Quelle: Wikimedia Commons
Modell: Gauss
Hersteller: Brown Water Navy Miniatures (
Maßstab: 1/700
Material: Resin (3D-Druck)
Art.Nr.: -
Preis: 6 $ (als stl-Datei, Druckkosten kommen dann noch dazu; alternativ auch gedruckt vom Anbieter)
Das Original
Das deutsche Polarforschungsschiff Gauss wurde speziell für die erste deutsche Südpolarexpedition 1900-01 gebaut. Das Vorbild war die Fram. Auch hier wurde die Rumpfform so gewählt, dass sie möglichst das Einfrieren im Packeis überleben sollte, also eine sehr rundliche Form. Das Schiff wurde aus Holz gebaut, da man damals dachte, dass hölzerne Rümpfe besser das Packeis als stählerne Rümpfe überleben könnte. Außerdem war es bei einem hölzernen Rumpf einfacher magnetische Messungen durchzuführen. Der Rumpf wurde sehr massiv gebaut, u.a. mit zusätzlichen internen Abstützungen und einer dreifachen Beplankungen der Rumpfseiten. Wie bei den meisten damaligen Polarforschungsschiffen erhielt auch Gauss sowohl eine Dampfmaschine als auch eine Segeltakelage als Antrieb, um die notwendige Reichweite zu ermöglichen.
Gauss war (für die damalige Zeit) geräumig gebaut, sowohl die Labore als auch die Wohnräume. Das Schiff war eigentlich gut isoliert, allerdings schmolz ein Teil der Isolierung in den Tropen, floss in den Maschinenraum und blockierte dort Pumpen und Ventilatoren. In den Tropen war die Ventilation des Schiffs unzureichend. In den Tropen erreicht die Kombüse, die über den Maschinenraum angeordnet war, 65 °C. Die Seeeigenschaften des Schiffs waren, insbesondere schwer beladen, suboptimal. Gauss stampfte und rollte stark (ein typisches Problem bei Polarforschungsschiffen wegen der Rumpfform). Diese Eigenschaften bewirkten auch, dass das Schiff fiel Wasser übernahm. Unter Segeln war es leegierig. Der Antrieb war zu schwach, um durch Packeis zu brechen. Ein weiteres Problem war ein Leck am Ruder, was auch nach wiederholten Reparaturen immer wieder auftrat.
Gauss war 46 m (zwischen den Loten) lang, 11,3 m breit und verdrängte 1450 t. Der Antrieb bestand aus zwei Kessel und einer Dampfmaschine mit 350 PS, womit maximal 7 kn erreicht wurden (auf See nur 4-5 kn!). Außerdem war eine Takelage als Barkentine (Schonerbark) mit 1026 m2 Segelfläche vorhanden. Die Besatzung bestand inklusive Wissenschaftlern aus 32 Mann. Als wissenschaftliche Ausstattung waren u.a. vier Winden (für Probennahme, Netze bzw. Drachen), zwei Lotmaschinen und zwei Fesselballone an Bord.
Gauss wurde 1900-01 von den Howaldtswerken in Kiel gebaut. 1901-03 wurde sie für die erste deutsche Südpolarexpedition unter Erich von Drygalski gebaut. Die Expedition verließ am 11. August 1901 Kiel und erreicht am 23. November Kapstadt. Am 25. Dezember wurde die Insel Crozet erreicht, am 2. Januar 1902 die Kerguelen. Auf den Kerguelen wurde geomagnetische und meteorologische Beobachtungsstation errichtet. Auch die Insel Heard wurde am 3. und 4. Februar erforscht. Die Expedition sollte danach eigentlich von der Knox-Küste nach Westen fahren, um das von Wilkes gesichtete "Termination Land" und die von von Neumayer vermutete Meeresströmung von den Kerguelen nach Süden zu untersuchen. Sie untersuchte tatsächlich dann die Region um das vermutete, aber nicht existierende "Termination Land" und wurde am 1. März 1902 vor der Kaiser-Wilhelm-II.-Küste im Packeis eingeschlossen. Dort wurde ein umfassendes wissenschaftliches Programm durchgeführt, u.a. im Bereich der Zoologie, Geographie, Geologie, Meteorologie, Geophysik, Bakteriologie, Ozeanologie und Botanik. Deren Ergebnisse wurden 1905-31 in 22 Bänden veröffentlicht. Es wurde auch eine 90 km weite Reise über das Eis bis zu einem Vulkan, dem Gaussberg, unternommen, sowie mit einem Ballonflug überprüft, ob weitere geographische Besonderheiten in der Region erkennbar waren (das Ergebnis war negativ). Am 8. Februar 1903, also fast ein Jahr später, gelang es Gauss aus dem Packeis zu befreien. Bis April wurde versucht die Küste weiter untersucht, aber kein weiterer geeigneter Platz um am Eis festzumachen gefunden. Die Expedition kehrte dann über St. Paul und New Amsterdam nach Südafrika zurück. Dort erhielt die Expedition die Nachricht, dass keine weiteren Mittel für die Expedition mehr vorhanden waren und auf der Rückkehr nach Deutschland nur noch ozeanographische Erforschung des Walfischrücken und des Romanchegraben möglich waren. Die Expedition kehrte am 24. November 1903 nach Kiel zurück. Da die Expedition nicht weiter nach Süden als die parallele Expedition von Scott vorgestoßen war, war Kaiser Wilhelm II enttäuscht (und ignorierte die wissenschaftlichen Ergebnisse). Entsprechend wurden keine weiteren Expedition geplant und das Schiff musste verkauft werden.
