Modell: HMS Barfleur 1945. Battle class destroyer 1942 Type
Hersteller: Starling Models
Maßstab: 1/700
Material: Resin (3D-Druck), Fotoätzteile, Abziehbilder
Art.Nr.: STK45
Preis: 53,95 € (beim Hersteller)
Das Original
Der britische Zerstörer HMS Barfleur war das erste der 26 Schiffe der Battle-Klasse, die 1942 bis 1951 für die britische Royal Navy und die australische Marine gebaut wurden. Die Battle-Klasse stellte nach den kleineren Zerstörern des War Emergency Programms die Rückkehr zu den großen Zerstörern bei der Royal Navy dar. Die Battle-Klasse sollte als erste britische Zerstörer eine Hauptartillerie erhalten, die sowohl zur Bekämpfung von Seezielen als auch als Flugabwehrgeschütz geeignet waren. Frühere britische Zerstörer-Geschütze hatten eine begrenzte Rohrerhöhung: die 12-cm-Einzellafetten auf älteren Zerstörern 30°, die 12-cm-Zwillinge der Tribal- und J/K/N-Klasse 40°, die 12-cm-Zwillinge der L/M-Klasse 50° und die 12-cm- und 11,4-cm-Einzellafetten des War Emergency Programms (S- bis Zr-Klasse) 55°. Diese Lafetten waren nur eingeschränkt für die Flugabwehr geeignet, z.B. nicht zur Abwehr von Sturzkampfbombern. Die 10,2-cm-Flak wurde als zu leicht als Hauptartillerie für größere Zerstörer eingeschätzt. Deshalb entschied man sich für die 11,4-cm-Zwillingsflak, wie sie auf Flugzeugträgern und Großkampfschiffen verwendet wurde. Für die Battle-Klasse kam die Mk IV-Variante der Lafette zum Einsatz, die eine Rohrerhöhung von 80° ermöglichte und ein schweres Geschoss als die 12-cm-Geschütze verschoss. Allerdings wog eine solche voll zur Flugabwehr geeignete 11,4-cm-Zwillingslafette auch deutlich mehr als eine 12-cm-Zwillingslafette: 46,3 t vs. 25,5 t. Da außerdem eine starke leichte Flak untergebracht werden sollte, war für die Battle-Klasse die Rückkehr zu einem deutlich größeren Rumpf notwendig. Trotzdem konnten nur zwei 11,4-cm-Zwillingslafetten untergebracht werden. Die beiden Zwillingslafetten wurden möglichst weit vorne mit Abstand zur Brücke untergebracht, um den Feuerbereich nach achtern zu vergrößern. Im Vergleich z.B. zur Allen M. Sumner-Klasse wurde die Battle-Klasse innerhalb der Royal Navy als leicht bewaffnet kritisiert. Die Battle-Klasse hatte allerdings eine größere Reichweite, bessere Seetüchtigkeit und mehr internen Wohnraum als die Allen M. Sumner-Klasse. Wegen der hohen Kosten wurden parallel weiter auch kleinere Zerstörer des War Emergency Programms gebaut. Es wurden zwar sieben Schiffe der Battle-Klasse während Zweiten Weltkriegs fertig gestellt, aber nur Barfleur kam noch zum Einsatz.
Die Battle-Klasse wurden in drei Losen gebaut: 16 Zerstörer des Typs 1942 wurden gebaut. 24 des Typs 1943 wurden bestellt, wovon acht fertig gestellt und der Rest bei Kriegsende gestrichen wurden. Von dem Typ 1944 wurden nur zwei Schiffe für die australische Marine gebaut. Von den Schiffen des Typs 1942 dienten die meisten Schiffe bis Ende der 1950er, Anfang der 1960er. Das für das Abfeuern von Leuchtgeschossen vorgesehene 10,2-cm-Geschütz wurde nur auf Barfleur, Armada, Trafalgar, Camperdown, Hogue und Lagos eingebaut. Die anderen Schiffe des Typs 1942 erhielten stattdessen zwei 4-cm-Einzellafetten, womit auch die ersten Schiffe später nachgerüstet wurden. Die vier 4-cm-Hazemeyer-Zwillingslafetten wurden bei Modernisierung durch zwei 4-cm-STAAG-Lafetten ersetzt, teilweise auch durch einfachere Mk V-Lafetten. Die Wasserbombenablaufgestelle und -werfer wurden später durch einen Squid-U-Jagd-Mörser ersetzt. Zwei der Schiffe wurden 1957 an Pakistan verkauft. Einer davon, Khaibar ex HMS Cadiz, wurde 1971 durch indische Flugkörperschnellboote mit P-15-Termit-("Styx")-Anti-Schiffsraketen versenkt - nach der israelischen Eilat ex HMS Zealous schon der zweite ehemals britische Zerstörer, der diesen Raketen zum Opfer fiel. Ein weiteres Schiff, HMS Sluys, wurde 1966 als Artemiz an den Iran verkauft und stark mit neuen Masten, Radargeräten, einer geschlossenen Brücke und Sea Cat-Flugabwehrraketen modernisiert.
