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Die Reede von Texel Drucken
Samstag, 12. August 2006 um 16:53
Das Diorama "Die Reede von Texel" findet man im Maritiem & Jutters Museum in der Ortschaft Oudenschild auf Texel. Das Museum ist leicht zu finden, da sich die markante WindmĂŒhle auf dem MuseumsgelĂ€nde befindet.
Das Diorama stellt den KĂŒstenstreifen vor der Ortschaft Oudenschild im 18. Jahrhundert dar. Auf einer geschĂ€tzten FlĂ€che von 4mx18m sind etliche Kriegs- und Handelsschiffe sowie Boote dargestellt.
Auf diesem Foto kann man die GrĂ¶ĂŸe des Dioramas erahnen. Die Modelle sind von der Firma Artitec im Maßstab 1/87 hergestellt.
Übersicht ĂŒber das Diorama
Im Diorama ist kein bestimmtes Szenario dargestellt. Einige der dargestellten Schiffe können gar nicht gemeinsam auf der Reede gelegen haben, da sie zeitlich zu weit auseinander liegen. Dies ist zunÀchst irritierend, man erhÀlt aber einen guten Einblick in die Entwicklung bestimmter Schiffstypen. Einem Laien wird der Anachronismus gar nicht auffallen. Auf jeden Fall ist das Diorama unglaublich faszinierend.
Es sind mehrere Computerterminals aufgestellt, mit denen man Informationen zu einzelnen Schiffen abrufen kann. Man kann die Modelle rotieren lassen, hineinzoomen und wird auf Besonderheiten hingewiesen. Die Texte sind allerdings nur in niederlĂ€ndischer Sprache vorhanden. Zu den Modellgruppen gibt es kleine Geschichten, die man ĂŒber das Terminal abrufen kann.
Mit der Beschreibung beginne ich auf dem Foto links vorn und arbeite mich dann nach hinten durch.

Die erste Modulgruppe


Das Schiff im Vordergrund links ist die Hollandia. Sie gehört zu einer Gruppe von Schiffen, die nach der Viertageschlacht 1666 auf der Reede festgemacht haben.
Die Hollandia ist gerade auf der Reede eingetroffen und geht vor Anker. Auf der rechten Seite begeben sich Personen aus einem Boot an Bord.
Sicht auf den Bug der hollandia. Sehr schön sind die Details wie die beiden Ankerbojen an den VorrĂŒsten oder die SchlĂ€uche ĂŒber den Speigatten kurz oberhalb der Wasserlinie unterhalb des Ankers.
Das Achterschiff mit den Musikern auf dem HĂŒttendach. Am Schiff hat ein Transportboot angelegt.


Unmittelbar neben der hollandia hat ein weiteres Kriegsschiff Anker geworfen, die Beschermer. Das Schiff wurde von der VOC (NiederlĂ€ndische Ostindische Handelskompanie) fĂŒr die AdmiralitĂ€t gebaut. Die Beschermer gehörte zum Geschwader der hollandia, die Geschwaderflaggschiff war.
Die Mannschaft hat bereits damit begonnen die Segel zu bergen. Im Wasser kann man eine Ankerboje erkennen.


Zwischen den beiden Kriegsschiffen wird der VOC Indienfahrer Amstel-Lant ĂŒberholt. DafĂŒr wurde das Schiff am Ufer auf den Strand gesetzt, am Unterwasserschiff wird gearbeitet.



Ein weiteres VOC Schiff, die Nagelboom, trifft nach der RĂŒckreise von Batavia wieder auf der Reede ein.
In der NiederlĂ€ndischen Flagge am Heck kann man das Monogramm der VOC erkennen. Das "E" darĂŒber steht fĂŒr die Kammer von Enkhuizen, der das Schiff gehörte.
Das Schiff lÀuft unter vollen Segeln auf der Reede ein, die Matrosen sind aber bereits auf den Rahen, um die Segel wegzunehmen.
Ein Blick auf das Achterschiff der Nagelboom.
Und hier ein Blick auf die Gillung des Schiffes. Solche StĂ€dteansichten findet man bei hollĂ€ndischen Schiffen dieser Ära oft.

