Hersteller: Kombrig
Bausatz Nr.: 70282PE
Material: Resin und Fotoätzteile
Maßstab:: 1/700
Preis: 21,50 € (z.B. bei NNT Buch und Modell)

Titel

Modell: Vladimir Monomakh
Hersteller: Kombrig
Maßstab: 1/700
Art. Nr.: 70146
Material: Resin
Preis: 25,1 €

Original

Vladimir Monomakh war einer der frühen Panzerkreuzer, die aus den Schraubenfregatten entwickelt wurden und diesen äußerlich noch sehr ähnlich waren. So hatte sie ursprünglich eine Vollschiffstakelage, aber auch einen Gürtelpanzer. Dieser Typ veraltete sehr schnell, wofür der Compound-Panzer als auch die Bewaffnung und deren Anordnung, aber auch die viel zu geringe Geschwindigkeit verantwortlich waren. Vladimir Monomakh war eine Weiterentwicklung der General-Admiral-Klasse, die als erster Panzerkreuzer überhaupt bezeichnet werden. Dimitrij Donskoj, die ursprünglich als Schwesterschiff der Vladimir Monomakh vorgesehen war, wurde nach einem leicht verbesserten Entwurf fertiggestellt.

Vladimir Monomakh war 93,8 m lang und 15,85 m breit. Voll beladen verdrängte sie 6061 ts und hatte einen Tiefgang von 7,62 m. Mit einer 7380 PS-starken Dreizylinder-Compound-Maschine erreichte sie ursprünglich 15,8 kn. Bei dem Umbau 1896/97 erreichte sie aufgrund der neuen Dreizylinder-Dreifach-Expansionsmaschine mit 7044 PS nur 15,3 kn.

Bewaffnung 1884
4 x 20,3 cm L/30
12 x 15,2 cm L/28
4 x 8,7 cm L/20
2 x 6,35 cm L/19 Landungsgeschütze
4 x 4,7 cm
8 x 3,7 cm
3 x 35,5 cm Torpedorohre

Bewaffnung ab 1897
5 x 15,2 cm L/45
6 x 12 cm L/45
2 x 6,35 cm L/19 Landungsgeschütze
16 x 4,7 cm
4 x 3,7 cm
5 x 38,1 cm Torpedorohre

Vladimir Monomakh wurde 1881-84 auf der Baltischen Werft in St. Petersburg gebaut und anschließend oft im Fernen Osten eingesetzt. 1896/97 wurde sie modernisiert und danach erneut im Fernen Osten verwendet, aber vor dem Russisch-Japanischen Krieg zur Ostseeflotte verlegt. Als Teil des 3. Pazifischen Geschwaders wurde Vladimir Monomakh zusammen mit Küstenpanzerschiffen und Schiffen, die ähnlich wie Vladimir Monomakh selbst total veraltet waren, zur Verstärkung des 2. Pazifischen Geschwaders in den Pazifik verlegt. Nach den beide Geschwader vereinigt wurden, trafen sie am 27.5.1905 bei Tsushima auf die japanische Flotte und wurden fast vollständig vernichtet. Vladimir Monomakh wurde während der Schlacht zur Sicherung der Versorgungsschiffe verwendet und entging so schweren Beschädigungen. In der Nacht wurde sie allerdings von einem japanischen Torpedoboot mit einem Torpedo schwer beschädigt. Am folgenden Morgen des 28.5.1905 ergab die Besatzung sich den Japanern, konnte aber – je nach Quelle – wegen der Beschädigungen nicht gehalten werden oder wurde selbst versenkt.

Bausatz

Kombrig stellt Vladimir Monomakh im Zustand der Schlacht von Tsushima da, also mit modernisierter Bewaffnung und stark reduzierter Takelage.

Die Abmessungen sind korrekt wiedergegeben. Der Rumpf ist sehr schön gegossen. Das Back- und Achterdeck inklusive der Deckstrukturen mittschiffs liegt als Extrateil bei, was eine gute Darstellung dieser noch stark an die früheren Fregatten erinnernde Form ermöglichen sollte. Die Geschützöffnungen sind nicht geschlossen dargestellt und die Treppen sind als typische Atztekentempeltreppen dargestellt. Für die Galerie liegt eine geschlossene Reling bei, während das Original eine offene Reling hatte. Diese war allerdings anders gestaltet als die sonstigen Relings (siehe die Zeichnung in der Anleitung).

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Die Aufbauten bestehen im Wesentlichen nur aus den Schornsteinen, Lüftern und Kompassplattform und der Brücke. Diese Teile sind gut gegossen, hervorzuheben sind die oben offenen Schornsteine. Auch die Masten, Bootshalterungen und Davits sind aus Resin gegossen. Die Masten sind bei meinem Exemplar verbogen. Ob die Bootshalterungen verwendbar sind, d.h. von den Gießästen getrennt werden können, muss sich zeigen. Die Davits finde ich recht gut gelungen. Es liegen zwei gut gemachte Anker bei (fehlt hier bei meinem Exemplar ein Gießast?). Auf den Zeichnungen sind aber vier zu erkennen, jeweils ein Anker und ein Reserveanker auf jeder Seite. Auf den Photos wirken die Reserveanker etwas kleiner.

