Das Original

Die niederländische Fregatte Hr. Ms. Piet Hein (F 804) wurde ursprünglich als britischer Zerstörer HMS Serapis der S-Klasse gebaut. Sie gehörte zu den Schiffen, die die niederländische Marine kurz nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt, um die massiven Verluste während des Kriegs auszugleichen. Von den größeren Schiffen, die vor dem Krieg fertiggestellt oder begonnen worden waren, hatten nur die zwei Leichten Kreuzer der Tromp-Klasse und drei Kanonenboote überlebt. Die niederländische Marine erhielt während oder kurz nach dem Krieg einen Geleitträger der Nairana-Klasse (kurz darauf durch einen Leichten Flugzeugträger der Colossus-Klasse ersetzt), Zerstörer der G-Klasse (einer), der N-Klasse (zwei), der Q-Klasse (einer) und der S-Klasse (drei), eine Fregatte der River-Klasse und acht Korvetten der Bathurst-Klasse. In den 1950ern kamen u.a. zwei Leichte Kreuzer der De Zeven Provinciën-Klasse und zwölf Zerstörer der Holland- und Friesland-Klasse hinzu, so dass die älteren ehemals britischen Zerstörer nicht mehr so dringend benötigt wurden und zum Teil außer Dienst gestellt wurden. Die drei Zerstörer der S-Klasse, in niederländischen Diensten Evertsen-Klasse genannt - Evertsen, Kortenaer und Piet Hein - wurden 1956-58 zu schnellen U-Jagd-Fregatten umgebaut.


Diese schnellen U-Jagd-Fregatten der Evertsen-Klasse sollten wahrscheinlichen die in den 1950ern erhaltenen je sechs Fregatten der Cannon- und Roofdier-Klasse ergänzen, die im Vergleich zu damaligen neuen U-Booten zu langsam waren. Die niederländische Marine  wurde in den 1950ern immer mehr darauf spezialisiert, U-Boote zu jagen und Konvois zu geleiten. Genauere Informationen zu den Hintergründen dieses Umbaus und der Umklassifizierung von Zerstörer zu Fregatte habe ich nicht gefunden. Der Umbau umfasste auf jeden Fall die Installation eines Hubschrauberdecks über den Torpedorohren. Dies waren die ersten niederländischen Schiffe mit Hubschrauberdeck. Das Deck war sehr ungewöhnlich, da fast rautenförmig angeordnet. Ebenso ungewöhnlich war, war, dass dies nicht einfach ein Testumbau bei einem Schiff war, sondern alle drei Schiffe dieses Deck erhielten. Es war kein Hangar vorhanden, aber wahrscheinlich (zumindest nach den Originalplänen für den Umbau) Betankungsvorrichtungen für den Hubschrauber - aber anscheinend keine Vorrichtungen, um den Hubschrauber auf dem Deck zu befestigen oder zu bewaffnen. Es ist mir unbekannt, ob die Fregatten neue Sonargeräte erhielten. Sie behielten auf jeden Fall nur die alten Wasserbombenablaufgestelle bzw. -werfer. Ansonsten wurde nur der Feuerleitradar für die 12-cm-Geschütze als Flak ausgetauscht. Der ursprünglich mittschiffs aufgestellte 4-cm-Zwilling wurde durch zwei weiter achtern aufgestellte 4-cm-Einzellafetten ersetzt, um Platz für das Hubschrauberdeck zu machen Das Hubschrauberdeck selbst wurde kaum benutzt. Es ist wahrscheinlich, dass die drei Fregatten der Evertsen-Klasse nie umfangreich als U-Jagdschiffe erprobt wurden, da sie nach Neuguinea geschickt wurden, um dieses gegen Indonesien zu verteidigen - eine Aufgabe, für die ihre 12-cm-Geschütze für die Bekämpfung von Land- und Seezielen gebraucht wurden, aber nicht ihre U-Jagdfähigkeiten. 


