Revell: Bristol Beaufighter TF.X, 1/72


Modell:
Bristol Beaufighter TF.X
Hersteller: Revell
Massstab: 1/72
Material: Polystirol
Art.Nr.: 04290
Preis: ca. 10€

Zum Original

Die Bristol Beaufighter hatte am 17. Juli 1939 ihren Erstflug. Ursprünglich als Langstreckenjäger konzipiert, wurde sie später auch als Nachtjäger, Torpedobomber, oder Angriffsflugzeug eingesetzt. Während sie in der Nachtjagd von der Mosquito verdrängt wurde, war ihre Rolle als Angriffsflugzeug und für die Schiffsbekämpfung weniger gefährdet.

Die TF Mk.X war die am häufigsten verwendete Version des Coastal Commands, von ihr wurden 2231 Exemplare gebaut. Dabei handelte es sich um eine Mk. VIc mit Herkules Mk. XVII-Sternmotoren. Ab der zweiten Jahreshälfte 1943 wurden die Beaufighters mit einem AI Mk. VIII-Radar ausgestattet, das in der charakteristischen "Fingerhut"-Nase eingebaut wurde.

Zum Bausatz

Wie man schon vermutet hatte, handelt es sich bei diesem Modell nicht um eine Neuentwicklung oder eine Kooperation mit Hasegawa (die ja eine hervorragende Beau im Angebot hat), sondern um eine Wiederauflage aus dem Matchbox-Fundus. Dies verheisst meistens sehr vereinfachte Details, grobe Gravuren, aber die Formen der Originale hat Matchbox oftmals gut wiedergegeben. Oder wie man so schön sagt, das Modell bietet eine gute Basis. In der Beziehung bietet dieser Bausatz keine Überraschungen, weder negative noch positive.

Das Modell wird in einer typischen Revell-Faltschachtel ausgeliefert. Das Deckelbild zeigt zwei Beaufighters, die gerade ein Schiff unter Beschuss nehmen. Auf der Seite befinden sich - wie von Revell gewohnt - einige Detailphotos eines gebauten Modells , eine grobe Beschreibung des Inhaltes sowie einige historische Fakten zu dieser Version der Beaufighter. Die Rückseite wird für Eigenwerbung von Revell verwendet.

Die Gussäste


Revell: Bristol Beaufighter TF.X 1/72

Die Schachtel enthält 3 hellgraue sowie einen transparenten Gussast. Beginnen wir mit dem kleinsten: Auf dem transparenten sind gerade einmal 3 Teile vorhanden. Die Cockpitscheibe, die Kanzel für den Bordschützen/Beobachter sowie die Navigationskuppel. Die grossen Landescheinwerfer im linken Flügel oder die Navigationslichter müssen leider selbst angefertigt werden.
Der zweite Gussast beinhaltet unter anderem die Rumpfhälften, Teile des Fahrwerks sowie die 8 ungelenkten Raketen. Die Detaillierung im Rumpfinneren ist nicht vorhanden, und die Gravuren sind auch etwas verbesserungswürdig, um es freundlich auszudrücken. An wenigen Orten sind Sinkstellen auszumachen, aber wenigstens halten sich die Auswerfermarken aus dem sichtbaren Bereich. Wenigstens etwas!
Der zweite Gussast beinhaltet nebst anderen Teilen die Flügeloberseiten. Hier fällt auf, dass die Querruder separat ausgeführt sind, und sogar beweglich montiert werden können. Der letzte Giessast schlussendlich beinhaltet die Unterseiten der Tragflächen, die Propeller sowie die "Cockpiteinrichtung".

Der Torpedo ist bestenfalls als Vorlage zu gebrauchen. Die Flossen sind völlig unkonturiert und zu dick, und Antriebsschrauben sind nicht vorhanden.
Die Stachelschwein-Auspuffrohre sind etwas vereinfacht (Ersatz von Quickboost erhältlich). Die Gravuren sind tief und unvollständig
Der Motorenbereich ist brauchbar; es ist immerhin eine Rippenstruktur der Zylinder erkennbar.

Das Cockpit: Hier ist die Detaillierung als völlig unzureichend zu bezeichnen. Wer sich die Mühe sparen möchte, alles neu zu gestalten, sollte mit Vorteil die beiden Besatzungsmitglieder einbauen. Sie wirken zwar ziemlich statisch, aber wissen mit ihrer feinen Detaillierung zu überzeugen. Es ist schleierhaft, wieso Matchbox nicht die anderen Teile mit einer ähnlichen Liebe zum Detail gestaltete. Instrumentenbrett und Steuerknüppel fehlen vollständig, und der Schott mit dem Sitz weisen überhaupt keine Konturen auf.

Decals / Versionen

Es sind zwei Versionen machbar, die sich äusserlich kaum unterscheiden; eine Beaufighter der 254 Sq. und eine der 144 Sq. Beide weisen die gleiche Bemalung auf, Extra Dark Sea Grey über Sky Type 'S', mit leicht unterschiedlichen Oberflächenmarkierungen. Sehr unspektakulär, es sind z.B. keine Invasionsstreifen oder ähnliches vorhanden. Die eingeschränkte Versionsauswahl ist allerdings primär Matchbox anzulasten; die Besonderheiten dieser Beaufighter-Version (vor allem die Radarnase und die verlängerte Seitenflosse) sind fest vorgegeben. Hier hätten separate Teile mehr Auswahl ermöglicht, aber eben, Matchbox hatte ein etwas gutmütigeres Zielpublikum vor Augen. Die Version gibt laut Anleitung die Bewaffnung an; während die 254 Sq. mit Raketen bewaffnet ist, fliegt die 144 Sq. mit einem Torpedo herum (interessanterweise hat aber die 254 Sq. als erste mit der Beaufighter einen erfolgreichen Torpedoangriff gestartet und vor Norvegen zwei Schiffe versenkt)
Die Decals sind fein und scharf auf dünnem Trägermaterial gedruckt. Wartungshinweise sind kaum vorhanden, und die zwei Gurte hätte sich Revell ehrlich gesagt schenken können, da dies das Cockpit auch nicht mehr aufwertet.

Revell: Bristol Beaufighter TF.X 1/72

Anleitung

Auch bei der Anleitung betritt Revell kein Neuland: Die achtseitige Anleitung beginnt mit der Geschichte der Beaufighter in Deutsch und Englisch, dann folgen auf 3 weiteren Seiten allgemeine- und Sicherheitshinweise, Zeichenlegende und Farbcodes (natürlich nur in Revell-Farben...). Ab Seite 5 geht der Bau los. In 19 Baustufen wird das Flugzeug zu Ende gebaut, und die letzten 2 Seiten stellen dann die Farbschemas dar, glücklicherweise in kompletten 4-Seiten-Ansichten. Die Anleitung ist klar und einfach gehalten, man wird auch stets auf die Differenzen der zwei möglichen Versionen hingewiesen (wobei eigentlich nur die Bewaffnung und die Propellerspinner unterschiedlich sind).

Fazit:

Revell geht mit diesem Modell keine grossen Risiken ein. Wer mit den starken Vereinfachungen des Modells leben kann, soll zugreifen. Wer aber etwas detailverliebter ist, soll eigentlich zum wesentlich besseren Hasegawa-Model greifen, trotz des höheren Preises.

Als Basis brauchbar, allerdings viel Nacharbeit nötig

Alex