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Es liegen drei 15,2 cm Geschütze mit Schutzschild und acht ohne bei, deren Darstellung gut ist. Benötigt wird eines mit Schutzschild (das Jagdgeschütz auf dem Bug) und vier ohne Schutzschild (in den vier Schwalbennestern). Die vier 12 cm Geschütze, die sich mittschiffs befanden, sollen laut Anleitung ebenfalls mit den 15,2 cm Geschützen dargestellt werden. Diese Geschütze ähneln sich zwar, aber es empfiehlt sich doch vier 12 cm Geschütze der richtigen Größe selbst herzustellen. Zwei weitere 12 cm Geschütze befanden sich achtern in der Kapitänskabine, so dass nur deren Rohre dargestellt werden müssen. Es liegen zwölf gute 4,7 cm Hotchkiss-Schnellfeuergeschütze bei. Benötigt werden allerdings 14, die auch keine Schutzschilde hatten. Die 4,7 cm Geschütze waren wie folgt angeordnet: zwei auf der Back, je eines über jedem Schwalbennest (vorne am vorderen Ende, achtern am achteren Ende), sechs mittschiffs auf dem Oberdeck (die Schießscharten sind geschlossen angedeutet) und zwei ganz achtern auf dem Achterdeck. Dazu kommen noch zwei in den vorderen beiden Schießscharten unter dem Backdeck, von denen nur die Rohre sichtbar wären. Vier weitere 3,7 cm Geschütze fehlen komplett. Diese waren über den 15,2 cm Schwalbennestern jeweils am mittschiffigen Ende positioniert. Die beiden 6,35 cm Landegeschütze konnten am vorderen Ende des Achterdecks aufgestellt werden.

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Benötigt werden zehn Boote. Bei meinem Exemplar fehlt ein Gießast (der unterste auf dem Photo), der wohl zwei Mal vorhanden sein sollte. Die beiden Booten auf dem diesem Gießast hängen an einem gemeinsamen Davit achtern, wobei dieser nicht beiliegt und die Anleitung sich darüber ausschweigt wie man diesen darstellen soll. Wie man auf dem Deckbild erkennen kann, ist die eigentliche Konstruktion sehr einfach – nur wie die beiden Booten aufhängen?

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Anleitung

Die Anleitung besteht aus einem Profil und Aufsicht der Vladimir Monomakh 1905, einem kurzen russisch- und englisch-sprachigen Lebenslauf, russisch-sprachigen technischen Daten und beidsprachigen Bemalungshinweisen für den Zustand von 1905 – als sie einen schwarzen Rumpf mit gelben Schornstein hatte. Dazu kommt ein Übersichtsphoto mit allen Teilen, die aber nicht vollständig den beiliegenden Teilen entsprechen. Z.B. wurden offensichtlich die offenen 15,2 cm Geschütze später verbessert, da die beiliegenden Teile deutlich besser sind, als die abgebildeten. Die eigentliche Bauanleitung besteht aus einer Explosionszeichnung, die in vielen Punkten leider sehr unklar ist. Mit Hilfe des Profils und der Aufsicht sollte aber ein Zusammenbau möglich sein.

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Möglicher Umbau in den ursprünglichen Zustand

Obwohl die Vladimir Monomakh 1896/97 modernisiert wurde, dürfte ein Rückbau in den ursprünglichen Zustand mit Vollschiffstakelage nicht sehr kompliziert sein – abgesehen von der Takelage selbst. Empfehlenswert ist hier "Krejser Vladimir Monomakh" von Sergej Suliga, was neben Skizzen für die einzelnen Bauzustände und die Positionierung der Bewaffnung, auch einen großen Plan des ursprünglichen Zustands in der Heftmitte enthält. Neben der Vollschiffstakelage muss der Bug für das Bugsprit leicht modifiziert werden und die Aussparung für das 15,2 cm Jagdgeschütz wieder geschlossen werden. Dazu gibt es kleinere Modifikation der Aufbauten um die Schornsteine, die Modifikation der (versenkbaren) Schornsteine selbst und der Kommandoturm vor dem vorderen Schornstein muss entfernt werden. Dazu muss die Bewaffnung modifiziert werden. Die vier 20,3 cm Geschütze befanden sich in den Schwalbennestern. Acht 15,2 cm Geschütze befanden sich mittschiffs auf dem Oberdecks zwischen den Schwalbennestern und je zwei vorne unter der Back bzw. achtern in der Kapitänskajüte. Hier sollte man sich Bilder der Geschütze besorgen, da die Lafetten stark von denen von 1905 unterschieden.

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Ein leichterer Umbau ist der in den Zustand um 1900. Auf der Zeichnung oben (Skizzen aus Krejser Vladimir Monomakh) ist links der Zustand 1885 und rechts der Zustand von 1897 abgebildet. Die Einfügungen rechts zeigen den Zustand von 1905. Um 1900 hatte Vladimir Monomakh einen weißen Tropenanstrich und noch drei Masten - wie auch auf dem Deckelbild zu sehen. Es muss hierfür einfach der Großmast, dessen Stumpf 1905 nur noch als Scheinwerferplattform diente, ergänzt werden.

Quellen

  • Krejser Vladimir Monomakh, Naval-Monografija 1, Sergej Suliga, Moskau, 1994
  • Die russischen Kriegsschiffe 1856-1917, Band II Fregatten, Panzerkreuzer, Korvetten, Geschützte Kreuzer von Bernhard Gomm, Wiesbaden, 1991
  • Conway’s All the World Fighting Ships 1860-1905 von Roger Gardiner (Herausgeber), London, 1979

Fazit

Kombrig hat hier einen sehr schöner Bausatz dieses wegen seiner altertümlichen Formen auffälligen Kreuzers herausgebracht. Der einzige Wermutstropfen sind die fehlenden 12 cm Geschütze und die fälschlicherweise mit Schutzschild ausgestatteten 4,7 cm Geschütze. Trotzdem ist der Bausatz

alt empfehlenswert

Lars

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Modell: Ryurik II
Hersteller: Kombrig
Maßstab: 1/700
Art. Nr.: 70213
Material: Resin
Preis: 32,3 €