1904 kaufte Kanada das Schiff und nannte es in Arctic um. Joseph-Elzéar Bernier unternahm mit ihr 1904/05, 1906/07, 1908/09 und 1910/11 Expeditionen und Patrouillenfahrten in die Arktis. 1909 erklärte er die gesamte Arktis nördlich der kanadischen Küste bis zum Nordpol für kanadisch. 1922-25 unternahm Bernier mit der Arctic weitere Fahrten in der Arktis. 1925 oder 1926 wurde das Schiff zum Abwracken verkauft (es gibt auch die Geschichte, dass das Schiff nicht abgewrackt wurde, sondern einfach zum Verrotten zurück gelassen wurde).
Der Bausatz
Wie auch bei dem Modell der USS Montgomery (siehe Besprechung) erhielt ich auch die Gauss als stl-Datei von Brown Water Navy Miniatures. Ich habe es nur mit der Angabe, dass das Modell beim Drucken schräg gestellt werden soll, von FDM-Druckservice drucken lassen. Ich wählte hier weißes Resin.
Das Modell des Polarforschungsschiffs Gauss besteht nur aus einem Teil. Ich habe die Variante ohne Masten im Maßstab 1/700 genommen. Es sind auch andere Maßstäbe möglich. Aufbauten, Schornsteine, Beiboote und Davits sind als ein Teil mit dem Rumpf konstruiert. Das Modell ist gut detailliert. Lediglich die Anker, die bei Original etwas höher befestigt waren, und die Davits würde ich ersetzen.
Auf dem Schiff war während der Expedition teilweise sehr viel gelagert, z.B. mindestens zehn Kajaks zwischen Großmast und Schornstein auf Lagern auf einer ähnlichen Höhe wie die Beiboote dahinter. Auch könnte man einige der Winden, Lotmaschinen, Schweinestahl etc. an Deck ergänzen. Über der Brücke war ein Gerüst für ein Sonnendach aus Segeltuch, das man selbst bauen muss. Für die Abmessungen der Masten und der restlichen Takelage müsste man die Pläne z.B. aus Ordeal by Ice oder Polarschiffe bzw. von den Plänen aus dem Archiv des Deutschen Museums zu Rate ziehen. Ich ziehe es vor, die Masten aus Metallstäben selbst zu bauen. Die gedruckten Variante, die auch möglich wäre, wäre mir zu instabil, um die Masten auch takeln zu können. Beim Leibniz-Institut für Länderkunde (Link siehe unten) findet man 1200 (!) Fotos von der Expedition, darunter auch viele des Schiffs selbst.
Gauss war bei der Ausfahrt in Richtung Antarktis weiß gestrichen. In Kapstadt wurde der Rumpf schwarz gestrichen und so fuhr sie auch in der Antarktis. Die Decks waren holzbeplankt, die Deckshäuser aus Holz und blieben unbemalt.
Als Arctic war der Rumpf unten Schwarz und oberhalb der dicksten Beplankung dann weiß. Auch hier waren die Aufbauten anfangs holzfarben. Vor dem Großmast wurde ein Steuerhaus ergänzt und spätestens in den 1920ern wurden kleine Wachhäuser auf die Brückenflügel gebaut. Die Takelage war anfangs ähnlich. In den 1920ern wurden die Masten auf die Untermasten reduziert und von den Rahsegeln am Fockmast nur das für das Focksegel beibehalten. Dafür wurde ein Gaffelsegel am Fockmast ergänzt. In den 1920ern waren die Aufbauten anscheinend weiß bemalt.
Quellen
- Gauß (Schiff, 1901) (Wikipedia)
- Ordeal by Ice. Ships of the Antarctic von Rorke Bryan, Barnsley, 2011 (Buchbesprechung)
- Den Meeren auf der Spur. Geschichte und Aufgaben der deutschen Forschungsschiffe von Christine Reinke-Kunze, Herford, 1986
- Deutsche in der Antarktis. Expeditionen und Forschungen vom Kaiserreich bis heute von Cornelia Lüdecke, Berlin, 2015
- Polarschiffe von Ingrid Schmidt, Rostock 1988 (Buchbesprechung)
- Fotos der ersten deutschen Südpolarexpedition, 1901–1903 (Leibniz-Institut für Länderkunde)
Fazit
Das deutsche Polarforschungsschiff Gauss ist ein weiteres Polarforschungsschiff, das von Brown Water Navy Miniatures herausgebracht wurde. Das Modell ist gut detailliert und sollte einen guten Ausgangspunkt darstellen. Es gibt ein paar Kleinigkeiten wie die Anker und Davits, die ich ändern würde, und es gibt noch ein paar Details wie Winden und Lotmaschinen, die man neben der Takelage (wenn man die Version ohne Masten wollte) selbst ergänzen kann. Insgesamt ist das Modell
empfehlenswert
Lars