Barfleur war 115,5 m lang, 12,2 m breit und verdrängte voll beladen 3340 t. Der Antrieb erfolgte mit zwei Kesseln und zwei Dampfturbinen, die zusammen 50.000 PS leisteten, womit 35,8 kn erreicht wurden (bei Standardverdrängung, voll beladen nur 31,3 kn und voll beladen in den Tropen nur 29,3 kn). Die Besatzung bestand aus 268 Mann.
Bewaffnung 1945
4 x 11,4 cm L/45 (zwei Mk IV-Zwillingslafetten)
1 x 10,2 cm (Mk XXIII-Einzellafette für Leuchtgranaten)
8-10 x 4 cm (vier Mk IV-Hazemeyer-Zwillingslafetten, später zwei Mk XV oder XVI-Einzellafetten (?) auf den Brückenflügeln)
2-6 x 2 cm (zwei Einzellafetten und anfangs zwei Mk V-Zwillingslafetten auf den Brückenflügeln)
8 x 53,3 cm Torpedorohre (zwei Vierlingsrohre)
60 Wasserbomben (zwei Ablaufgestellte, vier Wasserbombenwerfer)
Barfleur wurde 1942-44 von Swan Hunter in Wallsend (Tyne and Wear) gebaut. Sie wurde am 14. September 1944 in Dienst gestellt, erhielt aber das Mk VI-Feuerleitgerät und dessen Typ 275-Feuerleitradar für die Hauptartillerie erst im November. Die Erprobung war erst im März 1945 abgeschlossen, worauf sie für den Einsatz im Pazifik vorbereitet wurde. Sie lief im Mai 1945 aus und erreicht im Juli den Pazifik. Dort gehörte sie British Pacific Fleet und geleitete den Flugzeugträger Indefatigable. Zwischen dem 23. September und dem 15. August griffen die Flugzeugträger der British Pacific Fleet wiederholt Ziele in Japan an. Noch am 15. August gab es Gegenangriffe japanischer Flugzeuge gegen die von Barfleur geleitete Indefatigable. Barfleur war während der Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde in der Bucht von Tokio anwesend. Danach half sie bei dem Rücktransport alliierter Soldaten aus japanischer Kriegsgefangenschaft. Sie bildete ab Dezember 1945 mit inzwischen eingetroffenen Schwesterschiffen die 19th Destroyer Flotilla. Diese wurde im Januar 1947 zurück nach Großbritannien beordert, wo Barfleur im März 1947 zur Reserveflotte kam.
1948-52 wurde Barfleur modernisiert. Das 10,2-cm-Geschütz, die leichte Flak und die Wasserbomben wurden entfernt. Stattdessen kamen zwei 4-cm-STAAG-Mk-II-Zwillingslafetten, fünf 4-cm-Mk-VII-Einzelafetten und ein Squid-U-Jagd-Mörser an Bord. Sie erhielt einen Typ 974-Radar und neue Sonargeräte. Ab 1953 gehörte sie zur 3rd Destroyer Flotilla und war danach wiederholt im Mittelmeer im Einsatz. 1956 wurde sie im Suezkrieg (Operation Musketeer) eingesetzt. 1958 wurde sie außer Dienst gestellt und 1966 zum Abwracken in Dalmuir verkauft.
Der Bausatz
Starling Models hat zwei neue Bausätze der Battle-Klasse herausgebracht: HMS Barfleur des 1942-Typs im Zustand von 1945 und HMS Agincourt des 1943-Typs im Zustand von 1957. In den Newsletter von Starling Models vom Juni 2025 wurde auch eine Variante des 1943-Typs als Radarfrühwarnschiffe im Zustand der 1960er angekündigt. In dem neuesten Newsletter vom September 2026 wurde diese Version nicht mehr erwähnt, aber angekündigt, nicht mehr in die EU zu liefern. Hier die Besprechung des Bausatzes der Barfleur.
Der Bausatz besteht überwiegend aus 3D-gedruckten Resinteilen. Der Rumpf ist von den Abmessungen und der Form gut getroffen. Auch die Detaillierung ist gut, abgesehen von den etwas massiven Details auf dem Vorderdeck. Allerdings war der Druck nicht perfekt. Unter der Bugspitze finden sich weniger Stützstrukturen, so dass hier etwas Material an der Wasserlinie fehlt. Im Bereich des hinteren Endes des Backdecks ragen die Rumpfseiten zur Wasserlinie hin nach außen. Hier muss man spachteln bzw. schleifen.
Die Aufbauten liegen als zusätzliche Teile bei. Hier müssen die Stützstrukturen unten sorgfältig entfernt werden, da sonst die Aufbauten zu hoch werden.