Original

Die in Großbritannien gebaute russische Ryurik II – der erste Panzerkreuzers dieses Namens wurde 1904 versenkt – gehört zu den besten Panzerkreuzern, die je gebaut wurden. Allerdings wurde sie nur kurz vor dem ersten Schlachtkreuzer – HMS Invincible – fertig gestellt und war damit praktisch bei Fertigstellung bereits veraltet. Die Hauptartillerie bestand hier wie bei zeitgenössischen britischen Panzerkreuzern aus zwei verschiedenen Kalibern, war aber komplett in gut gepanzerten Türmen untergebracht. Dazu kam eine mittlere Artillerie aus 12 cm Geschützen, die in Kasematten auf dem Oberdeck und am Heck untergebracht waren. Diese Batterie war auch zur Torpedobootabwehr vorgesehen, weshalb auch auf die übliche große Anzahl leichter Geschütze fast vollständig verzichtet wurde. Dies war ein deutlicher Vorteil im Vergleich zu zeitgenössischen britischen Panzerkreuzern, die nur über die schwere Artillerie und sehr leichte und damit wirkungslose Torpedoabwehrgeschütze verfügten. Die Panzerung der Ryurik war im Vergleich zu zeitgenössischen Panzerkreuzern ebenfalls gut.

Ryurik II war 161,24 m lang und 22,86 m breit. Bei einer Verdrängung von 16933 bis 17670 ts (je nach Quelle) hatte sie einen Tiefgang von 8,74 m. Bei Probefahrten erreichte sie bei 20675 PS eine Dauergeschwindigkeit von 21,58 kn.

Bewaffnung 1907
4 x 25,6 cm L/50 (zwei Zwillingstürme)
8 x 20,3 cm L/50 (vier Zwillingstürme)
20 x 12 cm L/50
4 x 4,7 cm
8 x 7,62 mm MGs
2 x 45,7 cm Torpedorohre

Ryurik II wurde von 1905-1907 bei Vickers in Barrow gebaut, aber nach einer Maschinenhaverie bei den Probefahrten und Problemen bei den Türmen erst 1909 in Dienst gestellt. Im Ersten Weltkrieg wurde sie meist als Flaggschiff der russischen Kreuzer eingesetzt, blieb aber trotz der Überlegenheit im Vergleich zu den deutschen Schiffen der Ostseeflotte erfolglos. Im Gegenteil wurde Ryurik II mehrfach schwer beschädigt. Am 13.2.1915 lief sie bei Färo auf Grund, am 2.7.1915 wurde sie von dem deutschen Panzerkreuzer Roon im Gefecht vor Östergarn beschädigt und am 19.11.1916 lief sie auf eine von dem deutschen U-Boot UC 27 gelegten Mine. Im Oktober 1918 wurde Ryurik II außer Dienst gestellt und in Kronstadt aufgelegt. 1924 wurde sie schließlich abgewrackt.

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Modell: Monmouth
Hersteller: Kombrig
Maßstab: 1/700
Art. Nr.: 70244
Material: Resin, Ätzteile
Preis: 35,8 €

Original

Die Monmouth war das Typschiff einer Klasse von britischen Panzerkreuzern, die als Kreuzer 1. Klasse klassifiziert waren. Diese Klasse stellte eine verkleinerte Version der Drake-Klasse dar, um höhere Stückzahlen bauen zu können. Dies wurde als notwendig gesehen, um die Handelsrouten vor der zunehmenden Zahl von französischen und russischen Panzerkreuzern schützen zu können. Im Vergleich zur Drake-Klasse wurden auf 23,4 cm Geschütze verzichtet und stattdessen zwei 15,2 cm Zwillingstürme montiert. Auch wurde die Zahl der 15,2 cm Geschütze in den Kassematten um sechs reduziert und die Dicke der Panzerung vermindert. Dadurch konnte die Größe und Kosten der Schiffe vermindert werden, wobei es gelang die hohe Geschwindigkeit der Drake-Klasse beizubehalten. Erkauft wurde dies durch das Fehlen einer schweren Artillerie und einer schwachen Panzerung. Die Klasse war sehr seetüchtig, allerdings konnten die sechs 15,2 cm Geschütze auf dem Hauptdeck bei hohen Wellengang – wie während der Schlacht bei Coronel - nicht eingesetzt werden. Auch stampften die Schiffe wegen der feinen Rumpflinien am Bug stark. Insgesamt wurden von dieser Klasse zehn Schiffe (Kent, Donegal, Bedford, Monmouth, Berwick, Essex, Lancaster, Suffolk, Cornwall, Cumberland) gebaut.

Die Monmouth war 141,3 m lang und 20,1 m breit. Mit einer Verdrängung von 9800 ts hatte sie einen Tiefgang von 7,6 m. Ihre Dampfmaschinen leisteten 22 000 PS, womit sie etwas weniger als 23 kn schnell war.

Bewaffnung 1914
14 x 15,2 cm (zwei Zwillingstürme, zehn in Kassematten)
10 x 7,62 cm (12-Pfünder)
3 x 4,7 cm (3-Pfünder)
2 x 45,7 cm Torpedorohre (Unterwassertorpedorohre)

Die Monmouth wurde zwischen 1899 und 1901 von London & Glasgow in Glasgow gebaut und als Einheit der Kanalflotte in Dienst gestellt. 1906-13 war sie in China eingesetzt. 1913 wurde sie zurück zur 3. Flotte verlegt und bei Kriegsausbruch im Mittelatlantik eingesetzt. Von dort wurde sie zu den Einheiten von Admiral Cradock im Südatlantik verlegt, um das deutschen Kreuzergeschwader unter von Spee abzufangen. Am 1.11.1914 trafen das britische Geschwader – die Panzerkreuzer Good Hope und Monmouth, der Leichte Kreuzer Glasgow und der Hilfskreuzer Otranto – auf das deutsche Kreuzergeschwader, das aus den Panzerkreuzern Scharnhorst und Gneisenau sowie den Geschützten Kreuzern Leipzing, Nürnberg und Dresden bestand. Die Monmouth konnte wegen dem schweren Seegang nur sechs von möglichen neun 15,2 cm Geschützen auf einer Seite zum Einsatz bringen und die Besatzung war schlecht ausgebildet. Entsprechend wurde sie nach kurzer Zeit von dem stärkeren deutschen Panzerkreuzer Gneisenau schwer beschädigt. Obwohl es Monmouth gelang die deutschen Panzerkreuzer abzuschütteln, wurde sie von dem kleinen Kreuzer Nürnberg aufgespürt und durch Geschützfeuer versenkt. Niemand der Besatzung der Monmouth überlebte, auch das Flaggschiff Good Hope ging mit der gesamten Besatzung verloren.

