Modell: SMS Gefion, Unprotected Cruiser, 1895
Hersteller: Kombrig
Maßstab: 1/700
Material: Resin, Fotoätzteile
Art.Nr.: 70071
Preis: 47,8 € (bei NNT Modell + Buch)

Das Original

Der deutsche Geschützte Kreuzer SMS Gefion war der letzte kleinere Kreuzer der Kaiserliche Marine, der speziell als Auslandskreuzer und Handelsstörer entworfen worden war. Der Kreuzer war eine verkleinere Version des Geschützten Kreuzers Kaiserin Augusta und wie dieser ursprünglich als Kreuzerkorvette klassiziert. 1893 wurde Gefion als Kreuzer III. Klasse und schließlich 1899 als Kleiner Kreuzer klassifiziert.

Kombrig - und der englische Wikipedia-Artikel - nennen Gefion einen Ungeschützten Kreuzer (Unprotected Cruiser). Deshalb ein kurzer Exkurs zu den verschiedenen Arten von damaligen Kreuzern: Ungeschützte Kreuzer verfügten über keinen Seitenpanzer oder Panzerdeck, Geschützte Kreuzer hatten nur ein Panzerdeck und Panzerkreuzer hatten einen Seitenpanzer und meist auch ein Panzerdeck. D.h. diese Bezeichnungen beziehen sich nur auf die Panzerung und sagen nichts über die Größe und Art der Bewaffnung aus. So gab es Geschützte Kreuzer die größer und stärker bewaffnet als einige Panzerkreuzer waren. Gefion war ein typischer Geschützter Kreuzer mittlerer Größe mit einem Panzerdeck.

Der Entwurf war nicht ganz gelungen. So waren die Verbände zu schwach, es gab starke Vibrationen bei hoher Geschwindigkeit, die Maschinen litten unter Havarien und die Belüftung der Maschinen- und Kesselräume war unzureichend. Ein Vorteil war ihr relativ großer Fahrbereich. Sie wurde 1901-04 nach ihrem Einsatz in Ostasien umgebaut. Hierbei wurde das Back- und Poopdeck zu einem neuen Oberdeck verbunden und sechs der 10,5-cm-Geschütze auf dem Hauptdeck in Pforten neu positioniert. Sie war auch noch nach dem Umbau sehr heiß und wurde nicht mehr in Dienst gestellt.

Gefion war 110,4 m lang, 13,2 m breit und verdrängte 4275 t. Der Antrieb erfolgte durch sechs Kessel und zwei Dreifachexpansionsdampfmaschinen, die zusammen 9514 PS leisteten, womit 19,3 kn erreicht wurden. Die Besatzung bestand aus 302 Mann.

Bewaffnung
10 x 10,5 cm L/35 Geschütze
6 x 5 cm L/40 Geschütze
2 x  45 cm Torpedorohre (drehbar auf dem Oberdeck)
 

Gefion wurde 1892-4 von Schichau in Danzig gebaut. Bis 1897 wurde sie erprobt, diente bei der Flotte und führte diverse kürzere Auslandsreisen in europäischen Gewässern durch. Nach einer Überholung wurde sie 1897 zum Ostasiatischen Kreuzergeschwader geschickt. 1898 fuhr sie nach Manila, ein gescheiterter Versuch in Folge des Spanisch-Amerikanischen Kriegs ehemals spanische Kolonien zu übernehmen. 1900 wurde sie im Rahmen der internationalen Intervention gegen den Boxeraufstand eingesetzt, u.a. schiffte sie ein Landungskorps aus, das ein Teil der Seymour-Expedition war. 1901 wurde sie zurück nach Deutschland geschickt, wo sie von der Kaiserlichen Werft in Wilhelmshaven umgebaut wurde. Sie kam danach zur Reserveflotte. Sie wurde auch im Ersten Weltkrieg wegen Personalmangels nicht wieder in Dienst gestellt. Ab 1916 diente sie als Wohnschiff in Danzig. 1919 wurde sie an die Norddeutsche Tiefbaugesellschaft verkauft, die den Kreuzer 1920 in Danzig zum Frachter Adolf Sommerfeld umbauen lies. Als Frachter fuhr sie aber nur kurz, schon 1923 wurde sie abgewrackt.

Der Bausatz

Kombrig setzt mit diesem Bausatz des Geschützten Kreuzers Gefion seine Serie der Kreuzer der Kaiserlichen Marine fort. Gefion wird im frühen Bauzustand dargestellt. Das Modell kann als Wasserlinienmodell gebaut werden.

Der Rumpf ist sehr detailliert in guter Qualität gegossen. Die meisten Details sind hier schon angegossen. Nacharbeit dürfte vielleicht etwas an der Wasserlinie anfallen.


Die Aufbauten der Gefion waren minimalistisch und als zusätzliche Teile sind nur das Brückendeck und die Schornsteine enthalten. Die Schornsteine liegen als zwei Versionen bei: mit den Fußpeerden angegossen oder der Option, diese mit den enthaltenen Fotoätzteilen darzustellen. Ehrlich: beide Varianten sind für den Maßstab zu massiv und es bleibt eine Geschmacksfrage, wie man diese darstellt. Laut Gröner waren die Schornsteine fast rechteckig und mit nur leicht gerundeten Kanten. Im Vergleich sind die Bausatzteile deutlich gerundet. Auf den Fotos des Originalschiffs wirken sie aber auch relativ rund.


Die Lüfter, Torpedorohre, Geschütze, Anker, Scheinwerfer, Beiboote und die sonstigen Kleinteile sind gut detailliert und gegossen. Insbesondere die Lafetten der 10,5-cm-Geschütze finde ich sehr gelungen.

Die Masten liegen nicht bei. Diese muss man sich aus Metallteilen nach Angaben der Anleitung selbst bauen (was ich praktisch bei jedem Bausatz sowieso mache).

Die Fotoätzteile

Die Fotoätzteile umfassen u.a. bereits abgelängte Relingteile, Davits, Laufgänge, Bugzier, Schutzschilde und andere Details für die Geschütze, Halterungen für Kabeltrommeln, Niedergänge, Steuerräder, Fußpeerde, Teile des Ankerkrans, Fallreep sowie Details für die Beiboote.


Der Relingsteile sind relativ dick, ansonsten dürften die Teile nutzbar sein.

Die Anleitung

Die Anleitung umfasst einen Text über das Original auf Russisch, eine Seitenansicht und Aufsicht, eine Auflistung der Teile mit der Nummerierung der Resinteile und Angaben für Länge und Durchmesser von selbst anzufertigenden Teile sowie die eigentliche Bauanleitung bestehend aus sieben Teilen. Diese erklärt mit farbigen perspektivischen Ansichten den Zusammenbau.


Die Anleitung ist sehr umfangreich und detailliert. Es fehlen aber Angaben über die Takelage und den Anstrich. Gefion war anfangs in dem typischen Anstrich aus zwei Hellgrautönen gestrichen, während des Einsatzes in Ostasien hatte sie einen weißen Rumpf mit gelblichen Aufbauten, Schornsteinen und Masten. Die Darstellung des späteren Zustands, als sie nur bei der Reserveflotte war, würde umfangreichere Umbauten erfordern.

Quellen

Fazit

Ein gelungener Bausatz eines der Kreuzer der Kaiserlichen Marine um 1900 herum - passend z.B. zu dem Bausatz der Fürst Bismarck von NNT (Bausatzbesprechung). Die Resinteile sind gut gegossen, detailliert und vorbildgetreu und werden von einer guten Fotoätzteilplatine ergänzt. Der Bausatz der Gefion ist

sehr empfehlenswert


Lars