbesprechung)
  • HMS London - County-type Heavy Cruiser (Naval History Homepage)
  • HMS London (69) (Wikipedia)
  • HMS London (WW2 cruisers)
  • The British Heavy Cruiser HMS London. Profile Morskie 91 von Sławomir Brzeziński, Wyszków, 2007
  • H.M.S. London von Iain Ballantyne, 2003
  • Warships After Washington. The Development of the Five Major Fleets 1922-1930 von John Jordan, Barnsley, 2011 (Buchbesprechung)
  • Cruisers in Camera von Roger Hayward, Thrupp, 2000 (Buchbesprechung)
  • History of British Cruisers, Ships of the World 1996, No. 517
  • Cruisers of the Royal Navy and Commonwealth Navies von Douglas Morris, Liskeard, 1987 (Buchbesprechung)
  • British Warship Recognition. The Perkins Identification Albums. Volume III: Cruisers 1865-1939, Part 1 von Richard Perkins, Barnsley, 2017 (Buchbesprechung)
  • British Cruiser Warfare. The Lessons of the Early War, 1939-1941 von Alan Raven, Barnsley, 2019
  • British Warships of the Second World War detailed in the original builder's plans von John Roberts, Barnsley, 2017
  • British and Commonwealth Warship Camouflage of WWII, Volume 3. Cruisers, Minelayers and Armed Merchant Cruisers von Malcolm Wright, Barnsley, 2016 (Buchbesprechung)
  • Warship Perspectives Camouflage Volume 1, 2 und 3 von Alan Raven, New York, 2000-01
  • Nelson to Vanguard. Warship Design and Development 1923-1945 von D.K. Brown, London, 2006
  • Cruisers of World War Two. An International Encyclopedia von M.J. Whitley, London, 1995
  • Conway's All the World's Fighting Ships 1922-1946 von Robert Gardiner (Herausgeber), London, 1980

Fazit

Der Bausatz der London von Atlantic Models ist gut gegossen, gut detailliert und enthält die meisten benötigten Teile. Messingrohre für die 20,3-cm-Geschütze sind leider nicht enthalten, diese gibt es z.B. von NNT. Metallstäbe für die Masten sollen laut Anleitung enthalten sind, bisher habe ich sie aber in der sehr großen Verpackung des Bausatzes nicht gefunden. Ansonsten ist nur am Heck etwas Nacharbeit notwendig. Aktuell ist der Bausatz bei Starling Models nicht vorrätig, ich vermute aber, dass er wieder aufgelegt wird.

alt empfehlenswert

Lars