Bausatz

Kombrig hat 2006 bisher mehrere Bausätze dieser Klasse herausgebracht: Monmouth, Kent und Cornwall. Mir liegt nur der Bausatz der Monmouth vor, aber so weit ich es beurteilen kann, zeigen alle diese Bausätze den Zustand bevor die 15 cm Geschütze aus den unteren Kassematten 1917 auf das Oberdeck verlegt wurden. Also einen Zustand unmittelbar bei Indienststellung oder den Zustand etwa 1914. Monmouth wird etwa im Zustand von 1914 dargestellt, d.h. am Fockmast ist das Krähennest zum Feuerleitstand erweitert worden. Leider ist mir nicht bekannt, wann dieser kleine Umbau erfolgte, aber nach den Photos zu urteilen, war es wenige Jahre nach Indienststellung vor 1910.

Der Rumpf ist vollkommen eben und schön detailliert. Die Abmessungen sind weitgehend korrekt, der Rumpf ist nur etwas zu breit. Die Kassematten sind geschlossen dargestellt.

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Da diese Schiffe keine großen Aufbauten hatten, ist die Anzahl der Aufbauteile überraschend. Kombrig stellt die Teile ohne größere Unterschneidungen dar, weshalb es diverse Decksteile und Teile der Belüftung an den Schornsteinen gibt, die andere Hersteller an den Rumpf angießen würden. Die Qualität ist aber erneut gut. Die Schornsteine sind z.B. oben aufgebohrt.

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Auch die Boote sind gut detailliert und die Davits erstaunlich dünn. Ob es gelingt diese intakt zu montieren, wird eine spannende Frage. Wie sie in dieser Verpackung nicht zerbrochen sind, ist sowieso ein Rätsel.

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Bei den Geschützen fallen besonders die filigranen 7,62 cm (12-Pfünder) positiv auf:

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Kombrig stellt diese als Resinteile dar, so dass sie dreidimensional sind und nicht als Ätzteile, die bei solchen Teilen nicht überzeugen können.

Dazu kommen noch diverse Kleinteile, die diverse Hersteller größtenteils ebenfalls direkt an den Rumpf angießen würden:

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Die Teile für die Masten sollte man lieber durch Metallteile ersetzen.
Auch diesem Bausatz legt Kombrig wieder Ätzteile bei:

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Man findet z.B. die Bootslagerungen, Sailinge, Unterbau der Brücke, also Teile, für die sich Ätzteile anbieten, aber auch die Ankerketten, die als Ätzteil nicht optimal dargestellt werden können.

Anleitung

Die Anleitung besteht wieder aus einer Seitenansicht und Aufsicht, wenige englische Angaben zur Geschichte und den technischen Daten des Vorbilds, einer Teileübersicht und Explosionszeichnungen für den Zusammenbau. Letztere zeigen zwei verschiedene Baustufen und der Zusammenbau einzelner Teile ist herausgezeichnet. Dies macht die Anleitung schon übersichtlicher, aber die genaue Positionierung vieler Teile kann immer noch nur mit Hilfe der Zeichnung Seitenansicht und Aufsicht erfolgen.

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Zu dem Anstrich gibt es keinerlei Angaben. Monmouth hatte bei den Probefahrten noch einen typischen victorianischen Anstrich mit schwarzem Rumpf, weißer Back und Aufbauten und gelben Schornsteinen. Wahrscheinlich war der Rumpf bei der Indienststellung schon in einem mittleren Grau gestrichen. Vor dem Ersten Weltkrieg hatte sie teilweise Ringe an den Schornsteinen, z.B. an jedem Schornstein einen farbigen (?) bzw. nur zwei weiße Ringe am vordersten Schornstein. Wahrscheinlich hatte Monmouth beim Einsatz in China einen Tropenanstrich. Zum Zeitpunkt der Versenkung war sie mittelgrau über alles, die Holzdecks waren unbemalt und die nicht beplankten Aufbautendecks mit Corticene belegt, das dunkelbraun gefärbt war. Die Bootsdecks könnten aber auch ohne Belag und dunkelgrau gestrichen gewesen sein. Die Oberseite der Basis der Schornsteine war eventuell schwarz gestrichen. Die Rümpfe der Boote hatten die gleiche Farbe wie der Rumpf.

