Das Original
Das 1875-76 gebaute deutsche Torpedoschiff SMS Zieten war eines der Urahne der hochseegängigen Torpedoträger. Sie gehörte zu den frühen Schiffen, die für den Einsatz von selbstfahrenden Torpedos entworfen wurden. Zieten erhielt hierfür ein Bug- und ein Heck-Torpedorohr (wobei letzteres durch das deshalb zweigeteilte Ruder ging). Sie fiel für ihre Zeit auch relativ schnell aus. Ihre Bewaffnung bestand anfangs nur aus Torpedorohren. Bei der Kaiserlichen Marine diente sie anfangs überwiegend zur Erprobung von Torpedos und stellte den Ausgangspunkt für die Entwicklung der Torpedokreuzer da, nicht nur bei der Kaiserlichen Marine, sondern auch bei anderen Marinen, darunter der italienischen und österreichischen-ungarischen Marine.
1881 erhielt Zieten eine Geschützbewaffnung aus vier 8,7-cm- und sechs 3,7-cm-Geschützen und wurde danach zum Aviso umklassifiziert. 1899 wurde sie zum Kreuzer umklassifiziert und 1900 erhielt sie sechs 5-cm-Geschütze und einen vergrößerten Aufbau mittschiffs.
Zieten war 79,4 m lang, 8,6 m breit und verdrängte voll beladen 1170 t. Der Antrieb bestand aus sechs Kesseln und zwei Dampfmaschinen, die zusammen 1807 PS leisteten, womit 16 kn erreicht wurden. Ursprünglich bestand die Bewaffnung aus zwei 38,1-cm-Torpedorohren und die Besatzung aus 94 Mann.
Zieten wurde 1875-76 von Thames Iron Works in Blackwall, London gebaut. 1876-80 wurde sie als Torpedoversuchsschiff benutzt bis sie in dieser Rolle durch die Korvette Blücher ersetzt wurde. 1882 wurde sie ins Mittelmeer geschickt, um während des britischen Bombardements von Alexandrias während des Anglo-Ägyptischen Kriegs deutsche Einrichtungen in Ägypten zu schützen. In den Folgejahren wechselten Perioden, in der sie außer Dienst gestellt war mit aktiven Perioden, u.a. im Dienst mit der Flotte. Ab 1897 diente sie als Fischereischutzschiff, in welcher Rolle sie das Kanonenboot Meteor ersetzte. Im Ersten Weltkrieg diente sie erst bei der Hafenflottille Jade-Weser als Patrouillenschiff, bei Kriegsende bei der Vorpostenflottille der Elbe. Sie wurde 1919 außer Dienst gestellt und 1921 abgewrackt. Sie war nach dem Aviso Grille das Schiff der Kaiserlichen Marine, dass am längste gedient hatte.
Das Modell
Das Torpedoschiff SMS Zieten baute ich beruhend auf dem 3D-gedruckten Modell von Brown Water Navy Miniatures, das bei Shapeways in der Smooth Fine Detail Plastic-Qualität gedruckt wurde. Ich entschied mich für den ursprünglichen Bauzustand, als sie nur mit Torpedorohren bewaffnet war. Von diesem Bauzustand konnte ich nur eine Zeichnung finden, die in Deutschland wird Seemacht. Der Aufbau der Kaiserlichen Marine 1867-1880 und z.B. hier zu finden ist. Die Fotos, die ich gefunden habe, zeigten alle spätere Bauzustände.
Von dem Modell entfernte ich die angedruckten Beiboote und Davits, die zu unförmig bzw. zu dick waren. Ich verlängerte das Backdeck mit einer Plastikplatte. Die Davits und der Ankerkran sind aus 0,2 mm dicken Kupferdraht gebogen. Die Beiboote kommen von Kombrig und SSModels. Bei den Masten, Bugspriet, Gaffeln und Gaffelbaum orientierte ich mich an der Zeichnung in Die Torpedoschiffe und Zerstörer der k.u.k. Kriegsmarine 1867-1918 (hier ist eine Zeichnung dieses deutschen Schiffs enthalten). Als Material dienten Metallstäbe in verschiedenen Stärken von Albion Alloys. Leider verzog sich der Rumpf nach dem Bau, so dass die elegante jachtartige Form durch die Bananenbildung etwas verunstaltet wurde.
Für die Bemalung verwendete ich Acrylfarben von Vallejo Model Colours: 167 (995) Anthrazitgrau für den Rumpf und den Schornstein, 4 (820) Cremeweiß für die Innenseiten der Schanzkleider, die Beiboote und einen Teil der Aufbauten, 139 (846) Mahagonibraun für weitere Aufbauten und Ausrüstung an Deck, 110 (986) Achatgrau und 122 (912) Braungelb für die Decks und 121 (913) Ockergelb für die Masten. Die Takelung erfolgte mit schwarzen 20 Denier Faden von Uni Caenis.
Links die Zieten mit zwei relativ frühen Torpedoträgern, dem chinesischen Torpedokreuzer Guangyi (1892) und dem österreichisch-ungarischen Torpedokanonenboot SMS Trabant (1890). Rechts mit dem Geschützten Kreuzer SMS Emden (1909), dessen Entwicklungslinie bis auf die Zieten zurück geht, sowie dem japanischen Leichten Kreuzer Kitakami (1921), der Kreuzer mit der nach dem Umbau von 1941 stärksten Torpedobewaffnung.
Quellen
- The Kaiser's Cruisers 1871-1918 von Aidan Dodson und Dirk Nottelmann, Barnsley, 2021 (Buchbesprechung)
- Die Torpedoschiffe und Zerstörer der k.u.k. Kriegsmarine 1867-1918 (enthält eine Seitenansicht der Zieten) von Franz F. Bilzer , Graz, 1997
- Zieten (Schiff, 1876) (Wikipedia)
- S.M.S. Zieten (1876) (deutsche-schutzgebiete)
- Deutschland wird Seemacht. Der Aufbau der Kaiserlichen Marine 1867-1880 von Clas Broder Hansen, München, 1991
- Schwarze Gesellen, Band 2 von Harald Fock, Herford 1981
- Die deutschen Kriegsschiffe 1815-1945, Band 1 von Erich Gröner, München, 1966
- Die deutschen Kriegsschiffe. Biographien von Hans H. Hildebrandt, Albert Röhr und Hans-Otto Steinmetz, Hamburg, 1980?
- Conway’s All the world’s fighting ships 1860-1905 von Robert Gardiner (Herausgeber), London, 1979
Lars









