Museumsschiffe - Segel
In Hamburg kann man ein Auslegerboot besichtigen, das auf den Siassi-Inseln, nördöstlich von Papua Neuguinea, gebaut wurde. Dieses Boot war hochseetüchtig und wurde für Handelsfahrten zwischen den Inseln und Neuguinea gebaut. Der Hauptrumpf ist aus einem Baumstamm aufgebaut, der nach oben durch weitere Planken erweitert wurde. Das Boot wurde von der Hamburger Südsee-Expedition auf der Peiho 1908 "erworben".
Im Kelten Römer Museum in Manching werden zwei Wracks von römischen Schiffen aus der Zeit um 100 unserer Zeitrechnung ausgestellt: die Oberstimmer Römerschiffe benannt nach dem Fundort beim Kastel Oberstimm. Die Wracks wurden 1986 entdeckt, 1994 geborgen und in Mainz restauriert. Das besser erhaltene Schiff 1 war etwa 15,7 m lang, 2,7 m breit und und hatte wahrscheinlich 20 Ruderer. Dies war ein militärisches Schiff, entweder ein Patrouillenschiff oder ein Truppentransporter.
Weiterlesen: Kelten Römer Museum in Manching: Oberstimmer Römerschiffe
Die Lisa von Lübeck wurde 1999-2005 gebaut und soll von der Form her an ein spätmittelalterliches Handelsschiff der Hanse erinnern. Das Schiff ist kein Nachbau eines historischen Schiffs. Es ist auch mit einem Dieselantrieb ausgerüstet und kann für Ausflugsfahrten genutzt werden.
Die Viermastbark Peking wurde 1909-11 für die Reederei Laeisz als Frachtsegler gebaut und ist eines von noch vier erhaltenen Exemplaren der berühmten Flying P-Liner. Ihr Schwesterschiff Passat ist heute ein Museumsschiff in Travemünde (siehe Fotogalerien Teil 1, 2 und 3). Die beiden Schiffe wurden für den Transport von Salpeter aus Chile konzipiert und waren als reine Segelschiffe ohne Hilfsmotor ausgelegt. Die Peking wurde 1911-14 für den Salpetertransport eingesetzt sowie nach dem Ersten Weltkrieg 1923-32. Ab 1928 diente sie parallel auch zur Ausbildung. Während der Weltwirtschaftkrise wurde sie nach Großbritannien verkauft und bis 1974 in Rochester als stationäre Schulhulk Arethusa II genutzt. 1975 bis 2012 war die Viermastbark, wieder unter ihrem ursprünglichen Namen, Museumsschiff in New York. 2017 wurde Peking mit dem Dockschiff Combi Dock III nach Deutschland transportiert und bis 2020 in Wewelsfleth restauriert. Am 7. September 2020 kehrte die Peking nach Hamburg zurück und legte am jetzigen Hafenmuseum an (siehe Fotogalerie). Peking soll ab 2023 (?) der Mittelpunkt des geplanten Deutschen Hafenmuseums in Hamburg sein.
Die römische Flotte, u.a. die Classis Germanica (Germanische Flotte), setzte in der Spätantike für Grenzpatrouillen auf dem Rhein Lusorien (naves lusoriae) ein, geruderte Patrouillenschiffe. Beruhend auf dem Mainzer Typ A (siehe Fotogalerie), wurde im LVR-Archäologischer Park Xanten der Nachbau Quintus Tricensimanus erstellt. Dieser ist 17,6 m lang, 2,7 m breit und wurde von bis zu 26 Ruderern angetrieben.
Weiterlesen: Römische Lusorie Quintus Tricensimanus in Xanten
Die Skûtsje Goede Verwachting wurde 1913 in Leeuwarden in der niederländischen Provinz Friesland gebaut. Skûtsjen sind Binnenschiffe, die vom 18. Jahrhundert bis in die 1930er gebaut wurden und als Frachtsegler dienten. Die Abmessungen richteten sich nach den Schleusen in Friesland. Ähnliche Schiffe fuhren auch auf dem Rhein. Viele Skûtsjen wurden später mit Motoren ausgestattet oder zu Segeljachten umgebaut. Goede Verwachting diente bis nach dem Zweiten Weltkrieg als Frachtsegler, danach als Segeljacht bevor sie nach Duisburg ins Museum kam.
Weiterlesen: Friesische Skûtsje Goede Verwachting in Duisburg
Eines der fünf 1981/82 in Mainz gefundenen Wracks römischer Kriegsschiffe aus dem 4. Jahrhundert unterschied sich deutlich von den anderen vier: Wrack 3. Es war zwar ähnlich lang, aber deutlich breiter. Dieser Typ Mainz B war wahrscheinlich besser unter Segeln, aber schlechter unter Riemen. Es diente wahrscheinlich auch als Patrouillenboot für die Sicherung der römischen Grenze am Rhein. Eventuell war es mit einem Pfeilgeschütz, mit einem Scorpio, bewaffnet. Auf der Basis von Wrack 3 und einem in Rethel gefundenen Modells wurde 1994-97 ein Nachbau erstellt, der im Museum für Antike Schifffahrt des Römisch-Germanische Zentralmuseums in Mainz ausgestellt ist. Ein Nachbau eines Scorpio war früher auf dem Nachbau des Typs B aufgestellt, war aber bei unserem Besuch etwas entfernt zu sehen.
Weiterlesen: Museum für Antike Schifffahrt: römisches Mannschaftsboot Typ B
1981/82 wurden in bis zu 7,5 m Tiefe unter dem heutigen Straßenniveau beim Ausheben der Baugrube für das Hilton-Hotel fünf Wracks römischer Kriegsschiffe aus dem 4. Jahrhundert gefunden. Diese waren Teil der in Mogontiacum (heute Mainz) stationierten Flotte, die die römische Grenze am Rhein sicherten. Vier der Wracks - 1, 2, 4, und 5 - stammen von schlanken, geruderten Mannschaftsbooten, dem sogenannten Mainzer Typ A. Diese Boote waren um die 20 m lang. Basierend auf Wrack 1 und 5 wurde 1992-94 ein Nachbau eines der römischen Mannschaftsboote gebaut, der im Museum für Antike Schifffahrt des Römisch-Germanische Zentralmuseums in Mainz ausgestellt ist.
Weiterlesen: Museum für Antike Schifffahrt: römisches Mannschaftsboot Typ A
Das Schulschiff Nordwind (Y 834) wurde ursprünglich als Kriegsfischkutter 1945 begonnen. Die Kriegsfischkutter (KFK) wurden in großer Zahl gebaut und dienten als Vorpostenboote, Minenräumer und U-Bootjäger. Sie waren so ausgelegt, dass sie auch als Fischkutter verwendet werden konnten. Die Nordwind wurde nach dem Zweiten Weltkrieg 1951 als Segelschulschiff für den Bundesgrenzschutz fertig gestellt. 1956 kam sie zur Bundesmarine und diente für diese bis 2006. Seit 2007 wird sie als Traditionssegler vom Deutschen Marinemuseum betrieben.
2007 wurden beim Bau der U-Bahn unter dem Alten Markt in Köln Reste eines römischen Frachtschiffs aus dem 1. Jahrhundert entdeckt. Gefunden wurde ein Teil des Bodens eines Prahms, der auf dem Rhein eingesetzt wurde. Aufgrund der Breite wird die Länge auf 23 bis 27 Meter geschätzt.