Quellen

  • Conway’s All the World Fighting Ships 1860-1905 von Roger Gardiner (Herausgeber), London, 1979
  • Cruisers of the Royal and Commenwealth Navies von Douglas Morris, Liskheard, 1987
  • Cruisers in Camera von Roger Hayward, Thrupp, 2000
  • HMS "MONMOUTH" 1903-1914

Fazit

Es ist sehr erfreulich, dass Kombrig damit begonnen hat, auch Kreuzer aus dem Ersten Weltkrieg und insbesondere die bekannte HMS Monmouth herauszubringen. Noch erfreulicher ist, dass die Bausätze qualitativ sehr gut sind. Der Bausatz ist allerdings erstaunlich komplex, so dass er nicht unbedingt für den Einstieg bei Resin-Bausätzen und Ätzteilen geeignet sein dürfte. Für Fortgeschrittene ist die Monmouth von Kombrig

SEHR EMPFEHLENSWERT

Lars

Deckelbild

Modell: Scharnhorst
Hersteller: Kombrig Maßstab: 1/700
Art. Nr.: 70257
Material: Resin, Ätzteile
Preis: 43,0 €

Original

Die Scharnhorst war das Typschiff der vorletzten Panzerkreuzer-Klasse der Kaiserlichen Marine und war wie alle Panzerkreuzer als Großer Kreuzer klassifiziert. Diese Klasse war eine Weiterentwicklung der Roon-Klasse und ähnelte dieser rein äußerlich auch sehr. Allerdings wurde bei der Scharnhorst-Klasse die Zahl der schweren Geschütze verdoppelt, die Panzerung verstärkt und die Geschwindigkeit erhöht. Dies machte auch eine deutliche Vergrößerung des Rumpfs nötig. Diese Verbesserungen gegenüber den Vorgängerklassen änderte aber nichts daran, dass auch diese Klasse deutscher Panzerkreuzer im Vergleich zu zeitgenössischen Klassen anderer Marinen nicht gut abschnitt. Nur die Hälfte der Hauptbewaffnung befand sich in Türmen, während der Rest in Kassematten stand, was auch noch eine Reduktion der Mittelartillerie im Vergleich zu den Vorgänger-Klassen nötig machte. Die Klasse veraltete auch sehr schnell, da kurz nach der Fertigstellung der beiden Schiffe die ersten britischen Schlachtkreuzer der Invincible-Klasse in Dienst kamen. Diese waren zwar ähnlich schwach gepanzert, aber deutlich stärker bewaffnet (30,5 cm statt 21 cm Geschütze) und auch deutlich schneller (25,5 kn statt 23,5 kn). Entsprechend wurden beide Schiffe der Scharnhorst-Klasse nach Südostasien verlegt, da sie für den Dienst mit der Schlachtflotte nicht geeignet waren.

Die Scharnhorst war 144,6 m über alles lang und 21,6 m breit. Mit einer Verdrängung von 12985 t hatte sie einen Tiefgang von 8,4 m. Mit ihren drei Dreifachexpansionsdampfmaschinen und drei Schrauben erreichte sie mit 28783 PS bei den Probefahrten 23,5 kn.

Bewaffnung 1907
8 x 21 cm L/40 (zwei Zwillingstürme, vier in Kassematten)
6 x 15 cm L/40
18 x 8,8 cm L/35
4 x 45 cm Torpedorohre (Unterwassertorpedorohre, 1 Bug, 1 Heck, 2 Seiten)

Die Scharnhorst wurde zwischen 1905 und 1907 bei Blohm & Voß in Hamburg gebaut. Nach einer kurzen Zeit als Flaggschiff der Aufklärungsschiffe wurde sie 1909 nach Südostasien verlegt, wo sie als Flaggschiff des Kreuzergeschwaders Dienst tat. Diese Funktion behielt sie auch nach Kriegsausbruch bei. Das sich zu diesem Zeitpunkt in Ponape, Karolinen befindliche Geschwader kehrte nicht in den Heimathafen Tsingtau zurück, der bald darauf von den Japanern belagert und erobert werden sollte, sondern überquerte den Pazifik und traf sich dort mit den Kleinen Kreuzern, die in Amerika stationiert waren. Von der Westküste Südamerikas aus, wollte das Kreuzergeschwader – jetzt aus den Panzerkreuzern Scharnhorst und Gneisenau sowie den Geschützten Kreuzern Leipzig, Nürnberg und Dresden bestehend - unter Admiral Graf Spee nach Deutschland durchbrechen. In der Schlacht von Coronel am 1.11.1914 konnte ein unterlegenes britisches Geschwader (Panzerkreuzer Good Hope und Monmouth, Leichter Kreuzer Glasgow, Hilfskreuzer Otranto) geschlagen werden, wobei die Scharnhorst den älteren und schwächer bewaffneten britischen Panzerkreuzer Good Hope versenkte. Am 8.12.1914 wurde aber das Kreuzergeschwader bei einem Angriff auf den Stützpunkt Port Stanley auf den Falklands von einem überlegenen britischen Verband, dem die Schlachtkreuzer Invincible und Inflexible, die Panzerkreuzer Kent, Cornwall und Carnavon und die Leichten Kreuzer Bristol und Glasgow angehörten, überrascht. Im folgenden Gefecht versenkten Invincible, Inflexible und Carnavon die beiden deutschen Panzerkreuzer, während Kent die Nürnberg und Glasgow und Cornwall die Leipzig vernichteten. Nur die Dresden konnte vorerst entkommen. Scharnhorst ging mit der gesamten Besatzung – 880 Mann – unter.

Bausatz

Kombrig stellt die Scharnhorst im Zustand zwischen der Indienstellung und 1912 dar. Der Rumpf hat die richtige Länge, ist aber etwas zu schmal. Die Form ist korrekt wiedergegeben, auch die Gussqualität ist sehr gut.

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Man beachte auch die Wiedergabe des beplankten Vor- und Achterschiffs und des mit Linolium belegten Decks mittschiffs. Sehr gut ist hier auch, dass für die Schornsteine und die Unterbauten der Masten Vertiefungen vorhanden sind, die die Positionierung erleichtern.

Auch die Aufbauten und die Schornsteine sind gut detailliert, man beachte besonders die Lüfter.

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Bei den Schornsteinen fehlen allerdings die Dampfrohre, die auf der Skizze in der Anleitung erkennbar sind. Für die genaue Positionierung sollte man Photos zu Rate ziehen. Es bleibt abzuwarten, wieviel Schleifarbeit notwendig ist, um die Schornsteine auch in die vorgesehenen Vertiefungen positionieren zu können.