Die Kleinteile sind gut detailliert. Zwei Kräne sind aber etwas zusammen gedruckt. Das gleiche ist bei einem Teil der Zwillingsrohre für die 4-cm-Geschütze passiert. Die 4-cm-Geschütze auf Einzellafetten sehen wie Mk-7-Lafetten aus. Diese sind für die Brückenflügel. Hier standen ursprünglich wahrscheinlich 2-cm-Mk-V-Zwillingslafetten. Diese wurden wahrscheinlich in Vorbereitung auf den Einsatz im Pazifik ersetzt. Ich habe hier die Information gefunden, dass sie durch 2-Pfünder auf Mk-XV- oder Mk-XVI-Einzellafetten ersetzt wurden (ein 4-cm-2-Pfünder-Pom-Pom ("Bofin") auf einer von dem 2-cm-Mk-V-Zwilling abgeleiteten Lafette). D.h. die 4-cm-Geschütze müsste man ersetzen.
Der Gittermast ist als ein Teil gedruckt. Ich finde, dass er etwas massiv gedruckt ist, aber trotzdem noch gut wirkt.
Die Fotoätzteile umfassen bereits angepasste Reling, Leitern, Niedergänge, Lagerungen für Rettungsflöße, Decksstützen, Ankerketten, Kräne und Rahe.
Die Abziehbilder umfassen die Kennnummern für HMS Barfleur 1945 und HMS Agincourt 1957. Außerdem sind auf dünnen Papier gedruckte Flaggen enthalten.
Die Anleitung
Die Anleitung umfasst allgemeine Angaben zur Handhabung der Teile, eine Übersicht der enthaltenen Teile, perspektivische Zeichnungen, die den Zusammenbau erklären, sowie eine Bemalanleitung. Die in einem Bereich neu hinzuzufügenden Teile sind farblich markiert und nummeriert, wobei auch klar zwischen Resin- und Fotoätzteilen unterschieden wird. Die Positionierung der Teile ist in Kombination mit der Seiten und Aufsicht der Bemalanleitung und den Markierungen auf den Teilen leicht zu identifizieren.





Die Bemalanleitung beschreibt die Farben mit Bezug auf deren Originalbezeichnungen. Es gibt keine Hinweise auf Farben eines bestimmten Herstellers. Ich bin mir in Bezug auf die Decksfarben nicht sicher, da auf einem Foto der vordere Teil des Backdecks (vor dem Wellenbrecher) und Teile des Oberdecks mittschiffs heller wirken. Es gibt viele Fotos von Barfleur in Europa mit dem dargestellten Tarnschema. Ich habe nur ein Foto während des Einsatz im Pazifik gefunden. Dieses Foto ist sehr schlecht, scheint aber noch schräge G45-bemalte Feld auf dem Vorschiff zu zeigen. Zumindest einige Schwesterschiffe erhielten ein zweifarbigen Anstrich (mit einem dunklen Panel am Rumpf, z.B. Trafalgar, Lagos und Camperdown). Dieses zweifarbige Schema wurde noch kurz nach dem Krieg beibehalten, danach wurden sie hellgrau gestrichen. Für spätere Bauzustände müsste man aber die Bewaffnung modifizieren, insbesondere die 4-cm-Hazemeyer-Lafetten gegen STAAG- bzw. Mk-V-Lafetten austauschen, das 10,2-cm-Geschütz durch zwei 4-cm-Mk-7-Einzellafetten ersetzen und achtern ein Squid statt der Wasserbombenwerfer. Diese Teile liegen teilweise dem Bausatz der Agincourt bei, der aber ein Schiff des 1943-Typs mit Mk-37- statt dem Mk-VI-Feuerleitgerät darstellt.
Quellen
- Tribals, Battles and Darings.The Genesis of the Modern Destroyer von Alexander Clarke, Barnsley, 2022 (Buchbesprechung)
- The Battle Class Destroyers von George Moore in Warship 2002-2003 von Antony Preston (Herausgeber), London, 2003
- Battle Class Destroyers von Peter Hodges, London, 1971
- Battle-class destroyer (Wikipedia)
- HMS Barfleur (D80) (Wikipedia)
- Barfleur 1944 (Tyne built ships)
- HMS BARFLEUR (R.80) - Battle-class Destroyer (Naval History Homepage)
- HMS Barfleur (D80) (Wikimedia Commons)
- HMS Barfleur D-80 / R-80 (MaritimeQuest)
- Imperial War Museum Photographs (nach "Barfleur" gesucht)
- British Destroyers & Frigates. The Second World War and after von Norman Friedman, Barnsley, 2006
- Super Destroyers. From the Torpedo Boat Era to the Dominant Surface Warship of Today von Robert C. Stern, Barnsley, 2024 (Buchbesprechung)
- Conway’s All the World Fighting Ships 1922-1946 von Roger Gardiner (Herausgeber), London, 1980
- Nelson to Vanguard. Warship Design and Development 1923-1925 von David K. Brown, London, 2006
Fazit
Der Bausatz der HMS Barfleur - des einzigen Zerstörers der Battle-Klasse, der noch im Zweiten Weltkrieg zum Einsatz kam - zeichnet sich durch gute Detaillierung und Vollständigkeit aus. Allerdings ist die Druckqualität am Rumpf nicht optimal, insbesondere die zur Wasserlinie sich nach außen neigenden Bordwände erfordern doch einiges an Nacharbeit. Insgesamt ist der Bausatz
empfehlenswert
Lars
















