Das Original
Die Consolidated PBY Catalina zählt zu den bedeutendsten Seeaufklärungsflugzeugen des 20. Jahrhunderts. Entwickelt wurde sie in den 1930er‑Jahren von der US‑amerikanischen Consolidated Aircraft Corporation als maritimer Patrouillenbomber. Zu ihren Hauptaufgaben gehörten die weiträumige Seeaufklärung, die U‑Boot‑Jagd, der Geleitschutz für Konvois sowie später auch Such‑ und Rettungseinsätze. Die Catalina wurde sowohl als reines Flugboot als auch in einer Amphibienversion gefertigt und zeichnete sich insbesondere durch ihre große Reichweite und lange Einsatzdauer aus. Die Produktion aller Varianten erstreckte sich von 1937 bis 1945; insgesamt entstanden 4051 Exemplare. Die hier behandelte Version PBY‑5, ein reines Flugboot ohne Fahrwerk, wurde zwischen 1940 und 1943 gebaut. Von ihr wurden 684 Maschinen gefertigt.
Die PBY‑5 Catalina war ein zweimotoriges Schulterdecker‑Flugboot mit einer Länge von 19,5 m und einer Spannweite von 31,7 m. Das maximale Startgewicht lag bei 16 t. Angetrieben wurde sie von zwei Pratt‑&‑Whitney‑R‑1830‑92‑Twin‑Wasp‑Sternmotoren mit jeweils 1 200 PS. Damit erreichte die Catalina eine Höchstgeschwindigkeit von 170 kn (315 km/h) und eine Reisegeschwindigkeit von 109 kn (201 km/h). Die reguläre Besatzung bestand aus bis zu zehn Mann, darunter Piloten, Navigator, Funker, Bordmechaniker und Bordschützen. Die Bewaffnung umfasste mehrere Maschinengewehre – üblicherweise drei im Kaliber 7,62 mm und zwei im Kaliber 12,7 mm – sowie Außenlasten wie Bomben, Torpedos oder Wasserbomben mit einer Gesamtlast von bis zu 1,8 t.
Das Modell
Mit der PBY‑5 Catalina bietet Academy einen großformatigen, dennoch angenehm unkomplizierten Bausatz im Maßstab 1:72 an. Die Teilezahl ist bewusst gering gehalten, was die Nacharbeit an Nahtstellen deutlich reduziert. Ergänzend kamen Ätzteile und Masken von Eduard sowie Motoren und Cowlings von Quickboost zum Einsatz. Ziel war ein sauber gebautes Modell mit sinnvoller Detailsteigerung, ohne den Bau unnötig zu verkomplizieren.
Der Zusammenbau begann im Cockpit, dessen eher einfache Ausführung von Academy durch Eduard‑Ätzteile deutlich aufgewertet wurde. Da der spätere Einblick ins Cockpit sehr begrenzt ist, muss man hier nicht übermäßig ins Detail gehen. Die beiliegenden Masken erleichtern die Arbeit erheblich und sorgen für saubere Lackkanten an der Cockpitverglasung.

