Die Bewaffnung ist detailliert dargestellt. Die 21 cm- Zwillingstürme sind sehr gut gelungen und auch die Resinrohre sind erstaunlich gut. Bemerkenswert ist die Darstellung der 8,8 cm Torpedobootsabwehrgeschütze. Es gibt jeweils ein Resinteil für Lafette und Rohr sowie ein geätztes Schutzschild (Ausnahme die beiden Geschütze auf den Brückennocks und die Geschütze in den Kasematten vorne und achtern).

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Die Boote sind korrekt dargestellt, es fehlt allerdings eine Barkasse. Auch in der Teileübersicht gibt es nur eines der größten geruderten Boote, aber in der Aufsicht in der Anleitung ist ein zweites abgebildet, was auch auf Photos erkennbar ist. Im Gröner sind aber nur elf Boote angegeben. Ob es tatsächlich zwölf Boote waren oder ob eines der kleineren Typen überzählig ist, konnte ich nicht feststellen.

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Hier noch restliche Teile, wie Scheinwerfer, Kompasse, Anker und Bootskräne. In der Teileübersicht ist einer der Spritzlinge zwei Mal abgebildet, aber er ist nur ein Mal im Bausatz vorhanden. So weit ich es anhand der Anleitung überprüfen konnte, braucht man aber tatsächlich diesen Spritzling nur ein Mal.

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Es ist erstaunlich, dass hier alle Teile noch intakt sind, obwohl sie gemeinsam in einer Tüte verpackt waren. Die Spieren und Rahen für die Masten aus Resin sollte man besser durch Metallteile ersetzen. Die Resinteile sind teilweise auch verbogen, aber auf jeden Fall beim Takeln suboptimal.

Kombrig hat auch hier wieder Ätzteile beigelegt. Neben den schon erwähnten geätzten Schutzschilden für die 8,8 cm Geschütze ist das Bugwappen, die Salinge und die Abstützungen für das Brückendeck und die Galerie besonders erwähnenswert. Nur die geätzten Flaggstengen und Ankerketten finde unangebracht, da diese Teile geätzt einfach zu flach wirken.

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Anleitung

Die Anleitung besteht aus russischen Angaben zur Geschichte und den technischen Daten, einer Aufsicht und einer Seitenansicht, einer Teileübersicht und einer Explosionszeichnung. Bei der Explosionszeichnung sind einzelne Bauabschnitte herausgezeichnet, was den Zusammenbau sicher erleichtert. Die Zuordnung der zahlreichen Kleinteile bleibt aber alles andere als trivial.

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Angaben zum Anstrich der Scharnhorst fehlen komplett. Man kann entweder den Standardanstrich oder den Tropenanstrich verwenden. Der graue Standardanstrich, den Scharnhorst vor der Verlegung nach Ostasien (und wahrscheinlich wieder ab 1912) hatte, setzt sich aus einem mittelgrauen Rumpf (etwa Humbrol 165) und hellgrauen Aufbauten (etwa Humbrol 129) zusammen. Bei Tropenanstrich war der Rumpf weiß und alles darüber in einem gelblichen Ocker. Dieser Anstrich ist auf dem Deckelbild zu sehen. Die Farbe der Aufbauten war auch auf den Dächern der Mastkörbe und der Lüfter, sowie den Decken der Kommandotürme und der 21 cm Zwillingstürme zu finden. Die beplankten Decks waren in jedem Fall holzfarben, das Deck mittschiffs und auf den Aufbauten war mit Linoleum belegt (Revell 83). Der stählerne Bereich unter den Ankern war wahrscheinlich dunkelgrau gestrichen.

Wenn man die Scharnhorst im Zustand von 1914, z.B. während der Schlacht von Coronel oder Falkland darstellen will, sind diverse Veränderungen nötig. Ab 1912 waren die Scheinwerfer anders angeordnet. Die Scheinwerferplattformen bei den Bootskränen wurden entfernt. Dafür wurde ein Scheinwerfer auf dem Vormars aufgestellt, zwei über den Brückennocks und auf dem Dach des Mastkorbs am Großmast waren zwei Scheinwerfer schräg versetzt statt einem montiert. 1914 wurde noch ein Fleckerstand (Artilleriebeobachtungsstand) am Fockmast angebracht.

Quellen

  • Alte deutsche Panzerkreuzer von Siegfried Breyer, Marine Arsenal Sonderheft Band 10, 1995
  • Les croiseurs cuirasses Scharnhorst et Gneisenau von Philippe Caresse, in Navires & Histoires 16, Outreau, 2003
  • The Kaiser’s Pirates. German Sufrace Raiders in World War One von John Walter, London, 1994
  • Die deutschen Kriegsschiffe 1815-1945, Band 1 von Erich Gröner, Dieter Jung, Martin Maass, Bonn, 1982
  • Die Schiffe der Kaiserlichen Marine 1914-1918 und ihr Verbleib von Dieter Jung, Bonn, 2004
  • Conway’s All the World Fighting Ships 1860-1905 von Roger Gardiner (Herausgeber), London, 1979
  • Kriegschiffe von 1900 bis heute, Köln, 1979
  • Die Großen Kreuzer Kaiserin Augusta bis Blücher von Gerhard Koop/Klaus-Peter Schmolke, Bonn, 2002
  • Vom Original zum Modell: Große Kreuzer Kaiserin Augusta bis Blücher von Gerhard Koop/Klaus-Peter Schmolke, Boon, 2002
  • www.deutsche-schutzgebiete.de
  • www.kreuzergeschwader.de
  • www.histarmar.com.ar