Piet Hein war 110,6 m lang, 10,9 m breit und verdrängte voll beladen 2505 t. Der Antrieb erfolgte über zwei Kessel und zwei Dampfturbinensätze mit zusammen 40.000 PS, womit 36,8 kn erreicht wurden. Die Besatzung bestand aus 233 Mann (unklar in welchem Zeitraum).

Bewaffnung ab 1958
4 x 12 cm QF Mk IX (Mk XII-Einzellafetten)
6 x 4 cm Bofors (Mk VII-Einzellafetten)
8 x 53,3 cm Torpedorohre (zwei Vierlingslafetten)
Wasserbomben (zwei Ablaufgestelle und vier Wasserbombenwerfer)
Plattform für Bordhubschrauber, z.B. Sikorsky H04S-3


Piet Hein wurde 1941-43 von Scotts & Co in Greenock als HMS Serapis (G94) für die britische Royal Navy gebaut. Serapis diente im Zweiten Weltkrieg für den Geleit von Konvois in der Arktis, unterstützte die Landung in der Normandie und geleitete britische Flugzeugträger bei Angriffen auf deutsche Schiffe vor Norwegen. Kurz nach Kriegsende wurde Serapis an die niederländische Marine verkauft und als Piet Hein in Dienst gestellt. Sie wurde noch 1945 geschickt, um die indonesische Unabhängigkeitsbewegung zu bekämpfen. In diesem Rahmen beschoss sie wiederholt Ziele an Land und unterstützte die Landung bei Probolinggo. 1947, der Indonesische Unabhängigkeitskrieg dauerte noch bis 1949, wurde sie wieder zurück in die Niederlande geschickt. 1952 wurde sie wieder in den Pazifik geschickt. Dort kämpfte sie im Koreakrieg. Sie geleitete Trägerkampfgruppen und beschoss Landziele, u.a. zerstörte sie mehrere nordkoreanische Züge und gehörte damit zum Train Busters Club. 1953 kehrte sie wieder in die Niederlande zurück. 1954 drohte ein neuer Konflikt mit Indonesien um das damals noch niederländische Neuguinea und sie wurde erneut in den Pazifik geschickt. Sie unterstützte dort die Armee im Kampf gegen indonesische Kommandos. 1956 wurde sie zurück in die Niederlande verlegt. Nach ihrer Rückkehr wurde sie bis bis 1958 zur Fregatte umgebaut. Sie erhielt die neue Rumpfnummer F 804 (in niederländischen Diensten hatte sie 1946 die Nummer J 4, 1947 JT 4 und ab 1950 die Nummer D 805 getragen). Nach Fertigstellung des Umbaus wurde sie 1958 wieder nach Neuguinea abgeordnet. Dort bekämpfte sie wieder indonesische Kommandoeinheiten. Am 24. November 1960 brachte sie den für Schmuggel verwendeten Motorschoner Sin Kuang auf. 1961 kehrte sie in die Niederlande zurück, wo sie außer Dienst gestellt wurde. 1962 wurde sie in Ghent abgewrackt. 

Das Modell

Die niederländische Fregatte Hr. Ms. Piet Hein habe ich aus dem Bausatz von Starling Models gebaut. Starling Models bietet zwei Varianten der Piet Hein an: als Zerstörer und nach dem Umbau zur Fregatte. Letzterer Bausatz wird als "HNLMS Piet Hein Helicopter Carrier" bezeichnet (siehe Bausatzbesprechung). Mein Modell stellt den Bauzustand zwischen 1958 und 1961 dar, genauer den, als eine Sikorsky H04S-3 auf ihr landete.

