Das Original
Der schwedische Frachter Tanja diente 1928 als Teil der Svenska Spetsbergsexpeditionen zur Unterstützung von mehreren Flugzeugen der schwedischen Luftwaffe, die vom Svalbard-Archipel an der Suche nach der vermissten Italia-Expedition beteiligt waren. Tanja war 1916 als Nordzee von N.V. Scheepsbouwwerf 'De Merwede' in Neder-Hardinxveld gebaut worden. Es war ein kleiner Küstenfrachter.
Tanja war 54,9 m lang und 8,5 m breit und hatte 725 BRT und eine maximale Zuladung von 975 t sowie eine maximale Verdrängung von geschätzt 1600 t. Der Antrieb erfolgte über eine Dreifachexpansionsdampfmaschine mit 600 PS, womit 9 kn erreicht wurden.
1916 wurde die Nordzee verkauft und kam als Hengelo für N.V. Gebr. Scheuer in Fahrt. 1918 diente sie kurz für H.W. & M. Ezard in Großbritannien bis sie 1919 wieder an N.V. Gebr. Scheuer ging. 1923 wurde sie an die Kohlen-Import AG in Königsberg verkauft und in Poseidon umbenannt. Am 21. Dezember 1925 lief sie auf Gotland auf und wurde aufgegeben. Sie wurde sie nach Schweden verkauft, konnte geborgen und wieder hergestellt werden. Sie wurde in Tanja umbenannt und von Erik Brodin Jr., Stockholm, bereedert.
Am 6. Juni 1928 wurde Tanja von der schwedischen Regierung für die Svenska Spetsbergsexpeditionen (Schwedische Spitzbergenexpedition) beauftragt, um zusammen mit vielen anderen Schiffen und Flugzeugen den schwedischen Teil der Suchbemühungen nach der vermissten Italia-Expedition zu unterstützen. Das Luftschiff Italia unter dem Kommando von Umberto Nobile war am 25. Mai 1928 bei der Rückkehr von einem Überflug über den Nordpol abgestürzt und war vermisst. Die schwedische Regierung mobilisierte neben der Tanja die Quest (ein Robbenfänger, der auch 1921-22 von Shackletons letzter Expedition verwendet wurde) sowie zwei Heinkel HE 5 (in Schweden Hansa S5 genannt), zwei Fokker C.V.E., eine De Hvailland 60 Moth, eine Klemm-Daimler L.20 und eine Junkers G.24 für die Suchaktion. Tanja und Quest unterstützten die Flugzeuge. Tanja nahm ab dem 9. und 10. Juni in Götheborg zwei Heinkel HE 5 und eine Fokker C.VE (oder eine C.VD?) sowie Flugbenzin und Öl an Bord. Über Tromsø und Narvik erreichte sie am 19. Juni Virgohamna auf Danskøya, eine der Insel des Svalbard-Archipels, wo ihre Flugzeuge für die Suchexpeditionen klar gemacht wurden. Die schwedischen Flugzeuge suchten sowohl nach der Italia-Expedition als auch nach einem französischen Flugboot des Typs Latham 47. Letzteres, mit dem berühmten Polarforscher Roald Amundsen an Bord, seit dem 18. Juni verschollen. Der mit Ski ausgerüsteten Fokker der Expedition gelang es am 23. Juni mit dem Piloten Einar Lundborg bei dem roten Zelt mit den Überlebenden der Italia-Expedition zu landen und Nobile auszufliegen. Am 24. Juni überschlug sich die Fokker bei einer zweiten Landung beim roten Zelt und Lundborg saß dort auch fest. Die jeweils begleitende Heinkel konnte mit ihren Schwimmern nicht auf dem Eis landen. Am 30. Juni erreichte die Ingerfire mit einer weiteren Fokker und der De Hvailland 60 Moth, die beide mit Skis ausgerüstet waren, Virgohamna. Mit der Moth gelang es Lundborg auszufliegen. Eine Klemm-Daimler L.20 wurde von dem Frachter Ingertre nach Svalbard gebracht und dann von der Tanja am 12. Juli weiter transportiert. Am gleichen Tag gelang es dem sowjetischen Eisbrecher Krassin die Überlebenden der Italia-Expedition zu retten (auch die Fokker von Lundborg wurde geborgen). Zwei Teilnehmer einer Schlittenexpedition auf der Suche nach der Italia-Expedition wurden mit einer der Heinkel und einer finnischen Junkers G.24 am 13. Juli gerettet. Tanja transportierte ein Teil der Flugzeuge, mindestens die geborgene Fokker von Lundborg sowie eine Heinkel zurück, und erreichte am 24. Juli Tromsø.
