Modell: Project 658M SSBN
Hersteller: Takom
Maßstab: 1/350
Material: Polystyrol (Spritzguss), Fotoätzteile, Abziehbilder
Art.Nr.: 6016
Preis: ca. 20 €
Das Original
Die U-Boote des Projekts 658 (NATO-Name Hotel) waren die ersten sowjetischen atomgetriebenen U-Boote mit ballistischen Raketen. Vom Konzept her ähnelten sie den U-Booten des Projekts 629 (Golf), d.h. sie erhielten einen vergrößerten Turm, da die Starter für die ballistischen Raketen zu lang waren, um sie nur im Rumpf unterbringen zu können, so dass der obere Teil der Starter im hinteren Ende des Turm endete. Während der Rumpf und der Antrieb des Projekts 629 auf den dieselgetrieben Jagd-U-Booten des Projekts 641 (Foxtrott) beruhte, basierten die U-Boote des Projekts 658 auf dem atomgetrieben Jagd-U-Booten des Projekts 627 (November). Allerdings war der vordere Teil des Rumpfs des Projekts 658 nicht wie beim Projekt 627 abgerundet, sondern für die Überwasserfahrt optimiert. Der Grund war, dass die ursprünglich vorhandenen R-13-Raketen nur über Wasser gestartet werden konnten. Allerdings wurden sieben von acht der 1958-62 gebauten U-Boote des Projekts 658 schon 1961-71 zum Projekt 658M (Hotel II) umgebaut. Hierbei erhielten sie neue Starter für R-21-Raketen, die auch unter Wasser abgefeuert werden konnten. Im Rahmen der Verträge zu Begrenzung von atomar bestückten ballistischen Raketen wurde ein Teil der U-Boote des Projekts 658M zu Test- bzw. Kommunikations-U-Booten umgebaut. Die U-Boote wurden 1987-91 außer Dienst gestellt und überwiegend in den 2000ern verschrottet.
Der Bausatz
Der chinesische Hersteller bereichert den Modellbaumarkt immer wieder mit frischen Ideen oder außergewöhnlichen Modellen. Zu erwähnen wären hier die Schiffsgeschütze in 1/72 und 1/35 oder die in 1/350 gehaltenen Zeppeline (siehe z.B. diese Bausatzbesprechung) oder der Zerstörer USS Zumwalt (siehe gebautes Modell). Der vorliegende Bausatz eines U-Bootes der sowjetischen Hotel-II-Klasse ist zwar keine große Überraschung im 350er Schiffssektor, bereichert ihn aber.
Wie ich es auch von anderen Modellen des Herstellers her kenne, sind die Spritzlinge sauber gespritzt mit durchweg „knackigen“ Details. Der Rumpf mit angeformten Turm ist entlang der Mittellinie getrennt. Torpedorohre, Luken und Sonarfenster sind, für meinen Geschmack etwas zu stark, als Gravuren ausgeführt. Am Über- und Unterwasserschiff sind die Flutöffnungen als vertieften Prägungen gespritzt. Die Wasserlinie, welche gleichzeitig als Farbtrennung dient, ist nicht wiedergegeben.
Achtern werden separate Flossen, in denen die Wellentunnel laufen, angebracht. Anker und Tiefenruder sind als Einzelteile anzukleben
Auf dem Spritzling „B“ finden sich fast alle restlichen zum Bau benötigten Teile. Als Sockel sind zwei Kegel vorhanden. Bei diesen sind die Angüsse an Stellen platziert, welche später verdeckt sind.
Die detaillierten Oberdecksbereiche vor und achterlich des Turms liegen separat bei. An diese werden die Klüsen geklebt.
Die im Turm und Rumpf liegenden Startrohre der Interkontinentalraketen sind als Halbschalen vorhanden und können mit offenen Luken dargestellt werden. Die Hauptbewaffnung SS-N-5 „Serb“ (R-21) liegen in zwei unterschiedlichen Ausführungen der Sprengköpfe vor. Als Gimmick ist ein einzelner Torpedo vorhanden.
Die Ausfahrgeräte können nur in der ausgefahrenen Position verbaut werden. Hier sind die doch recht dicken Angüsse störend.
Die Fotoätzteile
Auf der kleinen, beidseitig mit transparentem Klebefilm versehenen Platine finden sich neben Handläufen, einem Peilrahmen und Teilen für den einzelnen Torpedo die beiden Propeller. Diese müssen verbaut werden, da keine Äquivalente aus Spritzguss vorhanden sind.
Die Abziehbilder
Mittels der Decals lassen sich zwei Boote der Hotel-II-Klasse darstellen: K-19 (taktische Nummer 1960 "254" und 1961 "271", also Nummern, die vor dem Umbau zum Projekt 658M 1961-63 geführt wurden; eventuell wurde die "271" auch noch nach dem Umbau geführt) und K-33 (taktische Nummer 1964 "280", also nach dem Umbau 1962-64). Neben den Turmnummern liegen vier Tiefgangsmarken, eine Gösch und eine Flagge der Roten Flotte bei. Hierbei fällt auf, dass der transparente Trägerfilm relativ weit über die eigentlichen Decals hinausragen. Bei der Verwendung der Flaggen sollte dieser vor der Verwendung bündig beschnitten werden.
Die Anleitung
Die Anleitung liegt als etwa DIN A5 querformatiges Heft bei. Nach einem englischen Text über das Original, allgemeinen Modellbauhinweisen und einer Übersicht des Schachtelinhalts führen sechs Baustufen übersichtlich, wenn auch teilweise sehr klein gedruckt, zum fertigen Modell.
Der sich daran anschließende Bemalungsvorschlag zeigt das Boot in einer Dreiseitenansicht, lässt aber Verweise auf einen speziellen Farbhersteller noch konkrete Farbbezeichnungen vermissen. So dient dieser nur als Anhaltspunkt und der Modellbauer hat die freie Wahl.
Fazit
Trotz der angesprochenen kleinen Mankos wird definitiv der alte Zvezda-Bausatz durch ein zeitgemäßes Pendant abgelöst. Die überschaubare Teilezahl lässt auf kurzen Modellbauspaß mit einem schnellen Ergebnis schließen, mit dem die Reihe sowjetischer U-Boote erweitert wird.
empfehlenswert
Sven
(Text über Original von Lars)