 

Die zweite Modulgruppe


Mit etwas Abstand zur ersten Modellgruppe setzt sich das Diorama mit einigen Handelsschiffen fort.



Am linken Rand ist das Heck der Heemskerck zu sehen. Sie war eine Pinasse der VOC und eines der Schiffe, auf dem Abel Tassman seine Entdeckungsreise unternahm. Pinassen waren kleinere, schnelle Kriegsschiffe mit privaten Eignern. Bei der AdmiralitÀt wurde der Schiffstyp als Fregatte bezeichnet. Die Heemskerck ging 1649 verloren.
Im Diorama ist sie als Wachtschiff der VOC auf der Reede dargestellt. Es ist nur eine kleine Besatzung an Bord.


Das Schiff in der Bildmitte ist das VOC Schiff Oranje. Sie ist das grĂ¶ĂŸte Schiff des Dioramas, grĂ¶ĂŸer als hollandia oder die 7 Provincien.
Das Schiff kommt wie die Nagelboom von einer Reise zurĂŒck, an Bord sind auch Frauen und Kinder zu sehen.
Im Heck ist die Ansicht von Middelburg wiedergegeben. Das Schiff wurde dort gebaut und gehörte auch zur dortigen VOC Kammer.


Die Oranje wurde an die AdmiralitĂ€t verchartert und als Kriegsschiff ausgerĂŒstet. In der Seeschlacht bei Lowestoft 1665 wurde das Schiff nach heftigem Gefecht durch die EnglĂ€nder verbrannt. Im gleichen Gefecht ging auch die Nagelboom verloren. Hier zeigt sich eines der Probleme der niederlĂ€ndischen Flotte im 17. Jahrhundert. Die Kompanieschiffe waren zwar recht groß aber verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig schwach bewaffnet. So konnten sie nur schwer gegen die schweren englischen Schiffe bestehen.
Hinter dem großen Indienfahrer liegen die Arbeitspferde des 17. Jahrhunderts, die Fleuten.
Hier liegen zwei Schiffe dieses Typs zusammen. Von der grĂ¶ĂŸeren Peperbaal (Pfefferkorn) im Vordergrund wird Ware auf die kleinere de Molen (MĂŒhle) umgeladen.


Ein weiterer Indienfahrer ist das VOC Schiff Rijzende Zon
Das Schiff ist noch nicht ausgerĂŒstet, Proviant, Ballast, GeschĂŒtze und Mannschaft sind noch nicht an Bord. Deshalb ragt das Schiff noch hoch aus dem Wasser. FĂŒr die Reise ĂŒber die Zuiderzee (ein Teil davon wurde zur Landgewinnung trocken gelegt, das Ijsselmeer ist der verbleibende Rest), musste das Schiff wegen den Untiefen so leicht wie möglich sein.
Lotse und ÜberfĂŒhrungsmannschaft sind an Bord, das Schiff wird durch Ruderboote auf der Reede bewegt.
Die Besatzung der Rijzenden Zon wird mit einem Bojer zum Schiff gebracht.

 

Die dritte Modulgruppe


Nach den Kauffahrern schließt sich wieder eine Flotte von Kriegsschiffen an, die zum Schlacht der Vier Tage-Szenario gehören.
ZunÀchst eine Gruppe von einer Fregatte und zwei Linienschiffen.


Im Vordergrund liegt die Fregatte Fazant, dahinter das Linienschiff Dom van Utrecht. Am rechten Bildrand ist ein weiteres Linienschiff die Huize de Tijdverdrijf zu sehen. Am oberen Bildrand kann man gerade noch die kleine Fregatte Postiljon ausmachen.