Fazit

Dieser Bausatz der Scharnhorst vom Kombrig ist zwar ein sehr komplexer Bausatz und deshalb nicht für Anfänger geeignet, aber für Fortgeschrittene ist er

alt SEHR EMPFEHLENSWERT

Lars


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Modell: USS Baltimore cruiser, 1890
Hersteller: Kombrig
Maßstab: 1/700
Art. Nr.: 70094
Material: Resin
Preis: 32,3 €

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Modell: USS Chicago cruiser, 1898 fit
Hersteller: Kombrig
Maßstab: 1/700
Art. Nr.: 70093
Material: Resin
Preis: 32,3 €

Original

Nach einer Periode des Niedergangs und der Vernachlässigung, versuchte die US-Marine Anfang der 1880er Jahre den Neuanfang. Die ersten Schiffe dieser "New Navy" waren die ABCD-Schiffe: der Aviso Dolphin und die Geschützten Kreuzer Atlanta, Boston und Chicago. Chicago wurde als letztes in Auftrag gegeben und war das Schiff, was am ehesten dem Ziel, einen Kreuzer, der zum Handelskrieg fähig war, zu bauen, nahe kam. Wie die anderen drei Schiffe war aber auch Chicago bereits bei der Auftragsvergabe veraltet. Ihre Maschine entsprach in keinster Weise dem damaligen technischen Stand, das dünne Panzerdeck schützte nur die Maschinen sowie die Magazine und der Großteil der Bewaffnung stand in Stückpforten auf dem Hauptdeck. Sie erhielt noch eine Barktakelung. Das Ergebnis war ein langsamer, schlecht geschützter Kreuzer. Ihr Entwurf bildete trotzdem die Grundlage für zwei weitere, ähnliche, aber bessere Geschützte Kreuzer: Newark und San Francisco.

Chicago war 104,29 m lang und 14,7 m breit. Ihr Tiefgang betrug 5,79 m und ihre Verdrängung voll beladen 4864 ts. Ihre ursprünglichen Maschinen leisteten 5084 PS, womit bei den Probefahrten 15,4 Knoten erreicht wurden. 1898 erhielt sie neue Maschinen, die 9000 PS leisteten, womit sie 18 Knoten langsam war.

Bewaffnung 1889
4 x 20,3 cm L/30
8 x 15,2 cm L/30
2 x 12,7 cm L/30
2 x 5,7 cm
4 x 4,7 cm
2 x 3,7 cm
2 Gatling-MGs

Bewaffnung 1898
4 x 20,3 cm L/35
14 x 12,7 cm L/40
9 x 4,7 cm (?)

Bewaffnung 1910
8 x 12,7 cm L/40
4 x 10,2 cm L/40

Bewaffnung 1916
12 x 10,2 cm
9 x 4,7 cm

Bewaffnung 1918
4 x 12,7 cm L/50
2 x 7,62 cm

Chicago wurde zwischen 1883 und 1889 bei John Roach & Sons in Chester gebaut und wurde im Atlantik eingesetzt, u.a. als Flaggschiff des Nordatlantik-Geschwaders und des Europa-Station. Am 1.5.1895 wurde sie in New York außer Dienst gestellt. In Reserve wurde sie modernisiert. Die Segeltakelage inklusive Großmast und Bugspriet wurde entfernt, die Maschine gegen eine modernere ausgetauscht, höhere Schornsteine eingebaut und die Bewaffnung wurde verbessert.

Am 1.12.1898 wurde sie wieder in Dienst gestellt – zu spät, um noch am Spanisch-Amerikanischen Krieg teilnehmen zu können. Sie wurde erneut im Atlantik, Karibik und Europa eingesetzt bis sie zwischen 3.12.1903 und 15.8.1904 für Reparaturen in Boston wieder außer Dienst gestellt wurde. Im November 1904 wurde sie zum Pazifik-Geschwader verlegt, dessen Flaggschiff sie zeitweise war. Chicago wurde zur Hilfe für das durch das Großen Erdbeben am 18.4.1906 und ein anschließenden Großband verwüstete San Francisco abgeordnet und war an der Evakuierung von 20 000 Bewohner beteiligt. Am 27.8.1908 wurde sie erneut außer Dienst gestellt und der Reserve zugeteilt. Vom 14.5. bis 28.8.1909 wurde sie für Übungen kurzfristig wieder aktiviert, war danach aber wieder Teil der Reserve, wofür sie zurück an die Ostküste verlegt wurde. Ab dem 23.1.1910 war sie Teil der Massachusettes Naval Militia, ab dem 26.4.1916 Teil der Pennsylvania Naval Militia.

Am Tag des Eingreifens der USA in den Ersten Weltkrieg, dem 6.4.1917, wurde Chicago wieder in Dienst gestellt und als Flaggschiff der U-Boote im Atlantik eingesetzt. Nach dem Krieg wurde sie am 10.7.1919 als Flaggschiff der Kreuzer-Division 2 in den Pazifik verlegt. Ab Dezember 1919 wurde sie erneut Flaggschiff eines Uboot-Geschwaders und – besser zu ihrem Zustand passend – in Pearl Harbor als Tender eingesetzt. 1920 wurde sie als CA-14 klassifiziert, 1921 als CL-14. Am 30.9.1923 erfolgte die endgültige Außerdienststellung. Sie blieb als Wohnschiff in Pearl Harbor, wo sie am 16.7.1928 in Alton umbenannt und als IX-5 umklassifiziert wurde. Am 15.5.1936 wurde sie zum Abwracken verkauft, sank aber im Juli auf der Fahrt von Honolulu zu ihrem geplanten Abwrackort San Francisco.

Bausatz

Kombrig stellt die Chicago nach dem ersten Umbau, bei der die Segeltakelage samt Großmast entfernt und die Maschine sowie die Bewaffnung modernisiert wurde, dar, also im Zustand zwischen 1898 und etwa 1910.