Am 10. November 1930 sank Tanja während einer Fahrt von Danzig nach Trollhättan mit einer Kohlelladung im Sturm. 14 Mann Besatzung und eine Passagierin waren mit dem Schiff vermisst. 1995 entdeckten dänische Wracktaucher das Schiff bei Bornholm und konnten das Wrack identifizieren.
Das Modell
Das Modell des schwedischen Frachters Tanja im Bauzustand von 1928, während der Suche nach der Italia-Expedition, baute ich aus dem 3D-gedruckten Modell von Brown Water Navy Miniatures. Jens Bartels druckte mir das Modell, genauso die beiden von SNAFU konstruierten Heinkel HE 5 (vielen Dank hierfür!). Das gedruckte Modell der Tanja ist schon relativ gut detailliert.
Ich ergänzte die Masten und Ladebäumen aus Metallstäben von Albion Alloys, wobei ich mich an einem Originalplan orientierte. Vor dem Schornstein kam eine Art oben offene Kiste, deren Funktion mir unklar ist, aus Plastikstreifen. Auf der Back fehlte ein Lüfter, der mit einem Resinteil von BMK dargestellt wurde. Die Davits sind aus 0,15 mm dicken Kupferdraht gebogen. Die Propeller der beiden Heinkel sind Fotoätzteile von White Ensign Models.
Für die Bemalung benutzte ich Acrylfarben von Vallejo Model Color. Die Rumpfseiten sind mit 158 (870) Mittelgrau dargestellt, der relativ weit aus dem Wasser ragende Unterwasserrumpf ist mit 32 (946) Bordeauxrot , die Stahldecks mit 166 (994) Dunkelgrau, die Holzdecks mit 110 (986) Achatgrau, die Aufbauten mit 4 (820) Cremeweiß bzw. 139 (846) Mahagonibraun, die Rümpfe der Beiboote mit 149 (872) Schokoladenbraun und der Schornstein, die Lüfter, Masten und Lukendeckel mit 167 (995) Anthrazitgrau bemalt. Die Heinkel HE 5 sind mit 157 (904) Dunkelblaugrau für den Rumpf und die Flügel, 171 (997) Silber für den Bereich um den Motor und 153 (907) Hellblaugrau für die Schimmer bemalt (den gelben Anstrich der Unterseiten der Schwimmer ignorierte ich). Die Abziehbilder sind von Tailormadedecals gezeichnet und gedruckt.
Hier Tanja mit zwei anderen ursprünglich als Frachter gebauten Schiffen, dem sowjetischen Polarforschungsschiff Georgi Sedow ex Beothic (1909) und dem japanischen Vermessungsschiff Koshu ex Michael Jebsen (1904).
Die Fläche, die auf Tanja für die Flugzeuge verfügbar war, war minimal, wie ein Vergleich mit dem britischen Antarktispatrouillenschiff HMS Endurance ex Anita Dan (1956) und dem japanischen Polarforschungsschiff Shirase (1982) zeigt.
Tanja wurde 1928 als Seeflugzeugtender verwendet - hier im Vergleich zu einem großen Exemplar dieses Typs, der USS Currituck (1944):
Quellen
- Nordzee ID 8822 (Stichting Maritiem Historische Databank)
- S.S. Tanja (Allan Jensens VRAG!)
- Drama in the Arctic. S.O.S. Italia. The Search for Nobile and Amundsen. A Diary and Postal History von Fred Goldberg, Oslo, 2003
- Plan der Tanja Sjöhistoriska museet Stockholm
- Svenska Spetsbergsexpeditionen 1928. Alben mit guten Fotos (DigitaltMuseum)
- Svenska flygare i Göteborg (Filmaufnahme, 1928) (Filmarkivet)
- Italia (airship) (Wikipedia)
- Amundsen’s and Nobile’s airship voyages (Svalbard Museum)
Lars