Die Fazant von schrĂ€g hinten gesehen. Die roten TĂŒcher an der Bordwand sollten die Mannschaft vor Beschuss schĂŒtzen. Das Tuch konnte freilich keine Kugel abhalten, aber der Gegner konnte wenigstens nicht gezielt schießen.


Die niederlĂ€ndischen Linienschiffe waren nicht besonders groß. Schiffe wie der Dom van Utrecht mit 42-46 GeschĂŒtzen (linkes Bild) und das etwas grĂ¶ĂŸere Huize de Tijdverdrijf mit 50-62 (rechtes Bild) GeschĂŒtzen bildeten das Groß der Flotte.


Die Huize de Tijdverdrijf kommt gerade auf der Reede an, die Mannschaft ist beim Segelbergen. Das Salutschießen wird vorbereitet. Keines der GeschĂŒtze ist getakelt, ein kleines Detail mit Verbesserungsbedarf.


Die Heckspiegel von Dom van Utrecht und Huize de Tijdverdrijf


In UfernÀhe liegt die kleine Fregatte Postiljon. Auch hier werden Segel geborgen

 

Die vierte Modulgruppe


Neben dieser Gruppe intakter Kriegsschiffe folgen nun einige mit erheblichen GefechtsschÀden.
ZunĂ€chst die Gelderland, mit fehlendem Bugspriet und Fockmast. Auch die ĂŒbrige Takelage und der Rumpf ist beschĂ€digt. Beim Blick auf Vor- und Achterschiff kann man einige Einschusslöcher sehen.


Ebenfalls beschĂ€digt ist die Swifture, die von den EnglĂ€ndern erbeutet werden konnte. Die Swifture war mit 70 GeschĂŒtzen bestĂŒckt und Ă€hnlich groß wie hollandia oder 7 Provincien.


Im Hintergrund ist die Burcht van Leiden zu sehen, die gerade ein Boot aussetzt.


Das erbeutete Schiff ist natĂŒrlich eine Attraktion, die von Schaulustigen in vielen kleinen Schiffen und Booten umschwĂ€rmt wird, wie zum Beispiel von dieser Staatenjacht.


In der NÀhe der Swifture liegen noch weitere Schiffe der niederlÀndischen Flotte.
Die Burcht van Leiden mit der Fregatte Leeuwarden im Hintergrund. Die Leeuwarden wird gerade zum Auslaufen klar gemacht. Die Mannschaft holt mit dem Gangspill den Anker ein.


Die 7 Provincien auf der Reede


Die Gouden Leeuwen, das Schweserschiff der Beschermer, befindet sich in Reparatur und erhÀlt gerade neue Masten und Takelage.

 

Die fĂŒnfte Modulgruppe


Den Abschluss des Dioramas bilden wieder zivile Schiffe.
Die Fleute Koning Salomon, ein Nordlandfahrer.


Die Fleute Vrouwtje van Stavoren, ein Spanien- oder Frankreichfahrer. Schiffe die das Mittelmeer befuhren waren wegen der nordafrikanischen Piraten stÀrker armiert.


Im Uhrzeigersinn: der WalfÀnger De swarte Walvis, die groot pinas Witte Pard und eine kleinere dÀnische Fregatte



Die große Pinasse Witte Paard (linkes Bild) lĂ€uft gerade aus
Das Walfangschiff De swarte Walvis (mittleres Bild), erkennbar an den zusÀtzlichen Booten am Heck.
Eine kleinere dÀnische Fregatte (rechtes Bild) ist ebenfalls zu Besuch auf der Reede


Zum Abschluss folgen einige der unzÀhligen kleinen Boote.


Um alle Bilder dieses wunderschönen Dioramas zeigen zu können, haben wir sie zusÀtzlich in zwei Fotoalben zusammengefasst:
"Die Reede von Texel" - Teil 1
"Die Reede von Texel" - Teil 2

Die Crew von Modellmarine bedankt sich bei Holger Baethies (Modellboardnick HWB) fĂŒr den Beitrag und die Bilder.