Der Rumpf entspricht von den Abmessungen und der Form dem Original. Der Rumpf ist weitgehend vollständig, es müssen lediglich Lüfter, ein paar Winden und wenige Teile für die Aufbauten noch montiert werden. Die Detaillierung ist gut. Eine Bugzier fehlt. Vor dem Umbau hatte sie eine einfache, Wappen-artige Bugzier, einige Zeit nach dem Umbau erhielt sie eine aufwendigere Verzierung. Allerdings war es mir nicht möglich festzustellen, wann diese an Bord kam – es gibt Photos, auf denen sie nicht zu sehen ist.

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Die Aufbauten bestehen im Endeffekt nur aus den beiden Decks über den 20,3 cm-Geschützen und den beiden Schornsteinen. Dazu kommen noch verschiedene Größen von Lüftern, Davits, Bootshalterungen, Scheinwerfer, Anker etc. Die Resin-Masten sowie die Dampfrohre für die Schornsteine sind teilweise stark verbogen und sollten besser durch Metallteile ersetzt werden. Zumindest zeitweise hatte Chicago nach dem Umbau für das zweite und vierte Boot auf jeder Seite Fussball-Tor-artige Davits, während dem Bausatz nur die normalen beiliegen.

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Die Bewaffnung ist gut dargestellt. Man findet die 20,3 cm-Geschütze, die aus dem Rohr, Lafette und Schutzschild zusammengebaut werden sollen, die Rohre für die 12,7 cm-Geschütze auf dem Hauptdeck sowie eine Reihe von leichten Geschützen, wahrscheinlich 3-Pfünder (4,7 cm). Ich habe leider keine Angaben über die leichte Bewaffnung in diesem Bauzustand in der Literatur gefunden. Ausgehend von Photos wirken die neun 4,7 cm-Geschütze, die Kombrig in der Anleitung zeigt, realistisch. Es liegen sowohl mehr 12,7 cm-Rohre als auch 4,7 cm-Geschütze bei. Dies ist gut, da bei einem 4,7-Geschütz das Rohr abgebrochen war.

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Die Boote wirken recht gut, allerdings habe ich hier auch wenig in der Literatur gefunden. Der Schornstein eines der dampfgetriebenen Boote ist bei meinem Exemplar des Bausatzes abgebrochen.

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Der Umbau in eine frühe Variante mit Barktakelage dürfte nicht sehr aufwendig sein. Hierfür müssten Bugspriet und Großmast sowie die entsprechenden Rahe und Spieren ergänzt, die Schornsteine gekürzt und die meisten Lüfter weggelassen werden. Dazu hatten die 20,3 cm-Geschütze einfachere Schutzschilde – einfach eine schräg montierte Frontplatte. Die Rohre für die 15,2 cm- und 12,7 cm-Geschütze auf dem Hauptdeck müssten ergänzt werden. Anhand der Photos ist mir deren Verteilung aber unklar – es waren nur zehn statt der später 14-Geschütze. Eventuell blieb die Position hinter dem vorderen Schwalbennest oder dieses selbst leer und hinter dem achteren 20,3 cm-Geschütz war ebenfalls ein kleines Schwalbennest zu finden, in dem eventuell ein leichtes 5,7 cm-Geschütz stand. Dieses Schwalbennest wurde beim Umbau entfernt und durch eine einfache Stückpforte für ein 12,7 cm-Geschütz ersetzt. Die achterste Stückpforte war im ursprünglichen Zustand wohl mit einem 12,7 cm-Geschütz bestückt.

Für die späten Versionen bei den diversen Milizen sowie im Ersten Weltkrieg gibt es wenig Material. Es wurde wohl hauptsächlich die Bewaffnung verändert. 1918 waren es vier 12,7 cm auf der Position der 20,3 cm-Geschütze sowie zwei 7,62 cm-Flak auf dem Brückendeck.

Anleitung

Die Anleitung ist, wie meist bei Kombrig, recht spartanisch gehalten. Sie besteht aus englisch-sprachigen Angaben über die technischen Daten (die sich aber auf die ursprüngliche Version und nicht die dargestellte beziehen!) und den Lebenslauf, ein Profil und eine Aufsicht, einer Übersicht über die Teile sowie eine Explosionszeichnung.

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Wegen der wenigen Teile sollte der Zusammenbau trotzdem kein Problem sein. Nur bei den Lüftern gibt es ein Problem, da vier verschiedene Größen beiliegen – in der Anleitung diese aber nur schwer auszumachen sind. Die vier Lüfter neben dem vorderen Schornstein stehen enden auch oberhalb des Brückendecks – und nicht unter diesem, wie es die Anleitung will. Auch die die Konstruktion der beiden achteren Scheinwerferpositionen und die Aufstellung der Boote ist unklar – auf der Aufsicht sind auch vier weitere Boote zu sehen, die dem Bausatz gar nicht beiliegen. Ob diese beim Original vorhanden waren, konnte ich anhand der Photos nicht ausmachen.

Farbangaben fehlen vollständig. Nach dem Umbau hatte Chicago zwei verschiedene Formen von Tropenanstrichen: einmal ein vollständig weißer Rumpf. Lediglich die Schornsteine waren ocker und die Masten wohl in einem ähnlichen Braunton gehalten. Bei der andere Variante, die auch auf dem Deckelbild zu sehen ist, waren die Aufbauten und die Schanzkleider etwas oberhalb des Oberdecks ebenfalls ockerfarben gestrichen.

Quellen

Fazit

Der Bausatz der Chicago von Kombrig bietet insgesamt eine gute Grundlage für den Bau dieses damals schon sehr anachronistisch wirkenden Schiffs. Lediglich die minimalistische Anleitung dürfte Probleme verursachen. Insgesamt ist der Bausatz

alt EMPFEHLENSWERT


Lars