Die Tragflächen passen hervorragend an den Rumpf und lassen sich spannungsfrei montieren. Aufgrund ihrer Größe empfiehlt es sich, frühzeitig ausreichend Platz auf der Werkbank und beim Fotografieren einzuplanen. Beim Zusammenfügen der Flügel gingen an einigen Stoßkanten Nietenreihen verloren, die anschließend ergänzt wurden, um ein harmonisches Oberflächenbild zu erzielen. Der Aufwand ist überschaubar, verbessert das Erscheinungsbild jedoch deutlich. Die Landeleuchten wurden bündig eingesetzt, verschliffen und poliert, wodurch sie sich realistisch in die Flügelkontur einfügen.
Die Quickboost‑Motoren bieten eine wesentlich feinere Darstellung als die Bausatzteile, erfordern jedoch zusätzliche Arbeit:
- Die Bohrungen für die Zündkabel sind nur angedeutet und müssen mit einem sehr feinen Bohrer (ca. 0,1 mm) nachgearbeitet werden.
- Die Zündkabel selbst wurden aus feiner Kupferlitze ergänzt – hier sind Lupe, Pinzette und Geduld unverzichtbar.
- Die Stößelstangen fehlen vollständig und mussten aus gezogenem Gussast selbst angefertigt werden. Warum Quickboost diese nicht als Relief umgesetzt hat, bleibt fraglich; der Mehraufwand ist erheblich und im Maßstab 1:72 kaum perfekt umzusetzen.
Ein weiterer kritischer Punkt betrifft die Cowlings von Quickboost: Sie fallen im Durchmesser zu klein aus, was erst bei der Endmontage deutlich wird. Eine saubere Korrektur ist kaum möglich. Im vorliegenden Bau wurden sie dennoch verwendet – in der Hoffnung, dass der Unterschied nach Lackierung und Alterung weniger ins Auge fällt. Modellbauer sollten diesen Umstand kennen und eventuell die Academy‑Teile umarbeiten, diese passen nämlich perfekt, ihnen fehlen nur ein paar Details. Insgesamt waren die Zurüstteile von Quickboost eher enttäuschend – schade, denn hier wurden Chancen vergeben.
Das fertige Modell stellt eine Consolidated PBY‑5 Catalina der US Navy, BuNo 04555, Kennung 10‑P‑11, der Patrol Squadron 10 (VP‑10) dar.
Diorama
Die Basis des Dioramas besteht aus einer Styroporplatte, die mit einem Heißdrahtschneider in Form gebracht und anschließend auf eine ebene Sperrholzplatte geklebt wurde. Um den Rumpf passgenau einzulassen, wurde der entsprechende Bereich ebenfalls aus Styropor ausgeschnitten, mit Gips ausgefüllt, mit Klarsichtfolie abgedeckt und der Rumpf hineingedrückt, bis er exakt saß. Überstände wurden mit einem Cuttermesser entfernt.
Als Sperrschicht gegen lösungsmittelhaltige Farben wurde eine dünne Gipsschicht aufgetragen und glattgeschliffen. Nach der Versiegelung folgte die Gestaltung der Wasseroberfläche: Mit einer Farbwalze wurde Dispersionsfarbe in parallelen Bahnen zur Küstenlinie aufgetragen, wobei zunächst nur die Struktur im Vordergrund stand. Nach dem Trocknen erfolgte ein Washing mit Wasserfarben, die sich in den Vertiefungen sammelten und so einen überzeugenden 3D‑Effekt erzeugten. Verschiedene Farbtöne – von Lila bis Azur – kamen zum Einsatz, zur Küste hin wurden die Farben heller. Anschließend wurden dünne Schichten Acrylfarbe von Mr. Hobby aufgetragen. Den Abschluss bildeten vier bis fünf Lagen Acryl‑Klarlack (Hochglanz) aus der Sprühdose.
































Die zusätzlichen Elemente wie Figuren und Beiboot stammen nicht aus klassischen Zubehörsets, sondern wurden im 3D‑Druckverfahren realisiert. Die Figuren basieren auf Spur‑N‑Arbeitern von Thingiverse, die entsprechend auf 1:72 skaliert wurden. Für das Beiboot wurde ein historisch passendes Vorbild gesucht; moderne Schlauchboote wären unpassend. Über eine Wikipedia‑Recherche zur LCRL (Landing Craft Rubber Large) fand sich schließlich ein geeignetes Vorbild, dessen 3D‑Modell über Cult3D erworben wurde. Ein Boot wurde halb auf der Rampe dargestellt. Die Rampe selbst ist ein einfaches, selbst konstruiertes 3D‑Modell, das direkt auf das Diorama geklebt wurde. Um den Übergang zum Wasser harmonisch zu gestalten, wurden verschiedene Grautöne mit sanften Übergang in die Wasserfläche gesprüht.













Stefan Herrmann
(Text über Original von Lars)