Bei meinem Exemplar war der Bug unten am Steven im Bereich der Wasserlinie nicht komplett ausgeformt und ich musste diesen Bereich neu modellieren. Ansonsten war der Zusammenbau problemlos. Allerdings liegt das falsche Feuerleitgerät für die Feuerleitung der 12-cm-Geschütze zur Flugabwehr bei. Piet Hein hatte ein rundes Feuerleitgerät, ohne die Kanten, wie man es von den HACS auf Kreuzern kennt. Auch hatte sie auf diesem nach dem Umbau zur Fregatte ein anderes Feuerleitradar, wahrscheinlich ein US-Modell (SPG-34?). Ich baute das Feuerleitgerät aus Plastikplatten und - stäben neu. Den Feuerleitradar klaute ich von einer 7,62-cm-Lafette von Hellenic Ship Models. Im Bausatz liegen nur vier 4-cm-Bofors-Einzellafetten bei, benötigt werden aber sechs. Ich nahm welche aus einem extra erhältlichen Satz von Starling Models. Bei den Beibooten gibt es das Problem, dass nur ein Motorboot (statt zwei) und dafür zwei Ruderboote (statt eines) beiliegt. Ich baute ein Motorboot aus einem Satz von Starling Models etwas um, um mehr dem anderen Motorboot aus dem Bausatz zu ähneln. Auch bei den Rettungsmitteln liegen zu wenig des neuen Typs bei, so dass ich mich teilweise mit dem älteren Typ behelfen musste. Außerdem baute ich noch ein neuen Schornstein mit H-förmigen Aufsatz neben dem Mast und verlängerte einen weiteren solchen auf der Hütte. Am vorderen Ende des Hubschrauberdecks ergänzte ich noch einen Antennenhalter. 

Auf Piet Hein und ihren Schwesterschiffen sind kaum Landungen von Hubschraubern dokumentiert. Im dem Warship No. 15 über Piet Hein von Lanasta (Walburg Pers) sind mehrere Fotos der Landung der Sikorsky H04S-3 Cleopatra zu sehen. Außerdem gibt es wohl noch das Beispiel einer Ladung einer Bell 47. Cleopatra gehörte meist zur Bordgruppe des Flugzeugträgers Karel Doorman. Wahrscheinlich war dies nur ein kurzer Besuch, auf dem Fotos ist der Hubschrauber auch mit laufenden Rotor und im 90° Winkel zur Schiffsachse zu sehen. Ich entschied mich trotzdem, ihn parallel zur Schiffsachse  "abzustellen", obwohl das nicht gesichert ist. Der Grund war, dass ich befürchte, dass ich ansonsten mal den über das Schiff hinausragenden Heckrotor beim Hantieren des Modells abbrechen würde. 

Ich benutzte folgende Acrylfarben von Vallejo Model Color für die Bemalung: 153 (907) Hellblaugrau mit 4 (820) Cremeweiß im Verhältnis 1:1 gemischt für die vertikalen Flächen, 157 (904) Dunkelblaugrau für die Decks, 110 (986) Achatgrau für einen Teil des Brückendecks, 167 (995) Anthrazitgrau für Teil des Masts und einige andere Teile und 57 (963) Enzianblau Hell mit 167 (995) Anthrazitgrau im Verhältnis 4:1 gemischt für den Sikorsky H04S-3. Letztere erhielt noch einige gelbe Warnflächen, für die ich 15 (953 Signalgelb) verwendete. Dem Bausatz liegen die Kennnummern der Piet Hein als Fregatte (F804 statt D805) nicht bei, auch für den Hubschrauber gibt es keine Abziehbilder. Ich zeichnete diese (wofür mir Maarten Schönfeld eine passende Schriftart zur Verfügung stellte. Vielen Dank!) und ließ sie bei Tailormadedecals drucken.

Vielen Dank auch an Maarten Schönfeld insgesamt für die Hilfe bei dem Recherchen zum Vorbild (eventuelle Fehler bei der Umsetzung liegen an mir). 

Hier Piet Hein mit zwei weiteren Emergency Programme Destroyer, ihrem Schwesterschiff, dem norwegischen Zerstörer HNoMS Stord (1943, S-Klasse) und dem zur Fregatte des Typ 16 umgebauten Zerstörer der T-Klasse HMS Terpsichore (1944):


Hier mit einem älteren niederländischen Schiff, dem Leichter Kreuzer Hr. Ms. Tromp (1938), und einem neueren, der Fregatte Zr. Ms. Evertsen (2005):


Hier Piet Hein mit zwei späteren Fregatten mit unterschiedlichen Anordnungen der Hubschrauberdecks: USS Pharris (1974) und der italienischen MMI Libeccio (1983):

Quellen


Lars