Das Original
Das Katapultschiff Schwabenland wurde für die Lufthansa eingesetzt und 1938/39 für die Deutsche Antarktische Expedition 1938/39 verwendet. Ursprünglich diente es dem zivilen Luftpostverkehr über dem Südatlantik, bevor es im staatlichen Auftrag zur logistischen Basis einer groß angelegten Polarexpedition wurde.
Die Schwabenland hatte die Aufgabe, große Flugboote zu betanken und per Dampfkatapult von See aus zu starten, um Postverbindungen zwischen Europa, Afrika und Südamerika zu beschleunigen. Zu diesem Zweck wurde sie 1934 aus dem 1925 bei Blohm & Voss gebauten Frachtdampfer Schwarzenfels der DDG Hansa umgebaut. Der Umbau umfasste die Installation einer Dampfkatapultanlage, großer Flugzeugkräne zur Bergung der Maschinen aus dem Wasser, Werkstätten für Wartungsarbeiten sowie umfangreiche Treibstoff- und Ersatzteillager. Während der Antarktisexpedition fungierte das Schiff als schwimmende Operationsbasis für zwei Dornier-Wal-Flugboote, die weiträumige Erkundungs- und Vermessungsflüge durchführten.
Die Schwabenland war 148,9 m lang und 18,4 m breit, der Tiefgang betrug 8,5 m. Die Vermessung belief sich nach dem Umbau zum Katapultschiff auf 8.188 BRT. Der Antrieb bestand aus zwei 6-Zylinder-Dieselmotoren von MAN mit einer Gesamtleistung von 3.600 PS, die auf zwei Schrauben wirkten. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 12 kn. Die Stammbesatzung umfasste 45 Mann; bei der Antarktisexpedition kamen Flugzeugbesatzungen und wissenschaftliches Personal hinzu, so dass insgesamt 82 Personen an Bord waren.
Die Schwabenland wurde 1925 als Frachtschiff Schwarzenfels für die Reederei Deutsche Dampfschiffahrts-Gesellschaft Hansa bei der Werft Deutsche Werke AG in Kiel gebaut und am 16. Juli 1925 abgeliefert. In dieser Zeit diente sie im konventionellen Liniendienst und war als eines der ersten Frachtschiffe mit einem Kreiselkompass ausgerüstet. 1934 wurde das Schiff an die Lufthansa verkauft und zum Katapultschiff umgebaut. Die Umrüstung erfolgte bei der AG Weser in Bremen und umfasste u. a. den Einbau einer Heinkel-K-7-Katapultanlage und eines Flugzeugkrans, so dass Flugboote an Bord starten und nach der Landung im Meer wieder aufgenommen werden konnten. Die Schwabenland diente fortan als schwimmende Basis für Flugboote im Luftpostverkehr, insbesondere im Dienst zwischen Europa, Afrika und Südamerika.
Die Schwabenland erlangte besondere Bekanntheit durch ihre Rolle bei der Deutschen Antarktischen Expedition 1938/39 unter der Leitung von Alfred Ritscher. Für diese Expedition wurde das Schiff von der Lufthansa gechartert und nochmals modifiziert, u. a. durch Eisverstärkungen am Rumpf und den Einbau eines Hilfsdiesels. Die Verschiebebahn der Katapultanlage war davor schon verkürzt und verstärkt worden, um auch schwerere Flugzeuge starten zu können. Die Expedition verließ den Hafen von Hamburg am 17. Dezember 1938 mit 82 Mann Besatzung und den zwei 10-Tonnen-Wal Atlantik-Postflugbooten D-AGAT Boreas und D-ALOX Passat an Bord. Die Route führte über den Südatlantik zunächst an die Bouvetinsel und dann weiter zur fast unberührten Küste der Prinzessin-Martha-Küste. Ab dem 19. Januar 1939 operierten die Flugboote von der Eisgrenze aus. In sieben geplanten Vermessungsflügen zwischen dem 20. Januar und dem 5. Februar 1939 wurden photogrammetrische Aufnahmen über eine Fläche von rund 350 000 km² gemacht und unkannte eisfreie Gebirgszüge kartiert. An den Umkehrpunkten wurden Metallmarkierungen mit Hoheitszeichen abgeworfen, um mögliche Besitzansprüche zu stützen. Zusätzlich wurden weitere Flüge unternommen, bei denen Farbfotografien angefertigt wurden. Das Gebiet, das während dieser Expedition erstmals systematisch erfasst wurde, nannte die Expeditionsleitung „Neuschwabenland“. Es lag im Bereich zwischen 69°10′ S und 76°30′ S sowie zwischen 10°W und 20° O und wurde später von Norwegen offiziell als Königin-Maud-Land beansprucht. Am 6. Februar 1939 trat die Schwabenland die Rückreise an und erreichte Hamburg am 11./12. April 1939. Die wissenschaftliche Auswertung der gewonnenen Aufnahmen und Messdaten zog sich noch bis in die 1950er-Jahre hin.
Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde die Schwabenland im Oktober 1939 von der Luftwaffe übernommen und als Stützpunktschiff für Seeaufklärungsflugzeuge u.a. der Typen Blohm & Voss BV 138 und Dornier Do 26 eingesetzt. Der Dienst führte sie zunächst an der französischen Atlantikküste, später nach Norwegen. Im März 1944 wurde sie durch den britischen U-Boot-Angriff des HMS Terrapin schwer beschädigt und strandete bei Abelnes/Flekkefjord; sie konnte zwar geborgen werden, wurde aber nicht wieder hergestellt. Nach Kriegsende wurde sie von der britischen Royal Navy übernommen und am 31. Dezember 1946 im Skagerrak vor der schwedischen Küste mit Munition – darunter chemischen Kampfstoffen – beladen versenkt.
Das Modell
Das Modell des Katapultschiffs Schwabenland baute ich im Maßstab 1/700 mit Booten, Lüftern und Winden von Starling Models; im Übrigen ist das Modell vollständig im Eigenbau entstanden, mit vielen Dank an Lars Scharff für Zeichnungen und Informationen. Als Referenz habe ich außerdem Fotos verwendet, die ich im Internationalen Maritimen Museum Hamburg von deren ausgezeichnetem Großmodell aufgenommen habe. Die Anordnung der Flugzeugrampen am Heck scheint mehrfach verändert worden zu sein, daher hoffe ich, dass ich den Zustand für die Zeit ihres Antarktisbesuchs korrekt wiedergegeben habe. Für den mittleren Abschnitt des Krans habe ich einige Fotoätzteile aus einem japanischen Flugzeugträger-Bausatz von Gold Medal Models verwendet; die Seiten sowie der übrige Teil des Krans entstanden jedoch im Eigenbau aus Polystyrolplatten. Mit dem Traggerüst der Sonnensegel auf der Brücke bin ich nicht ganz zufrieden – Fotoätzteile wären hier eine deutlich sauberere Lösung gewesen, aber ich konnte nichts Passendes finden, und eine Sonderanfertigung hätte sich nicht gelohnt. Daher habe ich 0,2-mm-Draht verwendet. Das Gestänge schien ein recht markantes Detail zu sein, weshalb ich mich entschied, es darzustellen.
Don McKeand
(Text über Original von Lars)











