
Die Breguet Br.1150 Atlantic wurde ab Ende der 1950er-Jahre als weitreichendes Seefernaufklärungs- und U-Boot-Jagdflugzeug für die NATO entwickelt. Ziel war ein Nachfolger der Lockheed P-2V Neptune, der große Seegebiete überwachen, U-Boote aufspüren und bekämpfen sowie Überwasserziele aufklären konnte. Die Entwicklung übernahm ein europäisches Konsortium, an dem neben Frankreich auch die Bundesrepublik Deutschland, die Niederlande und Belgien beteiligt waren. Der Prototyp flog am 21. Oktober 1961 erstmals; die ersten Serienmaschinen wurden ab 1965 an Frankreich und die Bundesrepublik Deutschland ausgeliefert. Von der ersten Generation, der Atlantic 1, entstanden insgesamt 87 Serienmaschinen: 40 für Frankreich, 20 für die Bundesrepublik Deutschland, neun für die Niederlande und 18 für Italien. Drei französische Maschinen wurden später an Pakistan abgegeben. Die Fertigung der Atlantic 1 lief von 1963 bis 1974. Von der Atlantique 2 entstanden weitere 28 Maschinen, sodass insgesamt 115 Flugzeuge der Br.-1150-Familie gebaut wurden.
Die deutsche Breguet Atlantic im Zustand als Seeraumüberwachungsflugzeug war 31,7 m lang und besaß eine Spannweite von 36,3 m. Das maximale Startgewicht betrug 43.200 kg. Als Antrieb dienten zwei Rolls-Royce Tyne RTy.20 Mk.21-Turboproptriebwerke mit jeweils 4.500 kW, entsprechend rund 6.120 PS; zusammen standen damit rund 12.240 PS zur Verfügung. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 350 kn beziehungsweise 650 km/h. Für eine Einsatzmission waren 12 Besatzungsmitglieder vorgesehen. Die Atlantic verfügte über eine umfangreiche Sensor- und Aufklärungsausrüstung mit Radar, Sonarbojen und einem Magnetanomaliedetektor (MAD) zur U-Boot-Ortung. Für den Waffeneinsatz besaß sie einen rund neun Meter langen Waffenschacht im unteren Rumpf; bei den deutschen Maschinen bestand die Bewaffnung im Seeraumüberwachungsdienst aus Mk.-46-Lufttorpedos. Die Konstruktion ermöglichte darüber hinaus grundsätzlich den Einsatz von Wasserbomben und Seeminen; diese Bewaffnungsoptionen waren bei den deutschen Atlantic jedoch nicht die reguläre Bewaffnung.
Die 61+04, Werksnummer 8, gehörte zu den frühen deutschen Atlantic und absolvierte 1966 ihren Erstflug. Am 5. Mai 1966 wurde sie an die Bundesmarine übergeben und anschließend beim Marinefliegergeschwader 3 „Graf Zeppelin“ in Nordholz eingesetzt. 1968 erhielt sie offiziell die Kennung 61+04. Im Rahmen der deutschen Kampfwertsteigerung wurde die Maschine ab 2. Mai 1979 bei Dornier in Oberpfaffenhofen modernisiert und kehrte 1980 zum MFG 3 zurück. 1985 wurde sie nochmals für die verbesserte elektronische Aufklärung (ESM) bei Dornier bearbeitet und anschließend wieder beim MFG 3 eingesetzt. Nach rund vier Jahrzehnten Dienstzeit wurde die 61+04 2006 außer Dienst gestellt. Im selben Jahr gelangte sie zur Dornier-Stiftung nach Friedrichshafen und wurde später als Ausstellungsstück des Dornier Museums erhalten.
Die Fotos der 61+04 wurden im August 2026 im Dornier Museum während der DO DAYS aufgenommen:


















Auf Modellmarine finden sich weitere Fotos von Atlantic:
- 61+03 (SIGINT-Variante) in Nordholz (Verabschiedung)
- 61+04 im Dornier Museum in Friedrichshafen
- 61+06 (SIGINT-Variante) in Nordholz
- 61+14 in Nordholz
- 61+06 und 61+14 in Nordholz
- 61+17 im Berlin-Gatow
Holger Siegel (Fotos), Lars (Text)